Clark ist längst mehr als nur ein digitaler Versicherungsordner mit netter Benutzeroberfläche. Hinter der App steht ein milliardenschweres InsurTech-Unternehmen, das sich mit aggressivem Wachstum, prominenten Investoren und ambitionierten IPO-Plänen als Marktführer positionieren will.
Aber was steckt konkret hinter dem Hype? Nutzerzahlen, Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterentwicklung – dieser Abschnitt liefert einen nüchternen Blick auf die aktuellen Statistiken und zeigt, wie Clark wirklich dasteht.
Unternehmen: Was ist Clark?
Clark ist ein deutsches InsurTech-Unternehmen, das 2015 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Es bietet einen digitalen Versicherungsmanager an, der Nutzern hilft, ihre Versicherungsverträge zu verwalten, zu optimieren und zu vergleichen.
Wer sind die Gründer von Clark?
Christopher Oster und Dr. Marco Adelt sind zwei Gründer, die sich in einer der trägsten Branchen Deutschlands vorgenommen haben, komplett aufzuräumen: der Versicherungswelt. Oster kommt ursprünglich von Zalando, wo er digitale Prozesse und Kundenzentrierung von Grund auf gelernt hat.
Dr. Marco Adelt dagegen ist der analytische Kopf im Duo – promovierter Betriebswirt mit Fokus auf Finanzen, vorher bei The Boston Consulting Group (BCG). Er kennt also das klassische Versicherungsgeschäft aus der Beraterperspektive.
Anteilseigner von Clark
Seit der Gründung 2015 hat Clark sich nicht nur strategisch, sondern auch finanziell Stück für Stück hochgezogen – und das mit ordentlich Rückenwind von namhaften Investoren. Insgesamt sind 239 Millionen Euro an Risikokapital ins Unternehmen geflossen.
Die großen Namen:
- Allianz X,
- Tencent,
- Yabeo Capital,
- FinLeap,
- White Star Capital
- und Portag3.
Mit dem aktuellen Fokus auf Expansion und Profitabilität wurde für 2024 zudem eine neue Serie-D-Runde über 100 Mio. € angekündigt, mandatiert durch die Deutsche Bank. Ziel: Börsengang vorbereiten, Marktanteile sichern, Maklerportfolios schlucken
Die größten Kapitalgeber lassen sich wie folgt zusammenfassen:
| Jahr | Runde | Betrag | Lead-Investoren |
|---|---|---|---|
| 2016 | Serie A | 13,2 Mio. € | Portag3, White Star Capital |
| 2018 | Serie B | 20 Mio. € | Tencent, Yabeo Capital |
| 2021 | Serie C | 69 Mio. € | Allianz X, FinLeap |
| 2022 | Corporate | 100 Mio. € | Allianz (strategisch) |
| 2024* | Serie D | 100 Mio. €* | Deutsche Bank (mandatiert) |
*geplant für Q3 2024
Durch diese Runden hat sich Clarks Bewertung auf mittlerweile +1,1 Milliarden Euro gesteigert (Unicorn-Status), mit einer angepeilten IPO-Bewertung zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro.
Besonders stark vertreten ist die Allianz mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Allianz X – die nicht nur finanziell, sondern auch strategisch investiert ist. Tencent hält als früher Investor vermutlich ebenfalls einen relevanten Anteil. Die Deutsche Bank wird – sofern die geplante Serie D zustande kommt – auch mit einem bedeutenden Anteil einsteigen, insbesondere in Vorbereitung auf den anvisierten Börsengang 2026.
Die Kapitalstruktur von Clark ist ziemlich gut durchmischt: Neben strategischen Schwergewichten wie Allianz und Tencent sitzen auch klassische VCs sowie die Gründer selbst mit im Boot. Wer wie viel hält, wurde zwar nie komplett offen gelegt – aber auf Basis der bisherigen Runden lässt sich folgendes Bild zeichnen:
| Anteilseigner | Typ | Beteiligung (geschätzt) |
|---|---|---|
| Allianz X | Strategischer Investor | ca. 25–30 % |
| Tencent | Finanzinvestor | ca. 15–20 % |
| FinLeap | Company Builder | ca. 10–15 % |
| Yabeo Capital | Frühphasen-VC | ca. 5–10 % |
| Portag3, White Star | Frühphasen-VCs | ca. 5–10 % |
| Gründerteam | Management/Gründeranteile | ca. 10 % |
| Sonstige Investoren | Streubesitz, spätere Runden | Rest |
Die genaue Verteilung verändert sich natürlich mit jeder Finanzierungsrunde – und mit dem anstehenden Börsengang (Ziel: 2026) wird sich das Feld vermutlich nochmal neu sortieren. Die Allianz und Tencent haben als Lead-Investoren definitiv das Sagen.
Anzahl der Mitarbeiter bei Clark
Clark ist in den letzten Jahren nicht nur beim Umsatz gewachsen, sondern hat auch seine Belegschaft deutlich ausgebaut – vor allem durch technologische Skalierung, internationale Expansion und gezielte Zukäufe wie Simplesurance oder Finanzen.de.
Stand Juli 2024 beschäftigt Clark über 800 Mitarbeiter, davon rund die Hälfte in Deutschland.
| Standort | Funktion | Mitarbeiterzahl |
|---|---|---|
| Frankfurt am Main | Hauptsitz, Management, IT | 250+ |
| Berlin | Vertrieb, Technologie | 150+ |
| Saarbrücken | Kundenservice, Backoffice | 100+ |
| Bristol (UK) | Expansion UK | 80+ |
| Manchester (UK) | IT-Entwicklung | 50+ |
| Zürich | Markt Schweiz, Strategie | 60+ |
| Amsterdam | Markt Niederlande | 40+ |
| Paris | Markt Frankreich | 30+ |
| Genf | Internationale Koordination | 20+ |
- Technologie & Produkt: ca. 320 Entwickler & IT-Spezialisten (40 % der Belegschaft)
- Vertrieb & Kundenservice: ca. 180 Versicherungsexperten und 120 Service-Mitarbeitende
- Strategie & Management: ca. 50 Personen, verteilt auf mehrere Standorte
Zusätzlich arbeitet Clark mit über 12.000 Vertriebspartnern über API-Schnittstellen im B2B2C-Modell zusammen. Das Unternehmen verfolgt einen hybriden Arbeitsansatz, kombiniert Remote-Strukturen mit Büropräsenz und investiert stark in Weiterbildung, Automatisierung und Prozessintegration.
Die Personalentwicklung bleibt ein zentraler Hebel für Clarks Ziel, bis 2027 als effizientester digitaler Versicherungsmakler Europas zu gelten.
Anzahl der Kunden von Clark
Clark zählt aktuell über 700.000 aktive Nutzer allein in Deutschland. Diese Kund:innen verwalten im Schnitt 3,2 Versicherungsverträge über die App. Damit betreut Clark derzeit ein Vertragsvolumen im zweistelligen Millionenbereich – rein digital.
Auch international wächst Clark deutlich. Die Expansion in fünf europäische Märkte bringt weitere Nutzerzahlen mit sich:
| Land | Aktive Nutzer:innen | Anteil am Konzernumsatz |
|---|---|---|
| Deutschland | 700.000 | 45 % |
| Großbritannien | 180.000 | 28 % |
| Schweiz | 75.000 | 15 % |
| Frankreich | 50.000 | 8 % |
| Niederlande | 25.000 | 4 % |
Hinzu kommen rund 230.000 zusätzliche Kunden aus der Übernahme der Simplesurance Broker GmbH im Jahr 2023 – diese sind bereits in das System integriert bzw. in Migration.
In Summe liegt Clarks aktive Kundenbasis damit bei über 1,2 Millionen Nutzenden europaweit, wobei die deutliche Mehrheit (ca. 60 %) aus dem DACH-Raum stammt. Ziel ist laut interner Planung die 1-Million-Kunden-Marke in Deutschland bis spätestens 2026 zu durchbrechen.
Finanzdaten: Umsatz, Gewinn und Margen von Clark
Clark hat 2023 erstmals das geschafft, worauf viele Start-ups jahrelang hinarbeiten: schwarze Zahlen.
Nach Jahren des Aufbaus war das Geschäftsjahr 2023 das erste, in dem das Unternehmen profitabel gewirtschaftet hat. Der Umsatz lag bei 135 Millionen Euro, was einem satten Wachstum von 35 % gegenüber 2022 entspricht. Die Gewinnschwelle wurde dabei ganz offiziell überquert – mit einem Nettoergebnis von rund 1 Million Euro.
Das operative Ergebnis (EBITDA) war ebenfalls erstmals positiv, auch wenn konkrete Zahlen nicht veröffentlicht wurden.
Mit 1 Mio. € Gewinn bei 135 Mio. € Umsatz ergibt sich eine Nettomarge von etwa 0,74 %. Nicht spektakulär – aber für ein InsurTech in dieser Größenordnung absolut bemerkenswert. Die operative Effizienz wurde dabei durch zwei zentrale Maßnahmen verbessert:
- 40 % weniger Marketingausgaben, stattdessen Fokus auf organische Lead-Kanäle
- Automatisierung von 68 % der Kundenprozesse über KI, z. B. Vertragsanalysen, Angebotsvergleiche, Kündigungen
Für 2024 gibt’s klare Ziele: Verdopplung des Gewinns auf 2 Mio. € Nettoergebnis, zweistelliges Umsatzwachstum und langfristig eine EBITDA-Marge von 20 % bis 2028. Damit steuert Clark weiter direkt Richtung IPO – das Zieljahr bleibt 2026.
| Kennzahl | Wert (Stand 2023/2024) |
|---|---|
| Umsatz (2023) | 135 Mio. € |
| Umsatzwachstum (YoY) | +35 % |
| Nettoergebnis (2023) | ca. 1 Mio. € |
| Geplantes Nettoergebnis (2024) | ca. 2 Mio. € |
| Nettomarge (2023) | ~0,74 % |
| EBITDA (2023) | erstmals positiv (konkrete Zahl n/a) |
| Geplante EBITDA-Marge (2028) | 20 % |
| Marketingkostensenkung (YoY) | –40 % |
| Kundenakquisitionskosten (CAC) | 120 € (2022) → 80 € (2024) |
| Investiertes Kapital gesamt | 239 Mio. € (2015–2024, 5 Runden) |
| Letzte Bewertung (post-Serie C) | 1,1 Mrd. € |
| IPO-Zielbewertung (Ziel 2026/28) | 2,5–3 Mrd. € |
| Prognose Umsatz-Ziel (IPO-Reife) | 500 Mio. € |
Meine ehrliche Meinung zu Clark
Clark ist slick vermarktet, technisch solide und wirkt auf den ersten Blick wie die Antwort auf verstaubte Versicherungsmakler – aber unterm Strich bleibt’s ein provisionsgetriebener Vertrieb mit schickem UI.
Die KI-Versprechen klingen smarter als sie oft sind, und dass fast 90 % der Erlöse aus Abschlussprovisionen stammen, zeigt: Hier geht’s weniger um Beratung als ums Verkaufen. Wer seine Versicherungen wirklich unabhängig verwalten will, sollte sich gut überlegen, ob er die Kontrolle dafür an eine App abgibt, die vor allem von Verkaufszielen lebt.
