Wenn du dich fragst, wie es um das Finanzwissen der Deutschen wirklich steht, wirst du auf ein widersprüchliches Bild stoßen. Einerseits belegt Deutschland im internationalen Vergleich Spitzenplätze bei der Finanzkompetenz, andererseits haben viele Menschen keinen Überblick über ihre eigenen Versicherungen und scheuen den Aktienmarkt wie der Teufel das Weihwasser.
In diesem Artikel bekommst du alle aktuellen Zahlen und Statistiken zur Finanzbildung in Deutschland. Du erfährst, wie gut die Deutschen wirklich über Geld Bescheid wissen, wie Jugendliche mit ihren Finanzen umgehen, warum die Aktienquote trotz allem noch immer niedrig ist und weshalb viele Menschen zwar fünf oder mehr Versicherungen besitzen, aber nicht wissen, was sie dafür bezahlen.
Die Daten stammen aus aktuellen Studien der OECD, des Bankenverbandes, des Deutschen Aktieninstituts, der Bundesbank und weiterer Quellen.
Finanzwissen der Deutschen: Selbsteinschätzung und Realität
Das Finanzwissen der Deutschen zeigt sich als zweischneidiges Schwert. Im internationalen Vergleich schneiden die Bürger hervorragend ab, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Während manche fast alle Finanzfragen richtig beantworten können, scheitern andere bereits an grundlegenden Konzepten.
Deutschland führt das internationale Ranking an
Eine OECD-Erhebung aus den Jahren 2022 und 2023 bescheinigt deutschen Erwachsenen im Durchschnitt 76 von 100 Punkten in einem internationalen Finanzkompetenzvergleich. Das ist der Spitzenwert unter 39 untersuchten Ländern und liegt deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 60 Punkten.
Thailand folgt mit 71 Punkten auf dem zweiten Platz, Hongkong und Irland teilen sich mit jeweils 70 Punkten den dritten Rang. Am unteren Ende der Skala findet sich Italien mit nur 53 Punkten.
| Land | Finanzkompetenz-Score (von 100) |
|---|---|
| Deutschland | 76 |
| Thailand | 71 |
| Hongkong | 70 |
| Irland | 70 |
| OECD-Durchschnitt | 60 |
| Italien | 53 |
Quelle: OECD, Börsen-Zeitung
Die OECD-Studie zeigt außerdem, dass nahezu 85 Prozent der Befragten in Deutschland mindestens 5 von 7 grundlegenden Finanzfragen richtig beantworten konnten. International schafften das nur 50 Prozent. Besonders gut verstehen die Deutschen Konzepte wie Inflation und das Risiko-Rendite-Verhältnis.
Fast jeder weiß, dass steigende Inflation höhere Lebenshaltungskosten bedeutet, und die meisten erkennen, dass hohe Rendite mit hohem Risiko einhergeht. Rund drei Viertel der Deutschen verstehen sogar Zinseszins-Berechnungen, etwas mehr als noch drei Jahre zuvor.
Bildung und Einkommen beeinflussen das Finanzwissen erheblich
Trotz dieser guten Gesamtperformance offenbart eine Auswertung der Finanzaufsicht BaFin aus dem Jahr 2022 deutliche Unterschiede innerhalb der Bevölkerung.
Menschen mit Abitur oder Hochschulabschluss beantworteten im Schnitt 8,5 von 10 Finanzfragen korrekt, während Personen mit maximal Haupt- oder Realschulabschluss nur auf 7,1 richtige Antworten kamen. Auch das Einkommen spielt eine Rolle: Besserverdienende schnitten durchweg besser ab als Geringverdiener.
| Merkmal | Richtige Antworten (von 10) |
|---|---|
| Abitur/Hochschule | 8,5 |
| Haupt-/Realschulabschluss | 7,1 |
| Männer | 8,4 |
| Frauen | 7,6 |
| Senioren (60–79 Jahre) | 7,6 |
| Jüngere (Durchschnitt) | 8,2 |
| Gesamtdurchschnitt | 8,0 |
Quelle: BaFin, seniorenpolitik-aktuell.de
Die BaFin-Daten belegen auch einen deutlichen Geschlechterunterschied: Männer erreichten im Schnitt 8,4 richtige Antworten, Frauen kamen auf 7,6. Nur 21 Prozent aller Befragten konnten alle zehn vorgegebenen Fragen komplett richtig lösen, während der Durchschnitt bei acht von zehn richtigen Antworten lag.
Ältere haben Erfahrungsvorsprung, aber digitale Wissenslücken
Ein interessantes Muster zeigt sich beim Altersvergleich. Senioren im Alter von 60 bis 79 Jahren schnitten mit 7,6 richtigen Antworten schwächer ab als Jüngere mit durchschnittlich 8,2. Allerdings hatten die Älteren beim Verständnis von Risiko und Rendite einen klaren Vorsprung: 91 Prozent der Senioren verstanden diesen Zusammenhang, gegenüber nur 82 Prozent der Jüngeren.
Das weist auf Erfahrungsvorsprünge hin, die sich über ein langes Anlegerleben angesammelt haben. Gleichzeitig haben ältere Menschen bei digitalen Finanzthemen wie Online-Verträgen und Kryptowährungen erheblichen Nachholbedarf.
Die eigene Einschätzung fällt meist zu optimistisch aus
Eine IU-Umfrage aus dem Jahr 2023 zeichnet ein Bild der Selbstüberschätzung. Demnach bezeichnen 80 Prozent der Deutschen ihr eigenes Finanzwissen als gut oder sehr gut. Gleichzeitig halten 92 Prozent finanzielle Bildung grundsätzlich für wichtig. Das Problem: Nur 49 Prozent fühlen sich durch die Schule finanziell ausreichend gebildet. Mehr als die Hälfte sieht hier also erhebliche Lücken in ihrer Ausbildung.
Die IU-Erhebung dokumentiert auch, dass sich 89 Prozent der Deutschen aktiv um ihre finanzielle Bildung kümmern. Gerade jüngere Menschen holen sich Finanzwissen häufig außerhalb der Schule: Über 60 Prozent der Unter-25-Jährigen nennen die Familie als häufigste Informationsquelle, gefolgt von sozialen Medien mit 39 Prozent auf Platz zwei.
Finanzberatern vertrauen nur wenige
Beim Vertrauen in Finanztipps zeigt sich eine deutliche Zurückhaltung gegenüber professionellen Experten. Die IU-Studie kam zu dem Ergebnis, dass die meisten Deutschen auf den eigenen Rat vertrauen, nämlich über 80 Prozent, oder auf den der Familie mit 60 Prozent. Empfehlungen von Finanzberatern genießen dagegen nur bei rund 39 Prozent der Befragten Vertrauen.
Erhebliche Wissenslücken bei wichtigen Zukunftsthemen
Das Bundesfinanzministerium hat 2023 eine nationale Finanzbildungsstrategie angestoßen. Die dazugehörige Bestandsaufnahme offenbart weitere Schwachstellen im Finanzwissen der Deutschen:
- Nur knapp über die Hälfte der Erwachsenen ist zuversichtlich, was ihre Altersvorsorgeplanung angeht
- Lediglich 25 Prozent der Haushalte haben mehr als drei Monatsgehälter als Notgroschen zurückgelegt
- Über 30 Prozent wussten nicht, dass Kryptowährungen kein gesetzliches Zahlungsmittel sind
Experten kritisieren zudem, dass es zwar spezielle Finanzbildungsprogramme für Schüler oder bestimmte Zielgruppen wie vermögende Frauen gibt, für Senioren aber kaum Angebote existieren. Damit besteht die Gefahr, dass Bildungsdefizite ein Leben lang fortwirken und zur Altersarmut beitragen.
Finanzbildung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Die Generation Z beschäftigt sich heute bemerkenswert intensiv mit Geldthemen. Das zeigt sich nicht nur am gestiegenen Interesse an Aktien und ETFs, sondern auch an der hohen Selbsteinschätzung des eigenen Finanzwissens. Allerdings offenbaren die Zahlen auch, dass bei der systematischen Finanzplanung noch erhebliche Lücken bestehen und ein deutlicher Gender Gap existiert.
Drei Viertel der Jugendlichen halten Finanzwissen für wichtig
Eine repräsentative Jugendstudie des Bankenverbandes aus dem Jahr 2024 ergab, dass 75 Prozent der 14- bis 24-Jährigen es wichtig oder sehr wichtig finden, sich mit finanziellen Fragen auseinanderzusetzen. Fast 85 Prozent dieser jungen Leute sind überzeugt, ihre Finanzen gut im Griff zu haben, davon 20 Prozent sogar sehr gut. Dieses ausgeprägte Selbstvertrauen mag teils überschätzt sein, doch es spiegelt das gestiegene Interesse an finanzieller Eigenständigkeit wider.
Internet und Familie sind die wichtigsten Informationsquellen
Die Jugendstudie des Bankenverbandes dokumentiert auch, woher junge Menschen ihr Finanzwissen beziehen. An erster Stelle stehen Internetrecherchen mit 51 Prozent, gefolgt von persönlichen Gesprächen mit 37 Prozent, etwa mit Eltern oder Freunden. Die Daten der IU-Studie zeigen ergänzend, dass knapp 39 Prozent der Unter-25-Jährigen Finanz-Influencer und Social Media als Informationsquelle nutzen.
Die meisten Jugendlichen kommen finanziell zurecht
Der Bankenverband ermittelte, dass über 50 Prozent der 14- bis 24-Jährigen angeben, dass ihnen monatlich etwas Geld übrig bleibt. Weitere rund 30 Prozent kommen gerade so zurecht. Nur 12 Prozent berichten von gelegentlichen oder regelmäßigen finanziellen Engpässen.
| Finanzielle Situation | Anteil der 14- bis 24-Jährigen |
|---|---|
| Monatlich bleibt Geld übrig | über 50 % |
| Kommen gerade so zurecht | ca. 30 % |
| Gelegentliche oder regelmäßige Engpässe | 12 % |
Quelle: Bankenverband Jugendstudie 2024
Bei der systematischen Finanzplanung hapert es noch
Die Zahlen des Bankenverbandes zeigen allerdings auch Schwächen. Nur 34 Prozent der 14- bis 24-Jährigen erstellen regelmäßig einen Finanzplan oder ein Budget. Weitere 32 Prozent tun dies ab und zu, während ein gutes Drittel gar keinen Überblick über ihre Ausgaben und Einnahmen hat.
Beim Sparverhalten ergibt sich ein ähnliches Bild: 56 Prozent sparen regelmäßig und 28 Prozent gelegentlich. Aber vielen fehlt noch ein konsequentes Konzept für langfristige Sparziele wie Ausbildung, größere Anschaffungen oder Altersvorsorge.
Aktienquote bei jungen Erwachsenen hat sich mehr als verdreifacht
Eine besonders positive Entwicklung zeigt sich beim Anlageverhalten. Die Jugendstudie des Bankenverbandes belegt, dass 31 Prozent der 14- bis 24-Jährigen inzwischen in Aktien oder andere Wertpapiere investieren. Im Jahr 2018 lag dieser Anteil noch bei nur 9 Prozent.
Besonders die jungen Erwachsenen im Alter von 21 bis 24 Jahren sind mit einer Aktienquote von 43 Prozent sehr stark am Kapitalmarkt vertreten. Digitale Neobroker-Apps und der vereinfachte Zugang haben diese Entwicklung begünstigt.
Erheblicher Gender Gap bereits in jungen Jahren
Die Jugendstudie offenbart einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Mädchen und junge Frauen agieren oft zurückhaltender: Sie beschäftigen sich seltener mit Finanzplanung, sparen seltener regelmäßig und legen im Schnitt weniger Geld zurück.
| Merkmal | Junge Männer | Junge Frauen |
|---|---|---|
| Durchschnittliches Monatseinkommen | 990 € | 684 € |
| Aktien- oder Wertpapierbesitz | 43 % | 17 % |
Quelle: Bankenverband Jugendstudie 2024
Ein Grund für diese Unterschiede ist auch die ungleiche finanzielle Ausgangslage. Der Bankenverband ermittelte, dass weibliche Befragte durchschnittlich über 684 Euro im Monat verfügen, deutlich weniger als männliche mit 990 Euro. Dies spiegelt sich direkt in der Anlagebereitschaft: 43 Prozent der jungen Männer besitzen Aktien oder Wertpapiere, aber nur 17 Prozent der jungen Frauen.
Spar- und Anlageverhalten der Deutschen
Die Deutschen gelten traditionell als Sparer-Volk, und diese Einschätzung bestätigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Im internationalen Vergleich legen die Bundesbürger einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens zurück als die meisten anderen Nationen.
Allerdings zeigt sich bei der Geldanlage ein wechselhaftes Bild: Nach einem Boom-Jahr 2023 ist die Investitionsbereitschaft 2024 wieder deutlich gesunken.
Deutsche sparen deutlich mehr als andere Nationen
Die VPV dokumentiert, dass die Sparquote privater Haushalte 2022 bei 11,1 Prozent lag und 2023 bei 10,4 Prozent des verfügbaren Einkommens. Damit sparte ein durchschnittlicher Haushalt 2023 monatlich rund 280 Euro pro Person zurück.
| Land | Sparquote 2023 |
|---|---|
| Schweiz | 19,4 % |
| Niederlande | 12,7 % |
| Deutschland | 10,4 % |
| USA | 4,7 % |
| Japan | 2,8 % |
| Italien | ca. 0 % |
Quelle: VPV
Im internationalen Vergleich ist das beachtlich. In den USA betrug die Sparquote 2023 nur 4,7 Prozent, in Japan 2,8 Prozent, und in Italien praktisch null. Nur wenige Industrieländer übertreffen Deutschland: Die Schweiz kommt auf 19,4 Prozent und die Niederlande auf 12,7 Prozent.
Während der Pandemie kletterte die deutsche Sparquote zeitweise sogar auf über 16 Prozent, bevor sie in den letzten beiden Jahren wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau von rund 10 Prozent zurückfiel. Dieser Anstieg in Krisenzeiten zeigt den Vorsichtsgedanken vieler Bürger: In unsicheren Zeiten wird mehr Geld auf die hohe Kante gelegt.
Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland belief sich 2023 auf rund 7,9 Billionen Euro, wie die Bundesbank berichtet. Darin enthalten sind auch Versicherungsansprüche, Bankeinlagen, Lebensversicherungen und Bausparverträge.
2023 war ein Boom-Jahr für Geldanlagen
Eine Umfrage des Bankenverbandes zeigt einen regelrechten Anlage-Boom im Jahr 2023.
Demnach hatten 73 Prozent der Deutschen in irgendeiner Form Geld angelegt, deutlich mehr als die etwa 53 Prozent im Vorjahr 2022. Gleichzeitig stieg die Zufriedenheit mit der Wertentwicklung der eigenen Anlagen von lediglich 30 Prozent Ende 2022 auf 58 Prozent Ende 2023.
| Kennzahl | Ende 2022 | Ende 2023 |
|---|---|---|
| Anteil der Anleger | 53 % | 73 % |
| Zufriedenheit mit Wertentwicklung | 30 % | 58 % |
Quelle: Bankenverband
Verantwortlich für diese positive Entwicklung waren die gute Börsenlage 2023, steigende Zinsen auf sichere Anlagen und eine leicht sinkende Inflation, was vielen Sparern wieder reale Rendite brachte.
2024 brachte einen deutlichen Dämpfer
Die Zahlen des Bankenverbandes für 2024 zeigen allerdings einen Rückgang. Nur noch 48 Prozent der Deutschen investierten im Jahr 2024 überhaupt zusätzliches Geld. Geopolitische Unsicherheiten, Konjunktursorgen und die gedämpfte Stimmung haben viele vom Investieren abgehalten.
Die Risikobereitschaft schwankt stark
Der Bankenverband dokumentiert auffällige Schwankungen bei der Risikobereitschaft der Anleger.
Ende 2023 war die Bereitschaft, für höhere Renditen auch höhere Risiken einzugehen, auf 33 Prozent der Befragten gestiegen. Doch ein Jahr später wollte davon kaum noch jemand etwas wissen: Ende 2024 gaben nur noch 19 Prozent an, zu mehr Risiko bereit zu sein. Gleichzeitig erklärten 52 Prozent, kein höheres Risiko eingehen zu wollen, gegenüber nur 25 Prozent im Vorjahr.
| Zeitpunkt | Bereit zu höherem Risiko | Kein höheres Risiko |
|---|---|---|
| Ende 2023 | 33 % | 25 % |
| Ende 2024 | 19 % | 52 % |
Quelle: Bankenverband
Sicherheit geht vor: Die bevorzugten Anlagen für 2025
Die Erhebung des Bankenverbandes zeigt auch, welche Anlageformen für 2025 favorisiert werden. Ganz oben stehen Immobilien mit 47 Prozent Nennungen, gefolgt von Tagesgeldkonten mit 43 Prozent und Gold mit 41 Prozent. Jeweils rund 40 Prozent würden auch in Aktien oder Fonds investieren.
| Anlageform | Anteil der Befragten |
|---|---|
| Immobilien | 47 % |
| Tagesgeldkonten | 43 % |
| Gold | 41 % |
| Aktien/Fonds | ca. 40 % |
Quelle: Bankenverband
Verfügbarkeit schlägt Rendite
Eine Umfrage von Fondsprofessionell ergab, dass 36 Prozent der Anleger Wert auf schnelle Verfügbarkeit des Geldes legen, während Rendite nur für 28 Prozent oberste Priorität hat. Nachhaltige Geldanlagen spielen mit etwa 10 Prozent Priorität derzeit noch eine untergeordnete Rolle.
Tages- und Festgeld erleben eine Renaissance
Die Jahre 2023 und 2024 waren geprägt von einer Rückkehr zu klassischen Sparformen. Tagesgeld und Festgeld galten als die attraktivsten Anlageprodukte, begünstigt durch die wieder gestiegenen Zinsen. Eine Umfrage von Quirion und Comdirect zeigt, dass jeweils rund 38 Prozent das Giro- oder Tagesgeldkonto als Sparinstrument nutzen.
Der Bankenverband ermittelte, dass sich etwa 24 Prozent der Deutschen vorstellen können, in Fonds oder ETF-Sparpläne zu investieren. Aktien direkt wurden Ende 2023 von 28 Prozent als bevorzugte Anlage genannt, was ein höheres Interesse als noch vor einigen Jahren signalisiert.
Aktienquote und Beteiligung am Kapitalmarkt
Die Aktionärszahlen in Deutschland haben in den letzten Jahren Höchststände erreicht, wenngleich das Niveau im internationalen Vergleich noch immer moderat ausfällt. Der Trend zeigt jedoch klar nach oben, und besonders die unter 40-Jährigen holen spürbar auf.
12,9 Millionen Deutsche besaßen 2022 Aktien
Die Statistiken des Deutschen Aktieninstituts belegen, dass im Jahr 2022 rund 12,9 Millionen Deutsche Aktien, Aktienfonds oder ETFs besaßen. Das war der höchste Stand seit über 20 Jahren und entspricht etwa 17 bis 18 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Trotz eines leichten Rückgangs im Jahr 2023 waren immer noch 12,3 Millionen Bürger, also 17,6 Prozent, am Aktienmarkt engagiert.
| Jahr | Anzahl Aktionäre | Aktionärsquote |
|---|---|---|
| 2019 | ca. 10 Mio. | ca. 14 % |
| 2021 | über 12 Mio. | ca. 17 % |
| 2022 | 12,9 Mio. | ca. 18 % |
| 2023 | 12,3 Mio. | 17,6 % |
Quelle: Deutsches Aktieninstitut
Die Zunahme in den Jahren zuvor war eindrucksvoll. 2019 lag die Aktionärsquote noch bei etwa 14 Prozent mit knapp 10 Millionen Menschen, dann strömten besonders in den Jahren 2020 und 2021 viele neue Anleger in den Markt. Der Corona-Dip wurde als Kaufgelegenheit genutzt, und der Boom der Neobroker machte den Einstieg einfacher als je zuvor.
Im Jahr 2023 sorgten Zinswende und Inflation für einen Dämpfer mit minus 570.000 Aktionären gegenüber 2022. Dennoch blieb die Zahl das fünfte Jahr in Folge über der 12-Millionen-Marke.
Männer investieren fast doppelt so häufig wie Frauen
Die Daten des Deutschen Aktieninstituts zeigen einen deutlichen Geschlechterunterschied. 2023 lag die Aktienanlage bei 22,1 Prozent der Männer, aber nur bei 13,2 Prozent der Frauen. Von den 12,3 Millionen Aktienanlegern 2023 waren rund 7,6 Millionen männlich und 4,7 Millionen weiblich.
| Geschlecht | Aktionärsquote 2023 | Anzahl Aktionäre |
|---|---|---|
| Männer | 22,1 % | 7,6 Mio. |
| Frauen | 13,2 % | 4,7 Mio. |
Quelle: Deutsches Aktieninstitut
Die Geschlechterlücke hat sich in den letzten Jahren zwar leicht verringert (2021 lag der Frauenanteil erst bei 11,9 Prozent), ist aber noch immer erheblich.
Die höchste Aktionärsquote haben die 50- bis 59-Jährigen
Das Deutsche Aktieninstitut dokumentiert auch die Altersverteilung. Die höchste Aktionärsquote findet sich nicht bei den Jüngsten, sondern bei den 50- bis 59-Jährigen: In dieser Gruppe hatten 2023 etwa 23,3 Prozent investiert.
| Altersgruppe | Aktionärsquote 2023 |
|---|---|
| 50 bis 59 Jahre | 23,3 % |
| 40 bis 49 Jahre | 20,5 % |
| 30 bis 39 Jahre | 17,8 % |
| Über 60 Jahre | 16,2 % |
| 20 bis 29 Jahre | 15,3 % |
| 14 bis 19 Jahre | 5–6 % |
Quelle: Deutsches Aktieninstitut
Die Aktienquote steigt zunächst mit dem Alter und erreicht um die Lebensmitte ihren Höhepunkt, bevor sie jenseits des 60. Lebensjahres wieder etwas abnimmt. Allerdings stellen die über 60-Jährigen mit 3,7 Millionen Personen absolut gesehen die größte Anlegergruppe, was an der demographischen Struktur liegt.
Jüngere Anleger waren 2023 besonders zögerlich
Die Zahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen, dass gerade 2023 viele Jüngere zögerlicher wurden. Die Zahl der unter 40-jährigen Aktiensparer sank gegenüber 2022 spürbar.
Bei den 18- bis 29-Jährigen fiel die Quote von 18,4 Prozent auf 15,3 Prozent. Vermutlich haben einige angesichts attraktiver Festgeldzinsen oder Marktunsicherheiten temporär verkauft. Dagegen blieben Anleger über 40 Jahren relativ konstant investiert.
Dennoch zeigt der langfristige Trend nach oben: Unter 40-Jährige stellen inzwischen ein Drittel aller Aktionäre (3,6 Millionen, etwa 30 Prozent Anteil). Vor 10 Jahren lag ihr Anteil erst bei rund 20 Prozent.
Je höher das Einkommen, desto eher wird investiert
Das Deutsche Aktieninstitut ermittelte auch einen klaren Zusammenhang zwischen Einkommen und Aktienbesitz. Von den Haushalten mit über 4.000 Euro Monatsnetto waren 2023 rund 44 Prozent am Aktienmarkt engagiert.
In der Einkommensklasse unter 1.000 Euro hatten dagegen nur etwa 9 Prozent Aktien.
| Haushaltsnettoeinkommen | Aktionärsquote 2023 |
|---|---|
| über 4.000 € | 44 % |
| unter 1.000 € | 9 % |
Quelle: Deutsches Aktieninstitut
Diese Spreizung zeigt, dass Aktienanlage noch immer stärker von Besserverdienenden genutzt wird, sei es mangels Überschuss bei Geringverdienern oder wegen unterschiedlicher Risikoneigung und Kenntnisse.
Auch der Bildungsgrad korreliert: Akademiker investieren häufiger als Menschen mit geringerer formaler Bildung.
Ost-West- und internationale Unterschiede
Neben den Unterschieden nach Alter, Geschlecht und Einkommen zeigen sich auch regionale Besonderheiten. Das Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland bei der Aktienkultur ist auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch deutlich messbar.
Ostdeutsche investieren deutlich seltener in Aktien
Eine Studie des Leibniz-Instituts SAFE belegt, dass Ostdeutsche bei sonst gleichen Merkmalen rund 25 bis 28 Prozent seltener Aktien besitzen als Westdeutsche. In Westdeutschland ist ungefähr jeder fünfte Erwachsene Aktionär, in Ostdeutschland nur etwa jeder zehnte.
| Region | Aktionärsquote |
|---|---|
| Westdeutschland | ca. 20 % (jeder 5.) |
| Ostdeutschland | ca. 10 % (jeder 10.) |
Quelle: SAFE, eastsideheroes.de
Historisch bedingt durch fehlende Aktienmärkte in der DDR und eine verbreitete Skepsis gegenüber Kapitalismus ist diese Zurückhaltung nachvollziehbar. Besonders ausgeprägt ist sie bei Ostdeutschen, die ihre DDR-Zeit positiv in Erinnerung haben. Die SAFE-Studie zeigt, dass dieses Ost-West-Gefälle etwa 10 Prozent der Unterschiede in der Vermögensverteilung zwischen Ost und West erklärt.
Neben kulturellen Prägungen spielen natürlich auch wirtschaftliche Faktoren wie durchschnittlich niedrigere Einkommen und Vermögen im Osten eine Rolle.
Bei jüngeren Ostdeutschen, die die DDR nicht erlebt haben, zeigt sich allerdings allmählich eine Annäherung. Die Aufgeschlossensten investieren ähnlich wie ihre westdeutschen Altersgenossen.
Deutschland investiert deutlich weniger als die USA
Auch im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Aktienbeteiligung hinterher.
Eine Gallup-Erhebung zeigt, dass in den USA eine Mehrheit der Bevölkerung Aktien besitzt: 61 Prozent der US-Erwachsenen gaben an, Geld im Aktienmarkt investiert zu haben. Das ist der höchste Stand seit 2008. In Deutschland dagegen sind es nur knapp 18 Prozent.
| Land | Aktionärsquote |
|---|---|
| USA | 61 % |
| Großbritannien / Niederlande | 25–30 % |
| Deutschland | ca. 18 % |
| Österreich | ca. 15 % |
| Frankreich | 10–15 % |
Quelle: Gallup, Deutsches Aktieninstitut
Ein interessanter Gegensatz zeigt sich: Deutsche wissen viel über Finanzen und belegen Platz 1 im OECD-Vergleich, setzen dieses Wissen aber vergleichsweise vorsichtig um. In den USA besteht trotz teils schwankendem Finanzwissen eine hohe Aktienkultur, getrieben auch durch private Altersvorsorge wie 401k-Pläne.
Skandinavische Länder und die Schweiz sind ebenfalls aktienaffiner, teils durch obligatorische Pensionsfonds.
Versicherungswissen und Absicherungsverhalten der Deutschen
Deutschland gilt als Versicherungsweltmeister, und diese Einschätzung bestätigt sich in den aktuellen Zahlen. Die Bevölkerung ist sehr umfassend gegen Lebensrisiken abgesichert. Allerdings zeigt sich auch, dass viele Bürger trotz ihrer vielen Policen keinen vollständigen Überblick über ihre Verträge und Kosten haben.
Fast jeder zweite Deutsche hat fünf oder mehr Versicherungen
Wie Merkur berichtet, besitzt rund die Hälfte der Bundesbürger fünf oder mehr Versicherungspolicen, zusätzlich zu den gesetzlich obligatorischen Versicherungen wie Kranken- und Rentenversicherung.
Die Zahlen des Versicherungsboten zeigen, dass auch unter jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren bereits über 52 Prozent mindestens fünf Versicherungen abgeschlossen haben. Das lässt auf ein wachsendes Vorsorgebewusstsein auch in der Jugend schließen.
Haftpflicht, Hausrat und Kfz sind am weitesten verbreitet
Die Daten von Versicherungsbote und Merkur dokumentieren, welche Versicherungen die Deutschen am häufigsten abschließen.
| Versicherungsart | Verbreitung |
|---|---|
| Privathaftpflichtversicherung | ca. 75 % |
| Hausratversicherung | ca. 68 % |
| Kfz-Versicherung | ca. 65 % |
| Rechtsschutzversicherung | ca. 50 % |
| Lebens- oder Rentenversicherung | ca. 20 % |
| Handy- oder Geräteversicherung | ca. 4 % |
Quelle: Versicherungsbote, Merkur
Die häufigsten Policen sind also die klassischen Alltagsversicherungen: Privathaftpflicht mit etwa 75 Prozent, Hausrat mit rund 68 Prozent und Kfz mit etwa 65 Prozent. Etwa jeder Zweite besitzt zudem eine Rechtsschutzversicherung mit knapp 50 Prozent.
Lebensversicherungen waren früher sehr verbreitet, heute haben nur noch rund 20 Prozent der Befragten eine Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen. Hier spielen niedrige Überschussbeteiligungen und veränderte Produkte eine Rolle. Kaum gefragt sind Nischenprodukte wie Handy- oder Geräteversicherungen mit nur etwa 4 Prozent Abschlussquote.
Viele Deutsche wissen nicht, was sie für Versicherungen zahlen
Trotz der hohen Versicherungsdichte haben viele Bürger keinen vollständigen Überblick über ihre Verträge. Eine Umfrage von 2025 ergab, dass drei von zehn Deutschen nicht genau wussten, wie viel sie monatlich für Versicherungen zahlen.
Die meisten lassen die Beiträge per Lastschrift einziehen und verlieren über die Jahre die Summe aus dem Auge. Besonders bei mehreren Policen, die über Jahre abgeschlossen wurden und teils jährlich oder quartalsweise abgebucht werden, fällt es schwer, den Überblick zu behalten.
Die monatlichen Ausgaben variieren stark
Die Erhebungen von Versicherungsbote und Merkur zeigen eine große Bandbreite bei den monatlichen Versicherungsausgaben.
| Monatliche Ausgaben | Anteil der Befragten |
|---|---|
| 100 bis 200 € | ca. 18 % |
| 51 bis 100 € | ca. 14 % |
| über 500 € (Männer) | ca. 10,5 % |
| über 500 € (Frauen) | ca. 5,7 % |
Quelle: Versicherungsbote, Merkur
Im Schnitt geben die Deutschen zwischen 100 und 200 Euro pro Monat für freiwillige Versicherungen aus, etwa 18 Prozent der Befragten liegen in diesem Intervall. Rund 14 Prozent zahlen 51 bis 100 Euro monatlich. Einige Ausreißer investieren deutlich mehr: Knapp 10,5 Prozent der Männer und 5,7 Prozent der Frauen wenden über 500 Euro pro Monat für Versicherungsbeiträge auf.
Solche hohen Summen kommen meist durch umfangreiche Pakete zustande, etwa bei Selbständigen mit Berufs- und Haftpflicht sowie mehreren Lebens- und Zusatzversicherungen.
Selbständige zahlen am meisten für Versicherungen
Die Merkur-Daten belegen, dass Selbständige die Gruppe mit den höchsten Versicherungsaufwendungen sind. Fast ein Viertel von ihnen zahlt mehr als 400 Euro monatlich für Versicherungen.
Männer haben mehr Versicherungen als Frauen
Der Versicherungsbote dokumentiert auch einen Gender Gap bei der Absicherung. 24 Prozent der Männer besitzen über 7 Versicherungen, gegenüber nur 13,6 Prozent der Frauen.
Männer schließen häufiger zusätzliche Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen ab, während Frauen eher im Gesundheitsbereich privat vorsorgen, etwa mit Zusatzversicherungen für Zahn und Brille. Dies spiegelt unterschiedliche Prioritäten und teils traditionelle Rollenbilder wider.
Auffällig ist zudem, dass viele ältere Menschen im Rentenalter ihren Versicherungsschutz wieder reduzieren. Oft laufen Policen dann aus oder man kündigt Überflüssiges. Beispielsweise sparen sich manche Rentner die Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung, sobald die Kinder aus dem Haus und Kredite abbezahlt sind.
Fast die Hälfte weiß wenig über Altersvorsorge
Eine GDV-Studie aus dem Jahr 2023 offenbart erhebliche Wissenslücken bei komplexen Versicherungsthemen. Rund 48 Prozent der 20- bis 29-Jährigen gaben an, wenig über Altersvorsorge zu wissen. In den älteren Altersgruppen war dieser Wert ähnlich hoch.
Etwa die Hälfte der Menschen gesteht also ein, beim Thema Rente und Vorsorge nicht ausreichend informiert zu sein. Das überrascht kaum, denn die Produktwelt mit Riester, Rürup, dem Altersvorsorgedepot, betrieblicher Altersvorsorge und verschiedenen Fonds ist komplex. Hier wünscht sich die Mehrheit mehr Beratung und Information.
Junge Menschen setzen zunehmend auf digitale Kanäle
Die GDV-Erhebung zeigt auch, dass fast 80 Prozent der Unter-30-Jährigen sich vorstellen können, Versicherungen online zu verwalten. Bereits 21 Prozent nutzen Social Media wie YouTube und TikTok als Informationsquelle zur Altersvorsorge. Anbieter reagieren darauf mit Apps und Online-Services, doch die Qualität der Online-Informationen variiert stark.
Generell gilt für Versicherungen wie für andere Finanzthemen: Viele Deutsche sind zwar gut abgesichert, verstehen aber teils die Details nicht, sei es die genaue Deckung, die Kosten oder welche Policen wirklich nötig sind. Die Daten zeigen: Deutschland ist ein Land mit hoher Versicherungsdurchdringung, aber oft wenig Überblick seitens der Verbraucher.
Mehr Transparenz, Bildungsangebote und unabhängige Beratung könnten helfen, das Versicherungswissen zu heben und die finanzielle Resilienz der Bürger weiter zu stärken.
