Gruppenvertrag Deutscher Anwaltverein (DAV): Was steckt dahinter?

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 8. Januar 2026

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Inhaltsverzeichnis:

Als Anwalt hast du wahrscheinlich schon vom DAV-Gruppenvertrag gehört.

Die Versprechen klingen verlockend: Rabatte, vereinfachte Gesundheitsprüfung, spezielle Tarife für Juristen. Aber lohnt sich das wirklich? Die Antwort ist wie so oft bei der PKV nicht schwarz-weiß. Ein Gruppenvertrag kann Gold wert sein, aber er kann dich auch teuer zu stehen kommen, wenn du nicht genau hinschaust.

Warum räumen Versicherer Anwälten Sonderkonditionen ein?

Ein Gruppenvertrag, auch Rahmenvertrag genannt, ist im Grunde ein Mengenrabatt-Abkommen zwischen einem großen Berufsverband und einem Versicherungskonzern. Der Deutsche Anwaltverein bündelt die Nachfrage seiner Mitglieder und verhandelt dafür Sonderkonditionen.

Da Juristen als gute Risiken gelten, weil sie tendenziell gesund leben, auf Prävention achten und pünktlich zahlen, gewähren Versicherer ihnen Konditionen, die ein normaler Kunde von der Straße nicht bekommt.

DKV, Allianz und HDI sind die wichtigsten Partner für Anwälte

Der DAV hat exklusive Rahmenverträge mit mehreren großen Versicherern abgeschlossen.

Die bekanntesten Partner für die private Krankenversicherung sind die DKV als Marktführer bei Gruppenverträgen für Anwälte, die Allianz mit speziellen Tarifen für Juristen und Ärzte sowie HDI mit Fokus auf Berufshaftpflicht und ergänzenden Kooperationen.

Voraussetzung für den Zugang zu diesen Tarifen ist in der Regel die Mitgliedschaft in einem örtlichen Anwaltverein, der dem DAV angeschlossen ist.

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Marcus Knispel ist auf dem Bild / PKV Berater für Top-Verdiener
Marcus Knispel
PKV-Berater für Top-Verdiener

Vorteile vom DAV-Gruppenvertrag für Anwälte

Die Gruppenverträge bieten handfeste Vorteile, die du auf dem freien Markt so nicht bekommst. Allerdings musst du genau prüfen, ob diese Vorteile in deiner Situation den Unterschied machen.

Anwälte sparen 3 bis 5 Prozent auf den Monatsbeitrag

Du erhältst auf den gleichen Tarif einen Beitragsnachlass gegenüber dem Normaltarif. Typischerweise liegen diese Rabatte bei 3 bis 5 Prozent. Bei einem Beitrag von 800 Euro sparst du damit etwa 30 bis 40 Euro im Monat, also rund 400 Euro im Jahr.

Anwälte mit Vorerkrankungen profitieren von der vereinfachten Gesundheitsprüfung

Das ist oft der wichtigste Vorteil, besonders wenn du älter bist oder Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Rückenprobleme hast.

Im Normalfall prüft die PKV 5 bis 10 Jahre deiner Krankenakte bis ins kleinste Detail. Im Gruppenvertrag ist die Prüfung oft weniger streng, oder es gibt eine Öffnungsaktion mit Aufnahmegarantie bei einem maximalen Risikozuschlag von 30 Prozent, ähnlich wie bei Beamten.

Teilweise verzichten Versicherer im Gruppenvertrag sogar auf das Recht, Anträge abzulehnen, abhängig vom konkreten Rahmenvertrag und Fristen nach deiner Zulassung.

Kanzleiinhaber bekommen spezielle Bausteine für Betriebskosten und Krankentagegeld

Die Tarife berücksichtigen deinen besonderen Bedarf als Freiberufler. Beim Krankentagegeld gibt es oft Sonderregelungen, dass das Tagegeld schon früher gezahlt wird.

Besonders wichtig für dich als Kanzleiinhaber: Manche Tarife versichern auch deine Betriebskosten wie Miete und Gehälter der Rechtsanwaltsfachangestellten mit. Außerdem entfallen die sonst üblichen Wartezeiten von drei Monaten häufig komplett.

Diese drei Risiken verschweigen viele Makler beim Gruppenvertrag für Anwälte

So attraktiv die Vorteile klingen, es gibt auch erhebliche Nachteile, über die du Bescheid wissen solltest.

Anwälte zahlen trotz Rabatt drauf, wenn der Grundtarif teurer ist als beim Wettbewerb

Ein Rabatt von 3 Prozent hilft dir nicht, wenn der Grundtarif des Versicherers generell teurer ist oder stärker steigt als bei einem Wettbewerber ohne Gruppenvertrag.

Hier ein einfaches Rechenbeispiel: Tarif A auf dem freien Markt kostet 600 Euro. Tarif B über den DKV-Gruppenvertrag kostet 650 Euro minus 3 Prozent Rabatt, also 630 Euro. Trotz Rabatt zahlst du 30 Euro mehr.

Anwälte verlieren den Rabatt bei Kündigung der Vereinsmitgliedschaft

Kündigst du deine Mitgliedschaft im Anwaltverein, verlierst du den Rabatt. Der Versicherer stuft dich dann in den teureren Normaltarif um. Diese Abhängigkeit solltest du einkalkulieren.

Anwälte, die nur den Gruppenvertrag prüfen, ignorieren 95 Prozent des Marktes

Wenn du dich auf den Gruppenvertrag versteifst, blendest du den Großteil des Marktes aus. Vielleicht hat ein anderer Versicherer einen Tarif, der viel besser zu deinen Wünschen passt, etwa mit höherer Erstattung für Psychotherapie oder besseren Konditionen bei Kur und Reha.

Fallbeispiel: Was zahlt eine selbstständige Anwältin mit DKV-Gruppenvertrag?

Damit du siehst, wie das in der Praxis aussieht, hier ein konkretes Beispiel.

Anwältin Dr. Sandra König steht vor der Entscheidung GKV oder PKV

Sandra ist seit 2010 als Anwältin tätig und führt eine Einzelkanzlei. Ihr Jahreseinkommen liegt bei etwa 95.000 Euro netto. Sie ist verheiratet, hat ein Kind und ist Mitglied der lokalen Anwaltskammer. Ihr Gesundheitsprofil ist gut, sie ist leicht übergewichtig und hat einen kontrollierten Bluthochdruck.

Aktuell ist Sandra freiwillig in der GKV versichert und zahlt dort rund 1.250 Euro monatlich. Sie überlegt, in die PKV zu wechseln.

DKV-Gruppenvertrag kostet diese Anwältin 824 Euro monatlich für 2026

Die DKV bietet im Gruppenvertrag spezialisierte Tarife für Juristen. Der Vollversicherungstarif BMK/1 mit 800 Euro Zahnersatz pro Jahr kostet 786,87 Euro monatlich. Dazu kommt das Krankentagegeld TG14+ mit 115 Euro pro Tag ab dem 15. Tag für 62,10 Euro monatlich.

Sandras optimale Wahl als Anwältin wäre BMK/1 plus TG14+, denn beim Schutz sollte sie nicht sparen.

TarifbausteinLeistungMonatsbeitrag für 2026
BMK/1Vollversicherung, 800 € Zahnersatz/Jahr786,87 €
TG14+Krankentagegeld 115 €/Tag ab 15. Tag62,10 €
Summe ohne Rabatt848,97 €
Mit DAV-Rabatt (3 %)824,31 €

Der DAV-Rabatt spart Sandra 24,66 Euro pro Monat, also 295,92 Euro im Jahr.

DKV-Beiträge steigen für Anwälte deutlich schneller als bei der Konkurrenz

Der 3-Prozent-Rabatt sieht auf den ersten Blick toll aus. Aber die DKV ist für explodierende Beiträge bekannt. Die echten Zahlen aus der DKV-Kalkulation zeigen ein anderes Bild.

DKV-TarifBeitrag 2024Beitrag 2025Beitrag 20262-Jahres-Anstieg
BMK/0596,00 €712,95 €786,87 €+32 %
BMK/1ca. 720 €ca. 776 €786,87 €+9,3 %

Die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate bei DKV-Anwalts-Tarifen liegt bei 12 bis 15 Prozent pro Jahr. Das ist zwei- bis dreimal höher als bei Wettbewerbern wie Barmenia oder Hallesche mit 5 bis 8 Prozent jährlich.

Nach fünf Jahren zahlt diese Anwältin bei der DKV 400 Euro mehr als bei der Konkurrenz

Hier wird es ernst. Eine realistische Prognose für Sandra über fünf Jahre:

JahrDKV (DAV)BarmeniaHallescheGKV
2026824 €795 €820 €1.250 €
2027947 €858 €863 €1.340 €
20281.090 €927 €910 €1.433 €
20291.254 €1.001 €960 €1.533 €
20301.442 €1.081 €1.015 €1.640 €

Nach fünf Jahren zahlt Sandra bei der DKV rund 400 Euro mehr pro Monat als bei der Hallesche, obwohl beide vergleichbare Leistungen bieten. Über fünf Jahre summiert sich das auf etwa 4.800 Euro mehr für die DKV.

Krankentagegeld ab Tag 15 kann für Kanzleiinhaber existenziell sein

Es gibt einen wichtigen Grund, warum viele Anwälte trotzdem die DKV nehmen: das Krankentagegeld TG14+ ab dem 15. Tag.

Stell dir vor, Sandra wird acht Wochen arbeitsunfähig wegen eines Bandscheibenvorfalls, bei Juristen keine Seltenheit. Ihre Kanzlei-Fixkosten laufen weiter: 2.500 Euro Miete, 3.500 Euro Gehalt für Angestellte, 500 Euro für Material und IT. Das sind 6.500 Euro monatlich, die weiterlaufen, obwohl Sandra krank ist. Dazu kommen ihre privaten Ausgaben von etwa 2.000 Euro und Einnahmeausfälle von rund 8.000 Euro, weil Mandanten nicht zahlen, wenn die Anwältin ausfällt.

Die DKV TG14+ zahlt 115 Euro pro Tag ab dem 15. Tag. Bei acht Wochen sind das 56 Tage Zahlung, also 6.440 Euro. Das hilft, deckt aber längst nicht die komplette Lücke. Für den vollen Schutz bräuchte Sandra zusätzlich eine Betriebsausfallversicherung.

Zum Vergleich: Bei der Hallesche beginnt das Krankentagegeld oft erst ab dem 21. Tag. Sandra hätte sechs Tage weniger Schutz, also 690 Euro weniger Leistung. Der DKV-Vorteil ist hier durchaus relevant, aber nicht weltbewegend.

Für welche Anwälte lohnt sich der DAV-Gruppenvertrag?

Die Entscheidung hängt von deiner persönlichen Situation ab.

Anwälte mit Vorerkrankungen kommen über den Gruppenvertrag oft erst in die PKV

Der Gruppenvertrag ist Gold wert, wenn du Vorerkrankungen hast und über die Sonderkonditionen mit vereinfachter Aufnahme überhaupt erst versicherbar wirst. Auch wenn das frühe Krankentagegeld für deine Kanzlei existenziell ist, weil du ein echtes Liquiditätsrisiko bei Ausfall hast, macht der Gruppenvertrag Sinn.

Gesunde Anwälte fahren mit dem freien Markt oft langfristig günstiger

Bist du gesund und willst langfristig sparen, vergleiche den gesamten Markt. Ein freier Tarif bei einem beitragsstabilen Versicherer ist oft langfristig günstiger als der Rabatt-Tarif des Gruppenpartners. Auch wenn deine Kanzlei genug Rücklagen hat, um sechs Monate Fixkosten zu überbrücken, brauchst du den frühen Krankentagegeld-Schutz nicht unbedingt.

Smarte Anwälte starten mit DKV und wechseln bei Beitragsexplosion

Ein Trick, den viele Anwälte nutzen: Mit DKV starten für das gute Krankentagegeld und die vereinfachte Aufnahme. Nach zwei bis drei Jahren, wenn die DKV eine große Beitragsanpassung von beispielsweise 15 Prozent ankündigt, in der gleichen Versicherungsgruppe oder zu einem Konkurrenten wechseln. Bei einem solchen Wechsel werden manchmal Altersrückstellungen anteilig erstattet, abhängig vom Tarif.

Sandra könnte beispielsweise 2026 bis 2028 die höheren DKV-Beiträge zahlen und 2029 zur Hallesche wechseln. Der Spareffekt bis zum Renteneintritt liegt bei etwa 1.500 bis 2.000 Euro.

Fazit: Gruppenvertrag ist für Anwälte kein Automatismus für den besten Tarif

Der Gruppenvertrag über den DAV kann der richtige Weg sein, muss es aber nicht. Für gesunde Anwälte lohnt sich oft der Vergleich auf dem gesamten Markt, weil ein freier Tarif bei einem beitragsstabilen Versicherer langfristig günstiger ist.

Für Anwälte mit Vorerkrankungen ist der Gruppenvertrag oft die einzige Chance, überhaupt in einen guten PKV-Tarif zu kommen. Für Kanzleiinhaber macht der Gruppenvertrag gezielt für die Krankentagegeld-Versicherung Sinn, weil diese dort oft konkurrenzlos gut und günstig ist.

Lass dich nicht vom Rabatt blenden, sondern rechne langfristig. Ein Tarif, der heute 30 Euro günstiger ist, kann dich in zehn Jahren mehrere hundert Euro pro Monat mehr kosten, wenn die Beitragsentwicklung nicht stimmt.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.