Mit welcher Krankheit wird man am längsten krankgeschrieben?

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 21. März 2025

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Inhaltsverzeichnis:

Die Frage nach der Krankheit, die am längsten zu Krankschreibungen führt, lässt sich eindeutig beantworten: Psychische Erkrankungen stehen an der Spitze der langfristigen Arbeitsunfähigkeitszeiten in Deutschland. Während Atemwegsinfekte oder kleinere Verletzungen häufiger auftreten, führen sie nur zu vergleichsweise kurzen Ausfällen von durchschnittlich 5 bis 7 Tagen.

Ganz anders ist die Situation bei psychischen Erkrankungen, die durch ihre komplexe Natur und langwierigen Behandlungsprozesse deutlich längere Ausfallzeiten verursachen.

Psychische Erkrankungen als Hauptursache für lange Krankschreibungen

Depressionen, Angststörungen und Belastungsstörungen sind in Deutschland mittlerweile die Hauptursache für langfristige Krankschreibungen. Aktuelle Daten zeigen, dass psychisch erkrankte Arbeitnehmer im Jahr 2024 durchschnittlich 35 bis 50 Tage pro Fall arbeitsunfähig waren. Dieser Wert ist fast doppelt so hoch wie der bei körperlichen Erkrankungen.

Berufsgruppen mit höchsten Fehlzeiten (2023)
BerufsgruppeAU-Tage/Mitglied
Haus- und Familienpflege34 Tage
Metallumformung33,6 Tage
Papierverarbeitung33 Tage
Gesundheitswesen (Pflege)7,4 % Krankenstand

Laut einer Auswertung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) liegen psychische Diagnosen mit 35 bis 38,9 Fehltagen pro Fall weit über allen anderen Krankheitsarten. Die Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt diesen Trend mit durchschnittlich 3,75 Fehltagen pro Erwerbsperson allein durch psychische Diagnosen im Jahr 2024.

Frauen sind dabei besonders häufig betroffen: Sie fehlten durchschnittlich 50 Tage, während Männer im Schnitt 46 Tage pro Fall fehlten.

Besonders bezeichnend ist, dass Depressionen allein für etwa 21,8 % aller Fehltage verantwortlich sind – deutlich mehr als Muskel-Skelett- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Chronische Krankheitsverläufe, kombinierte Krankheitsbilder und lange Therapiezeiten machen psychische Erkrankungen zur mit Abstand bedeutendsten Ursache für Langzeitausfälle.

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Marcus Knispel
PKV-Berater für Top-Verdiener

Warum sind psychische Erkrankungen so langwierig?

Die durchschnittlich langen Krankschreibungen bei psychischen Erkrankungen lassen sich auf mehrere Faktoren zurückführen:

  • Chronifizierung und komplexe Krankheitsverläufe: Viele psychische Störungen sind nicht akut, sondern verlaufen chronisch oder treten in wiederkehrenden Episoden auf. Eine unbehandelte depressive Episode kann beispielsweise 6 bis 8 Monate andauern, bei rezidivierenden Verläufen sogar Jahre.
  • Therapieengpässe: Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind mit bis zu 6 Monaten immer noch viel zu lang. Ohne frühzeitige Intervention verschlimmern sich die Symptome, was die Genesung verzögert.
  • Stigmatisierung: Viele Betroffene zögern, sich Hilfe zu holen, aus Angst vor beruflichen Nachteilen oder sozialer Stigmatisierung. Laut der Deutschen Depressionshilfe werden rund 30 % der Depressionen erst nach mehreren Monaten diagnostiziert, was die Krankheitsdauer deutlich verlängert.
  • Unspezifische Symptome: Psychische Erkrankungen werden oft hinter körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen „versteckt“. Dies erschwert die Diagnose und verschiebt den Behandlungsbeginn.

Vergleich zu anderen Erkrankungen

Im Vergleich zu psychischen Erkrankungen haben andere Krankheitsbilder deutlich kürzere Krankschreibungen. Die folgenden Zahlen verdeutlichen den Unterschied:

DiagnosegruppeDurchschnittliche Dauer pro FallAnteil an allen Fehltagen
Psychische Erkrankungen35–38,9 Tage16,1–16,7 %
Muskel-Skelett-Erkrankungen15,2–19 Tage18,5–21,8 %
Herz-Kreislauf-Erkrankungen22 Tage3–5 %
Krebsdiagnosen28–35 Tage2–4 %
Atemwegserkrankungen6,1–6,5 Tage20,6–35,4 %

Muskel-Skelett-Erkrankungen, wie Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfälle, stehen bei der Anzahl der Fehltage insgesamt auf Platz zwei. Sie verursachen durchschnittlich 15 bis 19 Tage Ausfall pro Krankschreibung, wobei besonders körperlich belastende Berufe wie Pflege oder Baugewerbe betroffen sind.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen mit etwa 22 Tagen pro Fall ebenfalls zu signifikanten Ausfallzeiten, auch wenn sie seltener auftreten als psychische oder muskuläre Beschwerden. Besonders kritisch sind in dieser Gruppe akute Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Arbeitsbedingungen als Risikofaktor

Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind auch die Arbeitsbedingungen. Besonders belastete Branchen wie das Gesundheitswesen oder der Verkehrssektor haben besonders hohe Fehlzeiten. Arbeitnehmer im Gesundheitswesen, beispielsweise in der Pflege, weisen einen Krankenstand von bis zu 7,4 % auf – deutlich höher als in anderen Berufen wie der IT-Branche mit 3,5 %.

Schichtarbeit, hoher Leistungsdruck und emotionale Belastungen gelten als Hauptursachen für die Häufung von psychischen Erkrankungen in diesen Branchen.

Wann muss ich meine PKV über meine Arbeitsunfähigkeit (AU) informieren?

Wer privat krankenversichert ist, sollte eines ganz genau wissen: Die Meldung einer AU an die Private Krankenversicherung (PKV) unterliegt anderen Regeln als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Besonders wichtig ist dabei die individuell vereinbarte Karenzzeit. Diese legt fest, ab welchem Tag der ununterbrochenen Arbeitsunfähigkeit das Krankentagegeld überhaupt gezahlt wird.

Im Unterschied zur GKV ist es hier nicht mit der simplen Vorlage einer Krankschreibung beim Arbeitgeber getan. Denn in der PKV muss jeder, der einen Anspruch auf Krankentagegeld geltend machen möchte, nicht nur seine Arbeitsunfähigkeit nachweisen, sondern auch die Versicherung rechtzeitig informieren.

Wann du deine PKV über deine Arbeitsunfähigkeit informieren musst, hängt davon ab, was in deinem Versicherungsvertrag als Karenzzeit festgelegt ist.

Häufig variiert diese Zeitspanne zwischen 3 und 42 Tagen.

Entscheidend ist: Die Karenzzeit beschreibt den Zeitraum, in dem keine Leistung gezahlt wird – erst danach beginnt die Auszahlung des Krankentagegeldes.

Beispiel:

  • Du hast eine Karenzzeit von 14 Tagen vereinbart. Das bedeutet, dass dein Krankentagegeld ab dem 15. Tag der Arbeitsunfähigkeit gezahlt wird.
  • Solltest du vorher wieder genesen, zum Beispiel nach 10 Tagen, entfällt dein Anspruch auf Krankentagegeld komplett und die PKV muss gar nicht informiert werden.

Aber Achtung: Die PKV verlangt dennoch einen lückenlosen Nachweis der Arbeitsunfähigkeit ab dem ersten Tag. Das heißt, du brauchst eine durchgehende Bescheinigung deiner AU, auch wenn du diese zunächst nur deinem Arbeitgeber einreichst.

Wichtige Fristen und Nachweispflichten

Auch wenn die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) seit 2023 in der GKV eingeführt wurde, läuft in der PKV alles noch auf Papier. Das bedeutet:

  • Arbeitgeber: Die AU-Bescheinigung muss unverzüglich, spätestens aber nach 3 Kalendertagen vorgelegt werden.
  • Private Krankenversicherung: Hier gilt eine Meldepflicht vor Ende der vereinbarten Karenzzeit, um sicherzustellen, dass Krankentagegeld ab dem vertraglich festgelegten Zeitpunkt gezahlt wird.

Krankentagegeld: Für Selbstständige unentbehrlich

Für Arbeitnehmer ist die Absicherung über das Krankentagegeld meist nur ein wichtiges Extra.

Für Selbstständige hingegen ist es oft ein existenzielles Muss. Denn während Arbeitnehmer in der Regel 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber erhalten, gibt es für Selbstständige keinerlei gesetzliche Lohnfortzahlung.

Was heißt das konkret für Selbstständige?

Selbstständige, die auf ihr regelmäßiges Einkommen angewiesen sind, müssen besonders sorgfältig darauf achten, ihre PKV sofort über eine Arbeitsunfähigkeit zu informieren. Das gilt umso mehr, wenn sie sich für eine kurze Karenzzeit entschieden haben, was bei Selbstständigen oft der Fall ist.

AspektArbeitnehmerSelbstständige
Lohnfortzahlung6 Wochen durch ArbeitgeberKeine gesetzliche Regelung
KrankentagegeldAb Karenzzeitende (z. B. Tag 43)Ab Karenzzeitende, oft früher benötigt
NachweispflichtAU-Bescheinigung an AG und PKVAU-Bescheinigung direkt an PKV

Was passiert, wenn ich die Fristen verpasse?

Wer seine PKV nicht rechtzeitig über eine AU informiert oder die AU-Bescheinigung nicht vorlegt, kann im schlimmsten Fall auf den Krankentagegeldzahlungen sitzen bleiben. Das kann dramatische finanzielle Folgen haben, vor allem für Selbstständige.

Manche Versicherer verlangen zusätzlich:

  • Pendelatteste, wenn AU-Phasen mehrfach unterbrochen werden.
  • Nachuntersuchungen durch Vertrauensärzte, um die AU zu bestätigen.

Fazit: Mit welcher Krankheit wird man am längsten krankgeschrieben?

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Burn-out sind unangefochten die Spitzenreiter, wenn es um langfristige Krankschreibungen geht.

Mit durchschnittlich 35 bis 50 Fehltagen pro Fall übertreffen sie andere Krankheitsbilder wie Muskel-Skelett-Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Probleme bei Weitem. Besonders dramatisch ist, dass diese Zahlen Jahr für Jahr steigen – und das quer durch alle Berufsgruppen, vor allem aber in Bereichen mit hoher emotionaler Belastung wie Gesundheitswesen, Bildung und Verkehr.

Die Gründe liegen auf der Hand: Chronische Erkrankungen wie Depressionen sind komplex und erfordern mehrstufige Therapien. Doch genau hier hakt es: Therapieplätze sind rar, Wartezeiten lang, und viele Betroffene trauen sich aus Angst vor Stigmatisierung gar nicht erst, Hilfe zu suchen. Hinzu kommt, dass psychische Erkrankungen häufig erst spät diagnostiziert werden, weil sich die Symptome oft hinter körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen verstecken.

All das macht deutlich, warum eine Absicherung vor Arbeitsunfähigkeit – insbesondere bei Selbstständigen – unverzichtbar ist. Wer auf Krankentagegeld angewiesen ist, sollte sich frühzeitig mit den Bedingungen seiner privaten Krankenversicherung auseinandersetzen. Die PKV zahlt erst nach Ablauf der vertraglich festgelegten Karenzzeit. Wer hier nicht rechtzeitig informiert oder die AU-Bescheinigung zu spät einreicht, kann seinen Anspruch verlieren.

Gerade bei Erkrankungen, die längerfristige Behandlungen erfordern, ist eine klare, proaktive Kommunikation mit der PKV entscheidend. Und da psychische Erkrankungen oft nicht nur kurzfristige Ausfälle, sondern regelrechte Existenzkrisen bedeuten können, sollte niemand hier auf Lücke spielen. Eine lückenlose Absicherung und sorgfältige Prüfung der eigenen Versicherungsbedingungen sind nicht nur sinnvoll, sondern schlichtweg notwendig, um im Ernstfall nicht ohne finanziellen Schutz dazustehen.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.