Wie hoch ist der Risikozuschlag in der PKV bei Neurodermitis?

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2025

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Inhaltsverzeichnis:

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, ist eine der häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland – rund zwei Millionen Erwachsene sind jährlich betroffen.

Wenn Du selbst darunter leidest und in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln möchtest, fragst Du Dich bestimmt, was das für Deinen Versicherungsbeitrag bedeutet. Die Frage, die sich viele Betroffene stellen: Musst Du mit einem Risikozuschlag bei Neurodermits rechnen? Genau darum geht’s hier.

Wann gibt es einen Risikozuschlag bei Neurodermitis?

In der PKV gilt: Jede Vorerkrankung kann sich auf den Beitrag auswirken. Risikozuschlag bedeutet, dass Du einen Aufschlag auf den normalen Monatsbeitrag zahlen musst, weil der Versicherer bei Dir höhere Gesundheitskosten erwartet. Aber heißt Neurodermitis automatisch so einen Zuschlag?

Nicht immer. Es kommt auf Deine individuelle Situation an.

Aktive oder chronische Neurodermitis

Wenn Deine Haut regelmäßig Probleme macht, rechnen die Versicherer mit zukünftigen Behandlungskosten. Neurodermitis sieht keine Versicherung gerne, weil sie mitunter hohe Kosten verursachen kann. In so einem Fall wirst Du fast immer einen Risikozuschlag im Angebot finden oder schlimmstenfalls sogar einen Leistungsausschluss (dazu später mehr) oder eine Ablehnung erhalten.

Milde oder inaktive Neurodermitis

Bist Du seit Jahren beschwerdefrei oder hast nur noch minimale Beschwerden?

Dann stehen die Chancen besser. Einige Versicherer verzichten in solchen Fällen auf Zuschläge oder kalkulieren nur einen kleinen Aufpreis. Beispiel: Du hattest als Kind Neurodermitis, aber seit über fünf Jahren keinen Schub mehr – hier könntest Du mit etwas Glück zum Standardbeitrag versichert werden.

Nur Erkrankungen, nach denen im Gesundheitsfragebogen gefragt wird (oft die letzten 3–10 Jahre), sind relevant. Ist Deine Neurodermitis länger her und abgeschlossen, wird sie eventuell gar nicht mehr bewertet.

Spezialfall Beamte

Wenn Du Beamtenanwärter bist oder gerade verbeamtet wurdest, profitierst Du von der Öffnungsaktion. Viele PKV-Unternehmen nehmen Beamte innerhalb von 6 Monaten nach Verbeamtung auf jeden Fall auf – selbst mit Neurodermitis. Risikozuschläge sind in diesem Rahmen auf 30% begrenzt.

Das heißt, auch bei bestehender Neurodermitis bekommst Du Versicherungsschutz, maximal mit einem überschaubaren Zuschlag. In manchen Fällen bleibt es sogar darunter, gerade wenn Deine Erkrankung gut unter Kontrolle ist.

Einen Risikozuschlag gibt’s immer dann, wenn der Versicherer ein erhöhtes Krankheitsrisiko sieht. Bei aktiver Neurodermitis ist das meist der Fall – bei langer Beschwerdefreiheit oder sehr leichter Ausprägung kann er aber entfallen. Wichtig ist, dass Du alle Fragen im Antrag wahrheitsgemäß beantwortest. Verschweigst oder verharmlost Du Deine Neurodermitis, kann der Versicherer den Vertrag später kündigen oder zurücktreten, wenn es auffliegt. Dann hättest Du gar nichts gewonnen – im Gegenteil.

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Marcus Knispel ist auf dem Bild / PKV Berater für Top-Verdiener
Marcus Knispel
PKV-Berater für Top-Verdiener

Wovon hängt die Höhe des Risikozuschlags bei Neurodermitis ab?

Nicht jede Neurodermitis ist gleich. Entsprechend unterschiedlich bewerten Versicherer das Risiko – und setzen den Zuschlag mal höher, mal niedriger an.

Wovon hängt der Risikozuschlag für Neurodermitis konkret ab?

Ausdehnung und Schweregrad

Wie großflächig ist Deine Haut betroffen? Lokale, kleine Ekzeme gelten als weniger riskant als generalisierte Neurodermitis, die große Körperareale betrifft. Leichte Formen mit nur gelegentlichen Schüben werden als weniger kostenintensiv eingestuft, während schwere, häufige Schübe die Alarmglocken der PKV klingeln lassen.

Häufigkeit der Schübe (Verlauf)

Tritt Deine Neurodermitis nur selten auf – vielleicht einmal im Jahr durch bestimmten Stress oder im Winter – oder kämpfst Du ständig mit Schüben? Versicherer schauen genau hin, wie oft Du Probleme hast. Seltene, sporadische Schübe = geringeres Risiko; dauerhafte oder häufige Schübe = höheres Risiko.

Therapieverlauf und Medikamenteneinsatz

Was brauchst Du, um Deine Neurodermitis im Griff zu halten? Kommst Du mit einer einfachen Salbe aus der Apotheke aus, oder brauchst Du starke Medikamente vom Arzt? Teure Therapien (z. B. Immun­suppressiva oder Biologika wie Dupilumab) erhöhen die zu erwartenden Kosten deutlich.

Beispiel aus der Praxis: Manche Patienten spritzen sich alle zwei Wochen ein Biologikum (Dupixent) – Kostenpunkt ~650 € pro Spritze, also rund 17.000 € im Jahr. Kein Wunder, dass ein solcher Fall mit einem kräftigen Zuschlag bedacht wird.

Hingegen: Eine Neurodermitis, die seit Jahren ohne rezeptpflichtige Medikamente auskommt, wird eher milde bewertet.

Rückfälle und Behandlungsverlauf

Versicherer interessiert auch, seit wann Du Neurodermitis hast und wie der Verlauf war. Gab es in der Vergangenheit Krankenhausaufenthalte wegen Hautinfektionen?

Musstest Du Cortison über lange Zeit nehmen? Oder hattest Du vielleicht eine therapeutische Lichtbehandlung? All das fließt ein. Ein stabiler Verlauf ohne Eskalationen ist gut – häufige Rückfälle, Therapiewechsel oder Komplikationen signalisieren dagegen: hier besteht ein dauerhaftes Mehrkosten-Risiko.

Begleiterkrankungen (Asthma, Allergien)

Neurodermitis tritt oft zusammen mit anderen atopischen Erkrankungen auf. Wenn Du zusätzlich Asthma oder schwere Allergien hast, erhöht das das Gesamt­risiko deutlich. Besonders Asthma mit Neurodermitis in Kombination sehen Versicherer kritisch – Atemwegsbeteiligung bedeutet oft mehr Arztbesuche, mehr Medikamente.

Die Rechnung ist einfach: Mehrere Baustellen = höheres Gesamtrisiko. (Übrigens können sich solche Risiken sogar gegenseitig verstärken: Zwei moderate Vorerkrankungen zusammen können zu einem höheren Zuschlag führen, als jeder für sich.)

Allgemeiner Gesundheitszustand

Natürlich schaut sich die PKV Deine Gesundheit als Ganzes an. Wenn Neurodermitis Deine einzige “Baustelle” ist, wirst Du oft glimpflicher wegkommen als jemand, der zusätzlich noch z. B. Bluthochdruck und Übergewicht mitbringt. Die Summe aller Risiken zählt. Deshalb lohnt es sich, auch andere Faktoren zu verbessern – doch dazu später mehr.

Die Höhe des Risikozuschlags hängt maßgeblich davon ab, wie riskant Deine Neurodermitis für die Versicherer erscheint. Kleine Fläche, seltene Schübe, einfache Behandlung? -> eventuell kein oder nur kleiner Zuschlag. Weit verbreitet, ständige Probleme, teure Medikamente? -> höherer Zuschlag wahrscheinlich. Und je mehr zusätzliche Risiken (andere Krankheiten) dazukommen, desto weiter steigt der Aufpreis in der PKV.

Welche Risikozuschläge setzen die Versicherer aktuell bei Neurodermitis an?

Jetzt wird’s konkret: Wie hoch kann so ein Zuschlag ausfallen? Die genaue Zahl ist von Versicherer zu Versicherer verschieden, aber es gibt typische Größenordnungen. Oft wird der Risikozuschlag als Prozentsatz vom Grundbeitrag angegeben.

Neurodermitis-AusprägungTypischer PKV-ZuschlagHinweise
Keine / ausgeheilte Neurodermitis
(seit Jahren beschwerdefrei)
0 % (Normalbeitrag) oder kein Zuschlag.Oft normale Annahme, sofern vom Arzt bestätigt, dass keine Behandlung mehr nötig ist.
Milde Neurodermitis
(lokal begrenzt, seltene Schübe)
ca. 10 % Aufschlag auf den Beitrag.Zumeist geringer Zuschlag im unteren zweistelligen Prozentbereich (je nach Versicherer teils sogar 0 %).
Moderate Neurodermitis
(mehrere Stellen, regelmäßige Schübe)
ca. 20–30 % Aufschlag sind üblich.Mittleres Risiko: Viele Versicherer liegen in dieser Größenordnung, manchmal auch etwas darüber, je nach individuellem Befund.
Schwere Neurodermitis
(großflächig, häufige Schübe, intensive Therapie)
~40 % oder mehr; alternativ Leistungsausschluss möglich.Hohes Risiko: Einige Versicherer lehnen solche Fälle sogar ab oder bieten nur mit Ausschluss der Hauterkrankung an. Bei Beamten maximal 30 % Zuschlag dank Öffnungsaktion.

(Quellen: PKV-Praxiswerte und Versicherer-Ratgeber)

Wie die Tabelle zeigt, bewegen sich die meisten Risikozuschläge in der Praxis etwa zwischen 10 und 30 % des Beitrags. Ein Zuschlag von z. B. 20 % bedeutet: Ist Dein Normalbeitrag 400 €, zahlst Du mit Zuschlag 480 € pro Monat (400 € + 20 % Aufschlag = +80 €). Höhere Zuschläge (über ~50 %) sind selten, weil das kaum noch sinnvoll wäre – ab einem gewissen Mehrbeitrag tendieren Versicherer eher dazu, den Antrag abzulehnen. Für Beamte gibt es, wie gesagt, ohnehin die Deckelung bei +30 %.

Jeder Versicherer kalkuliert anders. Was bei Gesellschaft A 30 % Zuschlag verursacht, kann bei Gesellschaft B vielleicht zu nur 10 % führen – oder sogar zur Annahme ohne Zuschlag. Deshalb lohnt es sich immer, verschiedene Angebote einzuholen (dazu mehr im Abschnitt “Chancen verbessern”). Unterm Strich musst Du damit rechnen, dass Neurodermitis Deinen PKV-Beitrag etwas teurer macht, aber in vielen Fällen bleiben die Zuschläge moderat. Die großen Horrorsummen bleiben meist aus, solange Deine Neurodermitis nicht völlig außer Kontrolle ist.

VersichererRisikozuschlag bei NeurodermitisBesondere Bedingungen
Debeka30%Bei Kombination mit Allergien
Barmenia20%Inklusive Ausschluss Kinderwunschbehandlung
Verschiedene Anbieter10-30%Je nach Schweregrad und Begleiterkrankungen
Beamten-Tarife10-20%Oft moderate Zuschläge bei stabiler Neurodermitis

Fallbeispiele aus der Praxis

Schauen wir uns zur Veranschaulichung ein paar typische Fälle an. Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Neurodermitis in der PKV bewertet werden kann – und welche Zuschläge (oder auch keine) in der Praxis herauskommen:

Fall 1: Junge Frau, lokale Neurodermitis

Anna, 28, hat seit der Teenagerzeit gelegentlich Ekzeme an den Händen. Lokal begrenzt, Schübe 1–2× im Jahr, Behandlung meist nur mit fetthaltiger Creme, keine anderen Erkrankungen. Sie stellt über einen Versicherungsmakler eine anonyme Voranfrage bei mehreren PKVs.

Ergebnis: Zwei Versicherer bieten Normalannahme ohne Zuschlag an, einer will einen Zuschlag von 10 %. Anna entscheidet sich für einen Tarif ohne Aufpreis. Begründung: Ihre Neurodermitis gilt als mild und gut kontrolliert, das Risiko für den Versicherer also gering. Sie musste nur eine Bestätigung ihrer Hautärztin einreichen, dass keine schweren Schübe vorliegen – und zahlt nun keinen Cent extra.

Fall 2: Beamtenanwärter, rückfallfreie Phase

Bernd, 25, angehender Beamter (Referendar), litt als Kind unter mittelschwerer Neurodermitis. Die letzten 4 Jahre war er komplett beschwerdefrei – keine Arztbesuche, keine Medikamente. Da er verbeamtet wird, nutzt er die Öffnungsaktion: Sein Versicherer muss ihn aufnehmen, Risikozuschlag höchstens 30 %.

Nach Prüfung der Unterlagen kommt tatsächlich ein Angebot – und zwar mit nur 10 % Zuschlag, befristet auf 3 Jahre. Warum so moderat? Der Versicherer sieht, dass Bernds Neurodermitis offenbar inaktiv ist. Zur Sicherheit verlangt er einen kleinen Aufpreis, falls doch etwas auftritt, aber dank der langen Schubfreiheit bleibt es bei 10 %.

Bernd kann damit gut leben: Sein Beihilfe-Tarif kostet z. B. 200 € monatlich, mit Zuschlag zahlt er 220 €. Läuft alles weiterhin glatt, kann er nach ein paar Jahren beantragen, den Zuschlag wieder zu entfernen (siehe § 41 VVG).

Fall 3: Selbstständiger, mittelschwere Neurodermitis

Cem, 35, IT-Freiberufler, hat ganzjährige leichte Neurodermitis mit moderaten Schüben alle paar Monate. Betroffen sind Arme, Nacken und gelegentlich das Gesicht. Er braucht regelmäßig vom Hautarzt verschriebene Salben, hat aber keine Krankenhausaufenthalte oder andere Erkrankungen.

Zwei Versicherer lehnen ihn ab (zu viele Schübe), aber ein dritter macht ihm ein Angebot: Risikozuschlag 25 % auf den Volltarif. Zusätzlich bietet man Cem alternativ an: entweder den 25 %-Zuschlag zahlen und voller Haut-Leistungsschutz, oder ohne Zuschlag, aber mit Leistungsausschluss für Neurodermitis und Folgeschäden.

Cem überlegt: Ein Viertel Mehrbeitrag ist spürbar, aber er entscheidet sich gegen den Leistungsausschluss. Warum? Weil ein Ausschluss bedeutet, dass sämtliche Kosten rund um die Neurodermitis nicht erstattet würden. Da er regelmäßig Arztbesuche und Rezepte hat, wäre das finanzielle Risiko höher, als der Zuschlag kostet. Also zahlt Cem lieber 25 % mehr und ist dafür abgesichert.

Fall 4: Angestellte, schwere Neurodermitis

Daniela, thirty, Angestellte, leidet unter schwerer, generalisierter Neurodermitis. Fast ihr ganzer Körper ist betroffen, sie benötigt dauerhafte immunmodulierende Therapien.

Mehrmals musste sie wegen Infektionen stationär behandelt werden. Mehrere PKV-Unternehmen winken direkt ab – Antragsablehnung. Schließlich findet sich ein großer Versicherer, der sie nimmt, aber nur mit starken Bedingungen: 50 % Risikozuschlag und ein Leistungsausschluss für stationäre Behandlungen wegen Hautinfektionen. Effektiv zahlt Daniela damit doppelt so viel Beitrag und bestimmte Kosten sind trotzdem nicht versichert. Das ist natürlich ein Extremfall.

Danielas Berater rät ihr sogar zu prüfen, ob sie nicht besser in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben sollte, da die PKV in ihrem Fall sehr teuer wird. Dieses Beispiel zeigt: Bei sehr schweren Verläufen stoßen auch PKVs an Grenzen – die Konditionen werden dann unattraktiv oder es bleibt nur der teure Basistarif als Auffanglösung.

Diese Beispiele sollen Dir ein Gefühl dafür geben, wie unterschiedlich die Praxis aussehen kann. Die meisten Neurodermitis-Fälle bewegen sich eher Richtung Fall 1–3 – Zuschläge im Rahmen, die man verkraften kann, vor allem wenn die Krankheit gut kontrolliert ist. Fall 4 ist selten, aber wichtig: Er macht deutlich, dass es eine Grenze gibt, wo man genau abwägen muss, ob die PKV noch die beste Wahl ist.

So kannst du Deine Chancen auf einen PKV-Eintritt verbessern

Die gute Nachricht: Du bist nicht passiv ausgeliefert. Es gibt einiges, was Du selbst tun kannst, um als Neurodermitis-Patient bessere Karten bei der PKV zu haben. Hier praktische Tipps aus der meiner täglichen Beratung, wie Du Deine Chancen auf Annahme ohne hohen Zuschlag erhöhst:

Sammle aktuelle Atteste und Befunde

Besorge Dir von Deinem Hautarzt einen ausführlichen Bericht über Deinen Gesundheitszustand. Darin sollte stehen, wie der aktuelle Hautbefund ist, welche Behandlungen erfolgen und wie der Verlauf war. Ein Schreiben, das Deine Neurodermitis als stabil und gut kontrolliert beschreibt, senkt das vom Versicherer angenommene Risiko. Idealerweise bestätigt der Arzt, wenn Du seit längerer Zeit keinen schlimmen Schub mehr hattest oder nur milde Symptome vorliegen.

Dokumentiere den Krankheitsverlauf

Führe Protokoll darüber, wie oft Schübe auftreten, wie intensiv sie sind und womit Du sie behandelst. Wenn Du schwarz auf weiß vorlegen kannst, dass Du beispielsweise in den letzten zwei Jahren nur zweimal einen kurzen Schub hattest, untermauert das Deinen “guten Verlauf”. Alles, was zeigt „so schlimm ist es gar nicht“ wirkt positiv bei der Risikoprüfung.

Therapie- und Medikationsplan

Lege dem Antrag eine Übersicht bei, welche Medikamente Du aktuell verwendest (z. B. “Cortisoncreme bei Bedarf, Antihistaminikum gelegentlich”) und dass Du damit gut zurechtkommst. Wenn erkennbar ist, dass Deine Neurodermitis mit einfachen Mitteln beherrschbar ist, bewerten die Versicherer das Risiko geringer. Wichtig: Falls Du derzeit gar keine Medikamente brauchst, weil keine akuten Symptome – erwähne auch das ausdrücklich!

Zeitpunkt strategisch wählen

Idealerweise stellst Du den Antrag in einer stabilen Phase. Befindest Du Dich gerade in einem schweren Schub, warte lieber, bis sich Deine Haut beruhigt hat. Bewerbe Dich als PKV-Kunde im bestmöglichen Gesundheitszustand. Eine Bescheinigung “derzeit erscheinungsfrei” (also momentan symptomfrei) vom Dermatologen kann Gold wert sein.

Gesundheitszustand allgemein optimieren

Klingt banal, aber kümmere Dich um vermeidbare Risiken. Zum Beispiel: Übergewicht oder Bluthochdruck erhöhen den Beitrag – wenn Du hier Verbesserungen erzielst (Gewicht reduzieren, Fitness steigern), kann das gesamtgesundheitliche Bild besser werden. Auch wenn es mit Neurodermitis erstmal nichts zu tun hat, insgesamt fit und gesund zu wirken, hilft Deinem Antrag.

Anonyme Risikovoranfrage nutzen

Bevor Du offiziell einen Antrag stellst, lass am besten über einen erfahrenen Versicherungsmakler eine anonyme Risikovoranfrage machen. Dabei werden Deine Gesundheitsdaten (ohne Deinen Namen) bei mehreren Versicherern vorgefühlt. Du bekommst dann unverbindlich Rückmeldungen, ob z. B. “Zuschlag 20 %” oder “Ablehnung” zu erwarten ist – ohne dass etwas in Deiner Akte landet.

So kannst Du gezielt den Versicherer auswählen, der am kulantesten mit Deiner Neurodermitis umgeht. Das erhöht die Chance auf einen Vertrag mit minimalem Zuschlag und verhindert, dass Du durch eine Ablehnung bei einem anderen Versicherer vorbelastet bist.

Expertenrat einholen

Suche Dir einen PKV-Berater oder Makler, der sich mit medizinischen Risikoprüfungen auskennt.

Jemand, der schon viele Fälle von Neurodermitis begleitet hat, weiß, welcher Versicherer aktuell eher großzügig ist und wie man Deine Angaben optimal formuliert. Diese Beratung zahlt sich aus – oft werden dadurch Angebote möglich, die man alleine kaum bekommen würde. (Viele Experten bieten die anonyme Voranfrage als Teil ihres Services an.)

Sei proaktiv! Je besser vorbereitet Du in die Gesundheitsprüfung gehst, desto größer die Chance auf einen guten Ausgang. Zeige dem Versicherer: “Meine Neurodermitis hab’ ich im Griff und das Risiko ist überschaubar.” Dann stehen die Chancen gut, dass Du ohne übertriebene Zuschläge in die PKV kommst.

Rechtlicher Rahmen: Anzeigepflicht (§ 19 VVG) und Recht auf Herabsetzung (§ 41 VVG)

Bei aller Strategie darfst Du eines nie vergessen: Ehrlichkeit währt am längsten. Die sogenannte Anzeigepflicht nach § 19 VVG verpflichtet Dich, im Versicherungsantrag alle gefragten Vorerkrankungen wahrheitsgemäß anzugeben. Das heißt: Deine Neurodermitis muss auf den Tisch, sofern der Fragebogen danach verlangt (was er in der Regel tut, z. B. als “chronische Hautkrankheiten in den letzten X Jahren”).

Mach keine falschen Angaben, auch nicht aus Versehen. Die Folgen wären gravierend: Der Versicherer könnte selbst Jahre später noch vom Vertrag zurücktreten oder ihn kündigen, wenn herauskommt, dass Du beim Antrag geschummelt hast. Zudem kann er einen fehlenden Hinweis auf eine Krankheit nachträglich mit einem Risikozuschlag belegen – rückwirkend.

Kurzum: Beim Antrag alles angeben, wonach gefragt wird, und nichts “vergessen”. Wenn Du unsicher bist, frag Deinen Berater, aber vertusche nichts.

Doch es gibt auch gute Nachrichten aus dem Gesetzbuch: § 41 VVG, oft übersehen, ist Dein Freund, sobald Du in der PKV bist. Diese Regelung besagt (sinngemäß): Wenn der Grund für einen Risikozuschlag wegfällt oder bedeutungslos wird, kannst Du eine Herabsetzung der Prämie verlangen. Für Dich heißt das: Sollte Deine Neurodermitis sich deutlich bessern oder gar heilen, hast Du das Recht, Deinen Versicherer um Streichung oder Senkung des Zuschlags zu bitten.

Du musst aktiv werden. Die Versicherung reduziert nicht automatisch. Du stellst einen formlosen Antrag auf Überprüfung Deines Zuschlags nach § 41 VVG und legst Belege bei (z. B. aktuelles Attest vom Hautarzt, dass Du seit X Jahren erscheinungsfrei bist).

Ein Beispiel: Du zahlst seit Vertragsbeginn 20 % Zuschlag wegen Neurodermitis. Inzwischen sind fünf Jahre vergangen, Du hattest in den letzten drei Jahren keinen Schub mehr und brauchst keine Medikamente mehr. Jetzt kannst Du Deinen Versicherer anschreiben, die Situation schildern und um Prämienherabsetzung gemäß § 41 VVG bitten. Mit etwas Glück – und stichhaltigen ärztlichen Nachweisen – kommt der Versicherer dem nach und entfernt den Zuschlag ab dem nächsten Monat. Eine Garantie gibt es zwar nicht, die Entscheidung liegt beim Versicherer. Aber viele Versicherer sind kooperativ, wenn die medizinischen Fakten klar zeigen, dass das frühere Risiko nicht mehr besteht.

Rückwirkend bekommst Du nichts zurückerstattet. Die Beiträge der vergangenen Jahre bleiben gezahlt. Aber für die Zukunft kannst Du sparen. Und noch ein Tipp: Wenn Du so eine Überprüfung anstößt, mach es schriftlich und verweise ruhig ausdrücklich auf § 41 VVG – dann sieht der Sachbearbeiter gleich, dass Du Deine Rechte kennst.

Tipps zur Antragstellung mit Neurodermitis (Formulierung, Ausschlüsse vs. Zuschläge)

Der Moment der Wahrheit: Die Antragstellung. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Mit diesen Tipps machst Du bei der PKV-Bewerbung mit Neurodermitis alles richtig:

Gesundheitsfragen sorgfältig beantworten

Nimm Dir Zeit, den Fragebogen der Versicherung gründlich auszufüllen. Bei Neurodermitis wird meist nach Hauterkrankungen in den letzten x Jahren gefragt – antworte genau darauf. Wahrheitsgemäß, aber ohne Dramatisierung.

Beispiel: Statt “Ich habe schreckliche Neurodermitis seit Ewigkeiten” schreibe sachlich: “Atopische Dermatitis seit Kindesalter, aktuelle Behandlung: z. Z. nur Pflegecreme, letzte akute Behandlung vor 2 Jahren.” So sieht der Versicherer, was Sache ist, aber Du malst es nicht unnötig schwarz.

Falls ein Feld für Erläuterungen da ist, nutze es, um den positiven Verlauf zu betonen (“seit X Jahren stabil, keine schweren Schübe mehr”, etc.).

Unterlagen beifügen

Wie oben erwähnt – pack am besten gleich Arztberichte, Befunde und Fotos (falls gefordert) dazu. Je mehr objektive Infos der Versicherer hat, desto weniger Spielraum für übertriebene Sicherheitszuschläge. Wenn z. B. Dein Hautarzt bestätigt, dass Deine Neurodermitis nur noch leicht ausgeprägt ist, kann das einen hohen Zuschlag verhindern.

Ausschluss oder Zuschlag abwägen

Es kann passieren, dass der Versicherer Dir einen Leistungsausschluss für Neurodermitis vorschlägt anstelle eines Zuschlags. D. h. sie würden Dich versichern, aber alles, was mit Neurodermitis und Folgeerkrankungen zu tun hat, vom Versicherungsschutz ausschließen.

Überlege hier gut: Ein Ausschluss klingt verlockend, weil Du dann keinen höheren Beitrag zahlst – aber Du bleibst auf allen Kosten Deiner Hauterkrankung sitzen. Bei einer unkritischen Neurodermitis, die Dir kaum Kosten verursacht, kann das okay sein. Doch bedenke: Sollte die Krankheit später schlimmer werden oder teure Behandlungen nötig machen, zahlst Du alles selbst. Die meisten Experten raten daher, einen vertretbaren Risikozuschlag dem Leistungsausschluss vorzuziehen.

Nur wenn der Zuschlag astronomisch wäre (was selten vorkommt) und Deine Neurodermitis wirklich seit Ewigkeiten ruhig ist, könnte ein Ausschluss eine Option sein. Aber das solltest Du nur mit Beratung entscheiden.

Nachverhandeln und Alternativen suchen

Du bist mit dem vorgeschlagenen Zuschlag nicht glücklich? Sprich mit Deinem Versicherungsberater, ob man da noch etwas machen kann. Manche Versicherer lassen in Einzelfällen mit sich reden, etwa wenn Du neuere Befunde nachreichst. Oft ist es jedoch effektiver, einfach einen anderen Anbieter auszuwählen, der kulanter ist. Dank der anonymen Voranfrage weißt Du ja, wer ggf. bessere Konditionen bietet. Du bist nicht verpflichtet, das erste Angebot anzunehmen.

Keine Panik bei Ablehnung

Falls ein Versicherer Deinen Antrag ablehnt – nicht verzagen.

Unterschiedliche Unternehmen bewerten Risiken unterschiedlich. Eine Ablehnung bei Gesellschaft A bedeutet nicht, dass Du gar keine PKV bekommst. Geh systematisch vor: Lieber zuerst anonyme Voranfragen (so vermeidest Du Ablehnungs-Einträge), aber wenn doch eine offizielle Absage kommt, dann versuche es geordnet bei einer anderen Versicherung. Und im Hinterkopf: Im Worst Case gibt es immer noch den Basistarif, in den Du rein kannst. Den braucht kaum jemand, aber zur Beruhigung – komplett ohne Versicherung bleibst Du nicht.

Noch ein Gedanke zum Schluss: Die Antragstellung mit Neurodermitis ist kein Hexenwerk, aber man muss es richtig angehen. Viele haben es schon geschafft, trotz Neurodermitis sehr gute PKV-Konditionen zu bekommen – mit Ehrlichkeit, guter Vorbereitung und der richtigen Strategie. Mit den obigen Tipps bist Du bestens gewappnet, Deinen Antrag erfolgreich durchzubringen.

Vergleich: Risikozuschläge für Neurodermitis nach Verlaufsform

Abschließend fassen wir die Thematik noch einmal in einer Übersicht zusammen.

Diese Vergleichstabelle zeigt typische Risikoeinstufungen und Zuschlags-Strategien der Versicherer je nach Verlaufsform der Neurodermitis:

Verlaufsform der NeurodermitisPKV-Risikoeinstufung (typisch)Mögliche Konsequenz im Antrag
Lokal begrenzte, milde Neurodermitis
– z. B. kleine Areale (Hände), seltene leichte Schübe
Geringes Risiko aus Sicht vieler Versicherer. Oft Normalannahme oder niedriger Zuschlag (um 0–10 %).Antrag wird meist problemlos angenommen. Ein Attest über die geringe Ausprägung kann helfen, eventuell ganz ohne Zuschlag durchszukommen.
Moderate Neurodermitis
– z. B. mehrere betroffene Stellen, gelegentliche mittelschwere Schübe
Mittleres Risiko. Meist Risikozuschlag von rund 10–30 %. In Einzelfällen auch leicht darüber, abhängig vom Versicherer.PKV-Angebot kommt in der Regel mit einem Zuschlag. Ein Vergleich verschiedener Versicherer lohnt hier besonders – die Spannen reichen von moderat bis höher. Ggf. kann man durch gute Dokumentation einen niedrigeren Satz erzielen.
Generalisierte, schwere Neurodermitis
– z. B. großflächig am Körper, häufige starke Schübe, Dauermedikation notwendig
Hohes Risiko. Hohe Zuschläge möglich (häufig 30–50 %). Einige Versicherer wählen stattdessen einen Leistungsausschluss oder lehnen ganz ab.PKV-Aufnahme wird schwierig. Oft nur mit beträchtlichem Zuschlag und/oder Teil-Ausschlüssen. Bei Beamten greift die Öffnungsaktion, max. 30 % Zuschlag. Sonst ggf. Basistarif als letzter Ausweg. Eine unabhängige Beratung ist hier essentiell, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen.

Diese Tabelle verdeutlicht: Die Spannweite reicht von “kein Thema” bis “ernsthaftes Hindernis”, je nachdem, wie Deine Neurodermitis ausgeprägt ist. Die meisten liegen im mittleren Bereich – d.h. ein gewisser Zuschlag ist wahrscheinlich, aber in einem vertretbaren Rahmen.

Wichtig ist, dass Du Dich gut vorbereitest und vergleichst, damit Du am Ende das beste Angebot bekommst.

Fazit

Eine Neurodermitis muss kein K.-o.-Kriterium für die private Krankenversicherung sein. Viele Betroffene schaffen den Wechsel in die PKV mit moderaten Zuschlägen oder sogar ohne Aufpreis.

Entscheidend sind eine ausgiebige Vorbereitung, offene Kommunikation Deiner Gesundheit und die Bereitschaft, verschiedene Versicherer zu prüfen. Halte Dich an die Anzeigepflicht, nutze Deine Rechte bei Besserung und lass Dich im Zweifel beraten – dann steht einer PKV trotz Neurodermitis nichts im Weg.

Du wirst sehen: Mit dem richtigen Tarif und etwas Verhandlungsgeschick kannst Du Dir als Privatpatient optimal versichern, ohne Dich finanziell zu übernehmen.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.