Welche sind die teuersten Krankheiten für das Gesundheitssystem?

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2026

Jetzt kostenlos zur PKV
beraten lassen.

*als Arbeitnehmer nur über 84.150€ Bruttogehalt (p.a.)

Inhaltsverzeichnis:

Knapp 500 Milliarden Euro. So hoch sind die jährlichen Kosten für Krankheiten in Deutschland. Runtergebrochen zahlst du dafür im Schnitt rund 5.900 Euro pro Jahr, ob du gerade krank bist oder topfit. Denn unser Gesundheitssystem finanzieren wir alle gemeinsam.

Spannend wird es, wenn man genauer hinschaut: Welche Krankheiten reißen die größten Löcher in die Kassen? Warum steigen die Ausgaben so stark? Und wer trägt am Ende die Rechnung?

Es geht nicht nur um Behandlungen, sondern auch um Folgekosten wie Arbeitsausfälle oder Frühverrentungen. Dahinter stecken nicht nur Zahlen, sondern echte Schicksale und die Frage, was wir künftig für unsere Gesundheit bezahlen müssen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die direkten Krankheitskosten in Deutschland lagen 2023 bei 491,6 Milliarden Euro, das sind 45 Prozent mehr als 2015 und entspricht rund 5.900 Euro pro Kopf
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen kosten 64,6 Milliarden Euro pro Jahr, gefolgt von psychischen Erkrankungen mit 63,3 Milliarden Euro
  • Indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle belaufen sich auf 221 Milliarden Euro pro Jahr, weil 886 Millionen Fehltage anfallen
  • Menschen über 65 Jahre verursachen 53 Prozent aller Krankheitskosten, obwohl sie nur 19 Prozent der Bevölkerung ausmachen

Direkte Krankheitskosten: Fast 500 Milliarden Euro pro Jahr

Wenn du zum Arzt gehst, im Krankenhaus liegst oder Medikamente brauchst, fallen direkte Krankheitskosten an. Dazu gehören Ausgaben für Behandlung, Pflege, Rehabilitation und Medikamente, die unmittelbar durch eine Krankheit entstehen.

Rechnet man das für ganz Deutschland zusammen, ergibt sich laut Statistischem Bundesamt für 2023 eine Summe von 491,6 Milliarden Euro.

Das ist ein neuer Höchstwert: 2015 waren es 337 Milliarden Euro, im Jahr 2020 bereits 430 Milliarden Euro. Innerhalb von acht Jahren sind die direkten Krankheitskosten also um gut 45 Prozent gestiegen.

Das Wachstum liegt deutlich über dem der Wirtschaft.

JahrDirekte Krankheitskosten (Mrd. €)Veränderung zu 2015
2015337–
2020430+ 28 %
2023491,6+ 45 %

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Warum steigen die Kosten so massiv?

Die Bevölkerung wird älter und ältere Menschen benötigen mehr medizinische Versorgung. Auch die Behandlungskosten pro Fall steigen: Neue Therapien, hochpreisige Medikamente, steigende Gehälter im Gesundheitswesen und allgemeine Preissteigerungen wirken zusammen.

Die COVID-19-Pandemie hat die Entwicklung zusätzlich beschleunigt. In den Jahren 2020 und 2021 mussten erhebliche Zusatzkosten finanziert werden, von der Bereitstellung zusätzlicher Intensivbetten bis zu Impfkampagnen. Teile dieser Ausgaben wurden aus staatlichen Mitteln gedeckt, ab 2023 sind diese Sonderbudgets jedoch weitgehend ausgelaufen.

In der Statistik erscheinen nun erstmals bestimmte pandemiebedingte Kosten, zum Beispiel für Impfstoffbeschaffung, Tests oder Ausgleichszahlungen an Krankenhäuser. Die direkten Behandlungskosten von Patienten mit COVID-19 sind hingegen schwer zu beziffern und nur teilweise enthalten.

Du willst in die PKV?
Dann mach's richtig.
Marcus Knispel ist auf dem Bild / PKV Berater für Top-Verdiener
Marcus Knispel
PKV-Berater für Top-Verdiener

Welche Krankheiten belasten unser Gesundheitssystem am meisten?

Die Auswertung der Krankheitskosten nach ICD-10 zeigt, welche Erkrankungen das Budget am stärksten belasten. Die Statistik unterscheidet 21 große Krankheitskapitel. Fünf davon verursachen mehr als die Hälfte aller direkten Krankheitskosten in Deutschland.

RangKrankheitsartKosten 2023 (Mrd. €)Anteil an Gesamtkosten
1Herz-Kreislauf-Erkrankungen64,613,1 %
2Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen63,312,9 %
3Krankheiten des Verdauungssystems50,610,3 %
4Muskel-Skelett-Erkrankungen49,910,1 %
5Neubildungen (Krebserkrankungen)47,69,7 %

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Auf diese fünf Gruppen entfielen 2023 rund 56 Prozent der gesamten Krankheitskosten. Dieser Anteil ist seit Jahren erstaunlich stabil: 2015 lag er bei etwa 55,7 Prozent, 2020 bei 54,7 Prozent. Zwar wechseln einzelne Krankheitsarten gelegentlich die Plätze, die größten Kostenverursacher bleiben jedoch gleich.

Herz-Kreislauf: Volkskrankheit Nummer eins

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind seit Jahren die kostenintensivste Krankheitsgruppe. Sie umfassen unter anderem koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck und Schlaganfälle. Diese Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland und verursachen hohe Ausgaben für Behandlung und Nachsorge.

Psychische Erkrankungen holen auf

Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen liegen mit geringem Abstand auf Platz zwei. In dieser Gruppe sind Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen und Demenzen erfasst. Die Bedeutung dieser Erkrankungen nimmt seit Jahren zu, was sich auch im Kostenanstieg widerspiegelt.

Verdauungssystem, Rücken, Krebs

Krankheiten des Verdauungssystems belegen den dritten Rang. Hierzu zählen Lebererkrankungen, Magen-Darm-Leiden sowie Zahnerkrankungen. Zahnkaries verursacht dabei einen besonders großen Teil der Ausgaben.

Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Arthrose oder Rheuma stehen an vierter Stelle. Allein Rückenschmerzen kosten jedes Jahr mehrere Milliarden Euro.

Neubildungen, vor allem Krebserkrankungen, rangieren auf Platz fünf. Trotz hoher Kosten für Therapien und Nachsorge liegen sie in der Kostenstatistik hinter den anderen vier Krankheitsgruppen.

Auch andere Krankheitsgruppen schlagen jedes Jahr kräftig zu Buche, etwa Erkrankungen der Atmungsorgane wie Asthma, COPD oder chronische Bronchitis. Besonders teuer sind hier schwere Atemwegsinfektionen und Folgeschäden des Rauchens. Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes haben ebenfalls einen relevanten Anteil an den Gesamtkosten.

Verletzungen durch Unfälle oder Vergiftungen fallen zusätzlich ins Gewicht, vor allem weil sie oft intensive medizinische Betreuung erfordern. Trotzdem bleiben sie in der Gesamtsumme unter den fünf größten Kostenblöcken.

Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie inzwischen auf Platz zwei der Kostenskala stehen. Vor 15 bis 20 Jahren hätte kaum jemand damit gerechnet. Damals wurde dieser Bereich häufig unterschätzt. Heute ist klar, dass psychische Leiden weit verbreitet sind und sowohl direkt als auch indirekt sehr teuer werden können.

Die direkten Ausgaben für psychische Erkrankungen lagen in Deutschland in den 2010er-Jahren laut Schätzungen bei rund 44 Milliarden Euro pro Jahr. 2023 waren es bereits rund 63 Milliarden Euro, damit fast gleichauf mit den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zum Vergleich: 2008 betrugen die Kosten nur gut 30 Milliarden Euro.

Mehrere Faktoren treiben die Kosten

Mehrere Entwicklungen erklären diesen Anstieg:

  • Immer mehr Menschen suchen Hilfe, Ärzte erkennen psychische Leiden häufiger
  • Behandlungsmöglichkeiten haben sich verbessert, was medizinisch positiv ist, aber höhere Ausgaben verursacht
  • Stigmatisierung nimmt ab, Betroffene trauen sich eher, Unterstützung in Anspruch zu nehmen
  • Viele psychische Erkrankungen sind chronisch und benötigen über Jahre hinweg Medikamente oder Psychotherapie
  • Schwere Verläufe wie Schizophrenie oder chronische Depression erfordern wiederkehrende Klinikaufenthalte

Prognosen gehen davon aus, dass die weltweiten Kosten für psychische Erkrankungen bis 2030 mehr als doppelt so hoch sein werden wie 2010. Manche Fachleute sprechen von einer zweiten Pandemie psychischer Leiden, die weltweit bevorsteht.

Demenz wird zum Kostentreiber

Auch Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer zählen formal zu den psychischen beziehungsweise Verhaltensstörungen. In einer alternden Gesellschaft werden diese zu einem immer größeren Kostenblock. Pflege, Betreuung und lange Krankheitsverläufe lassen die Kosten stetig steigen.

In Deutschland fließen etwa 3,7 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in die Behandlung von Demenz. In Ländern mit einer sehr gut ausgebauten Langzeitpflege wie den Niederlanden liegt dieser Anteil sogar bei über 5 Prozent. Das zeigt, welche Dimension dieses Thema annehmen kann.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben trotz Präventionserfolgen teuer

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weiterhin an der Spitze der kostenintensivsten Krankheiten in Deutschland.

Das wirkt auf den ersten Blick überraschend, denn seit Jahren wird für herzgesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und den Verzicht auf Rauchen geworben. Die Zahl der Todesfälle durch Herzinfarkt und ähnliche Erkrankungen ist in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich tendenziell gesunken.

Trotzdem bleiben die Ausgaben hoch, weil sehr viele Menschen betroffen sind. Herz-Kreislauf-Leiden sind nach wie vor Volkskrankheit Nummer eins. Die Behandlungen sind oft komplex und langwierig. Dazu gehören lebenslange Medikamenteneinnahme, Rehabilitationsmaßnahmen und gegebenenfalls Pflege nach einem Schlaganfall. Etwa 13 Prozent aller Gesundheitsausgaben entfallen auf diesen Bereich, das entspricht rund 64 bis 65 Milliarden Euro pro Jahr.

Ein Beispiel ist die Herzinsuffizienz, also eine Herzschwäche, die häufig als Folge anderer Herzkrankheiten auftritt. Sie zählt zu den Hauptgründen für Krankenhausaufenthalte älterer Menschen. Solche chronischen Erkrankungen verursachen dauerhafte Kosten, etwa für regelmäßige Arztbesuche, teure Medikamente, Hilfsmittel und gegebenenfalls Pflegeleistungen.

Hinzu kommen kostspielige Herzoperationen wie Bypass- oder Herzklappen-Operationen sowie kardiologische Intensivmedizin.

Indirekte Kosten: Wie stark sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft?

Die bisher genannten Milliarden betreffen nur die unmittelbaren Ausgaben im Gesundheitswesen. Krankheiten verursachen jedoch auch indirekte Kosten, die oft genauso hoch sind oder diese sogar übersteigen.

Indirekte Kosten entstehen, wenn Menschen aufgrund einer Krankheit nicht arbeiten können, früher in Rente gehen oder an Lebensqualität verlieren. Für die Volkswirtschaft bedeutet das weniger Produktivität und geringere Wertschöpfung.

Ein Beispiel macht das greifbarer: Fällt jemand wegen einer Krankheit mehrere Wochen im Job aus, übernimmt zunächst der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld. Diese Ausgaben sind direkte Kosten des Versicherungssystems. Gleichzeitig wird in dieser Zeit im Betrieb keine Leistung erbracht. Dieser Verlust an Wirtschaftsleistung ist ein indirekter Schaden. Wenn sehr viele Menschen krankheitsbedingt ausfallen, summieren sich diese Ausfälle zu Beträgen in Milliardenhöhe.

Arbeitsunfähigkeit kostet 221 Milliarden Euro

Ein klarer Maßstab für indirekte Krankheitskosten sind die jährlichen Krankschreibungen. 2023 war jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt 21 Tage arbeitsunfähig. Das entspricht knapp drei Wochen pro Person. Insgesamt summierte sich das auf 886,2 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage.

Umgerechnet bedeutet das rund 2,4 Millionen Arbeitsjahre, die der Wirtschaft entgangen sind, als wären zwei Großstädte voller Menschen ein ganzes Jahr komplett ausgefallen.

Finanziell entspricht das laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin einer verlorenen Bruttowertschöpfung von rund 221 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 128 Milliarden Euro auf Lohnkosten, die ohne erbrachte Arbeitsleistung gezahlt wurden. Die restlichen gut 93 Milliarden Euro sind weitere indirekte Folgekosten, etwa entgangene Gewinne, der Verlust von Erfahrungswissen oder Vertretungskosten.

KrankheitsgruppeFehltage 2023 (Mio.)Anteil an allen FehltagenGeschätzter Wertschöpfungsverlust (Mrd. €)
Muskel-Skelett-Erkrankungen170,819,3 %42,6
Atemwegserkrankungen162,918,4 %40,6
Psychische und Verhaltensstörungen142,116,0 %35,4
Verletzungen und Vergiftungen (Unfälle)82,09,2 %–
Krankheiten des Verdauungssystems35,03,9 %–
Neubildungen (Krebs)36,54,1 %–
Gesamt886,2100 %221,0

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

2023 gab es ausgeprägte Erkältungs- und Grippewellen, nachdem die Einschränkungen der COVID-19-Pandemie weggefallen waren. Das trieb insbesondere die Fehltage durch Atemwegserkrankungen nach oben.

Dauerbrenner bleiben Rücken- und Muskelbeschwerden, die nicht nur viele Menschen betreffen, sondern auch oft zu langen Ausfallzeiten führen. Psychische Erkrankungen sorgen ebenfalls für überdurchschnittlich lange Krankschreibungen und haben ihren Anteil in den letzten Jahren weiter ausgebaut.

Frühverrentung kostet Millionen Arbeitsjahre

Noch schwerer als vorübergehende Krankheitsausfälle wiegen dauerhafte Verluste, wenn Menschen gar nicht mehr arbeiten können. In Deutschland gehen jedes Jahr zehntausende Erwerbstätige vorzeitig in Rente, weil ihre Gesundheit nicht mehr ausreicht.

Die Deutsche Rentenversicherung meldet seit Jahren, dass psychische Erkrankungen dabei die Hauptursache sind. 2020 entfielen 41,5 Prozent aller erstmaligen Erwerbsminderungsrenten auf psychische Leiden. Das betraf über 73.000 Personen, die allein in diesem Jahr wegen seelischer Erkrankungen in Frührente gehen mussten.

Der Anteil ist seit dem Jahr 2000 stark gestiegen: Damals lag er noch bei 24 Prozent, inzwischen ist es fast jeder zweite Fall. Damit beenden Depressionen und andere psychische Störungen heute häufiger Erwerbsbiografien als Herzkrankheiten oder Krebs.

Für die Betroffenen ist das ein massiver Einschnitt, gesamtwirtschaftlich gehen damit viele potenzielle Arbeitsjahre verloren. Diese sogenannten verlorenen Erwerbstätigkeitsjahre entstehen auch durch vorzeitige Todesfälle.

Stirbt beispielsweise jemand mit 50 an einem Herzinfarkt, fehlen der Gesellschaft rund 15 potenzielle Arbeitsjahre bis zum regulären Rentenalter.

Bereits Mitte der 2000er Jahre summierten sich in Deutschland solche verlorenen Lebensarbeitsjahre durch Krankheit und Tod auf rund 4 Millionen pro Jahr. Heute dürfte die Zahl höher liegen, weil wir zwar älter werden, aber auch länger mit chronischen Erkrankungen leben.

Beispiel Adipositas: Indirekte Kosten übersteigen direkte

Indirekte Kosten wie Produktivitätsverluste und Frührenten sind ein enormer wirtschaftlicher Faktor und können in manchen Bereichen sogar die direkten Krankheitskosten übersteigen. Ein Beispiel ist Adipositas: Starkes Übergewicht verursacht in Deutschland jährlich rund 63 Milliarden Euro an Gesamtkosten.

Davon entfallen etwa 29 Milliarden Euro direkt auf das Gesundheitswesen, während 34 Milliarden Euro indirekt durch krankheitsbedingte Fehlzeiten, geringere Produktivität und frühes Ausscheiden aus dem Beruf entstehen.

Kostenunterschiede nach Altersgruppen

Junge Menschen verursachen statistisch gesehen vergleichsweise geringe Gesundheitskosten. Mit zunehmendem Alter steigen die Ausgaben jedoch stark an. Das liegt daran, dass sich im Alter Krankheiten häufen und Behandlungen komplexer werden. Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen sind erheblich.

AltersgruppeDurchschnittliche Kosten pro Kopf 2023 (€)Typische Ursachen und Besonderheiten
Kinder und Jugendliche (<15)2.450Vorsorge, Impfungen, Unfälle, Infekte, einzelne chronische Krankheiten wie Asthma oder Diabetes Typ 1
15–29 Jahre2.270Wenig chronische Erkrankungen, selten schwere Krankheiten; bei Frauen teils höhere Kosten durch Schwangerschaft und Geburt
30–44 Jahre2.950Erste Verschleißerscheinungen, Rücken- und Knieprobleme, steigende psychische Belastungen
45–64 Jahre5.230Zunahme chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Probleme, Gelenkverschleiß, Krebs ab 50+
65–84 Jahre11.480Häufig schwere Erkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Krebsbehandlungen, Pflege und Reha, oft mehrere Erkrankungen gleichzeitig
85+ Jahre28.860Hoher Pflegebedarf, Demenz, häufige Krankenhausaufenthalte, 24-Stunden-Betreuung

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Im Jahr 2023 entfielen 53 Prozent der gesamten Krankheitskosten auf Menschen über 65 Jahre. Das entspricht 261,8 Milliarden Euro, obwohl diese Altersgruppe nur rund 19 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 lag der Anteil noch bei etwa 43 Prozent.

Die Babyboomer-Generation rückt jetzt ins Rentenalter, wodurch der Anteil älterer Menschen weiter steigt.

Ganz konkret bedeutet das: Erstens wird die Wahrscheinlichkeit hoch sein, dass du im Alter deutlich mehr medizinische Leistungen benötigst als in jungen Jahren. Zweitens fließt schon heute ein großer Teil deiner Krankenkassenbeiträge in die Versorgung älterer Menschen. Dieses Solidarprinzip ist gewollt und sinnvoll, steht jedoch vor finanziellen Herausforderungen, wenn die Alterspyramide weiter kippt.

Frauen vs. Männer: Wer kostet das Gesundheitssystem mehr?

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei den Krankheitskosten. Frauen verursachen pro Kopf höhere Gesundheitsausgaben als Männer. 2023 lagen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Kosten bei Frauen bei 6.490 Euro, bei Männern bei 5.300 Euro. Frauen verursachen damit rund 22,5 Prozent höhere Ausgaben pro Person.

GeschlechtPro-Kopf-Kosten 2023 (€)Unterschied zu Männern
Frauen6.490+ 22,5 %
Männer5.300–

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Schwangerschaft und Geburt tragen zu diesen höheren Kosten bei, erklären den Unterschied jedoch nicht vollständig. Geschlechtsspezifische Erkrankungen wie gynäkologische Leiden oder Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern gleichen sich in ihrer Gesamtsumme ungefähr aus.

Lebenserwartung erklärt den Kostenunterschied

Der Hauptgrund liegt in der unterschiedlichen Lebenserwartung. Frauen werden im Schnitt älter und stellen besonders in den hohen Altersgruppen die Mehrheit. Von den über 85-Jährigen in Deutschland sind etwa 65 Prozent weiblich.

Da in diesen Altersgruppen die Gesundheitskosten besonders hoch sind, erreichen Frauen häufiger ein Alter, in dem Behandlungen, Pflege und Betreuung sehr teuer werden. Männer sterben im Durchschnitt früher und erleben die kostenintensive Hochbetagten-Phase seltener.

Es gibt zudem Unterschiede im Erkrankungsprofil. Frauen werden deutlich häufiger mit Depressionen und Angststörungen diagnostiziert und behandelt. Männer haben dagegen etwas höhere Raten bei Herzinfarkten.

Auch die Kosten spiegeln das wider: Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegen die Ausgaben bei Männern im Schnitt bei 800 Euro pro Kopf, bei Frauen bei 750 Euro. Psychische Störungen verursachen bei Frauen durchschnittlich 920 Euro pro Kopf, bei Männern rund 600 Euro.

Diese Unterschiede sind sowohl biologisch als auch sozial bedingt. Männer suchen bei psychischen Problemen seltener ärztliche Hilfe, während Frauen tendenziell gesundheitsbewusster leben und manche Herzprobleme vermeiden.

Gesetzlich oder privat: Wer zahlt wie viel?

Die Finanzierung der Gesundheitskosten in Deutschland verteilt sich auf verschiedene Zahlergruppen. Den größten Anteil tragen die gesetzlichen Krankenkassen, gefolgt von der privaten Krankenversicherung, dem Staat und privaten Haushalten.

Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind in der GKV versichert. Entsprechend hoch ist ihr Finanzierungsanteil: 2024 zahlten die gesetzlichen Kassen rund 327,4 Milliarden Euro, davon 102 Milliarden Euro für Krankenhausbehandlungen und 55 Milliarden Euro für Arzneimittel. Finanziert wird die GKV durch Beitragszahlungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Der Beitragssatz liegt derzeit bei 14,6 Prozent des Bruttolohns, jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen, bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

PKV sichert Arztpraxen mit 14 Milliarden Euro Mehrumsatz

Etwa 8,7 Millionen Menschen sind in der PKV. Sie machen knapp 10 Prozent der Bevölkerung aus, decken jedoch etwa 9 bis 10 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben ab. Im Jahr 2023 flossen rund 44,95 Milliarden Euro über die PKV ins Gesundheitssystem.

Da Privatversicherte für viele Leistungen höhere Honorare zahlen, entsteht ein Mehrumsatz. Wären diese Personen zu GKV-Sätzen behandelt worden, wären dem System jährlich mehr als 14 Milliarden Euro entgangen.

Bereich / ZahlergruppeAusgaben / Anteil
GKV gesamt327,4 Mrd. € (2024)
– Krankenhausbehandlungen102 Mrd. €
– Arzneimittel55 Mrd. €
PKV gesamt44,95 Mrd. € (2023)
Mehrumsatz durch PKV> 14 Mrd. €
Vorteil für Arztpraxen7,99 Mrd. € pro Jahr (entspricht ca. 74.000 € Umsatz pro Praxis)
Private Haushalte direktca. 13 % der Gesamtkosten (Zuzahlungen, Eigenanteile, IGeL-Leistungen, Pflegekosten)

Quelle: PKV-Verband, Statistisches Bundesamt

Vor allem im ambulanten Bereich profitieren Arztpraxen vom Mehrumsatz der PKV. Ohne Privatpatienten würden ihnen jährlich rund 7,99 Milliarden Euro fehlen. Pro niedergelassenem Arzt entspricht das im Schnitt etwa 74.000 Euro Umsatz, was dem Gehalt von ein bis zwei Praxisangestellten entspricht. Insbesondere in ländlichen Regionen trägt die PKV damit zur Sicherung der Praxisinfrastruktur bei.

Für gesetzlich Versicherte bedeutet das: Auch sie profitieren indirekt von den höheren Zahlungen der PKV-Versicherten, da deren Geld hilft, Arztpraxen offenzuhalten. Privatversicherte zahlen zwar individuell oft mehr für einzelne Leistungen, leisten damit aber auch einen finanziellen Zusatzbeitrag zum Gesamtsystem und profitieren im Gegenzug meist von kürzeren Wartezeiten oder zusätzlichen Komfortleistungen.

Neben den Krankenversicherungen zahlen auch private Haushalte direkt für bestimmte Leistungen, etwa für Zuzahlungen zu Medikamenten, Brillen, individuelle Gesundheitsleistungen oder Eigenanteile in der Pflege. Der Anteil dieser direkten privaten Ausgaben liegt in Deutschland bei rund 13 Prozent der gesamten Gesundheitskosten. Das ist im internationalen Vergleich moderat und zeigt, dass unser Versicherungssystem viele Kosten bereits abfängt.

Kassen, Staat, Du: Wer trägt die finanzielle Last?

Die Verteilung zwischen GKV und PKV ist klar, aber wenn die Ausgaben steigen, stellt sich die Frage: Wer trägt die Mehrkosten? Die Antwort lautet: wir alle, nur auf unterschiedlichen Wegen über Krankenkassenbeiträge, über Steuern und über private Zuzahlungen.

2023 wurden die 491,6 Milliarden Euro Krankheitskosten so finanziert: Knapp 65 Prozent liefen über die gesetzlichen Krankenkassen, rund 9 Prozent über die private Krankenversicherung. Der Staat, also Bund, Länder und Kommunen, zahlte 15,4 Prozent aus Steuermitteln, das entspricht 75,7 Milliarden Euro. Die restlichen 11 Prozent kamen von Unternehmen und privaten Haushalten, zum Beispiel Arbeitgebern, die Lohnfortzahlung leisten, oder Bürgern, die direkt selbst zahlen.

FinanzierungsquelleAnteil 2023Betrag 2023 (Mrd. €)
Gesetzliche Krankenkassen65 %ca. 319,5
Private Krankenversicherung9 %ca. 44,2
Staat (Steuermittel)15,4 %75,7
Unternehmen & Haushalte11 %ca. 54,2
Gesamt100 %491,6

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Auffällig ist, dass der Staatsanteil 2022 deutlich höher lag über 22 Prozent, weil viele pandemiebedingte Maßnahmen direkt aus dem Bundeshaushalt finanziert wurden. 2023 bewegte sich der Anteil wieder auf dem Niveau von 2019 vor der Pandemie.

Beitragssatz könnte auf 16,9 Prozent steigen

Für Versicherte bedeutet das: Den größten Teil der Krankheitskosten tragen wir über die Krankenversicherungsbeiträge. Steigen die Ausgaben, sind höhere Beiträge die direkte Folge. Prognosen gehen davon aus, dass die GKV ab etwa 2025 wieder Defizite aufbaut, die bis 2040 fast 50 Milliarden Euro pro Jahr erreichen könnten.

Ohne Gegenmaßnahmen müsste der allgemeine Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent auf rund 16,9 Prozent steigen. Für einen durchschnittlichen Arbeitnehmer entspräche das mehreren hundert Euro mehr pro Jahr.

Auch Privatversicherte sind betroffen. Bei ihnen machen sich steigende Gesundheitsausgaben über Beitragserhöhungen bemerkbar, besonders im Alter. Altersrückstellungen dämpfen diesen Effekt, aber Kostensteigerungen und höhere Lebenserwartung führen trotzdem zu Anpassungen.

Staatlicher Zuschuss müsste auf 70 Milliarden Euro steigen

Eine Möglichkeit, steigende Beiträge zu begrenzen, wäre eine stärkere staatliche Finanzierung. Der Bund hat seinen Zuschuss zur GKV in den letzten Jahren bereits erhöht. 2022 lag er inklusive Sonderzuschüssen bei rund 30 Milliarden Euro. Um den Beitragssatz bis 2040 stabil bei 15 Prozent zu halten, müsste der Bundeszuschuss auf etwa 70 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Dann würde rund ein Fünftel der Kassenausgaben aus Steuermitteln stammen.

Dieses Geld müsste über Steuern finanziert werden, was die Last je nach Steuerart unterschiedlich verteilt. Zusätzlich wird diskutiert, die Eigenbeteiligung der Versicherten zu erhöhen, zum Beispiel über höhere Zuzahlungen oder Wahltarife mit Selbstbehalt. Solche Maßnahmen sind politisch umstritten, weil sie vor allem Menschen mit geringen Einkommen oder chronischen Krankheiten belasten.

Entwicklung über die Jahre: Aktuelle Trends und Veränderungen

Krankheitskosten entstehen nicht zufällig, sondern verändern sich mit medizinischem Fortschritt, gesellschaftlichen Entwicklungen und politischer Steuerung. In Deutschland zeigen sich in den letzten Jahren mehrere deutliche Trends.

Stetiger Anstieg über 12 Prozent des BIP

Die direkten Krankheitskosten sind von 337 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 492 Milliarden Euro im Jahr 2023 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 46 Prozent in acht Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im selben Zeitraum deutlich langsamer.

Der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP liegt inzwischen bei über 12 Prozent, mehr als jeder achte Euro der gesamten Wirtschaftsleistung fließt in die Gesundheit. Haupttreiber sind der demografische Wandel mit einer älter werdenden Bevölkerung und teure neue Therapien, etwa in der Krebsimmuntherapie oder der High-Tech-Medizin.

Psychische Erkrankungen überholen Krebs

Die fünf kostenintensivsten Krankheitsgruppen bleiben zwar stabil, doch ihre Reihenfolge und Anteile verschieben sich leicht:

  • Psychische Erkrankungen haben im Vergleich zu vor 20 Jahren deutlich aufgeholt und liegen heute auf Platz zwei
  • Krebserkrankungen sind weiterhin teuer, ihr Anteil wächst jedoch weniger stark als erwartet, unter anderem durch erfolgreichere Behandlungen und Prävention wie den Rückgang des Rauchens
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen bleiben ein Dauerproblem, könnten aber durch bessere Schmerztherapie und Orthopädie künftig weniger Kosten verursachen
  • Demenz und andere Altersleiden nehmen zu und werden die Kosten in den Kategorien psychische Störungen und Nervensystem weiter steigen lassen
  • Adipositas und Diabetes könnten größere Kostenanteile beanspruchen, da ihre Häufigkeit zunimmt

Prävention zeigt erste Wirkung

Die Kosten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind im Verhältnis zu anderen Bereichen nicht noch stärker gestiegen, obwohl die Zahl älterer Menschen zunimmt. Ein Grund ist die verbesserte Prävention, etwa durch die Behandlung von Bluthochdruck und die Senkung von Cholesterinwerten.

Bei Schlaganfällen reduzieren spezialisierte Behandlungszentren, sogenannte Stroke Units, Folgeschäden und langfristige Pflegekosten. Impfprogramme, zum Beispiel gegen Pneumokokken oder Grippe, senken das Risiko schwerer Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte bei Älteren. Solche Effekte gehen im Gesamtausgabenanstieg oft unter, sind aber wichtig, weil sie langfristig Kosten begrenzen.

Pandemie-Effekt klingt ab

Die Jahre 2020 bis 2022 stachen heraus. 2020 gingen manche Ausgaben kurzfristig zurück, weil weniger planbare Operationen durchgeführt wurden und Menschen Arztbesuche aus Angst mieden. Gleichzeitig entstanden neuartige Kosten für Intensivbehandlungen, Tests und Impfungen. In den Jahren 2021 und 2022 stiegen die Ausgaben sprunghaft an, auch durch Nachholeffekte.

Ab 2023 fielen einige dieser Sonderausgaben weg, doch das Gesamtniveau liegt weiterhin höher als vor der Pandemie. Langfristig könnte Long COVID zusätzliche Kosten verursachen, falls viele Betroffene langfristig erkranken, wie stark, ist derzeit noch offen.

Männer holen bei Gesundheitsausgaben auf

2002 gaben Frauen pro Kopf rund 1,4-mal so viel für Gesundheit aus wie Männer, heute liegt das Verhältnis bei etwa 1,225. Männer nähern sich an, was unter anderem daran liegt, dass sie eine höhere Lebenserwartung erreichen und häufiger ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen als früher. Dennoch werden Frauen wegen ihrer Langlebigkeit auch künftig höhere Gesamtausgaben verursachen.

Zukunftsausblick: Was erwartet uns in den kommenden Jahren?

Die Prognosen für die Entwicklung der Krankheitskosten in Deutschland sind ohne Gegenmaßnahmen ungünstig. Alterung der Bevölkerung und die Zunahme chronischer Krankheiten lassen die Ausgaben weiter steigen, auch wenn es Chancen gibt, durch Prävention und effizientere Strukturen gegenzusteuern.

Pro-Kopf-Kosten steigen auf 8.000 Euro

Bis 2035 wird die Bevölkerung schrumpfen und gleichzeitig deutlich älter werden. Rund 24 Prozent der Menschen werden dann über 67 Jahre alt sein, im Jahr 2020 waren es etwa 18 Prozent. Allein dieser Effekt wird die Gesundheitsausgaben laut Berechnungen deutlich erhöhen.

Eine Modellrechnung des Statistischen Bundesamts schätzte bereits 2011, dass die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben bis 2030 um etwa 40 Prozent steigen könnten, ohne Preissteigerungen oder neue medizinische Verfahren einzukalkulieren. Aus durchschnittlich 5.900 Euro pro Kopf würden so rund 8.000 Euro allein aufgrund der Altersstruktur.

Adipositas und Demenz werden teurer

Diabetes Typ 2 und Adipositas nehmen weiter zu, bedingt durch Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung. Die OECD warnt, dass in Zukunft durchschnittlich rund 8 Prozent der Gesundheitsausgaben in den Mitgliedsstaaten direkt auf Folgen der Adipositas entfallen könnten. Für Deutschland mit bereits hohen Übergewichtsquoten hätte das erhebliche Auswirkungen.

Auch Demenz wird mit der Alterung häufiger auftreten. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen prognostiziert, dass sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 mehr als verdoppeln wird. Eine OECD-Projektion sieht die demenzbedingten Ausgaben in Deutschland bei 141 Milliarden Euro im Jahr 2040 und 195 Milliarden Euro im Jahr 2060.

Weltweite Kostenexplosion bei psychischen Leiden

Internationale Organisationen wie die WHO erwarten, dass psychische Leiden bis 2030 weltweit zu den teuersten Krankheitsgruppen zählen werden. Die direkten und indirekten Kosten könnten sich bis dahin mehr als verdoppeln. Für Deutschland ist ebenfalls mit stark steigenden Ausgaben zu rechnen, sofern keine grundlegenden Verbesserungen in Prävention oder Therapie erreicht werden.

Gentherapien kosten Millionen pro Patient

Neue personalisierte Therapien, Gen- und Zelltherapien sowie digitale Gesundheitsanwendungen bieten bessere Heilungschancen, sind aber sehr teuer. Einzelne Gentherapien kosten derzeit mehrere Millionen Euro pro Patient.

Wenn solche Verfahren bei großen Patientengruppen angewendet werden, etwa bei neuen Alzheimer-Medikamenten oder hochpreisigen Krebsimmuntherapien, können die Gesamtausgaben stark steigen. Experten erwarten in den kommenden 10 bis 20 Jahren eher eine Kostensteigerung durch Innovationen, da Einsparungen oft erst langfristig wirksam werden.

Fachkräftemangel treibt Lohnkosten

Das Gesundheitssystem leidet unter einem Mangel an Pflegekräften und Ärzten. Um Personal zu gewinnen und zu halten, müssen Gehälter steigen, was die Kosten für Kliniken und Pflegeeinrichtungen weiter erhöht. Personalmangel kann außerdem dazu führen, dass Krankheiten schlechter versorgt werden, was wiederum Folgekosten verursacht.

Bereits heute fließt ein großer Teil der Ausgaben in das Ausgleichen von Strukturproblemen, etwa durch hohe Zeitarbeitskosten und Bonuszahlungen.

GKV-Defizit erreicht 50 Milliarden Euro

Prognosen gehen von einem Finanzdefizit der GKV von bis zu 50 Milliarden Euro pro Jahr bis 2040 aus. Ohne Reformen bedeutet das steigende Beiträge für Versicherte, höhere Steuern oder mehr staatliche Zuschüsse.

Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt, Kosten zu dämpfen, etwa durch effizientere Strukturen wie eine Konsolidierung der Kliniklandschaft, und gleichzeitig den Bundeszuschuss deutlich zu erhöhen. Das würde jedoch bedeuten, dass der Staat mehr Mittel ins Gesundheitssystem lenken muss, Geld, das an anderer Stelle wie Bildung oder Infrastruktur fehlen könnte oder über Steuererhöhungen beschafft werden müsste.

Internationaler Vergleich: Wie steht Deutschland da?

Ein Blick ins Ausland zeigt: Die größten Kostentreiber ähneln sich in allen entwickelten Ländern, die Höhe der Ausgaben und die Struktur der Finanzierung unterscheiden sich jedoch deutlich.

In nahezu allen Industriestaaten stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, psychische Krankheiten und Muskel-Skelett-Leiden an der Spitze der Kostenstatistik. Auch dort verursacht die ältere Bevölkerung einen überproportionalen Anteil der Ausgaben. Länder wie Japan, mit einer sehr alten Gesellschaft, sehen ähnlich stark steigende Kosten im Alterssegment. Pflege und Demenzversorgung sind in vielen Ländern zentrale Themen.

Deutschland bei Pro-Kopf-Ausgaben an vierter Stelle

Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben weltweit, hinter den USA, der Schweiz und Norwegen. 2021 lagen die Ausgaben hierzulande bei rund 5.159 Euro pro Kopf, etwa 12,8 Prozent des BIP, deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Bei der Lebenserwartung liegt Deutschland dagegen nur im Mittelfeld Westeuropas, was zeigt: Mehr Geld bedeutet nicht automatisch bessere Gesundheitsergebnisse.

Land / RegionGesundheitsausgaben pro Kopf (€)Anteil am BIP (%)Besonderheiten
USAHöchster Wert weltweit16,6Sehr hohe Medikamenten- und Behandlungspreise
SchweizHoch–Stark privatisiertes System, hohe Eigenbeteiligung
NorwegenHoch–Steuerfinanziert, umfassende Versorgung
Deutschland5.159 (2021)12,8Dualsystem GKV + PKV
EU-DurchschnittDeutlich niedriger–Größtenteils steuer- oder sozialversicherungsfinanziert

Quelle: OECD, Statistisches Bundesamt

Verschiedene Finanzierungsmodelle weltweit

Andere Länder setzen stärker auf Steuerfinanzierung, wie Großbritannien oder die skandinavischen Länder, oder auf zentrale Einheitskassen, wie in Frankreich oder Belgien. Out-of-Pocket-Kosten sind teils höher, etwa in Südeuropa, wo private Arztbesuche häufiger direkt bezahlt werden müssen. In den USA treiben hohe Preise für Medikamente und Behandlungen die Gesamtausgaben besonders stark nach oben.

Ein interessantes Detail: Länder mit gut ausgebauter Langzeitpflege investieren viel in Demenzerkrankungen. In den Niederlanden gehen laut OECD zum Beispiel 5,5 Prozent der Gesundheitsausgaben allein für Demenz drauf, in Deutschland etwa 3,7 Prozent. Das liegt daran, dass die Niederlande sehr viele Gelder in professionelle Pflegeheime und Betreuungsangebote stecken, was natürlich teuer ist, aber den Angehörigen viel abnimmt. In Korea hingegen, wo Familien mehr selbst leisten, sind es nur rund 3 Prozent.

Dualsystem hat Vor- und Nachteile

Deutschland hat ein dual finanziertes System mit Kassen und PKV, das gibt es in dieser Form nicht überall. Länder wie Frankreich oder Belgien haben eher Einheitskassen plus private Ergänzungen, Großbritannien hat einen National Health Service steuerfinanziert plus private Zusatzangebote.

Unser System hat den Vorteil der breiten Abdeckung, aber die Koordination zwischen Sektoren ambulant, stationär, Reha ist manchmal schwieriger als in zentral gesteuerten Systemen. Das kann Effizienz kosten.

WHO warnt vor 47 Billionen Dollar Gesamtkosten

Die WHO warnt, dass nicht übertragbare Krankheiten wie Herzleiden, Krebs, Diabetes, chronische Lungenerkrankungen und psychische Störungen die größte Bedrohung für Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung weltweit darstellen. Bis 2030 könnten sie kumuliert Kosten von 47 Billionen US-Dollar verursachen.

In ärmeren Ländern ist die Lage oft dramatischer, da dort die sozialen Sicherungssysteme schwach sind und chronische Krankheiten häufig Menschen im erwerbsfähigen Alter treffen. Deutschland diskutiert über die Finanzierung eines sehr hohen Ausgabenniveaus, während andere Länder um eine grundlegende Versorgung kämpfen.

Dennoch gibt es Vorbilder: Japan kombiniert hohe Lebenserwartung mit moderaten Pro-Kopf-Kosten durch einen gesundheitsbewussten Lebensstil und strikte Kostendeckelung. Spanien und Italien profitieren von mediterraner Ernährung und engen Familienstrukturen, die zu hoher Lebenserwartung bei vergleichsweise moderaten Kosten beitragen.

Krankheit kostet überall, aber wie viel und mit welchem Ergebnis, hängt vom System und den Lebensgewohnheiten ab. Deutschland steht in Finanzierung und Versorgung solide da, schöpft den Nutzen der hohen Ausgaben jedoch nicht voll aus. Effizienzsteigerung und Prävention bleiben zentrale Stellschrauben.

Fazit: Krankheitskosten werden weiter steigen, die Frage ist nur wie stark

Deutschland gibt knapp 500 Milliarden Euro pro Jahr für Krankheiten aus, Tendenz stark steigend. Die Kosten sind seit 2015 um 45 Prozent gestiegen und werden bis 2040 ohne Gegenmaßnahmen auf über 700 Milliarden Euro klettern.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Studien:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Leiden verursachen zusammen über ein Viertel aller Kosten
  • Menschen über 65 Jahre beanspruchen 53 Prozent des Budgets, obwohl sie nur 19 Prozent der Bevölkerung ausmachen
  • Indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle erreichen 221 Milliarden Euro pro Jahr
  • Psychische Erkrankungen sind der Hauptgrund für Frühverrentung mit über 40 Prozent aller Fälle
  • PKV-Versicherte generieren 14 Milliarden Euro Mehrumsatz und sichern damit Arztpraxen
  • Der GKV-Beitragssatz könnte bis 2040 auf 16,9 Prozent steigen ohne Reformen

Wer heute Mitte 30 ist und in die PKV wechselt, sollte bedenken: Die Gesundheitskosten werden weiter steigen, aber die PKV bietet planbare Beiträge mit Altersrückstellungen. Die GKV verteilt die Last auf alle Versicherten, aber die Beiträge steigen mit den Gesamtausgaben. In beiden Systemen wird Gesundheit teurer, die Frage ist nur, wie du die steigenden Kosten trägst.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Deutsche Rentenversicherung, PKV-Verband, WHO, OECD

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.