Statistiken zu Übergewicht (Adipositas) in Deutschland

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2025

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Inhaltsverzeichnis:

Du hast bestimmt schon gehört, dass immer mehr Menschen „zu viele Kilos“ mit sich herumtragen. Tatsächlich trifft das inzwischen auf über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland zu.

In diesem Beitrag schauen wir uns genauer an, wie verbreitet Übergewicht ist, wer besonders betroffen ist, was das für Folgen hat und was dagegen unternommen wird. Keine Sorge, wir werfen nicht mit unverständlichem Fachchinesisch um uns. Stattdessen reden wir persönlich und direkt – so, als würden wir uns bei einer Tasse Kaffee darüber unterhalten. Dabei bekommst du viele Zahlen aus aktuellen seriösen Quellen, aber immer in einfacher Sprache erklärt. Und ja, ein paar Tabellen und Listen haben wir auch eingebaut, damit die vielen Infos übersichtlich bleiben.

Stell dir schon mal bildlich vor: Wenn du morgen früh in den Bus steigst oder durch den Park joggst, ist statistisch gesehen etwa jede zweite Person dort übergewichtig. Das ist ganz schön viel, oder? Wie es dazu kommt, wen es besonders trifft und was das für uns alle bedeutet, schauen wir uns jetzt an.

Übergewicht-Statistiken Deutschland
Aktuelle Daten zur Gewichtsentwicklung
Übergewicht
54%
Adipositas
19%
Kosten/Jahr
63 Mrd.€
Anstieg seit 2003
+60%
Altersverteilung Übergewicht
15%
Kinder
25%
18-24 J.
60%
40-60 J.
66%
65-74 J.
Geschlechterverteilung
♂
62%
übergewichtig
19% adipös
♀
43%
übergewichtig
15% adipös
Regionale Unterschiede
Meck-Pomm
20%
Bayern
16%
Hamburg
13%
Adipositasrate nach Bundesland
Gesundheitliche Folgen & Kosten
Diabetes-Risiko
3x höher
Direkte Kosten
29 Mrd.€/Jahr
Produktivitätsverlust
34 Mrd.€/Jahr
Herz-Kreislauf
23% der Kosten
Depression-Risiko
2x höher
Krebs-Risiko
5-15% erhöht
Soziale Faktoren
Niedrig. Eink.
26%
Hohes Eink.
14%
Adipositas nach Einkommensgruppe
Maßnahmen & Programme
IN FORM
250+ Projekte seit 2008
DMP Adipositas
Start April 2024
Nutri-Score
Freiwillig seit 2020
Zuckerreduktion
Ziel bis 2025
Fazit: Über die Hälfte der Erwachsenen ist übergewichtig, fast jeder Fünfte adipös. Die Kosten belaufen sich auf 63 Mrd.€ jährlich. Männer sind häufiger betroffen (62% vs. 43%), das Problem nimmt mit dem Alter zu. Trotz vieler Programme steigt die Rate weiter an.

Wie viel Prozent der Deutsche sind übergewichtig?

Zunächst klären wir kurz, was wir unter „Übergewicht“ verstehen: Ein Erwachsener gilt als übergewichtig, wenn das Körpergewicht höher ist, als es bei der Körpergröße gesund wäre (das wird meist über den Body-Mass-Index, BMI, bestimmt – bei einem BMI ab 25 spricht man von Übergewicht).

Adipositas (Fettleibigkeit) ist sozusagen die „steigere“ Form: ein starkes Übergewicht mit BMI ab 30. Für Kinder und Jugendliche gelten altersabhängige Grenzwerte, aber dazu später mehr.

Der BMI – ausgeschrieben Body-Mass-Index – ist so etwas wie der Taschenrechner fürs Körpergewicht. Du nimmst dein Gewicht in Kilo, teilst es durch deine Körpergröße in Metern zum Quadrat. Also zum Beispiel: 80 kg bei 1,80 m = 80 ÷ (1,8 × 1,8) = 24,7. Ergebnis: Normalgewicht. Alles ab 25 zählt als Übergewicht, ab 30 wird’s Adipositas genannt. Klingt technisch, ist aber nur eine grobe Orientierung. Der BMI sagt nix über Muskeln oder Fettverteilung – er ist eher wie ein erster Blick in den Spiegel, nicht die ganze Wahrheit.

Schauen wir auf die gesamte Bevölkerung: In Deutschland hatten zuletzt rund 54 % aller Erwachsenen Übergewicht. Anders gesagt: Mehr als jeder Zweite bringt mehr Kilos auf die Waage, als gut wären. Zum Vergleich – vor ein paar Jahrzehnten waren es deutlich weniger. Doch dazu gleich mehr bei den Trends.

Auch die starke Ausprägung, also Adipositas, ist häufig: Etwa jeder fünfte Erwachsene (knapp 20%) ist adipös. Das klingt abstrakt – man kann es sich aber verdeutlichen: Stell dir 10 zufällig ausgewählte Erwachsene vor, z.B. am Arbeitsplatz oder in der Bahn. Von diesen 10 hätten fünf Übergewicht, und darunter etwa zwei sogar Adipositas. Das ist der aktuelle Durchschnitt.

GruppeÜbergewichtig (BMI ≥ 25)Adipös (BMI ≥ 30)
Gesamt (Erwachsene)ca. 54 %ca. 20 %
Männerca. 62 % 🧔ca. 19 % 🧔
Frauenca. 43 % 👩ca. 15 % 👩

Übergewicht bei Männern und Frauen

Interessant ist, dass Männer und Frauen unterschiedlich betroffen sind. Im Großen und Ganzen bringen Männer häufiger zu viele Pfunde mit als Frauen. Nach aktuellen Daten aus Befragungen gaben über 60 % der Männer, aber nur rund 42–47 % der Frauen an, übergewichtig zu sein. Bei der Adipositas sind die Unterschiede etwas kleiner, aber immer noch da: Etwa 18–19 % der Männer sind adipös gegenüber rund 14–15 % der Frauen. Die folgende Tabelle fasst das knapp zusammen:

Tabelle 1: Anteil der Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas (Deutschland, 2021)

GeschlechtÜbergewichtig (einschl. Adipositas)Adipös (stark übergewichtig)
Männerca. 62 % 🧔ca. 19 % 🧔
Frauenca. 43 % 👩ca. 15 % 👩

Quelle: Mikrozensus 2021 (Selbstauskunft)

Du siehst: Männer sind deutlich häufiger übergewichtig. Das klassische „Bäuchlein“ ist bei deutschen Männern verbreiteter – man spricht manchmal vom „Bierbauch-Klischee“. Frauen achten im Schnitt etwas öfter auf ihr Gewicht, aber ganz ehrlich: Fast die Hälfte der Frauen ist ebenfalls übergewichtig, was zeigt, dass das Problem beide Geschlechter betrifft.

Warum sind Männer öfter betroffen? Da spielen mehrere Dinge rein. Zum einen neigen Männer dazu, Fett eher am Bauch anzusetzen (sogenanntes Apfelmuster), und dieses Bauchfett wirkt sich stark auf den Stoffwechsel aus. Frauen haben von Natur aus etwas mehr Fettgewebe, aber oft an Hüften und Oberschenkeln (Birnenmuster), was metabolisch etwas „günstiger“ sein kann.

Außerdem zeigen Umfragen, dass Männer ihr Gewicht teilweise lockerer nehmen und seltener Gewichtsreduktionsprogramme machen – das klassische „Ich brauch doch keine Diät“-Denken. Trotzdem holen Frauen in höheren Altersgruppen etwas auf, denn im Alter nimmt bei beiden Geschlechtern die Häufigkeit von Übergewicht zu.

Unterschiede in verschiedenen Altersgruppen

Alter spielt eine riesige Rolle dabei, wie hoch der Anteil der Übergewichtigen ist. Ganz allgemein gilt: Je älter die Menschen, desto höher der Anteil mit Übergewicht. Das lässt sich leicht erklären – über die Jahre sammeln sich durch einen ungesunden Lebensstil gern ein paar Extra-Kilos an. Gleichzeitig verlangsamt sich der Stoffwechsel im Alter, und viele bewegen sich weniger, was Gewichtszunahme begünstigt.

Schauen wir uns ein paar Altersgruppen an:

AltersgruppeÜbergewichtig (%)Adipös (%)
Kinder (3–17 J.)ca. 15 %ca. 6 %
Junge Erwachsene (18–24 J.)ca. 25 %< 5 %
Erwachsene (25–29 J.)ca. 40 %ca. 8–10 %
Mittleres Alter (30–59 J.)ca. 55–65 %ca. 15–20 %
Senioren (65–74 J.)ca. 66 %ca. 20 %
Hochaltrige (75+ J.)ca. 55 %ca. 15 %

Kinder und Jugendliche

Bereits im Kindesalter gibt es Übergewichtige, aber die Anteile sind (noch) niedriger als bei Erwachsenen. Laut der großen KiGGS-Studie des RKI sind rund 15 % der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig, davon etwa 6 % adipös. Anders gesagt: Etwa jedes siebte Kind hat Übergewicht. Jungen und Mädchen sind dabei etwa gleich betroffen. Bei Kindern spricht man nur dann von Adipositas, wenn ihr BMI gemessen am Alter deutlich über dem Normalwert liegt (ab dem 97. Perzentil). Ein Grund zur Sorge ist, dass übergewichtige Kinder oft als Erwachsene dick bleiben – doch dazu später mehr.

Junge Erwachsene (ca. 18–24 Jahre)

In der jungen Erwachsenenzeit ist Übergewicht noch vergleichsweise selten. EU-weit war 2019 im Schnitt jeder Vierte (25 %) der 18–24-Jährigen übergewichtig. In Deutschland liegt der Wert in dieser Altersklasse ähnlich im unteren 20‑Prozent-Bereich.

Adipositas ist bei so jungen Leuten noch die Ausnahme (nur wenige Prozent). Viele junge Leute sind also (noch) normalgewichtig – aber die Tendenz zeigt leider, dass es gegen Ende 20 schon deutlich mehr werden. Beispielsweise sind bei den 25- bis 29-Jährigen bereits fast 40 % übergewichtig.

Erwachsene mittleren Alters (ca. 30–60 Jahre)

In diesen Jahrzehnten schnellen die Zahlen in die Höhe. Spätestens ab dem 40. Lebensjahr ist Übergewicht „normal“ geworden – das klingt hart, aber mehr als die Hälfte der 40- bis 50-Jährigen ist übergewichtig. Im Bereich um die 50–60 Jahre liegen die Werte je nach Quelle bei über 50–60 % Übergewichtigen, davon rund 15–20 % Adipöse.

Man könnte sagen: In einer durchschnittlichen Gruppe von Menschen Ende 50 sind die Normalgewichtigen tatsächlich in der Minderheit. Gründe gibt’s viele: Beruflicher Stress, wenig Zeit für Sport, vielleicht schon erste gesundheitliche Einschränkungen – und natürlich haben viele bis dahin einfach Jahr für Jahr ein kleines Bisschen zugenommen.

Senioren (ab 65 Jahren)

Im Seniorenalter erreicht die Übergewicht-Epidemie ihren traurigen Höhepunkt. In der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen sind rund zwei Drittel (ca. 66 %) übergewichtig – das ist der höchste Wert von allen Altersgruppen. Stell dir einen Kaffeeklatsch von Rentnern vor: statistisch gesehen sind dort 2 von 3 mit zu hohem Gewicht dabei. Auch Adipositas ist in dieser Altersgruppe häufig – ungefähr jeder Fünfte ist adipös.

Interessant: Jenseits von 75 Jahren nimmt der Anteil der Übergewichtigen wieder etwas ab. Hochbetagte Menschen verlieren nicht selten wieder Gewicht (manchmal auch durch Krankheiten, Appetitlosigkeit oder weil stark Übergewichtige erst gar nicht so alt werden). Bei über 75-Jährigen liegt der Übergewichtsanteil noch bei gut 55 % – immer noch über der Hälfte, aber etwas niedriger als mit 65–70.

Damit man die Unterschiede besser sieht, hier eine kleine Übersicht verschiedener Altersgruppen:

  • Kinder (3–17 Jahre): ~15 % übergewichtig (6 % adipös)
  • Junge Erwachsene (18–24 Jahre): ~25 % übergewichtig (sehr wenige adipös)
  • Ältere Erwachsene (65–74 Jahre): ~66 % übergewichtig (≈20 % adipös)

Man erkennt: Je älter, desto höher der Anteil an Übergewicht – bis auf die allerhöchsten Jahrgänge, wo’s leicht sinkt. Übergewicht ist also kein reines „Luxusproblem gut situierter Junger“, sondern besonders in der Lebensmitte und im Alter enorm verbreitet.

Und dennoch: Dass schon jeder vierte junge Erwachsene betroffen ist und sogar Kinder mit 6 Jahren schon an Adipositas leiden können, zeigt, dass alle Altersklassen Teil des Problems sind.

Regionale Unterschiede: Wo in Deutschland ist Übergewicht am häufigsten?

Nicht nur Alter und Geschlecht spielen eine Rolle – auch Wohnort und Region haben einen Einfluss darauf, wie viele Menschen zu schwer sind. In Deutschland gibt es da ein Ost-West-Gefälle sowie Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Ost gegen West: Schaut man nach Bundesland, liegen die höchsten Adipositasraten oft in ostdeutschen Ländern. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise ist etwa jeder Fünfte (über 20 %) adipös. Auch Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Thüringen liegen mit rund 18–19 % Adipositasquote an der Spitze.

Die niedrigsten Werte findet man hingegen in einigen westdeutschen Regionen, vor allem in Stadtstaaten: In Hamburg sind es nur ca. 12–13 % Adipöse, in Berlin rund 14 %. Insgesamt haben westliche und südliche Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein etwas niedrigere Quoten (um die 15–17 % adipös) als viele östliche Bundesländer.

Beim Übergewicht insgesamt (also BMI ≥25) sieht das Bild ähnlich aus: In ländlich geprägten und strukturschwächeren Regionen ist ein größerer Anteil der Bevölkerung zu schwer, während in wohlhabenderen und urbaneren Gegenden etwas mehr Leute normalgewichtig sind.

Stadt vs. Land: Wo ist Übergewicht mehr verbreitet?

In Städten leben tendenziell schlankere Menschen als auf dem Land.

Ein Beispiel liefert Bayern: In München liegt der durchschnittliche BMI der Erwachsenen bei 24,7 (also im oberen Normalbereich), während er in ländlichen Gebieten Bayerns bei über 26 liegt – das ist bereits deutliches Übergewicht. Anders formuliert: Großstädter haben im Schnitt weniger Übergewicht als Leute in Kleinstädten und Dörfern.

Die bayerischen Statistiker haben es so zusammengefasst: „In urbanen Regionen ist die Bevölkerung am schlanksten […] Für Menschen in ländlichen Regionen liegt der durchschnittliche BMI durchaus höher.“. Wer schon mal durch manche ländliche Gemeinden gegangen ist, mag das subjektiv bestätigt sehen: Das Klischee vom „städtischen Jogger“ und dem „ländlichen Stammtischbruder“ enthält vielleicht ein Quäntchen Wahrheit – wobei natürlich überall alle Körpertypen vorkommen.

Warum gibt es diese regionalen Unterschiede?

Dafür gibt es viele mögliche Gründe: In strukturschwachen Gegenden (oft Ostdeutschland oder ländlicher Raum) sind Einkommen und Bildungsniveau häufig niedriger – und wie wir noch sehen, geht geringerer sozialer Status oft mit höherer Übergewichtsrate einher.

Zudem kann die Versorgungslage einen Einfluss haben: In Städten gibt es mehr Fitnessstudios, Sportangebote, aber auch mehr gesunde Gastronomie oder Bio-Supermärkte; auf dem Land fährt man vielleicht eher mit dem Auto (statt zu Fuß) zum nächsten Discounter, wo die Versuchung durch günstige kalorienreiche Lebensmittel groß ist.

Auch Traditionen und Kultur spielen rein – man denke an die unterschiedliche Küche (der Berliner isst vielleicht lieber einen Salat to go, der Thüringer eine Rostbratwurst – überspitzt gesagt). Natürlich sind das Verallgemeinerungen, aber unterm Strich zeigen die Statistiken klar: Wohnort beeinflusst das Gewicht.

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Entwicklung über die Jahre: Werden die Deutschen dicker?

Jetzt fragst du dich vielleicht: War das schon immer so schlimm, oder ist das ein neues Phänomen? Die klare Antwort: Deutschland wird im Laufe der Zeit tatsächlich immer dicker. Die Übergewichts- und Adipositasraten steigen seit Jahrzehnten an – wenn auch nicht explosionsartig, so doch stetig und scheinbar unaufhaltsam.

Werfen wir einen Blick zurück: Um die Jahrtausendwende lag der Anteil der adipösen Erwachsenen noch deutlich niedriger als heute. Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, dass um 2003 nur etwa 12 % der Erwachsenen adipös waren – heute sind es knapp 20 %. In 20 Jahren also ein Sprung von 12 auf rund 20 %. Das ist ein Anstieg um über die Hälfte. In absoluten Zahlen heißt das: 2003 gab es geschätzt vielleicht 6–7 Millionen adipöse Erwachsene in Deutschland, heute sind es um die 13 Millionen.

Auch beim Übergewicht insgesamt (inklusive Adipositas) sehen wir eine Zunahme, wenn auch moderater. 1998 gab es eine große Gesundheitsstudie, die etwa 51 % Übergewichtige fand. Heute – wie oben erwähnt – sind es rund 54 %. Dieser Zuwachs um einige Prozentpunkte erscheint auf den ersten Blick nicht dramatisch, aber man darf nicht vergessen: Ein paar Prozentpunkte bezogen auf 80 Millionen Einwohner bedeuten Millionen zusätzliche Betroffene. Außerdem war der Wert schon damals hoch; das heißt er ist auf hohem Niveau weiter gestiegen.

Tabelle 2: Anteil adipöser Erwachsener in Deutschland im Zeitverlauf (Selbstauskunft, Mikrozensus)

JahrAdipositas-Quote (BMI ≥30)
200914,7 % 😐
201315,7 % 😕
201716,3 % 😟
202116,8 % 😟

Quelle: Statistisches Bundesamt (Mikrozensus)

Man sieht: in gut einem Jahrzehnt (2009 bis 2021) stieg die Quote von etwa 15 % auf 17 % an. Der Trend wurde allerdings durch einen Methodenwechsel 2020 leicht verwischt, sodass die genauen Zahlen vorsichtig zu interpretieren sind. Aber unabhängig von kleinen methodischen Sprüngen bestätigen alle Datenquellen: Es geht seit langer Zeit bergauf mit den Gewichten.

Das Robert Koch-Institut fasst es so zusammen: „Zwischen 2003 und 2023 stieg die Adipositasprävalenz von 12,2 % auf 19,7 % […] über alle Alters-, Geschlechts- und Bildungsgruppen hinweg an.“.

Das ist eine sehr deutliche Aussage.

Während der Corona-Pandemie 2020/21 befürchteten viele, dass Lockdowns und Bewegungsmangel die Menschen zusätzlich zunehmen lassen. Ob Corona einen langfristigen Effekt hatte, ist noch nicht vollständig ausgewertet. Einige Krankenkassenberichte und kleinere Studien zeigten, dass viele während der Lockdowns tatsächlich etwas an Gewicht zugelegt haben – Stichwort „Corona-Kilos“. Allerdings war der steigende Trend ja schon vorher da und setzt sich offenbar fort. Von einer Trendwende kann jedenfalls keine Rede sein.

Exkurs: Kinder – Lichtblick bei den Jüngsten?

Eine interessante Ausnahme gibt es: Bei Kindern und Jugendlichen scheint die Lage sich nicht weiter verschlimmert zu haben. In den 1980er/90er Jahren und bis 2000 stiegen die Gewichtsprobleme bei Kindern stark an. Doch seit den 2000ern stabilisieren sich die Zahlen auf hohem Niveau.

Die KiGGS-Studie fand in ihrer ersten Runde (2003–2006) 15,0 % übergewichtige Kinder, in der aktuellen Runde (2014–2017) wieder 15,0 % – also kein Anstieg. Die Adipositasquote lag früher bei 6,3 %, jetzt bei 5,9 % – minimal niedriger. Experten formulieren es so: „Der Anstieg von Übergewicht und Adipositas ist gestoppt – aber eine Entwarnung ist das nicht, es bleibt auf hohem Niveau.“.

Immerhin wurde damit das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreicht, den weitere Anstieg der Kinder-Adipositas bis 2025 zu verhindern. Deutschland hat diese Kurve gekriegt – doch 15 % übergewichtige Kids sind dennoch ein Problem. Positiv kann man sagen: Intensive Aufklärung in Kitas/Schulen, bessere Ernährung dort und mehr Sportangebote könnten gewirkt haben, sodass es nicht noch schlimmer wurde.

Aber zufrieden sein kann man mit einer Situation, in der jedes siebte Kind zu dick ist, natürlich nicht.

Soziale Faktoren: Wer ist besonders von Übergewicht betroffen?

Übergewicht trifft nicht alle Menschen gleich.

Es gibt große soziale Unterschiede. Einfach gesagt: Menschen mit niedrigerem Sozialstatus – also geringerem Bildungsgrad, geringerem Einkommen, oft auch mit Migrationshintergrund – sind deutlich häufiger übergewichtig oder adipös als sozial bessergestellte Gruppen.

Schauen wir uns ein paar Aspekte an:

Bildung und Einkommen

Zahlreiche Studien zeigen einen klaren Zusammenhang: Je niedriger die Bildung und das Einkommen, desto höher das Risiko für Übergewicht. Warum ist das so? Menschen mit weniger Bildung haben möglicherweise weniger Gesundheitswissen (z.B. was Ernährung angeht) und arbeiten öfter in körperlich anstrengenden, aber auch ungesünderen Jobs. Geringes Einkommen schränkt ein – gesunde Lebensmittel sind oft teurer, während Kalorienbomben (Fertiggerichte, Fast Food) billig zu haben sind.

Außerdem wohnen sozial Schwächere seltener in „sportlichen“ Wohngegenden (auf dem Land fehlen z.B. Fitnessstudios oder sichere Radwege). Das Ergebnis: In Deutschland sind Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status deutlich häufiger adipös. Konkret hat z.B. eine Auswertung für Berlin und Brandenburg ergeben, dass in der untersten Einkommensgruppe mehr als doppelt so viele Menschen adipös sind wie in der obersten Einkommensgruppe.

Zahlen gefällig? In Berlin sind rund 17,3 % der Personen mit niedrigstem Einkommen adipös, aber nur 9,5 % der Besserverdienenden. In Brandenburg das gleiche Bild: 25,9 % adipös bei den Ärmeren vs. 14,3 % bei den Reichen. Das ist ein enormer Unterschied!

Selbst Übergewicht ohne Adipositas ist bei Einkommensschwachen häufiger. Ursache und Wirkung gehen hier Hand in Hand: Übergewicht kann auch das Einkommen beeinflussen (z.B. durch Krankheit, Arbeitsausfall), aber hauptsächlich ist es umgekehrt – ungünstige Lebensbedingungen fördern Übergewicht. Man spricht hier oft von sozialer Ungleichheit in der Gesundheit.

Beruf und Lebensweise

Eng verknüpft mit Bildung/Einkommen ist der Beruf.

Manche Berufe sind förderlich für ein gesundes Gewicht, andere eher hinderlich. Büroangestellte etwa sitzen viel, was ungünstig ist – aber sie haben vielleicht geregelte Zeiten und können sich gesunde Pausenbrote leisten. Bauarbeiter bewegen sich zwar körperlich, aber viele haben trotzdem Übergewicht (Schwerstarbeit macht hungrig, und das Feierabendbier ist verbreitet).

Schichtarbeiter (z.B. in Fabriken oder als Pflegekräfte) kämpfen häufig mit Übergewicht, weil Schichtarbeit den Stoffwechsel durcheinander bringt und regelmäßige Mahlzeiten schwer macht. Arbeitslose haben oft finanzielle Probleme und Stress, was auch zu Gewichtszunahme beitragen kann.

All das ist natürlich verallgemeinert – es gibt schlanke Bauarbeiter und übergewichtige Ärzte – aber statistisch zeigen sich Unterschiede je nach Berufsgruppe. Oft wird Übergewicht deshalb auch als „sozial bedingtes“ Problem bezeichnet, weil es mit unseren Lebensumständen eng verwoben ist.

Migrationshintergrund

Auch das spielt eine Rolle, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Studien (u.a. KiGGS) haben gezeigt, dass Kinder mit Migrationshintergrund häufiger übergewichtig sind als gleichaltrige ohne Migrationshintergrund.

Warum? Mögliche Gründe: Unterschiede im Ernährungsverhalten (je nach Kultur mehr kalorienreiche Kost), Bewegungsverhalten (vielleicht weniger Vereinsport, aus kulturellen oder finanziellen Gründen) und auch soziale Lage – Migrantenfamilien sind überdurchschnittlich oft sozial benachteiligt, was wiederum den genannten Teufelskreis triggert. Interessant ist, dass nicht alle Migrantengruppen gleich betroffen sind. Beispiel: Türkischstämmige Kinder hatten in einigen Untersuchungen höhere Raten an Adipositas als der Durchschnitt, während etwa Kinder aus vietnamesischen Familien seltener übergewichtig waren.

Hier spielen kulturelle Unterschiede in der Ernährung eine Rolle – die türkische Küche mit viel Fleisch und Süßem vs. eher gemüsereiche asiatische Küche, um ein Klischee zu bemühen.

Aber auch hier: Man darf nicht pauschalisieren. Wichtig ist festzuhalten, dass soziale Integration, Bildung und Kultur gemeinsam das Gewicht beeinflussen. Das Bundeszentrum für Ernährung fasst es so zusammen: „Generell haben Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status und Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger ein übermäßiges Körpergewicht.“.

Stadt/Land & Region (ergänzend)

Wie oben bei den regionalen Unterschieden erwähnt, sind sozial schwächere Regionen (oft ländlich, Ostdeutschland) stärker betroffen. In Städten gibt es wiederum innerhalb der Stadt Unterschiede: In wohlhabenden Vierteln (mit höheren Mieten, besserem Durchschnittseinkommen) sind die Menschen im Schnitt schlanker als in sozial schwächeren Stadtteilen.

Wer durch Berlin fährt, erkennt dies teilweise: Im „ärmlichen“ Wedding z.B. sieht man statistisch mehr übergewichtige Personen als im gutbetuchten Zehlendorf. Das sind allerdings Beobachtungen, die schwer in Zahlen zu fassen sind, weil innerhalb einer Stadt genaue Daten zu erheben kompliziert ist.

Übergewicht ist auch eine soziale Frage. Armut, geringe Bildung und Migrationshintergrund gehen häufig mit ungesundem Essen, wenig Bewegung und mehr Übergewicht einher. Das wirft natürlich auch die Frage nach Chancengleichheit auf – Gesundheit ist eben nicht für alle gleich zugänglich.

Ein kindliches Beispiel: Wenn Eltern wenig Geld haben, gibt’s abends vielleicht günstige Fertigpizza und Limo (viele Kalorien), statt teurem frischen Fisch und Gemüse. Oder das Kind wohnt in einem Viertel ohne Spielplatz und bleibt lieber zuhause vor dem Fernseher, während ein wohlhabenderes Kind in der Siedlung mit Garten jeden Nachmittag draußen toben kann.

Solche Unterschiede addieren sich über Jahre. Das Ergebnis sieht man auf der Waage.

Gesundheitliche Folgen: Warum ist Übergewicht problematisch?

Bisher haben wir viel über Zahlen und Verbreitung gesprochen.

Aber warum ist Übergewicht eigentlich ein Problem? Vielleicht kennst du jemanden (oder dich selbst), der sagt: „Ach, ein paar Kilo mehr schaden doch nicht – Hauptsache man fühlt sich wohl.“ Bis zu einem gewissen Grad stimmt das – leichtes Übergewicht muss nicht zwangsweise krank machen.

Aber je stärker das Übergewicht, desto größer die Risiken. Adipositas ist keine Lappalie, sondern wurde von der WHO sogar als chronische Krankheit eingestuft. Es heißt nicht ohne Grund oft „Volkskrankheit Übergewicht“.

BereichTypische Folgen
StoffwechselTyp-2-Diabetes (90 % der Betroffenen sind übergewichtig), Insulinresistenz, Fettleber
Herz-KreislaufBluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Atherosklerose, metabolisches Syndrom
BewegungsapparatKnie-/Hüftarthrose, Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle, verminderte Beweglichkeit
Atmung & SchlafAtemnot, Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf), Schnarchen, Pickwick-Syndrom
KrebsrisikoErhöhtes Risiko für Darm-, Brust-, Gebärmutter-, Leber-, Nierenkrebs (ca. 5–15 % aller Krebsfälle betroffen)
Psychische GesundheitDepressionen, Angststörungen, geringes Selbstwertgefühl, soziale Ausgrenzung, Essstörungen
Hormon- & ReproduktionZyklusstörungen, Unfruchtbarkeit, Schwangerschaftsprobleme, PCOS
WeitereGallensteine, Hauterkrankungen, erhöhtes Infektionsrisiko, geringere Lebenserwartung

Diabetes mellitus Typ 2

Starkes Übergewicht führt häufig zu einer Insulinresistenz – das Hormon Insulin wirkt schlechter, der Blutzucker bleibt hoch. Langfristig resultiert daraus oft Zuckerkrankheit (Typ-2-Diabetes).

Etwa 90 % der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig. Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, ist bei Adipositas um ein Vielfaches erhöht (Schätzungen sprechen von über dreifach höherem Risiko gegenüber Normalgewichtigen). In Deutschland explodieren die Diabetes-Zahlen parallel zum Übergewicht. Kein Zufall: Adipositas gilt als Haupttreiber der Typ-2-Diabetes-Epidemie.

Wer dick ist, hat eine deutlich höhere Chance, Diabetes zu bekommen – mit all den bösen Folgen wie Nerven-, Augen- und Nierenschäden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Extra-Kilos belasten das Herz und die Gefäße.

Übergewichtige haben oft Bluthochdruck – das Herz muss härter pumpen, um den größeren Körper zu versorgen. Auch die Blutfette sind häufig erhöht. Das alles fördert Atherosklerose (Gefäßverkalkung).

Daher erleiden Übergewichtige häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle als Normalgewichtige. Adipositas geht oft mit dem Metabolischen Syndrom einher (eine Kombination aus Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker und Bauchfett), was quasi eine Rundum-Angriffsfläche für Herz und Kreislauf bietet.

Eine Fettleber (ebenfalls Folge von Überessen) produziert zudem entzündliche Stoffe, die Gefäße schädigen können. Insgesamt verkürzt starkes Übergewicht die Lebenserwartung – manche Studien sprechen von mehreren Jahren, die Adipöse im Schnitt früher sterben.

Hauptgrund sind oft Herz-Kreislauf-Leiden.

Gelenk- und Rückenbeschwerden

Unser Bewegungsapparat ächzt unter zu viel Gewicht. Besonders die Knie- und Hüftgelenke werden bei jedem Schritt enorm belastet, wenn jemand z.B. 20 kg Übergewicht mit sich herumträgt – das entspricht einem mittelschweren Rucksack, den man den ganzen Tag schleppt!

Kein Wunder, dass Arthrose (Gelenkverschleiß) in Knie und Hüfte bei Übergewichtigen häufiger und früher auftritt. Auch der Rücken leidet: Die Bandscheiben werden mehr gequetscht, was Rückenschmerzen fördern kann. Viele stark Übergewichtige bewegen sich zudem weniger (weil es anstrengender ist), wodurch die Muskulatur abbaut – das verstärkt orthopädische Probleme zusätzlich.

Wenn du mal versucht hast, mit einem 10-kg-Rucksack Treppen zu steigen, weißt du, wie beanspruchend das ist. Adipöse Menschen tragen solche „Zusatzgewichte“ permanent mit sich herum. Über Jahre rächt sich das an Knochen und Gelenken.

Atemprobleme und Schlafapnoe

Fettpolster machen auch vor dem Brustkorb und Hals nicht halt. Viele Übergewichtige lagern Fett im Bereich des Nackens und Rachens ein. Im Schlaf kann dieses Gewebe die Atemwege einengen – es kommt zu Atemaussetzern (Schlafapnoe). Schnarchen ist dabei ein häufiges Anzeichen.

Schlafapnoe führt zu nicht erholsamem Schlaf, Tagesmüdigkeit und erhöht langfristig ebenfalls den Blutdruck sowie das Herzrisiko. Darüber hinaus strengt allein das Atmen mit Übergewicht mehr an – stark Adipöse entwickeln nicht selten eine Atemschwäche (das sog. Pickwick-Syndrom), bei der die Lunge durch den dicken Brustkorb und Bauch eingeengt wird. Kurzatmigkeit schon bei geringer Belastung ist die Folge.

Krebserkrankungen

Was viele nicht wissen: Adipositas erhöht das Risiko für verschiedene Krebsarten. Insbesondere Darmkrebs, Brustkrebs (nach den Wechseljahren), Gebärmutterkrebs, Nierenkrebs und Leberkrebs treten bei Übergewichtigen häufiger auf. Man schätzt, dass in den westlichen Ländern ein erheblicher Teil (vielleicht 5–15 %) aller Krebsfälle indirekt auf Übergewicht zurückzuführen ist.

Warum? Fettgewebe ist hormonell aktiv – es produziert z.B. Östrogene (besonders relevant für Brust- und Gebärmutterkrebs) und entzündungsfördernde Signalstoffe. Diese chronischen Entzündungen und Hormonveränderungen können das Krebswachstum begünstigen. Auch ein ständig erhöhter Insulinspiegel (siehe Diabetes) steht in Verdacht, Tumorzellen zu fördern. Klar ist: Adipositas folgt oft jahrelangem ungesundem Lebensstil, und der geht meist Hand in Hand mit Risikofaktoren, die auch Krebs begünstigen.

Psychische Belastungen

Über Gewicht spricht man meist in körperlichen Dimensionen – aber die Psyche leidet oft mit.

Starkes Übergewicht kann das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Viele Betroffene fühlen sich unwohl in ihrem Körper, schämen sich oder haben mit sozialer Ausgrenzung zu kämpfen. Diskriminierung aufgrund von Körperfülle ist leider Realität – ob dumme Sprüche, Benachteiligung im Job oder im schlimmsten Fall Mobbing. Das führt dazu, dass Depressionen und Angststörungen bei Adipositas-Patienten häufiger diagnostiziert werden.

Tatsächlich ist das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei adipösen Personen etwa doppelt so hoch wie bei Normalgewichtigen. Es kann ein regelrechter Teufelskreis entstehen: Aus Frust oder Einsamkeit wird mehr gegessen (Frustessen), dadurch nimmt man weiter zu, das Selbstbild verschlechtert sich, man zieht sich zurück – und die Depression verstärkt sich. Andererseits können psychische Probleme auch eine Ursache von Übergewicht sein (z.B. Essstörungen wie Binge Eating, bei der Betroffene unkontrollierbare Essanfälle haben). Körper und Psyche hängen eng zusammen.

Adipositas ist jedenfalls eine enorme seelische Belastung für viele – was oft vergessen wird, wenn man nur auf Blutwerte und Waagenzahlen schaut.

Weitere Folgen

Die Liste ließe sich fortsetzen. Übergewicht beeinflusst nahezu alle Organsysteme.

Einige Beispiele: Adipöse haben häufiger Gallensteine und Gallenblasenprobleme. Bei Frauen kann starkes Übergewicht zu Menstruationsstörungen und Unfruchtbarkeit beitragen (Stichwort Polyzystisches Ovarialsyndrom). In der Schwangerschaft erhöht Übergewicht das Risiko für Komplikationen.

Die Haut leidet (Skin Tags, Wundreiben, erhöhte Schweißbildung). Immunsystem: Es gibt Hinweise, dass Übergewichtige anfälliger für Infektionen sind (man sah etwa erhöhte Komplikationsraten bei Grippe und COVID-19 bei Adipösen). Insgesamt lässt sich sagen: Adipositas belastet den gesamten Körper von Kopf bis Fuß. Oder wie ein Professor mal plakativ sagte: „Vom Scheitel bis zur Sohle – kein Pfund ist ohne Risiko.“

Übergewicht ist nicht nur ein Schönheitsproblem. Es ist ein handfestes medizinisches Problem, das die Entstehung zahlreicher chronischer Krankheiten fördert. Adipositas verkürzt die Lebenszeit und mindert die Lebensqualität. Natürlich heißt das nicht, dass jeder Übergewichtige zwangsläufig krank wird – es gibt auch übergewichtige Menschen, die sich (noch) pudelwohl und fit fühlen. Doch statistisch betrachtet holen einen die Konsequenzen meist irgendwann ein.

Vielleicht motiviert dich dieses Wissen ja, auf dein eigenes Gewicht zu achten. Es geht nicht um Modelmaße, sondern darum, deinem Körper langfristig etwas Gutes zu tun. Und falls du dich mit ein paar Kilos zu viel schon identifizieren kannst: Es ist nie zu spät, etwas zu ändern – aber auch nie zu früh, vorzubeugen. Dazu im letzten Abschnitt mehr.

Wirtschaftliche Kosten: Übergewicht betrifft uns alle (auch finanziell)

Neben den persönlichen gesundheitlichen Folgen hat Übergewicht auch eine gesellschaftliche Dimension – insbesondere wirtschaftlich. Man könnte sagen: Übergewicht kommt uns teuer zu stehen.

Warum das? Nun, die durch Übergewicht verursachten Krankheiten (wie Diabetes, Herzleiden, Gelenkersatz-Operationen usw.) müssen behandelt werden. Das belastet unser Gesundheitssystem. Zudem führen Krankheiten zu Krankschreibungen und Ausfällen am Arbeitsplatz, eventuell sogar zu Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung. Und nicht zuletzt gibt es immaterielle Kosten: Wenn Menschen wegen gesundheitlicher Probleme weniger am sozialen Leben teilnehmen, ist das ebenfalls ein Verlust an Lebensqualität in der Gesellschaft.

Ökonomen unterscheiden meist direkte und indirekte Kosten von Adipositas:

  • Direkte Kosten: Das sind die unmittelbaren Gesundheitsausgaben. Dazu zählen die Behandlungskosten der Adipositas selbst (z.B. Ernährungsberatungen, Medikamente zur Gewichtsreduktion, im Extremfall bariatrische Operationen wie Magen-OPs) und vor allem die Behandlungskosten für Folgeerkrankungen (z.B. Insulin und Arztbesuche für Diabetes, Herz-OPs, Blutdruckmedikamente, Schlafapnoe-Geräte, Krebsterapien usw.).
  • Indirekte Kosten: Dazu zählt man v.a. Produktivitätsverluste. Also z.B. wirtschaftliche Schäden durch Arbeitsunfähigkeit (Krankentage, Fehlzeiten) und Frühverrentungen aufgrund von Übergewichts-Folgen. Auch der Verlust an Lebensqualität wird manchmal versucht, in Geld zu bewerten (etwa über das Konzept der QALYs in der Gesundheitsökonomie), was aber schwierig und eher theoretisch ist.

Man hat versucht, diese Kosten zu beziffern – was natürlich nicht 100% exakt geht, aber man bekommt eine Vorstellung von der Größenordnung.

Forscher der Uni Hamburg kamen in einer umfassenden Analyse auf eine gesamtgesellschaftliche Last von rund 63 Milliarden Euro pro Jahr durch Adipositas in Deutschland. Ja, Milliarde, nicht Million! 😮 Davon entfallen geschätzt ca. 29 Mrd. € auf direkte Kosten und etwa 34 Mrd. € auf indirekte Kostene. Anders ausgedrückt: Etwa 63.000.000.000 € jährlich kosten uns die Folgen der Fettleibigkeit.

Tabelle 3: Geschätzte jährliche Kosten durch Adipositas in Deutschland

KostentypBetrag pro Jahr (ca.)
Direkte Kosten (Behandlung)29 Mrd. € 💉🏥
Indirekte Kosten (Produktivitätsverluste etc.)34 Mrd. € 🏭💸
Gesamtkosten≈ 63 Mrd. € 📉

(Berechnungen nach Effertz et al. 2016, zitiert nach Deutscher Adipositas-Gesellschaft)

63 Milliarden – das entspricht grob dem gesamten jährlichen Budget des Bundesbildungsministeriums und Bundesfamilienministeriums zusammen, nur um einen Vergleich zu haben. Oder etwa 1,5 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Eine OECD-Modellrechnung kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass in den kommenden Jahrzehnten etwa 8 % der gesamten Gesundheitsausgaben auf die Behandlung adipositasbedingter Krankheiten entfallen werden. Das ist fast ein Zehntel des Gesundheitsetats – enorm viel für einen vermeidbaren Risikofaktor.

Die OECD schlüsselt auch auf, wofür dieses Geld hauptsächlich draufgeht: Man schätzt, dass ca. 70 % der Diabetes-Behandlungskosten durch Adipositas verursacht werden (weil eben der Großteil der Diabetiker übergewichtig ist), ebenso 23 % der Herz-Kreislauf-Kosten und 9 % der Krebsbehandlungskosten. Das heißt: Wenn es gelänge, Übergewicht weitgehend zu vermeiden, könnte man theoretisch einen Großteil dieser Krankheiten – und damit Ausgaben – einsparen.

Neben dem Gesundheitssystem spürt auch die Wirtschaft die Folgen. Durch Krankheitstage und verminderte Leistungsfähigkeit geht Arbeitszeit verloren. Adipöse Arbeitnehmer fehlen im Schnitt häufiger krankheitsbedingt als Normalgewichtige (etwa wegen Rückenproblemen, Diabeteskomplikationen usw.). Wenn Millionen Menschen betroffen sind, summiert sich das.

Es gibt Berechnungen, wie viele Arbeitstage durch Übergewicht verloren gehen – genaue Zahlen variieren, aber es sind Millionen Fehltage pro Jahr, die damit in Verbindung stehen. Zusätzlich gehen dem Arbeitsmarkt Leute verloren, die sich dauerhaft krank melden oder früh verrentet werden wegen Adipositas-Folgen. In den indirekten Kosten oben (34 Mrd. €) ist das mit eingerechnet.

Und schließlich trägt auch jeder Einzelne indirekt die Kosten: Die Krankenkassen finanzieren die Behandlung der Folgeerkrankungen – was wir alle über Beiträge bezahlen. Höhere Ausgaben der Kassen können langfristig zu höheren Beiträgen führen. Auch Pflegeversicherungen und Rentenkassen ächzen unter den Folgeproblemen (z.B. wenn Diabetiker dialysepflichtig werden oder jemand nach Schlaganfall pflegebedürftig wird – alles häufiger bei Übergewichtigen).

Übergewicht ist nicht nur ein individuelles Gesundheitsproblem, sondern auch ein wirtschaftliches Problem für unsere Gesellschaft. Es lohnt sich also im wahrsten Sinne des Wortes, etwas dagegen zu tun – für die Gesundheit und den Geldbeutel der Nation.

Was wird dagegen getan? – Programme und Maßnahmen im Kampf gegen die Kilos

Angesichts der beschriebenen Entwicklung könnte man fragen: Schaut die Politik dem tatenlos zu? Natürlich nicht – es gibt seit Jahren verschiedenste Programme, Initiativen und Maßnahmen, um dem Übergewicht entgegenzusteuern.

Allerdings muss man ehrlich sagen: Der Erfolg war bisher begrenzt, wie der kontinuierliche Anstieg der Adipositasraten zeigt. Viele Experten fordern deshalb intensivere und neue Ansätze. Schauen wir uns an, was es gibt und was geplant ist:

Nationaler Aktionsplan „IN FORM“

Bereits 2008 hat die Bundesregierung einen großen Aktionsplan gestartet namens „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“.

Unter Federführung des Bundesernährungsministeriums (BMEL) und des Gesundheitsministeriums (BMG) wurden seitdem über 250 Projekte ins Leben gerufen. Diese richten sich an alle Lebensbereiche: von Programmen für Kitas und Schulen (z.B. gesunde Kantinenessen, tägliche Sportstunden) über Betriebliche Gesundheitsförderung (Bewegungsangebote am Arbeitsplatz) bis hin zu Seniorenprogrammen (Fit im Alter). Ernährungsbildung und Bewegungsförderung stehen im Vordergrund.

IN FORM ist quasi der Dachplan, unter dem viele einzelne Projekte laufen. Zum Beispiel gab/gibt es Kampagnen wie „5 am Tag“ (für mehr Obst und Gemüse), Aktionen für mehr Schulsport, das Projekt „Fit Kid“ für gesunde Kita-Verpflegung, und vieles mehr.

Der Ansatz ist: Möglichst früh ansetzen und überall dort, wo Menschen ihren Alltag verbringen (Lebenswelten-Ansatz). Nach über 15 Jahren lässt sich sagen: IN FORM hat viel angestoßen, aber den Trend umkehren konnte es (noch) nicht. Trotzdem wird es weitergeführt und auch weiterentwickelt – schließlich sind Präventionserfolge oft erst langfristig sichtbar.

Präventionsgesetz und Frühe Förderung

2015 wurde in Deutschland das Präventionsgesetz verabschiedet. Dieses Gesetz soll dafür sorgen, dass Krankenkassen und andere Akteure mehr Geld in Gesundheitsförderung und Prävention investieren – gerade auch in Hinsicht auf Ernährung und Bewegung.

Seitdem fließen z.B. mehr Mittel in Gesundheitskurse (die Krankenkassen bezuschussen z.B. Abnehmkurse, Sportkurse, Ernährungsberatung für Versicherte).

Auch in Kitas und Schulen werden verstärkt Projekte gefördert. Das BMG hat einen Förderschwerpunkt „Prävention von Kinderübergewicht“ eingerichtet. Hier werden Modellprojekte unterstützt, die innovative Ansätze ausprobieren – z.B. Programme, die Eltern und Kinder gemeinsam an einen gesünderen Lebensstil heranführen, oder Projekte, die Bewegung in den Schulalltag integrieren (etwa tägliche kurze Sporteinheiten im Unterricht).

Das Bundesgesundheitsministerium betont, man wolle so früh wie möglich ansetzen und Kinder „in ihren Lebenswelten erreichen“, wie es in einer Veröffentlichung heißt. Die Idee dahinter: Wenn Kinder gar nicht erst ungesundes Verhalten entwickeln, brauchen wir später weniger Erwachsene, die mühsam abnehmen müssen.

Aufklärung durch die BZgA

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat die Aufgabe, Bürger über Gesundheitsthemen zu informieren. Natürlich gehört Ernährung & Übergewicht dazu.

Die BZgA betreibt z.B. die Webseite “übergewicht-vorbeugen.de” mit Informationen und Tipps für Eltern, Kinder und Interessierte. Dort findet man kindgerechte Aufklärung (etwa Comics zur Ernährung), aber auch Daten und Fakten. Außerdem produziert die BZgA Broschüren, Plakate, Kampagnen etc.

Erinnerst du dich vielleicht an Slogans wie „Mach den Schritt – geh zu Fuß!“ oder „Deutschland isst gesünder“ – solche Kampagnen sollen das Thema präsent halten. Allerdings muss man sagen, dass reine Aufklärung allein oft nicht reicht, wenn nicht gleichzeitig die Umgebung gesünder wird.

Zusammenarbeit mit der Lebensmittelindustrie

Ein wichtiger Hebel ist, das Angebot an Lebensmitteln gesünder zu machen.

Das BMEL hat hierzu die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie“ gestartet. Die Lebensmittelwirtschaft wurde verpflichtet bzw. freiwillig motiviert, Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zu reduzieren – insbesondere in solchen, die Kinder oft konsumieren (z.B. Limonaden, Frühstückscerealien, Snacks). Bis 2025 sollen bestimmte Reduktionsziele erreicht werden (z.B. X % weniger Zucker in Joghurts im Schnitt). Einige Hersteller haben tatsächlich den Zuckergehalt mancher Produkte gesenkt.

Trotzdem steht die Strategie in der Kritik: Verbindliche Vorgaben gibt es kaum, vieles beruht auf Freiwilligkeit der Industrie. Kritiker sagen, die Fortschritte seien zu langsam und zu gering. Die Politik droht zumindest indirekt: Wenn die Industrie nicht genug tut, könnten gesetzliche Maßnahmen folgen. Bislang versucht man es aber lieber im Einvernehmen. Eine ähnliche Debatte gab es um die Einführung der Lebensmittelampel Nutri-Score: Diese bunte Kennzeichnung (A bis E für gesündere vs. ungesündere Fertigprodukte) ist in Deutschland seit 2020 zugelassen, aber freiwillig.

Einige Marken haben sie übernommen, andere nicht. Die Idee ist, dass Verbraucher schneller erkennen können, wie “gesund” ein Lebensmittel ist, und dann hoffentlich öfter zum Apfel (Grüner A-Score) als zum Schokoriegel (Roter E-Score) greifen. Nutri-Score allein macht aber natürlich niemanden schlanker; es ist nur ein Puzzleteil.

Regulierung und Gesetze

Einige Länder (z.B. Großbritannien, Mexiko) haben eine Steuer auf Zuckergetränke eingeführt, um den Konsum von flüssigen Kalorien zu senken. In Deutschland wurde so etwas oft diskutiert, aber bisher nicht umgesetzt – vermutlich aus Angst vor “Bevormundungs”-Vorwürfen oder Lobbydruck.

Aktuell plant die Bundesregierung allerdings striktere Regeln für Werbung: Ungesunde Lebensmittel (z.B. Süßigkeiten, Fast Food) sollen in Werbung, die sich an Kinder richtet, nicht mehr angepriesen werden dürfen. Sprich: weniger Reklame mit Comics für Zuckerflakes im Kinder-TV. Dieses Vorhaben (getrieben vom Ernährungsminister) ist jedoch politisch umstritten und Stand 2025 noch in Debatte.

Dennoch zeigt es, dass gesetzliche Maßnahmen als nächstes kommen könnten, sollte die freiwillige Selbstkontrolle nicht reichen. Denn viele Experten sind überzeugt: Nur Appelle an die Vernunft reichen nicht, es braucht auch Rahmenbedingungen, die das Gesunde leichter verfügbar und das Ungesunde unattraktiver machen.

Medizinische Programme

Neben der Prävention gibt es auch Ansätze, den bereits Betroffenen besser zu helfen, abzunehmen oder wenigstens Folgeerkrankungen einzudämmen. Ein ganz neues Instrument ist ein „DMP Adipositas“ für Erwachsene, das Ende 2023 beschlossen wurde. DMP steht für Disease-Management-Programm – das sind strukturierte Behandlungsprogramme der Krankenkassen, wie es sie z.B. für Diabetes oder Asthma gibt. Ab April 2024 können sich adipöse Patienten in dieses Programm einschreiben.

Das Ziel: Eine leitliniengerechte, strukturierte Behandlung nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das umfasst regelmäßige Arzttermine, Schulungen, Ernährungsberatungen, Bewegungsangebote etc. Fokus des Adipositas-DMP ist die Verhaltensänderung: also Ernährung umstellen, mehr Bewegung, psychologische Unterstützung – multimodal, wie Fachleute sagen. Wenn nötig, werden aber auch medikamentöse Therapien oder Operationen mit bedacht.

Das DMP schafft einen Rahmen, in dem Ärzte und Patienten systematisch zusammenarbeiten, statt dass der Patient alleingelassen wird mit „Du musst halt abnehmen“. Für Kinder und Jugendliche ist ein ähnliches Programm in Vorbereitung. Man erhofft sich durch das DMP, die Versorgung von Adipositas-Patienten zu verbessern und Folgeschäden zu reduzieren.

Natürlich, ein Programm alleine macht nicht schlanker, wenn der innere Schweinehund nicht mitspielt – aber es ist ein Schritt, Adipositas als ernsthafte Erkrankung im Gesundheitssystem zu verankern und strukturiert anzugehen.

Therapie-Angebote und Selbsthilfe

Außerhalb der staatlichen Programme gibt es zahlreiche Angebote von Krankenkassen, Kliniken und Ärzten. Präventionskurse zum Abnehmen boomen (viele werden von Kassen bezuschusst).

Es gibt Abnehmgruppen (à la Weight Watchers, die inzwischen WW heißen), oft sogar als Kurs vor Ort oder online. Kliniken bieten Ernährungsberatungen und Bewegungstherapien an. Auch psychologische Hilfe spielt eine Rolle, etwa um Essstörungen oder Frustessen in den Griff zu kriegen.

In schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff (Magenbypass, Magenverkleinerung etc.) das letzte Mittel sein – diese werden in Deutschland auch tausendfach pro Jahr durchgeführt und von Kassen bezahlt, wenn medizinisch notwendig. Es gibt zudem Selbsthilfegruppen für Übergewichtige, die moralische Unterstützung bieten. All das fällt eher unter „Behandlung“ als unter „Prävention“, aber letztlich zielt es natürlich auch darauf ab, das Gewicht zu reduzieren.

Forschung und Innovation

Das Problem Übergewicht hat auch die Forschung auf den Plan gerufen. In Deutschland werden viele Studien gemacht, warum Menschen zunehmen und wie man Übergewicht verhindern oder behandeln kann (von Genetik über Verhaltensforschung bis zu neuen Medikamenten).

Kürzlich kamen neue Medikamente auf den Markt (Stichwort GLP-1-Agonisten wie Ozempic), die zu deutlicher Gewichtsabnahme führen können – ursprünglich Diabetes-Medikamente, nun auch als Adipositas-Therapie zugelassen. Diese könnten in Zukunft eine größere Rolle spielen, stehen aber auch in der Kritik (teuer, mögliche Nebenwirkungen, und sie behandeln eher das Symptom als die Ursache).

Nichtsdestotrotz: Die medizinische Forschung rund um Übergewicht läuft auf Hochtouren, denn wenn man hier einen Durchbruch erzielt, wäre das ein Segen für die Volksgesundheit.

Öffentliche Aufmerksamkeit und Entstigmatisierung

Nicht zuletzt gibt es einen gesellschaftlichen Wandel, was das Thema angeht. Früher war das vielleicht mit mehr Häme und „selber Schuld“-Mentalität behaftet. Heute versuchen viele Initiativen, Respekt und Verständnis für Betroffene zu fördern. Die Adipositas Gesellschaft hat z.B. einen Medien-Leitfaden herausgegeben, um eine stigamafreie Berichterstattung zu fördern.

Außerdem versuchen Influencer und Promis, das Thema anzugehen – von Fitness-Coaches, die zu einem besseren Lifestyle motivieren, bis zu Menschen, die zeigen „Du kannst auch mit ein paar Kilos zu viel selbstbewusst sein“. Diese Body-Positivity-Bewegung hat kontrovers diskutierte Facetten, aber ein Ziel ist wichtig: Menschen sollen nicht aufgrund ihres Gewichts diskriminiert werden, und gleichzeitig soll ein gesundes Leben gefördert werden. Das ist ein schwieriger Balanceakt.

Trotz all dieser Bemühungen muss man realistisch sagen: Bisher haben wir den Kampf gegen das Übergewichtsproblem noch nicht gewonnen. Das RKI zieht nüchtern Bilanz: „Der kontinuierliche Anstieg der Adipositasprävalenz […] zeigt, dass bisherige Maßnahmen zur Prävention unzureichend waren.“.

Experten fordern daher ein ganzes Bündel von Maßnahmen, unter anderem:

  • Mehr frühkindliche Prävention: Schon in der Schwangerschaft und Kita-Zeit ansetzen (denn auch immer mehr Schwangere sind übergewichtig, fast jede zweite war 2022 bei der ersten Untersuchung übergewichtig, was Risiken für Mutter und Kind birgt).
  • Gesündere Schulernährung und verpflichtende Bewegung: z.B. täglich 1 Stunde Sport in allen Schulen.
  • Stärkere Regulierungen: etwa eine Zuckersteuer auf Softdrinks, gesetzliche Obergrenzen für Zucker/Fett in Kinderlebensmitteln, und strengere Werbeverbote – all das, was in anderen Ländern teilweise längst gemacht wird.
  • Städtebau und Umfeld: Städte „bewegungsfreundlicher“ gestalten (mehr Radwege, Parks), Treppen statt Rolltreppen attraktivieren, etc., damit Bewegung im Alltag leichter fällt.
  • Angebote für sozial Benachteiligte: z.B. kostenlose Sportangebote in sozialen Brennpunkten, Kochkurse in Arbeitslosenzentren, etc.
  • Medizinische Versorgung verbessern: Hausärzte stärker in die Pflicht nehmen, Adipositas früher anzusprechen und Hilfe zu vermitteln; Ausbau von Ernährungsberatung auf Krankenschein usw.
  • Mental Health berücksichtigen: Abnehmprogramme sollten auch psychologische Komponenten haben, um den Teufelskreis aus Frust und Essen zu durchbrechen.

Die Liste ließe sich verlängern.

Es gibt kein Patentrezept. Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, vom Einzelnen (der seine Gewohnheiten ändert) über die Gemeinschaft (Kitas, Schulen, Betriebe) bis hin zur Politik und Industrie (die Rahmen setzen und Angebote schaffen).

Es geht darum, unsere „Umwelt“ weniger dickmachend zu gestalten.

Schlussgedanke

Übergewicht in Deutschland ist ein komplexes Thema mit vielen Facetten. Wir haben gesehen: Mehr als die Hälfte der Erwachsenen ist übergewichtig, und auch viele Kinder tragen zu viel Ballast mit sich herum. Das belastet Gesundheit, Psyche und das Gesundheitssystem enorm.

Die Gründe sind vielfältig – vom persönlichen Lebensstil bis zu gesellschaftlichen Entwicklungen und der allgegenwärtigen Verfügbarkeit von ungesunder Nahrung. Jeder von uns kann im Kleinen etwas tun (mehr bewegen, bewusster essen, Kinder zu einem gesunden Lebensstil erziehen). Doch genauso braucht es große Räder, die gedreht werden: Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die gesunde Wahl zur leichten Wahl machen, und Vorurteile gegen Dicke abbauen, ohne die gesundheitlichen Risiken zu verharmlosen.

Vielleicht fühlst du dich von all den Zahlen etwas erschlagen – aber es sollte deutlich geworden sein, warum das Thema Übergewicht so wichtig ist. Es geht hier nicht um Schönheitsideale, sondern um handfeste Gesundheitsvorsorge und Lebensqualität für Millionen. Wenn wir es schaffen, als Gesellschaft den Trend umzukehren – dass in Zukunft weniger Menschen zu viel Gewicht mit sich herumschleppen –, dann gewinnen wir alle: an Gesundheit, an Lebensjahren, an finanziellen Ressourcen und an allgemeinem Wohlbefinden.

Du persönlich kannst den ersten Schritt tun: Schau auf deine Gewohnheiten. Schon kleine Änderungen im Alltag – die Treppe statt des Aufzugs nehmen, einmal mehr frisch kochen statt Fast Food, den Fernsehabend gegen einen Spaziergang tauschen – können viel bewirken. Stell dir vor, jeder in Deutschland würde nur ein bisschen gesünder leben: Die Statistiken würden sich über die Jahre wie von selbst verbessern.

In diesem Sinne: Pass auf dich auf und bleib in Bewegung! Deutschland hat sprichwörtlich einiges an Gewicht abzuwerfen.

Quellen

Die verwendeten Zahlen und Fakten stammen aus aktuellen und seriösen Quellen, u.a. vom Robert Koch-Institut, dem Statistischen Bundesamt, der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, der OECD sowie Veröffentlichungen des Bundesgesundheitsministeriums und Bundesernährungsministeriums.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.