Du verdienst 77.400 € brutto im Jahr und kannst dich deshalb privat versichern lassen?
Dann stehst du vor einer der wichtigsten Entscheidungen in Bezug auf deine Gesundheit: Solltest du von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln – oder bleibst du freiwillig in der GKV? In diesem Artikel erklären wir dir auf verständliche Weise, wann es sich wirklich lohnt, in die PKV zu wechseln und wann du besser vorsichtig sein solltest.
Wir gehen auf die Voraussetzungen ein (z. B. Gehaltsgrenzen, Alter, Gesundheitsprüfung), vergleichen die Vor- und Nachteile und schauen uns langfristige Aspekte an, wie zum Beispiel die Beiträge im Alter, wie du wieder in die GKV zurückwechseln kannst und welche Möglichkeiten es zur Beitragsbegrenzung gibt (z. B. Beitragsentlastungstarife, Tarifwechselrecht).
Am Ende bekommst du eine praktische Checkliste mit allen Entscheidungsfaktoren, die dir helfen, eine fundierte Wahl zu treffen.
Voraussetzungen: Darfst Du überhaupt in die PKV wechseln?
Bevor wir uns die Vor- und Nachteile anschauen, ist eines wichtig zu verstehen: Nicht jeder kann einfach von der GKV in die PKV wechseln. Als Angestellter bist du grundsätzlich in der GKV pflichtversichert, es sei denn, dein regelmäßiges Brutto-Einkommen liegt über der Versicherungspflichtgrenze.
Diese Grenze, offiziell als Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) bezeichnet, liegt 2025 bei 73.800 € brutto im Jahr (also 6.150 € pro Monat). 2024 lag diese Grenze noch bei 69.300 € – sie steigt also jedes Jahr. Wenn du mehr verdienst als diese Grenze, endet zum Jahresende deine Versicherungspflicht in der GKV.
Deine Krankenkasse wird dich dann schriftlich darüber informieren, dass du ab dem folgenden Jahr die Wahl hast: Entweder bleibst du als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Kasse oder du wechselst in eine private Krankenversicherung.
Dein Arbeitgeber prüft, ob dein Gehalt im nächsten Jahr voraussichtlich über der neuen Grenze liegen wird. Nur wenn das der Fall ist, kannst du tatsächlich zum Jahreswechsel in die PKV wechseln. In der Praxis bedeutet das: Wenn du 2024 erstmals mehr als 69.300 € verdienst, darfst du ab Januar 2025 in die PKV wechseln – vorausgesetzt, dein Gehalt bleibt auch 2025 über der 73.800 € Grenze. Hast du einmal diese Grenze überschritten, bist du nicht mehr verpflichtet, in der GKV versichert zu sein und kannst frei wählen.
Neben gutverdienenden Angestellten gibt es noch andere Gruppen, die unabhängig vom Einkommen wählen können: Selbstständige, Freiberufler (außer in der Künstlersozialkasse) und Beamte.
Als Selbstständiger kannst du dich jederzeit privat versichern. Beamte profitieren durch die Beihilfe des Dienstherrn in der Regel ohnehin von starken Vorteilen in der PKV. Hier konzentrieren wir uns jedoch auf gutverdienende Angestellte in der Privatwirtschaft.
Neben der Gehaltsgrenze gibt es noch einige weitere Voraussetzungen und Hürden:
- Gesundheitsprüfung: Private Versicherer nehmen dich nur auf, wenn du einen Antrag stellst und Fragen zu deinem Gesundheitszustand beantwortest. Vorerkrankungen können dazu führen, dass der Versicherer einen Risikozuschlag verlangt oder bestimmte Krankheiten vom Schutz ausschließt. In extremen Fällen kann dein Antrag sogar abgelehnt werden. Je gesünder du bist, desto bessere Konditionen bekommst du – das ist ein großer Unterschied zur GKV, die jeden unabhängig vom Gesundheitszustand aufnimmt.
- Alter: Die Beiträge in der PKV hängen stark vom Eintrittsalter ab. Je jünger du beim Wechsel bist, desto günstiger sind deine Tarife (und desto länger zahlst du in die Altersrückstellungen ein, dazu später mehr). Ab etwa 40 Jahren wird ein Einstieg in die PKV zunehmend teurer und wird oft nicht mehr empfohlen. Experten raten dazu, mit über 45 oder 50 nur in Ausnahmefällen zur PKV zu wechseln, weil dann die Beiträge hoch und die Zeit zum Ansparen für das Alter knapp wird.
- Weiche Faktoren: Überlege dir auch, wie deine berufliche Zukunft aussieht. Planst du eine Selbstständigkeit oder eine längere Auszeit? Wirst du dauerhaft über der Einkommensgrenze bleiben? Ein häufiger Sonderfall: Manche Menschen reduzieren bewusst ihr Gehalt oder ihre Arbeitszeit, um unter der Versicherungspflichtgrenze zu bleiben und weiterhin in der GKV versichert zu bleiben – dies nennt man „Gehaltsverzicht“. Das könnte zum Beispiel für jemanden über 55 sinnvoll sein, der zurück in die GKV möchte. Für dich bedeutet das: Nur wenn du langfristig eine hohe Einkommensperspektive hast, solltest du den Wechsel in Betracht ziehen.
Zusammengefasst: Die PKV ist nur eine Option, wenn dein Gehalt hoch genug ist und du eine stabile Perspektive hast (plus: du musst die privaten Anbieter von deiner Gesundheit überzeugen). Wenn diese Voraussetzungen nicht zutreffen, lohnt sich der Wechsel nicht oder ist gar nicht erst möglich.
Vorteile der PKV: Welche Pluspunkte winken Top-Verdienern?
Warum überhaupt wechseln? Die private Krankenversicherung bietet vor allem für gutverdienende Singles ohne familiäre Verpflichtungen einige handfeste Vorteile gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung.
Das sind die wichtigsten Punkte, die du beachten solltest:
Günstigerer Beitrag (zumindest am Anfang)
Wenn du in jungen Jahren in die PKV wechselst, kann diese im Vergleich zur GKV deutlich günstiger sein. Dein Beitrag in der PKV hängt nämlich nicht vom Einkommen ab, sondern von deinem persönlichen Risiko (Alter, Gesundheit) und dem gewählten Tarif. Das bedeutet, dass ein hochverdienender Privatversicherter weniger zahlen kann als ein GKV-Versicherter, der den Höchstbeitrag leisten muss.
| Jahr | Beitragsbemessungsgrenze (monatlich) | Gesamtbeitragssatz* | Höchstbeitrag (monatlich) |
|---|---|---|---|
| 2000 | 3.298 € | 13,6 % | 449 € |
| 2011 | 3.713 € | 15,5 % | 575 € |
| 2012 | 3.825 € | 15,5 % | 593 € |
| 2016 | 4.238 € | 15,7 %** | 665 € |
| 2017 | 4.350 € | 15,7 %** | 683 € |
| 2024 | 5.175 € | 20,3 %*** | 1.050,53 € |
| 2025 | 5.512,50 € | 21,3 %**** | 1.174,16 € |
Entwicklung der Höchstbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) seit 2000
Zum Beispiel: 2025 beträgt der maximale GKV-Beitrag für gutverdienende Angestellte etwa 942 € monatlich (also 471 € als dein eigener Anteil), während ein Privatversicherter im Durchschnitt etwa 623 € zahlt.
Bei einem Arbeitgeberzuschuss von rund 50 % würdest du als Angestellter nur etwa 311 € selbst tragen – das ist deutlich weniger als der Höchstbeitrag der GKV. Und wichtig: Dein Einkommen treibt in der PKV den Beitrag nicht in die Höhe, wie es bei der GKV der Fall ist.
Arbeitgeberzuschuss auch in der PKV
Du musst deinen PKV-Beitrag nicht alleine zahlen. Dein Arbeitgeber übernimmt 50 % des Beitrags, allerdings nur bis zu dem Betrag, den er auch für einen GKV-Versicherten bezahlen würde. 2025 sind das rund 471 € für die Krankenversicherung und bis zu 99 € für die Pflegeversicherung.
Dieser Arbeitgeberzuschuss deckt in vielen Fällen die Hälfte deines PKV-Beitrags ab. Anders als bei der GKV, bei der der Arbeitgeberbeitrag indirekt von deinem Bruttoeinkommen abgezogen wird, bekommst du in der PKV den Zuschuss direkt.
Höherer Leistungsumfang
Die private Krankenversicherung bietet umfangreichere Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung. Du kannst deinen Versicherungsschutz nach deinen Wünschen anpassen, z. B. durch Chefarztbehandlungen im Krankenhaus, Ein- oder Zweibettzimmer und schnelleren Zugang zu Spezialisten. Auch alternative Heilmethoden oder hochwertiger Zahnersatz werden in guten PKV-Tarifen oft besser erstattet.
Kurz gesagt: Du bekommst mehr Komfort und bessere Versorgung, je nachdem, wie du deinen Tarif gestaltest.
Individuelle Tarifwahl & Selbstbeteiligung
In der PKV kannst du deinen Tarif nach deinen Bedürfnissen anpassen. Beispielsweise kannst du eine Selbstbeteiligung wählen, bei der du einen festen Betrag pro Jahr selbst zahlst, dafür sinkt der monatliche Beitrag. Das macht die PKV finanziell attraktiv, wenn du selten zum Arzt gehst.
Außerdem gibt es in der PKV oft Beitragsrückerstattungen, wenn du über ein Jahr hinweg keine Rechnungen einreichst – ein Bonus, den die GKV in der Regel nicht bietet.
Familienangehörige mit eigenem Einkommen profitieren
Wenn du einen gutverdienenden Partner hast oder andere erwachsene Familienmitglieder, die nicht in der GKV mitversichert werden können, bietet dir die PKV maßgeschneiderte Tarife für jedes einzelne Mitglied.
In der GKV ist die Mitversicherung von Familienmitgliedern ohne eigenes Einkommen zwar beitragsfrei, aber es gibt keine Möglichkeit, individuell angepasste Leistungen für jedes Familienmitglied zu wählen. In der PKV kannst du jedoch für jedes Familienmitglied die passende Versicherung wählen.
Natürlich gelten diese Vorteile besonders, wenn deine Lebensumstände zur PKV passen: Du bist jung, gesund, kinderlos, verdienst gut und hast hohe Leistungsansprüche. Doch das Leben ist nicht immer so stabil, weshalb es wichtig ist, sich auch mit den möglichen Kehrseiten und langfristigen Risiken der PKV auseinanderzusetzen.
Nachteile und Risiken: Wann die PKV zur Falle werden kann
Die PKV lockt mit attraktiven Vorteilen, aber es gibt auch einige ernsthafte Risiken, die du unbedingt bedenken solltest. Besonders für Angestellte, die heute gut verdienen, aber später vielleicht Familie haben oder im Alter mit begrenztem Einkommen zurechtkommen müssen, können die Nachteile der PKV die Vorteile schnell überwiegen.
Keine kostenlose Familienversicherung
In der GKV kannst du deinen Ehepartner und deine Kinder ohne Einkommen kostenlos mitversichern. In der PKV musst du jedoch für jedes Familienmitglied eine eigene Versicherung abschließen, was mit erheblichen Kosten verbunden ist.
Besonders wenn dein Partner wenig oder gar nichts verdient, wird es teuer, da auch für ihn/sie eine eigene private Krankenversicherung oder eine freiwillige Mitgliedschaft in der GKV notwendig wird. Hast du Kinder, müssen auch diese in die PKV aufgenommen werden – das kann schnell mehrere hundert Euro pro Monat kosten. Sobald du also Familie hast oder planst, schrumpft der finanzielle Vorteil der PKV erheblich. Viele erkennen dies erst viel zu spät.
Stark steigende Beiträge im Alter bei Billigtarifen
Was zu Beginn günstig erscheint, kann im Alter teuer werden.
Die PKV-Beiträge steigen mit den Jahren – Grund dafür ist vor allem die allgemeine Gesundheitskostenentwicklung, kurz medizinische Inflation. Zwar wird ein Teil deiner Beiträge als Altersrückstellungen angespart, aber diese reichen nicht immer aus, um die steigenden Kosten zu decken.
Die folgende Tabelle fasst die durchschnittlichen Beitragssteigerungen und markante Entwicklungen in der PKV seit 2000 zusammen. Die Daten basieren auf Studien, Branchenberichten und offiziellen Statistiken.
| Zeitraum | Durchschnittlicher monatlicher Beitrag (Erwachsene ohne Beihilfe) | Jährliche Steigerung (Ø) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| 2000 | ~300 € | – | Basisjahr; starke Unterschiede zwischen Tarifen und Altersgruppen |
| 2005 | ~350 € | 3,1 % p.a. | Durchschnittliche Steigerung 2005–2025 |
| 2015 | ~457 € | 2,2 % p.a. | Geringere Dynamik im Vergleich zur GKV (3,7 % p.a.) |
| 2020 | ~520 € | 3,8 % p.a. | Angestellte (2000–2022); Bundesbeamte: 3,2 % p.a. |
| 2023 | 535 € | 2,8 % | Leichter Anstieg trotz Inflation |
| 2025 | ~560 € (Prognose) | 3,0–3,5 % p.a. | Erwartete Fortsetzung des Trends |
Beitragsentwicklung der Privaten Krankenversicherung (PKV) seit 2000
Die PKV-Beiträge sind in den letzten Jahren durchschnittlich um 3,1 % pro Jahr gestiegen, aber 2025 gab es teilweise sogar Anstiege von bis zu 18 %. Anders als in der GKV, wo die Beiträge sich nach deinem Einkommen richten und im Rentenalter sinken können, wird dein PKV-Beitrag auch im Alter unabhängig von deinem Einkommen berechnet, egal wie niedrig deine Rente ausfällt.
Du musst also sicherstellen, dass du dir diese Beiträge auch im Alter leisten kannst – am besten durch eine frühzeitige finanzielle Vorsorge. Zu den Möglichkeiten, wie du dir einen komfortablen Beitragsairbag ansparen kannst findest du hier einen ausführlichen Beitrag.
Rückkehr in die GKV meist nicht möglich
Ein häufiger Irrglaube ist, dass du im Notfall wieder zurück in die GKV wechseln kannst, wenn die PKV zu teuer wird. Das ist in den meisten Fällen nicht möglich.
Ab dem 55. Lebensjahr ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nahezu ausgeschlossen – außer in sehr speziellen Fällen. Das bedeutet, dass du mit einer Entscheidung für die PKV oft eine lebenslange Entscheidung triffst.
Selbst wenn du deinen Job verlierst und Anspruch auf Arbeitslosengeld hast, wirst du nach deinem 55. Geburtstag nicht mehr automatisch in die GKV zurückkehren können. Du musst dir also sicher sein, dass du langfristig privat versichert bleiben möchtest.
Kein Krankengeld ab der 7. Woche inklusive
In der GKV bist du automatisch abgesichert, wenn du länger krank wirst – die Kasse zahlt ab der 7. Woche Krankengeld (bis zu 70 % deines Bruttos, maximal 90 % des Nettoeinkommens).
In der PKV hast du diese Absicherung nicht standardmäßig. Um im Falle einer längeren Krankheit abgesichert zu sein, musst du eine zusätzliche private Krankentagegeldversicherung abschließen, die mit zusätzlichen Kosten verbunden ist.
Komplexität und Wechselaufwand
Die PKV erfordert mehr Eigeninitiative.
Du musst dich selbst um den Tarifvergleich kümmern, Rechnungen bezahlen und einreichen und dich mit Themen wie Selbstbeteiligung oder der Gebührenordnung auseinandersetzen. Einmal in die PKV gewechselt, bist du oft langfristig an deinen Anbieter gebunden, und ein Tarifwechsel kann zusätzlichen Aufwand bedeuten. Auch innerhalb der PKV den Anbieter zu wechseln, ist meist nicht einfach, weil du deine Altersrückstellungen nicht vollständig mitnehmen kannst.
Die Entscheidung, in die PKV zu wechseln, ist also nicht leicht und sollte gut überlegt sein. Besonders, wenn du die langfristigen Risiken und Kosten im Alter berücksichtigst.
Langfristig planen: Beitrag im Alter, Tarifwechsel und Co.
Vielleicht fragst du dich: „Was kann ich tun, damit die PKV mir später nicht über den Kopf wächst?“ – Gute Nachricht: Es gibt Mechanismen in der PKV, um die Beiträge im Alter etwas zu dämpfen. Aber keine Sorge, das ersetzt nicht die Notwendigkeit, langfristig zu planen. Hier sind die wichtigsten Punkte, die du beachten solltest:
Altersrückstellungen
In der PKV zahlst du ab deinem jungen Erwachsenenalter einen Aufschlag, der verzinslich angelegt wird. Diese Altersrückstellungen sorgen dafür, dass deine Beiträge im Alter nicht explodieren, auch wenn du dann mehr Leistungen in Anspruch nimmst.
Die Idee dahinter: Du zahlst in jungen Jahren etwas mehr, damit du im Alter weniger zahlen musst. Laut dem PKV-Verband zeigen Analysen, dass der durchschnittliche Beitrag dank dieser Rücklagen in allen Altersgruppen unter den tatsächlichen Gesundheitskosten bleibt – die Differenz wird aus den Rückstellungen gedeckt.
Doch Vorsicht: Auch wenn dies im Durchschnitt funktioniert, können manche Tarife dennoch deutlich teurer werden, also plane für deinen speziellen Fall genau.
Beitragsentlastungstarife
Einige PKV-Unternehmen bieten spezielle Beitragsentlastungstarife an, bei denen du freiwillig einen Aufpreis zahlst, um später, im Rentenalter, eine Beitragsreduzierung zu erhalten. Diese Tarife wirken wie eine Altersvorsorge direkt bei der PKV. Klingt eigentlich praktisch, oder?
Allerdings raten viele Verbraucherschützer vom Abschluss solcher Tarife ab. Sie rechnen sich oft nicht, da die Beiträge trotzdem weiterhin steigen können. Finanztip empfiehlt daher, lieber selbst Geld anzusparen oder in flexible Anlagen zu investieren, statt es an die Versicherung zu binden.
Falls dir so ein Tarif angeboten wird, hol dir auf jeden Fall unabhängige Beratung, um herauszufinden, ob es in deiner Situation die beste Lösung ist.
Tarifwechselrecht
Wenn deine Beiträge steigen, kannst du als Privatversicherter in andere Tarife innerhalb des gleichen Versicherers wechseln – das sogenannte Tarifwechselrecht. Das geht ganz einfach, ohne dass du wieder eine Gesundheitsprüfung machen musst, solange der neue Tarif keine besseren Leistungen bietet.
Du kannst also in einen günstigeren Tarif wechseln, ohne deinen Versicherungsschutz zu verlieren. Es gibt spezielle Beratungsdienste, die dir bei diesem Prozess helfen können. Wenn du also siehst, dass dein Tarif teurer wird, nutze dein Recht und wechsel gegebenenfalls in einen günstigeren Tarif, um Geld zu sparen.
Soziale Tarife als Sicherheitsnetz
In der PKV gibt es sogenannte Auffangtarife – den Standardtarif und den Basistarif.
Diese Tarife wurden vom Gesetzgeber eingeführt, um Privatversicherten, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten, zu helfen. Wenn du dir deine PKV im Alter nicht mehr leisten kannst, kannst du in den Basistarif wechseln, der aktuell maximal etwa 760 € im Monat kosten darf. Aber Vorsicht: Die Leistungen in diesem Tarif sind stark reduziert – sie entsprechen noch nicht mal dem Niveau der GKV. Daher solltest du lieber vorausschauend planen, um nicht in den Basistarif wechseln zu müssen.
Die PKV erfordert langfristige Planung. Du solltest frühzeitig über deine finanzielle Zukunft nachdenken, wie du im Alter klarkommst und welche Tarifoptionen dir zur Verfügung stehen. Wenn du diese Aspekte berücksichtigst, kannst du die Vorteile der PKV genießen, ohne dich später mit den Nachteilen auseinandersetzen zu müssen.
Diese Übersicht fasst nochmal die wichtigsten Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung zusammen und hilft dabei, die Entscheidung leichter zu treffen. Achte darauf, Deine Entscheidung gut zu durchdenken, um später nicht vor unerwarteten Kosten und Herausforderungen zu stehen
| Vorteile der PKV | Nachteile der PKV |
|---|---|
| Günstigere Beiträge in jungen Jahren – vor allem für Top-Verdiener (Ärzte, Ingenieure, Anwälte), da der Beitrag nicht vom Einkommen abhängt, sondern vom persönlichen Risiko (Alter, Gesundheitszustand). | Keine kostenlose Familienversicherung – Im Gegensatz zur GKV müssen in der PKV alle Familienmitglieder individuell versichert werden, was teurer ist. |
| Arbeitgeberzuschuss – Dein Arbeitgeber beteiligt sich mit 50 % an den PKV-Beiträgen, was die monatliche Belastung reduziert. | Steigende Beiträge im Alter – Die Beiträge können mit der Zeit deutlich ansteigen, und die Altersrückstellungen decken nicht immer alle Kosten. |
| Leistungs-Upgrade – Du hast die Wahl, Deinen Tarif individuell anzupassen, mit Optionen wie Chefarztbehandlung, Zweibettzimmer oder schnellerem Zugang zu Fachärzten. | Rückkehr zur GKV schwierig – Ab dem 55. Lebensjahr ist es praktisch nicht mehr möglich, in die GKV zurückzukehren. |
| Individuelle Tarifwahl & Selbstbeteiligung – Du kannst Tarife mit Selbstbeteiligung wählen und so die monatlichen Kosten reduzieren, wenn Du wenig Gesundheitsleistungen in Anspruch nimmst. | Kein Krankengeld ab 6 Wochen inklusive – Du musst eine zusätzliche Krankentagegeldversicherung abschließen, wenn Du Dein Einkommen bei längerer Krankheit sichern möchtest. |
| Bessere Leistungen – Viele PKV-Tarife bieten umfangreichere Leistungen, z. B. für Zahnersatz oder alternative Heilmethoden, die in der GKV nur eingeschränkt abgedeckt sind. | Komplexität und Wechselaufwand – Du musst Dich regelmäßig mit Deinem Tarif auseinandersetzen, Tarifwechsel sind komplex und Rückstellungen gehen oft verloren. |
Praxisbeispiel: 38-jähriger Angestellter mit 84.000 € Jahreseinkommen
Thomas ist 38 Jahre alt, verdient 84.000 € brutto jährlich als IT-Spezialist, ist gesund, hat keine Kinder und steht vor der Entscheidung: GKV oder PKV?
Aktuelle Situation: Mit einem Bruttojahreseinkommen von 84.000 € liegt Thomas klar über der Versicherungspflichtgrenze. 2025 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze 66.150 € im Jahr, was bedeutet, dass er in der GKV den Höchstbeitrag zahlen müsste.
Dieser liegt 2025 bei etwa 1.172 € monatlich, davon trägt Thomas rund 600 € als eigenen Anteil. In der PKV könnte Thomas hingegen sehr gute Tarife finden, die ca. 1.000 € im Monat kosten. Sein Arbeitgeber übernimmt davon etwa 500 €, sodass Thomas nur noch 500 € selbst zahlen müsste. Preislich wäre die PKV also deutlich günstiger – er würde etwa 100 € im Monat im Vergleich zur GKV sparen.
Darüber hinaus bekommt er in der PKV je nach Tarif Vorteile wie Einbettzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung und schnellere Facharzttermine.
Angenommene Entwicklung
Thomas denkt natürlich auch an die Zukunft: „Wie entwickeln sich die Beiträge in den nächsten Jahren?“ Wir nehmen an, dass sein Einkommen jedes Jahr um ca. 3,5 % steigt (das ist der Wert, um den sich das Einkommen bei Spitzenverdienern laut Studien jährlich durchschnittlich erhöht) und die GKV-Beitragsbemessungsgrenze entsprechend anpasst.
Der GKV-Beitragssatz bleibt konstant, aber der PKV-Beitrag steigt jährlich um durchschnittlich 3 %. Wenn Thomas mit 67 Jahren in Rente geht, erwarten wir, dass seine Rente etwa halb so hoch wie sein letztes Gehalt ist, also rund 4.000 € monatlich. Bleibt er ein Leben lang in der GKV zahlt er dann nur noch Beiträge auf seine gesetzliche Rente, also rund 510 € Der Arbeitgeberanteil wird durch den Zuschuss der gesetzlichen Rentenversicherung ersetzt. Auch in der PKV würde er diesen Zuschuss bekommen. Abzgl. einer vereinbarten Beitragsentlastung in Höhe von 500 € zahlt er so ab dem 67. Lebensjahr in seiner PKV rund 952 €.
Beitragsentwicklung im Vergleich
Das Diagramm zeigt den Unterschied zwischen den beiden Systemen über die Jahre hinweg. Während Thomas noch berufstätig ist, zahlt er in der PKV deutlich weniger als in der GKV. Doch sobald er in Rente geht, kehrt sich das Ganze um und der GKV-Beitrag in der Rente sinkt deutlich.
Beitragsvergleich GKV vs. PKV inkl. Pflegeversicherung

In diesem Szenario würde sich die PKV für Thomas bis zum Rentenbeginn finanziell lohnen, aber im Rentenalter könnte die PKV deutlich teurer werden als die GKV.
Hinweis: Zusätzliche Einnahmen, wie eine Betriebsrente oder eine einmalige Auszahlung einer Direktversicherung wären krankenversicherungspflichtig und würden den Beitrag der GKV jedoch deutlich erhöhen. Kommen noch Mieteinnahmen hinzu, kann es sogar sein, dass auch im Rentenalter die PKV für Thomas günstiger ist als die gesetzliche Krankenkasse.
Das sollte Thomas heute tun
Wenn Thomas jetzt in die PKV wechselt, sollte er frühzeitig für das Alter vorsorgen, indem er das gesparte Geld am besten in eine steuerlich geförderte Altersvorsorge steckt oder anderweitig Rücklagen bildet, z.B. mit vermieteten Immobilien.
Es ist auch wichtig, dass er regelmäßig prüft, ob sein Tarif noch passend ist und gegebenenfalls einen Tarifwechsel innerhalb der eigenen PKV in Betracht zieht. Thomas entscheidet sich schließlich für die PKV, da er die Vorteile, sowohl finanziell als auch leistungsmäßig, nutzen möchte. Aber er ist sich bewusst, dass eine disziplinierte Planung notwendig ist, um die evtl. höheren Beiträge im Alter abdecken zu können.
Für jemanden in Thomas’ Situation mag die PKV lohnenswert sein – solange er das Ganze gut plant. Wer zum Beispiel eine Familie gründen möchte, muss den Wechsel jedoch gut abwägen, da dann die Kosten steigen können. Ab 3 Kindern und wenn die Ehefrau kein eigenes Einkommen bezieht, sollte das Einkommen des Hauptverdieners deutlich über 100.000 € pro Jahr liegen, damit ein Wechsel aus Leistungsgründen langfristig noch finanzierbar ist.
Checkliste: Soll ich von der GKV in die PKV wechseln?
Bevor Du Dich endgültig für einen Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) entscheidest, solltest Du Dir die folgenden Fragen stellen. Hake die Punkte durch und beantworte sie ehrlich für Dich selbst.
Nur wenn Du größtenteils mit „Ja“ antwortest, ist ein Wechsel in die PKV wahrscheinlich sinnvoll für Dich:
- Verdienst Du deutlich über der Versicherungspflichtgrenze? – Bei einem Einkommen knapp über 73.800 € jährlich fällt der finanzielle Vorteil eher gering aus. Je höher Dein Gehalt, desto eher lohnt sich die PKV rein rechnerisch. (Denke daran, dass die Grenze jährlich steigt – ein gewisser Puffer schadet nicht.)
- Bist Du jünger als ca. 40 Jahre? – Je jünger, desto besser. Wechsel in den 20ern oder 30ern, dann profitierst Du am längsten von günstigen Beiträgen und baust hohe Altersrückstellungen auf. Ab 45 Jahren wird der Einstieg teurer und sollte genau überlegt werden.
- Bist Du gesund und hast Du einen risikoarmen Lebensstil? – Vorerkrankungen können die PKV teuer machen oder Dich sogar ablehnen. Wenn Du gesundheitliche Probleme hast, bleib besser in der GKV, die Dich ohne Risikozuschlag aufnimmt. Auch wenn Du extreme Hobbys wie Extremsport betreibst, schau genau in die Tarife, ob diese auch dafür aufkommen.
- Hast Du (vorerst) keine Familie zu versorgen? – Als Single oder Paar ohne Kinder lässt sich die PKV-Vorteilsrechnung am leichtesten halten. Planst Du in den nächsten Jahren Kinder oder ist Dein Partner nicht erwerbstätig, musst Du die Mehrkosten der PKV-Familienversicherung einplanen. Frage Dich: Kann und will ich mir leisten, für jedes Familienmitglied Beiträge zu zahlen? Wenn nicht, ist die GKV mit kostenloser Familienversicherung definitiv vorteilhaft.
- Kannst Du Dir die PKV auch im Alter leisten? – Das ist die entscheidende Frage. Denk mal an Deine Rente mit 67: Wird Deine Rente plus Erspartes ausreichen, um mehrere hundert Euro im Monat für die PKV zu zahlen? Bist Du bereit, jetzt schon etwas Geld zurückzulegen, um später nicht auf die Nase zu fallen? Wenn Du hier Zweifel hast, lass lieber die Finger von der PKV. Tenhagen meint: „Nur wenn Du Dir auch im Alter sicher hohe Beiträge leisten kannst“, ist die PKV auf lange Sicht sinnvoll.
- Bist Du bereit, Dich langfristig zu binden? – Ein PKV-Vertrag ist eine langfristige Sache. Ab 55 bist Du quasi „gefangen“ – Rückkehr zur GKV ist dann kaum noch möglich. Auch ein Wechsel innerhalb der PKV ist nur mit Aufwand und Gesundheitscheck machbar, und oft sind Deine Altersrückstellungen nicht mitnehmbar. Du solltest also Vertrauen in Deinen Versicherer haben und bereit sein, den Vertrag viele Jahre bis ans Lebensende zu führen. Ist Dir das bewusst und akzeptabel? Wenn nicht, bleib lieber in der flexibleren GKV.
- Hast Du Dich ausführlich informiert und beraten lassen? – Die Entscheidung für oder gegen die PKV solltest Du nicht auf Grundlage einer Werbebroschüre treffen. Nutze neutrale Beratungsangebote von z. B. der Verbraucherzentrale, Honorar-Versicherungsberatern oder seriösen, unabhängigen Versicherungsmaklern. Sie helfen Dir, Deinen Bedarf zu ermitteln und die Tarife zu vergleichen. Gerade beim Einstieg in die PKV gibt es viele Stolpersteine: Du kannst schnell zu geringe Leistungen wählen oder wichtige Optionen vergessen (z. B. Krankentagegeld). Informiere Dich gut, lies Checklisten und stelle alle Deine Fragen, bevor Du den Vertrag unterschreibst.
Wenn Du alle Punkte durchgegangen bist und ein gutes Gefühl dabei hast, dann herzlichen Glückwunsch – Du gehörst zur Zielgruppe, für die die private Krankenversicherung tatsächlich lohnenswert sein kann. Achte darauf, einen leistungsstarken und soliden Tarif zu wählen, der Deinen Bedürfnissen entspricht, aber ohne unnötigen Schnickschnack.
Und bleibe auch als Privatversicherter wachsam: Überprüfe regelmäßig, ob Dein Tarif noch passt, nutze Dein Wechselrecht bei Bedarf und behalte die Beitragsentwicklung im Auge.
Fazit: Ein Wechsel in die PKV kann sich für Top-Verdiener lohnen
Ein Wechsel von der GKV in die PKV kann sich vor allem für Top-Verdiener lohnen, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen und mit langfristiger Vorsorge.
Du kannst von besseren Leistungen und anfangs günstigeren Beiträgen profitieren – insbesondere, wenn Du jung, gesund und ohne unterhaltsberechtigte Angehörige bist. Aber achte darauf: Die PKV kann im Alter teurer werden und ein Rückwechsel in die GKV ist dann oft nicht mehr möglich. Überlege also gut, ob die Vorteile die Risiken für Dich aufwiegen. Verlasse Dich nicht nur auf Werbeversprechen, sondern orientiere Dich an offiziellen Informationen und unabhängigen Ratgebern, um wirklich eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Für Top-Verdiener kann die PKV lohnenswert sein, wenn man die Spielregeln kennt und sich der Verantwortung bewusst ist. Nimm Dir die Zeit, die Entscheidung sorgfältig abzuwägen – schließlich geht es um Deine Gesundheit und Deine finanzielle Sicherheit auf Jahrzehnte. Triff Deine Entscheidung mit klarem Blick auf die Vorteile und Risiken und Du wirst – egal ob gesetzlich oder privat – in Zukunft ruhiger schlafen.
