Werden Privatpatienten in Deutschland besser behandelt als Kassenpatienten?

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2025

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Inhaltsverzeichnis:

Du fragst dich, ob du als Privatpatient in Deutschland wirklich besser behandelt wirst als jemand mit gesetzlicher Krankenversicherung (GKV).

Schauen wir uns die Daten an – von Wartezeiten über Facharztzugang und Gesprächsdauer bis zu Diagnosen, Klinikaufenthalten, Operationen und Therapieangeboten. Aktuelle Studien, Umfragen und Versorgungsanalysen (2020–2024) bieten hierzu klare Fakten.

Haben Privatversicherte kürzere Wartezeiten auf Arzttermine?

Ja – in den meisten Fällen schon. Wer privat versichert ist, sitzt in vielen Praxen schlicht schneller im Behandlungszimmer. Vor allem beim Facharzt geht es für Privatpatienten deutlich fixer.

Eine große Studie des RWI Leibniz-Instituts (2017/2018) hat das mit echten Testanrufen nachgewiesen: Privatversicherte bekamen im Schnitt doppelt so schnell einen Termin wie gesetzlich Versicherte – 12 Tage gegenüber 25 Tagen Wartezeit. Die Chance, überhaupt einen Termin zu bekommen, war für PKV-Versicherte um 7 % höher. Und je lukrativer die Behandlung (z. B. bei Magenspiegelung oder Allergietest), desto größer der Unterschied.

Auch andere Erhebungen zeigen dasselbe Bild:

Eine Untersuchung der Uni Hamburg kam zu dem Ergebnis, dass Hautärzte und Orthopäden Privatpatienten nach 7 Tagen, gesetzlich Versicherte dagegen erst nach 16 Tagen sahen. Beim Hausarzt ist der Unterschied kleiner: PKV-Versicherte warteten 1,4 Tage, GKV-Versicherte etwa 2,2 Tage – beides noch im akzeptablen Rahmen.

ArztterminGKV-WartezeitPKV-Wartezeit
Hausarztca. 2,2 Tageca. 1,4 Tage
Facharzt (ambulant)ca. 25 Tageca. 12 Tage

Quellen: idw-online.de, spiegel.de

Die Unterschiede wachsen. Laut Stern empfinden mittlerweile 21 % der gesetzlich Versicherten die Wartezeiten beim Facharzt als „zu lang“, 25 % warten sogar über 30 Tage. Zum Vergleich: 2017 lag der Anteil noch bei 15 %.

Ein niedergelassener Arzt verdient für dieselbe Leistung bei Privatpatienten teils das Doppelte. Außerdem gilt für GKV-Patienten ein striktes Budget pro Quartal – ist das ausgeschöpft, arbeitet der Arzt quasi „gratis“ weiter. Für PKV-Patienten dagegen gibt es keine Budgetdeckel. Das setzt ganz klare finanzielle Anreize.

Gesundheitsökonom Ansgar Wübker bringt es auf den Punkt:

„Die höhere Vergütung ist der Hauptgrund, warum Fachärzte Privatversicherte bei der Terminvergabe vorziehen.“ (idw-online.de)

Um den Nachteil für gesetzlich Versicherte zu mildern, wurden Terminservicestellen (116117) eingeführt. Sie sollen GKV-Patienten innerhalb von 4 Wochen einen Facharzttermin verschaffen, in dringenden Fällen auch schneller. Dazu kamen offene Sprechstunden und Zuschläge für schnelle Termine. Das hilft – aber ändert nichts an der strukturellen Ungleichbehandlung.

Der GKV-Spitzenverband spricht offen von einer „Diskriminierung gesetzlich Versicherter“. Viele Experten fordern längst ein einheitliches Vergütungssystem, um echte Gleichbehandlung zu schaffen – bislang ohne Erfolg.

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Marcus Knispel ist auf dem Bild / PKV Berater für Top-Verdiener
Marcus Knispel
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Werden Privatpatienten bei Fachärzten bevorzugt behandelt?

In der Realität: ja. Wer privat versichert ist, bekommt nicht nur schneller einen Termin – sondern sitzt auch kürzer im Wartezimmer. Viele Praxen fragen direkt am Telefon nach dem Versicherungsstatus. Sagst du „privat“, bekommst du häufiger einen kurzfristigen Termin. Bist du gesetzlich versichert, heißt es oft: „Wir haben erst in drei Wochen wieder etwas frei.“

Ein Test des RWI Leibniz-Instituts mit identischen Patientenanfragen hat genau das bestätigt: Der einzige Unterschied war der Versicherungsstatus – und der Privatpatient bekam signifikant häufiger einen Termin angeboten.

Aber nicht nur das. Auch in der Praxis selbst verläuft die Behandlung oft schneller, sobald klar ist, dass du privat versichert bist. Laut Spiegel-Daten sieht das im Schnitt so aus:

Wartezeit im WartezimmerGKV-PatientPKV-Patient
HausarztØ ca. 41 Min.Ø ca. 30 Min.
FacharztØ ca. 36 Min.Ø ca. 29 Min.

Quelle: spiegel.de

Die Unterschiede sind nicht riesig – aber spürbar. Privatversicherte werden oft „dazwischen geschoben“ oder gezielter eingeplant, damit ihre Wartezeit geringer ausfällt.

Warum ist das so?

Ganz einfach: Privatpatienten bringen mehr Umsatz.

Ein Arzt kann für dieselbe Leistung beim Privatversicherten deutlich mehr abrechnen, und er muss keine Mengenbegrenzungen beachten. Das macht PKV-Patienten für Praxen wirtschaftlich attraktiver – und das spiegelt sich im Terminmanagement.

Wichtig ist: Im akuten Fall wird niemand benachteiligt. Wenn’s brennt, wirst du auch als Kassenpatient in ein bis zwei Tagen behandelt. Aber bei planbaren Dingen wie Hautcheck, Augenarzt oder Orthopädie gilt leider oft: „Privat vor Gesetzlich“ – das spüren viele gesetzlich Versicherte und empfinden es als unfair.

Nehmen sich Ärzte für Privatpatienten mehr Zeit im Gespräch?

Tendenziell ja – auch wenn das offiziell niemand gern zugibt.

Natürlich sagen viele Ärztinnen und Ärzte, sie behandeln alle gleich. Aber in der Praxis sieht das oft anders aus. Privatpatienten bekommen häufiger längere Gespräche, ausführlichere Erklärungen – und manchmal sogar den Rückruf direkt vom Arzt.

Warum? Das liegt am System:

Wenn du privat versichert bist, kann der Arzt deine Gesprächszeit besser abrechnen. Für Beratung, Anamnese oder Diagnoseleistungen bekommt er über die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) deutlich mehr Honorar als für vergleichbare GKV-Leistungen.

Bei gesetzlich Versicherten dagegen gilt: viel Aufwand, wenig Vergütung – und obendrein noch Budgetgrenzen pro Quartal.

Ein langes Gespräch mit einem Kassenpatienten lohnt sich wirtschaftlich kaum. Mit einem Privatpatienten dagegen kann sich der Arzt diese Zeit leisten – und wird dafür fair bezahlt.

Das zeigt sich auch im Alltag:

  • Viele PKV-Versicherte haben z. B. die Handynummer ihres Arztes oder erhalten ausführliche Rückrufe.
  • Kassenpatienten berichten öfter, dass das Gespräch „im Schnelldurchlauf“ ablief oder sie sich nicht ernst genommen fühlten.

Was sagen die Ärzte selbst?

Laut einer Jameda-Befragung wünschen sich sowohl Ärzte als auch Patienten mehr Zeit pro Termin.

Aber viele fühlen sich durch Bürokratie und hohe Patientenzahlen ausgebremst – besonders bei gesetzlich Versicherten. Manche lösen das, indem sie Privatsprechstunden einführen oder GKV-Patienten kürzer einbestellen.

Wenn du privat versichert bist, hast du in vielen Praxen realistisch bessere Chancen auf ein ausführliches Gespräch. Nicht, weil Ärzte GKV-Patienten schlechter behandeln wollen – sondern weil das System es ihnen wirtschaftlich schwer macht, sich viel Zeit zu nehmen.

In der PKV ist mehr Zeit drin, weil sie besser vergütet wird. Und das spürst du als Patient.

Ist die Diagnose- und Behandlungsqualität für Privatpatienten höher?

Nicht automatisch.

Klar – privat Versicherte kommen oft schneller dran, sitzen weniger lang im Wartezimmer, bekommen mehr Gespräche, Diagnostik und Komfort. Aber: Das heißt nicht, dass sie am Ende auch gesünder sind oder besser behandelt werden.

Gesundheitsökonomen wie Prof. Jonas Schreyögg stellen klar:

„Ein privater Diabetiker ist nicht besser eingestellt als ein gesetzlicher.“ (spiegel.de)

Mehr Leistung ≠ bessere Wirkung

Privatpatienten bekommen häufiger zusätzliche Untersuchungen, schneller ein MRT oder teurere Medikamente. Aber „mehr“ ist nicht immer „besser“. Untersuchungen zeigen:

  • Überdiagnostik kann zu unnötigen Behandlungen führen.
  • Operiert werden vom Chefarzt klingt gut – aber manchmal ist der erfahrenere Operateur der Oberarzt, der täglich am Tisch steht.
  • Viele IGeL-Leistungen, die in der PKV einfach erstattet werden, sind medizinisch fragwürdig – und im GKV-System bewusst nicht enthalten.

Was macht die GKV anders?

In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt’s klare Standards:

  • Neue Therapien müssen evidenzbasiert geprüft werden.
  • Es gibt ein systematisches Verfahren zur Qualitätssicherung.
  • Behandlungen werden nach festen medizinischen Leitlinien durchgeführt.

In der PKV gibt es diese Kontrolle so nicht. Das bedeutet: Als Privatversicherter bekommst du oft mehr, aber nicht automatisch besser.

Privatversicherte erleben oft mehr Komfort, kürzere Wege, aufwendigere Diagnostik – und das fühlt sich gut an. Objektiv messbar bessere Behandlungsergebnisse gibt es aber nicht. Entscheidend für deine Gesundheit ist letztlich: Wie gut ist dein Arzt oder deine Klinik – nicht wie du versichert bist. Und genau da arbeiten GKV und PKV in Deutschland oft auf gleichem Niveau.

Welche Vorteile haben Privatversicherte im Krankenhaus?

Kurz gesagt: Komfort und Wahlrechte – nicht zwingend bessere Medizin.

In deutschen Kliniken gelten medizinische Kernleistungen für alle Patienten gleichermaßen.

Egal ob gesetzlich oder privat versichert: Deine OP wird nach denselben medizinischen Standards durchgeführt, du bekommst dieselben Medikamente, dieselbe Pflege. Die Klinik erhält für deinen Eingriff exakt die gleiche Vergütung, weil die sogenannten DRGs (Fallpauschalen) für GKV- und PKV-Patienten identisch sind.

Wird also nicht nach Versicherungsstatus sortiert?

Offiziell: Nein. Operationen werden nach Dringlichkeit und Organisation geplant – nicht nach deinem Versicherungsstatus (ergo.de). Eine bevorzugte Behandlung „weil PKV“ wäre rechtlich nicht haltbar und ethisch nicht vertretbar.

Trotzdem gibt’s spürbare Unterschiede für dich als Privatversicherter:

  • Du kannst ein Ein- oder Zweibettzimmer wählen.
  • Du wirst – wenn vereinbart – vom Chefarzt oder Wahlarzt persönlich behandelt.
  • Du hast mehr Mitsprache, wer dich operiert oder betreut.
  • Du genießt häufig bessere Unterbringung, mehr Ruhe, besseres Essen – keine medizinischen, aber gefühlte Pluspunkte.

Und was macht der Chefarzt anders?

Manche Chefs operieren dich als Privatpatient tatsächlich selbst – nicht, weil du besser versorgt wirst, sondern weil es sich für ihn lohnt. Diese Eingriffe laufen oft außerhalb der regulären OP-Planung, z. B. abends oder in Extraschichten. Du landest also nicht offiziell „vor“ anderen, aber vielleicht einfach früher.

Kassenpatienten werden in der Regel von einem erfahrenen Oberarzt oder Facharzt operiert – medizinisch kein Nachteil, oft sogar der routiniertere Operateur.

Werden Privatpatienten schneller operiert?

In Deutschland ist das nicht nachgewiesen. In Ländern wie Österreich schon – dort hat man festgestellt, dass Privatversicherte teils Monate früher operiert werden (diepresse.com). In Deutschland funktioniert das Versorgungssystem deutlich strikter. Aber auch hier gilt: Wahlleistungen wie Chefarzt und Einzelzimmer schaffen Vorteile – wenn auch nicht medizinisch messbare.

Haben Privatversicherte Zugang zu mehr Therapien und Leistungen?

Ja – oft, aber nicht immer. Entscheidend ist dein Tarif. Wer einen hochwertigen PKV-Volltarif hat, bekommt im Alltag tatsächlich deutlich mehr Leistungen als gesetzlich Versicherte. Aber: In günstigen Basistarifen kann der Schutz sogar unter GKV-Niveau liegen.

Was zahlt die GKV und was bietet die PKV als zusätzliche Leistungen?

Die GKV übernimmt alle medizinisch notwendigen Leistungen, von Vorsorge über Arztbehandlung bis zur Reha. Aber darüber hinaus musst du vieles selbst zahlen oder über Zusatzversicherungen absichern.

In der PKV hängt alles am Tarif. Gute Verträge erstatten dir z. B.:

  • Homöopathie, Osteopathie, Heilpraktiker
  • Zahnreinigung, hochwertiger Zahnersatz, Brillen
  • freie Arzt- und Krankenhauswahl, Chefarztbehandlung, Einbettzimmer
  • volle Erstattung bei Medikamenten – auch rezeptfrei, wenn medizinisch begründet
  • Reiseschutzimpfungen und Auslandsbehandlung

In der GKV gibt es vieles davon gar nicht oder nur mit hohen Eigenanteilen.

Aber Vorsicht: Nicht jede PKV ist besser als die Kasse

Stiftung Warentest (Finanztest 2023/24) hat gezeigt: Viele günstige PKV-Tarife schneiden schlechter ab als die GKV. Das betrifft v. a. chronisch Kranke oder Menschen mit Reha-Bedarf.

Häufige Schwächen in Basistarifen sind:

LeistungsbereichGKVViele PKV-Basistarife
Reha & Kurenmedizinisch notwendige Maßnahmen voll abgedecktoft nicht enthalten oder nur eingeschränkt
Haushaltshilfe/Pflegeja, nach Klinikaufenthalthäufig ausgeschlossen
Psychotherapiealle anerkannten Verfahren, keine Begrenzungoft auf 20–50 Sitzungen limitiert oder ausgeschlossen
ZahnersatzFestzuschuss 60–75 %bis zu 100 % – aber nur bei entsprechendem Tarif
Heilmethoden (z. B. Osteopathie)nur Ausnahmen, meist Selbstzahler80–100 % je nach Tarif, aber mit Jahresgrenze
Hilfsmittel (z. B. Brille)Festbetrag (z. B. 6,14 € für Gläser)großzügige Erstattung möglich – tarifabhängig

Quelle: aok.de, teamkrankenversicherung.de, Stiftung Warentest, pkv-vorteile.de

Die PKV kann dir mehr Therapiefreiheit, schnellere Verfügbarkeit moderner Behandlungen und mehr Komfort bieten. Aber eben nur, wenn du den richtigen Tarif wählst – und dir diesen dauerhaft leisten kannst.

Viele Basistarife sparen an genau den Stellen, die in ernsten Krankheitsfällen wichtig werden: Reha, Psychotherapie, Palliativversorgung, häusliche Pflege.

Mit einem guten PKV-Tarif bekommst du mehr als in der GKV – mehr Leistung, mehr Komfort, mehr Wahlfreiheit. Mit einem schlechten Tarif kann es sein, dass du im Ernstfall viel zuzahlen musst oder wichtige Leistungen fehlen.

Darum gilt: Nicht „privat“ ist besser – sondern der richtige Tarif. Lass ihn regelmäßig prüfen, bevor du dich zu sicher fühlst.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.