Palliativ- und Hospizversorgung: Zahlt die PKV das Hospiz?

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 30. April 2025

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Inhaltsverzeichnis:

Wenn es ernst wird, rückt vieles in den Hintergrund – aber eine Frage bleibt: Wer zahlt das eigentlich? Gerade für Privatversicherte ist oft unklar, ob die PKV wirklich alle Leistungen im Hospiz oder in der Palliativversorgung übernimmt – oder ob man plötzlich selbst auf den Kosten sitzt.

In vielen Fällen ist die Absicherung gar nicht so schlecht, aber es gibt einige Stolperfallen, vor allem bei älteren Verträgen. In diesem Beitrag klären wir, was übernommen wird, welche Leistungen wovon abhängen – und worauf du unbedingt achten solltest, bevor du (oder Angehörige) eine solche Versorgung in Anspruch nimmst.

Was bedeuten Palliativ- und Hospizversorgung?

Palliativversorgung bedeutet: Den Menschen medizinisch entlasten, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Also Schmerzen lindern, Atemnot behandeln, Angst ernst nehmen – körperlich, psychisch, spirituell. Und das möglichst frühzeitig. Nicht erst auf den letzten Metern, sondern oft schon Monate vor dem Lebensende. Das Ganze passiert interdisziplinär: Ärzte, Pflege, Sozialarbeit, Seelsorge – alle zusammen, abgestimmt.

Hospizarbeit beginnt später, wenn klar ist: Es geht jetzt nicht mehr um Stabilisierung, sondern ums Abschiednehmen. Die letzten Tage oder Wochen. Das Tempo bestimmen die Betroffenen selbst. Der Fokus liegt weniger auf Technik, mehr auf Würde, Begleitung, Nähe. Sterbebegleiter (oft Ehrenamtliche) spielen hier eine zentrale Rolle. Stationäre Hospize sind wohnlich, familiär, ohne Apparate – mit Raum zum Atmen.

BereichPalliativversorgungHospizversorgung
ZielLebensqualität trotz schwerer KrankheitBegleitung in der letzten Lebensphase
BeginnSchon bei Diagnose einer unheilbaren ErkrankungIn den letzten Wochen/Tagen vor dem Tod
DauerWochen bis Monate, teils längerMeist unter 4 Wochen
OrtKrankenhaus, zu Hause, Pflegeheim (SAPV)Stationäres Hospiz oder Zuhause
FokusMedizinische SymptomkontrollePsychosoziale Begleitung, Würde, Nähe
FinanzierungFallpauschalen, Krankenkasse (SAPV nach §132d SGB V)Krankenkasse + Spenden (95 % gedeckt)

Palliativstationen gibt’s meist in größeren Kliniken – dort, wo Intensivmedizin auf Mitgefühl trifft. Der Aufenthalt dauert im Schnitt zwei Wochen, oft mit der Idee, dass man wieder nach Hause kann.
Ambulante Palliativteams (SAPV) kommen nach Hause, kümmern sich Tag und Nacht um Menschen mit komplexem Bedarf – etwa bei Krebs, ALS oder multipler Organschwäche.

Hospize sind komplett auf Sterbebegleitung ausgerichtet. Durchschnittlich zehn Betten pro Einrichtung. Die Stimmung: ruhig, würdevoll, nahbar. Angehörige können bleiben, mitessen, mitweinen.

Palliativmedizin ist mittlerweile Pflichtfach im Medizinstudium, Pflegekräfte machen extra Schulungen, und Ehrenamtliche leisten wertvolle Arbeit in der Hospizbegleitung. Wichtig ist: Jeder bringt eine andere Kompetenz mit, aber alle verfolgen dasselbe Ziel.

RolleAufgabenbereich
Ärzt*innenSchmerztherapie, Koordination, medizinische Maßnahmen
PflegekräfteSymptomkontrolle, Grundpflege, Kommunikation mit Angehörigen
EhrenamtlicheGespräche, Vorlesen, Dasein – einfach Mensch sein
SeelsorgerTrauerbegleitung, Gespräche über Sinn, Angst, Abschied
SozialdiensteHilfe bei Anträgen, rechtliche Begleitung

Was kosten Palliativ- und Hospizbehandlungen?

Wer auf Palliativ- oder Hospizversorgung angewiesen ist – sei es selbst oder als Angehöriger –, fragt sich früher oder später: Was kostet das Ganze eigentlich? Die Preisgestaltung in diesem Bereich ist kein einfaches Thema. Sie ist geprägt von gesetzlichen Rahmenbedingungen, Sonderregelungen nach Vertragslage und einem guten Stück Realitätsabgleich, je nachdem, ob es sich um ambulante oder stationäre Versorgung handelt.

VersorgungsformKostenelementBetrag (€)Finanzierungsanteil
Palliativstation (Krankenhaus)Tagessatz408–422100 % DRG/Zusatzentgelte
SAPV – TeilversorgungTagespauschale147100 % Krankenkasse
SAPV – VollversorgungTagespauschale278–394100 % Krankenkasse
Stationäres HospizTagessatz270–42195 % Kasse, 5 % Spenden/Eigenmittel
AAPV – Hausbesuch (GOÄ 50)Einzelleistung10,72100 % PKV/Beihilfe
AAPV – Erörterung (GOÄ 34)Einzelleistung23,31100 % PKV/Beihilfe
AAPV – Nachtzuschlag (GOÄ C)Einzelleistung13,42100 % PKV/Beihilfe
Palliativdienst im KH (OPS 8-98h.0b)Zusatzentgelt3.054Krankenhaus-Zusatzentgelt

Stationäre Palliativversorgung und Hospize (DRG)

Wenn man im Krankenhaus auf einer Palliativstation versorgt wird, läuft die Abrechnung über das DRG-System – das sind diagnosebezogene Fallpauschalen. Zusätzlich gibt’s sogenannte Zusatzentgelte, die über spezielle OPS-Codes abgerechnet werden. Beispiel: Für einen Aufenthalt von 7–13 Tagen werden z. B. 1.368 € (ZE 60.01 oder ZE 145.01) extra gezahlt. Eine Palliativstation mit 10 Betten kann bei 80 % Auslastung damit rund 1,23 Mio. € pro Jahr erwirtschaften – zumindest auf dem Papier.

Gleichzeitig entstehen auch enorme Personalkosten. Pro Bett rechnet man mit 0,25 ärztlichen Vollkräften, 1,3 Pflegekräften und 6 Wochenstunden psychosozialer Betreuung. Mit Sachkosten und Gemeinkosten landen die Jahresgesamtkosten bei etwa 150.000 € pro Bett.

In Hospizen sieht das etwas anders aus: Der durchschnittliche Tagessatz liegt bei 421,38 €. 95 % übernimmt die gesetzliche Krankenkasse (oder die PKV), die restlichen 5 % müssen durch Spenden oder Eigenmittel finanziert werden. In einigen Regionen liegt der Tagessatz wegen kommunaler Zuschüsse sogar nur bei ca. 270 €. Und wichtig: Hospize rechnen nicht nach DRG ab, sondern über Pflegesätze, was teils mehr Spielraum, aber auch mehr Eigenverantwortung bedeutet.

Ambulante Versorgung (SAPV, AAPV)

In der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) wird’s richtig konkret. Hier gibt es drei Kostenbausteine:

  • Fixkosten (Vorhaltung & Rufbereitschaft): 100 €/Tag
  • Teilversorgung (entweder ärztlich oder pflegerisch): 147 €/Tag
  • Vollversorgung: 294 €/Tag

Laut Modellrechnungen braucht ein SAPV-Team mit 15 Parallelpatienten ca. 278 €/Tag/Patient, um rentabel zu arbeiten. Abgerechnet wird über pauschalisierte Sätze – z. B. 70 €/Koordinationseinsatz oder 18,49 €/Pflegestunde.

Die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV), also wenn Hausarzt und Pflegedienst sich kümmern, ist GOÄ-basiert. Das heißt:

  • Hausbesuch (GOÄ Nr. 50): 10,72 €
  • Erörterung über 20 Minuten (GOÄ Nr. 34): 23,31 €
  • Nachtzuschlag (GOÄ C): 13,42 €

Im Vergleich dazu zahlt die GKV für eine palliativmedizinische Komplexbehandlung im ambulanten Bereich rund 36,91 € – deutlich weniger.

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Marcus Knispel
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Zahlt die PKV für Palliativ- und Hospizbehandlungen?

Die private Krankenversicherung (PKV) übernimmt grundsätzlich die Kosten für alle medizinisch notwendigen Palliativ- und Hospizleistungen – egal ob stationär, ambulant oder spezialisierte SAPV.

Entscheidend ist, dass es sich um eine begründete, ärztlich dokumentierte Behandlung in der letzten Lebensphase handelt. Für viele Betroffene ist das eine große Entlastung, denn die letzten Wochen oder Monate im Leben bringen oft nicht nur körperlich, sondern auch organisatorisch einiges mit sich.

Auch wenn die PKV eigentlich zahlen müsste, ist es immer empfehlenswert, vorab eine schriftliche Kostenzusage einzuholen. Das gibt Sicherheit, falls der Aufenthalt länger dauert oder besondere Leistungen nötig sind.

Bei stationären Palliativstationen im Krankenhaus läuft alles wie bei anderen Behandlungen auch – über die reguläre Fallpauschale. Wer dagegen in ein Hospiz zieht, hat mitunter das Problem, dass ältere PKV-Verträge (vor 2007) diese Versorgung nicht konkret aufführen. In der Praxis werden die Kosten meist trotzdem übernommen. Der PKV-Verband hat dafür mit den Hospizverbänden einen Rahmenvertrag aufgesetzt – damit auch Versicherte mit älteren Tarifen abgesichert sind. Diese Mittel können vom Hospiz direkt beim Verband beantragt werden.

Versorgungsarten im Überblick

Es gibt verschiedene Formen der Versorgung – alle mit eigenen Regeln:

  • Palliativstation im Krankenhaus: Abgerechnet wird hier über Fallpauschale, also ganz normal über die Klinik. Für PKV-Versicherte ist das eine Standardleistung.
  • Stationäre Hospize: Auch hier trägt die PKV in der Regel die Kosten, meist zusammen mit Pflegeversicherung und Spenden. Die Eigenleistung liegt (theoretisch) bei 5 %, aber in der Praxis wird sie selten dem Patienten in Rechnung gestellt. Bei schwerkranken Kindern sind auch mehrfach wiederholte Aufenthalte möglich.
  • Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV): Diese mobilen Teams kommen zu den Patient:innen nach Hause – bei entsprechender ärztlicher Verordnung übernimmt die PKV auch hier die kompletten Kosten. SAPV-Leistungen dürfen zwar nicht direkt nach GOÄ abgerechnet werden, aber sie gelten als versicherungsfähig.
  • Allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV): Hausärztlich oder pflegerisch organisiert, meist bei nicht ganz so komplexen Fällen. Die Abrechnung läuft hier über die GOÄ, was bei PKV-Versicherten von Vorteil ist – denn es gibt keine Budgetgrenzen wie in der GKV.

Außerdem: Die PKV fördert auch ambulante Hospizdienste direkt. 2023 gingen über 11 Millionen Euro an mehr als 700 Hospizdienste. Eine der Bedingungen: Der Dienst muss auch mit gesetzlich anerkannten Pflegediensten oder Ärzten kooperieren und GKV-Förderung nachweisen können.

Rechtliche Grundlagen: § 192 Abs. 1 VVG

Rechtlich gesehen zählt alles, was unter palliativmedizinische Versorgung fällt, zu den Leistungen, die die PKV laut Vertrag übernehmen muss – sofern eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Die Grundlage dafür ist u. a. § 192 Abs. 1 VVG („medizinisch notwendige Heilbehandlung“) sowie die GOÄ. Im Streitfall lohnt es sich, auf das sogenannte Nikolausurteil (BVerfG, 2005) zu verweisen.

Darin heißt es sinngemäß: Bei schweren Erkrankungen und fortgeschrittener Prognose dürfen keine „strengen Erstattungsmaßstäbe“ mehr angesetzt werden. Eine nicht völlig abwegige Aussicht auf Verbesserung reicht aus – der Anspruch auf Leistung besteht.

Bei Problemen – etwa wenn die PKV sich querstellt wegen angeblich fehlender medizinischer Indikation oder wegen veralteter Vertragsklauseln – sollte man aktiv werden: Widerspruch, ärztliche Stellungnahme, ggf. auch Ombudsstelle oder Klage. Gerade bei langen Hospizaufenthalten kommt es manchmal zu Diskussionen, ob die PKV weiterzahlen muss. Auch hier hilft eine frühzeitige Kommunikation mit dem Versicherer – und eine sauber dokumentierte Indikation durch Haus- oder Palliativarzt.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.