Wartezeiten bei Arztterminen: Wie ist der Unterschied zwischen GKV und PKV?

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 9. Januar 2026

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Inhaltsverzeichnis:

Die Diskussion über Wartezeiten in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung wird meist emotional geführt. Die einen sprechen von „Zwei-Klassen-Medizin“, die anderen von „Mythen und Legenden“.

Was fehlt, sind Fakten.

Ich habe mir die offiziellen Daten angeschaut:

  • Wissenschaftliche Studien,
  • offizielle Erhebungen von Kassenärztlicher Bundesvereinigung,
  • GKV-Spitzenverband,
  • und renommierten Forschungsinstituten (z.B. Uni Hamburg)

Die Daten aus allen offiziellen Studien zwischen 2011 und 2024 sind eindeutig. Die Priorisierung von Privatpatienten bei der Terminvergabe ist Realität, dokumentiert in jeder einzelnen Studie der letzten 15 Jahre.

GKV-Spitzenverband (2024): Jeder Vierte wartet über 30 Tage auf Facharzttermin

Der GKV-Spitzenverband hat im Frühjahr 2024 eine repräsentative Versichertenbefragung durchgeführt. Management Consult Dr. Eisele & Dr. Noll GmbH aus Mannheim befragte 3.520 gesetzlich Versicherte zwischen 18 und 80 Jahren.

WartezeitAnteil der Befragten
Über 30 Tage25% (jeder Vierte)
Über 3 Monate10% (jeder Zehnte)
Innerhalb 10 Tagen50% (jeder Zweite)

Jeder vierte gesetzlich Versicherte wartet also länger als einen Monat auf einen Facharzttermin. Jeder zehnte wartet sogar über drei Monate. Die Hälfte kommt innerhalb von zehn Tagen dran.

30% empfinden Wartezeiten als „zu lang“ oder „viel zu lang“, 36% als „noch akzeptabel“ und 34% als „genau meinen Wünschen entsprechend“.

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Marcus Knispel ist auf dem Bild / PKV Berater für Top-Verdiener
Marcus Knispel
PKV-Berater für Top-Verdiener

Die Hälfte der GKV-Versicherten bekommt beim Hausarzt Termin innerhalb eines Tages

WartezeitAnteil der Befragten
Über 3 Tage25%
Ohne Termin (direkt)25% (ein Viertel)
Innerhalb 1 Tagca. 50%

Beim Hausarzt läuft es deutlich schneller. Ein Viertel der Versicherten kommt ohne Termin direkt dran, die Hälfte innerhalb eines Tages. Nur jeder Vierte wartet länger als drei Tage.

51% empfinden Wartezeiten als „genau meinen Wünschen entsprechend“, 35% als „noch akzeptabel“ und 14% sind unzufrieden.

43% der GKV-Versicherten sehen Verschlechterung in den letzten 5 Jahren

30% der Befragten gaben an, es sei schwierig gewesen, einen Termin beim Facharzt zu erhalten. Bei Befragten mit schlechtem Gesundheitszustand waren es sogar 35%.

Die Situation verschlechtert sich: 43% der Befragten gaben an, dass sich die Wartezeiten bei Fach- und Hausarztpraxen in den letzten fünf Jahren verschlechtert haben.

Die telefonische Erreichbarkeit ist ebenfalls ein Problem. 44% sind unzufrieden mit der telefonischen Erreichbarkeit der Arztpraxen, und 42% finden, dies habe sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert.

KBV-Studie (2017): Der einzige direkte Vergleich PKV vs. GKV

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung führt seit 2006 jährlich repräsentative Versichertenbefragungen durch. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte im Mai und Juni 2017 computergestützt 18- bis 79-Jährige per Telefon. Diese Studie ist die aktuellste offizielle Primärquelle mit direktem PKV-GKV-Vergleich.

PKV-Versicherte bekommen 60% der Facharzttermine innerhalb einer Woche

WartezeitGKVPKV
Ohne Termin/sofort43%38%
1 Tag8%11%
2-3 Tage15%15%
Bis 1 Woche11%11%
Bis 3 Wochen15%8%
Über 3 Wochen8%17%

Der höhere GKV-Anteil bei „ohne Termin“ erklärt sich dadurch, dass 16% der GKV-Patienten ohne Termin zum Arzt gehen, während das bei PKV-Patienten nur 8% tun.

Wenn es um konkrete Terminvergabe geht: 91% der PKV-Versicherten erhalten beim Hausarzt und 60% beim Facharzt einen Termin innerhalb einer Woche. Bei GKV-Versicherten sind es 88% beim Hausarzt und 40% beim Facharzt.

Beim Hausarzt kommen beide Versichertengruppen ähnlich schnell dran

WartezeitGKVPKV
Ohne Termin/sofort56%56%
1 Tag7%19%
2-3 Tage16%10%
Bis 1 Woche6%7%
Bis 3 Wochen12%3%
Über 3 Wochen3%5%

Beide Gruppen kommen zu 56% ohne Termin sofort dran. Bei konkreter Terminvergabe erhalten 64% der PKV-Versicherten einen Termin innerhalb von drei Tagen, bei GKV-Versicherten sind es 52%.

30% der GKV-Versicherten warten über 3 Wochen beim Facharzt

WartezeitGKVPKV
Ohne Termin/sofort23%22%
1 Tag4%7%
2-3 Tage6%10%
Bis 1 Woche12%20%
Bis 3 Wochen22%17%
Über 3 Wochen30%20%

30% der GKV-Versicherten warten über drei Wochen auf einen Facharzttermin. Bei PKV-Versicherten sind es 20%. Das ist ein Unterschied von zehn Prozentpunkten.

Die KBV-Studie zeigt auch einen Trend: 2008 erhielten 60% der PKV-Versicherten und 47% der GKV-Versicherten einen Termin innerhalb von drei Tagen. Bis 2017 haben sich diese Unterschiede angeglichen.

RWI-Feldexperiment (2017/2018): PKV-Patienten erhalten doppelt so schnell Termine

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hat zwischen April 2017 und Mai 2018 ein Feldexperiment durchgeführt. Keine Befragung, sondern ein kontrolliertes Experiment mit Testanrufen bei Facharztpraxen. Fiktive Patienten riefen an und baten um Termine.

85% aller Testpatienten bekamen einen konkreten Termin

Die durchschnittlichen Wartezeiten unterschieden sich deutlich:

ZeitraumGKV-PatientenPKV-PatientenFaktor
201427,5 Tage13,5 Tage2,0x
201630,7 Tage7,8 Tage3,9x
2017-201825-30,7 Tage7,8-13,5 Tage2-4x

PKV-Patienten erhalten etwa doppelt so schnell einen Termin. Während die Wartezeiten für GKV-Patienten zwischen 2014 und 2016 konstant blieben oder sogar stiegen (von 27,5 auf 30,7 Tage), sanken sie für PKV-Patienten signifikant von 13,5 auf 7,8 Tage.

Uni Hamburg (2011): GKV-Versicherte warten 9 Tage länger beim Facharzt

Roll, Stargardt und Schreyögg von der Universität Hamburg werteten 2011 Daten aus dem Bertelsmann Gesundheitsmonitor aus. Diese repräsentative Patientenumfrage liefert nicht nur Kategorien, sondern exakte Durchschnittswerte in Tagen.

GKVPKVUnterschied
Hausarzt-Termin2,3 Tage1,4 Tage+0,9 Tage
Facharzt-Termin16 Tage7 Tage+9 Tage
Hausarzt-Wartezimmer41 Min.30,9 Min.+10,1 Min.
Facharzt-Wartezimmer36 Min.29,3 Min.+6,7 Min.

Beim Facharzt wartest du als GKV-Versicherter durchschnittlich neun Tage länger auf einen Termin. Im Wartezimmer sitzt du dann auch noch zehn Minuten länger beim Hausarzt und knapp sieben Minuten länger beim Facharzt.

BKK Dachverband (2011): 6 Tage Unterschied bei allen Ärzten

Der BKK Dachverband führte 2011 eine eigene Umfrage durch. Die durchschnittlichen Wartezeiten über alle Ärzte hinweg:

Wartezeit auf TerminWartezeit im Wartezimmer
GKV20 Tage28 Minuten
PKV14 Tage21 Minuten
Unterschied6 Tage7 Minuten

Sechs Tage Unterschied bei der Terminvergabe, sieben Minuten im Wartezimmer.

Bundestag (2025): Bevorzugte Terminvergabe für PKV ist weithin präsent

Der Fachbereich Gesundheit der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags veröffentlichte am 19. November 2025 eine Analyse zur „Terminvergabe an Patientinnen und Patienten der PKV und der GKV“.

Die zentrale Feststellung: „Die Wahrnehmung, dass es eine bevorzugte Terminvergabe für Patienten und Patientinnen der Privaten Krankenversicherung gegenüber in der Gesetzlichen Krankenversicherung Versicherten gebe, ist weithin präsent.“

49% der GKV-Versicherten kennen die Terminservicestellen nicht

Die GKV-Befragung 2024 zeigte, dass 49% der Befragten die Terminservicestellen nicht kannten. Online-Terminportale wie Doctolib und Jameda stehen in der Kritik: 35% der Befragten stimmten der Aussage zu, dass diese Plattformen Privatpatienten bevorzugen (14% voll, 21% eher). 57% sprachen sich gegen Online-Terminvergabe durch kommerzielle Anbieter aus.

KBV-Evaluation (2023): Terminservicestellen vermitteln in 12 Tagen

Seit 2016 gibt es die Terminservicestellen unter der Nummer 116117. Die KBV-Evaluation von 2023 zeigt die Ergebnisse:

Die durchschnittliche Vermittlungszeit über 116117 liegt bei zwölf Tagen nach Erstanfrage. Notfälle werden sofort vermittelt. Aber im ersten Jahr (2016/17) wurden nur 110.000 Termine bundesweit vermittelt bei 580 Millionen ambulanten Behandlungsfällen. Die Nutzung ist gering.

Offene Sprechstunden haben nichts am direkten Zugang geändert

Trotz Einführung offener Sprechstunden 2019 keine Verbesserung beim direkten Zugang zu Fachärzten: 16% gaben an, noch nie bei dem Facharzt gewesen zu sein. Nur 8,6 bis 8,9% suchten eine fachärztliche Praxis ohne Termin auf, dieser Wert blieb zwischen 2019 und 2024 konstant.

Doctolib-Daten (2024): 31% warten über 3 Wochen auf Facharzttermin

Statista wertete im März und April 2024 Suchanfragen auf Doctolib.de aus. Diese Daten sind keine offizielle Primärquelle, sondern stammen von einem kommerziellen Anbieter, zeigen aber aktuelle Tendenzen.

31% der Befragten warteten länger als drei Wochen auf einen Facharzttermin. Beim Hausarzt bekamen 40% der Befragten noch am Tag der Terminvereinbarung einen Termin.

Alle Studien im Überblick: PKV-Versicherte warten 1,4 bis 3,9 mal kürzer

Die Daten aus allen offiziellen Studien zwischen 2011 und 2024 zeigen ein konsistentes Bild. Lass mich die wichtigsten Zahlen zusammenfassen:

StudieJahrGKV FacharztPKV FacharztFaktor
Uni Hamburg201116 Tage7 Tage2,3x länger
BKK Dachverband201120 Tage14 Tage1,4x länger
RWI Feldexperiment201630,7 Tage7,8 Tage3,9x länger
KBV Befragung201730% > 3 Wochen20% > 3 Wochen+10 Prozentpunkte

Die aktuellsten GKV-Daten von 2024 zeigen, dass sich die Situation nicht verbessert hat. Jeder vierte GKV-Versicherte wartet über 30 Tage auf einen Facharzttermin, jeder zehnte sogar über drei Monate. 43% der Befragten gaben an, die Wartezeiten hätten sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert.

Fazit: „Die Priorisierung von Privatpatienten ist und bleibt messbare Realität“

Die Daten aus allen offiziellen Studien zwischen 2011 und 2024 sind eindeutig. Die Priorisierung von Privatpatienten bei der Terminvergabe ist keine urban legend und kein Mythos. Sie ist Realität, dokumentiert in jeder einzelnen Studie der letzten 15 Jahre.

Bei Fachärzten sind die Unterschiede am größten:

  • RWI-Feldexperiment 2016: 30,7 Tage GKV vs. 7,8 Tage PKV (Faktor 3,9)
  • Uni Hamburg 2011: 16 Tage GKV vs. 7 Tage PKV (Faktor 2,3)
  • BKK Dachverband 2011: 20 Tage GKV vs. 14 Tage PKV (Faktor 1,4)
  • KBV 2017: 30% der GKV-Versicherten warten über 3 Wochen, nur 20% der PKV-Versicherten

Beim Hausarzt sind beide Versichertengruppen ähnlich schnell dran. Beide kommen zu 56% ohne Termin sofort dran. Bei konkreter Terminvergabe erhalten 64% der PKV-Versicherten einen Termin innerhalb drei Tagen, bei GKV-Versicherten 52%.

Auch im Wartezimmer geht es schneller: 41 Minuten GKV vs. 31 Minuten PKV beim Hausarzt, 36 Minuten GKV vs. 29 Minuten PKV beim Facharzt.

Die Situation verschlechtert sich für GKV-Versicherte. 43% sehen eine Verschlechterung in den letzten fünf Jahren. Aktuell warten 25% über 30 Tage auf einen Facharzttermin, 10% sogar über drei Monate. Terminservicestellen und offene Sprechstunden haben nichts Grundlegendes geändert.

Alle diese Daten stammen aus offiziellen Primärquellen: Kassenärztliche Bundesvereinigung, GKV-Spitzenverband, renommierte Forschungsinstitute und wissenschaftliche Studien. Es sind messbare, reproduzierbare Fakten aus repräsentativen Erhebungen und kontrollierten Experimenten.

Wenn du fragst, ob die PKV wirklich bessere Wartezeiten bringt, lautet die Antwort basierend auf allen verfügbaren offiziellen Daten eindeutig ja. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wie viel schneller du drankommst. Je nach Studie und Zeitpunkt liegt der Faktor zwischen 1,4 und 3,9 bei Fachärzten.

Das ist die Datenlage. Was du daraus machst, liegt bei dir.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.