Die Frage nach der Familienversicherung ist eine der wichtigsten, wenn du über einen Wechsel in die PKV nachdenkst. Viele gehen davon aus, dass es in der PKV eine kostenlose Familienversicherung wie in der GKV gibt, doch das ist ein teurer Irrtum.
In der privaten Krankenversicherung gilt das Prinzip der Individualversicherung, das bedeutet jedes Familienmitglied braucht einen eigenen Vertrag und zahlt einen eigenen Beitrag. Bei einer vierköpfigen Familie können da schnell 1.500 bis 2.000 Euro im Monat zusammenkommen, selbst nach Abzug des Arbeitgeberzuschusses.
Bevor du dich für die PKV entscheidest, musst du dir die Frage stellen, ob du dir diese Beiträge dauerhaft leisten kannst und willst. Für Beamtenfamilien sieht die Rechnung völlig anders aus, weil die Beihilfe einen Großteil der Kosten übernimmt und die PKV dann oft die günstigere Variante ist.
Für alle anderen lohnt sich ein genauer Blick auf die Zahlen.
Kann man sich als Familie privat versichern?
Ja, du kannst deine Familie privat versichern, aber ganz anders als du das von der gesetzlichen Kasse gewohnt bist. In der PKV gibt es keine kostenlose Mitversicherung für Ehepartner oder Kinder, sondern jedes Familienmitglied benötigt einen eigenen Versicherungsvertrag mit einem eigenen monatlichen Beitrag.
Das kann schnell teuer werden, wenn du mehrere Kinder hast oder dein Partner nicht erwerbstätig ist.
Kinder müssen nur ab 77.400 Euro Einkommen privat versichert werden
Die Versicherung deiner Kinder ist an strenge gesetzliche Regeln gebunden. Wenn du und dein Partner unterschiedlich versichert seid, also einer privat und einer gesetzlich, entfällt der Anspruch auf die kostenlose Familienversicherung in der GKV nur dann, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- Ihr seid verheiratet
- Der privat versicherte Partner verdient mehr als der gesetzlich versicherte Partner
- Das Einkommen des privat versicherten Partners liegt über 77.400 Euro im Jahr (2026)
Liegt dein Einkommen 2026 unter dieser Grenze, können deine Kinder kostenlos beim gesetzlich versicherten Partner familienversichert bleiben, und du musst sie nicht privat versichern.
Neugeborene haben zwei Monate Frist für die Aufnahme ohne Gesundheitsprüfung
Für Neugeborene gibt es die sogenannte Kindernachversicherung, die besonders wichtig ist, wenn dein Kind mit gesundheitlichen Problemen zur Welt kommt. Du hast das Recht, dein Kind innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt in deinem Tarif zu versichern, und zwar ohne Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten.
Der Versicherungsschutz gilt dann rückwirkend ab Geburt, und alle angeborenen Erkrankungen sind automatisch mitversichert. Diese Frist musst du unbedingt einhalten, denn wenn du sie versäumst, wird eine Gesundheitsprüfung fällig, und bei Vorerkrankungen können Zuschläge oder sogar eine Ablehnung drohen.
Beamtenfamilien zahlen durch Beihilfe nur 30 bis 50 Euro pro Kind
Bei Beamtenfamilien ändert sich die Rechnung komplett, weil der Dienstherr über die Beihilfe einen Großteil der Kosten übernimmt. Für Kinder zahlt die Beihilfe meist 80 Prozent der Krankheitskosten, für Ehepartner oft 70 Prozent, wenn deren eigenes Einkommen unter bestimmten Grenzen liegt.
Die PKV muss dann nur noch die restlichen 20 oder 30 Prozent abdecken, was die Beiträge drastisch senkt. Ein Kind kostet dich als Beamter in der PKV oft nur 30 bis 50 Euro im Monat statt 150 Euro, und auch für deinen Partner zahlst du statt 700 Euro nur noch etwa 200 bis 300 Euro. Für Beamtenfamilien ist die PKV deshalb fast immer die günstigere Wahl.
Kann ich meinen Ehepartner in der privaten Krankenversicherung mitversichern?
Ja, du kannst deinen Ehepartner in der PKV versichern, aber nicht im Sinne einer kostenlosen Mitversicherung wie in der GKV. Dein Partner braucht einen eigenständigen Vertrag mit einem eigenen monatlichen Beitrag, der sich nach seinem Alter und Gesundheitszustand richtet und nicht nach deinem Einkommen.
Für einen guten Premium-Tarif mit Chefarzt, Einzelzimmer und hoher Zahnerstattung musst du für deinen Partner mit etwa 700 bis 850 Euro im Monat rechnen, wenn er Mitte 30 ist.
Der Partner muss versicherungsfrei sein oder über 77.400 Euro verdienen
Dein Partner kann aber nicht einfach zu dir in die PKV wechseln, nur weil du dort versichert bist. Er muss versicherungsfrei sein, und das ist nur in bestimmten Fällen gegeben:
- Selbständig oder freiberuflich tätig
- Beamter oder Beamtin
- Nicht erwerbstätig (Hausfrau oder Hausmann)
- Angestellter mit Einkommen über 77.400 Euro im Jahr
Verdient dein Partner als Angestellter weniger als 77.400 Euro, muss er in der gesetzlichen Kasse bleiben, denn dann greift die Versicherungspflicht, und ein Wechsel in die PKV ist gesetzlich nicht erlaubt.
Vorerkrankungen können zur Ablehnung oder zu Zuschlägen führen
Bei der Gesundheitsprüfung muss dein Partner genau wie du damals alle Gesundheitsfragen beantworten, und Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen oder sogar zur Ablehnung führen. Wenn dein Partner zum Beispiel Bluthochdruck, Rückenprobleme oder psychische Vorerkrankungen hat, wird es schwierig oder teuer.
Du kannst als Angestellter aber den Arbeitgeberzuschuss clever nutzen, wenn du deinen maximalen Zuschuss von etwa 508 Euro noch nicht komplett ausgeschöpft hast. Der Restbetrag kann oft für den PKV-Vertrag deines Partners verwendet werden, was die finanzielle Belastung etwas mindert.
Beamte zahlen für Ehepartner nur 200 bis 300 Euro statt 700 Euro
Bei Beamten gelten besondere Regeln für die Ehepartner-Beihilfe, die die Kosten deutlich senken. Wenn dein Partner als Ehepartner eines Beamten sehr wenig eigenes Einkommen hat, meist nicht mehr als 18.000 bis 20.000 Euro im Jahr, übernimmt die Beihilfe oft 70 Prozent der Krankheitskosten.
Du musst für deinen Partner dann nur eine Restkostenversicherung über die fehlenden 30 Prozent abschließen, die oft nur 200 bis 300 Euro im Monat kostet statt der vollen 700 bis 800 Euro für einen kompletten Premium-Tarif.
Als Privatversicherter kannst du nicht kostenlos familienversichert sein
Nein, das geht nicht, weil sich diese beiden Status gegenseitig ausschließen.
Du kannst nicht gleichzeitig einen Vertrag über eine private Krankenvollversicherung haben und die kostenlose Familienversicherung der gesetzlichen Kasse nutzen. Die Familienversicherung in der GKV greift nur dann, wenn du keine eigene vorrangige Versicherung hast, und sobald du eine PKV-Vollversicherung abschließt, erlischt automatisch der Anspruch auf die kostenlose Familienversicherung.
Wenn du aktuell privat versichert bist und in die kostenlose Familienversicherung eines gesetzlich versicherten Ehepartners wechseln möchtest, musst du deine private Vollversicherung beenden oder ruhend stellen.
Das geht nur, wenn du die Voraussetzungen für die Familienversicherung erfüllst, also nicht hauptberuflich selbständig bist und dein eigenes monatliches Gesamteinkommen die Minijob-Grenze von etwa 538 Euro nicht überschreitet.
Eine Anwartschaft sichert deinen PKV-Tarif während der Elternzeit
Während der Elternzeit oder bei Arbeitslosigkeit kann diese Situation eintreten, und dann ist eine große Anwartschaftsversicherung die Lösung. Mit einer großen Anwartschaft stellst du deinen PKV-Vertrag ruhend und zahlst nur einen kleinen Beitrag von etwa 10 bis 30 Prozent deines alten Beitrags, um deinen Gesundheitszustand und dein Eintrittsalter einzufrieren.
Du bist dann offiziell kostenlos familienversichert in der GKV und kannst später ohne neue Gesundheitsprüfung in deinen alten PKV-Tarif zurückkehren, wenn du wieder voll verdienst. Das ist besonders während der Elternzeit sinnvoll, weil du sonst weiter deine vollen PKV-Beiträge zahlen musst, obwohl dein Elterngeld niedriger ist als dein Gehalt und der Arbeitgeberzuschuss komplett wegfällt.
Zusatzversicherungen funktionieren parallel zur kostenlosen Familienversicherung
Was möglich ist, sind private Zusatzversicherungen zusätzlich zur kostenlosen Familienversicherung. Du kannst in der GKV familienversichert sein und trotzdem private Ergänzungstarife für Chefarzt, Einzelzimmer oder Zahnersatz abschließen.
In diesem Fall bist du aber kein Privatversicherter im Sinne einer Vollversicherung, sondern ein Kassenpatient mit Zusatzversicherung, und das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Wie viel kostet eine private Krankenversicherung für eine Familie?
Die Kosten für eine Familie in der PKV werden oft unterschätzt, weil viele Rechner im Internet nur günstige Einstiegstarife zeigen. Wenn du Premium-Leistungen wie Einzelzimmer, freie Arztwahl, 90 bis 100 Prozent Zahnerstattung und einen offenen Hilfsmittelkatalog für die ganze Familie willst, bewegst du dich in einem ganz anderen Preissegment.
Eine Familie mit zwei Kindern kostet brutto 1.900 bis 2.250 Euro monatlich
Bei einer vierköpfigen Familie mit zwei Kindern und beiden Eltern privat versichert kommst du schnell auf 1.900 bis 2.250 Euro im Monat, und das ist die Bruttorechnung vor Abzug des Arbeitgeberzuschusses.
Hier ein realistisches Beispiel für eine Musterfamilie mit einem 35-jährigen Vater, einer 33-jährigen Mutter und zwei Kindern im Alter von 5 Jahren und 1 Jahr, alle in Premium-Tarifen wie Barmenia einsA expert+ oder Hallesche NK.Select XL versichert.
| Person | Monatlicher Beitrag (Premium-Tarif) |
|---|---|
| Vater (35 Jahre) | 750–850 € |
| Mutter (33 Jahre) | 720–820 € |
| Kind 1 (5 Jahre) | 140–180 € |
| Kind 2 (1 Jahr) | 140–180 € |
| Pflegeversicherung (alle) | 180–220 € |
| Gesamtkosten brutto | 1.930–2.250 € |
Diese Summe zahlst du als Angestellter nicht allein, denn dein Arbeitgeber übernimmt 50 Prozent deiner Versicherungskosten, aber gedeckelt auf den Höchstsatz von etwa 508 Euro für die Krankenversicherung plus etwa 98 Euro für die Pflegeversicherung, also insgesamt rund 606 Euro.
Nach Arbeitgeberzuschuss bleiben etwa 1.500 Euro Eigenanteil
Wenn du als Hauptverdiener einen Premium-Tarif mit etwa 800 Euro plus Pflege hast, verbrauchst du den Zuschuss fast komplett für dich selbst, und für die Beiträge der anderen Familienmitglieder bleibt kaum etwas übrig. Von den 2.100 Euro Gesamtkosten bleiben nach Abzug der 606 Euro Arbeitgeberzuschuss etwa 1.500 Euro übrig, die du aus eigener Tasche zahlen musst.
Premium-Tarife für Kinder kosten realistisch 140 bis 180 Euro monatlich
Die Kinderbeiträge in Premium-Tarifen werden oft unterschätzt, weil viele nur die günstigen Einsteigertarife ab 80 Euro kennen. Echte Top-Tarife mit Chefarzt, Einzelzimmer und hoher Zahnerstattung kosten für Kinder realistisch zwischen 140 und 180 Euro im Monat.
Kinder bilden keine Altersrückstellungen und sind deshalb günstiger als Erwachsene trotz gleicher Leistungen. Ab einem Alter von etwa 16 bis 20 Jahren werden Kinder auf Erwachsenentarife umgestellt, und dann verdoppelt sich der Beitrag oft sprunghaft auf 300 bis 400 Euro.
Beamtenfamilien zahlen durch 80 Prozent Beihilfe nur 400 bis 600 Euro gesamt
Bei Beamtenfamilien sieht die Rechnung komplett anders aus, weil die Beihilfe einen Großteil der Kosten übernimmt. Für Kinder zahlt die Beihilfe meist 80 Prozent, sodass du nur eine Restkostenversicherung über die restlichen 20 Prozent brauchst, die oft nur 30 bis 50 Euro im Monat kostet.
Für deinen Ehepartner zahlt die Beihilfe oft 70 Prozent, wenn dessen eigenes Einkommen unter 18.000 bis 20.000 Euro im Jahr liegt, und dann kostet die Restkostenversicherung nur 200 bis 300 Euro statt 700 bis 800 Euro für einen vollen Premium-Tarif.
Eine Beamtenfamilie mit zwei Kindern zahlt in der PKV oft nur 400 bis 600 Euro im Monat statt 1.500 Euro, und das ist der Grund, warum die PKV für Beamte fast immer die bessere Wahl ist.
Selbstbeteiligung und Zweibettzimmer senken die Kosten um 200 bis 300 Euro
Wenn dir 2.000 Euro Monatsbeitrag zu hoch sind, kannst du die Kosten durch strategische Anpassungen senken, ohne auf wichtige Leistungen zu verzichten:
- Selbstbeteiligung für Eltern: Du kannst für dich und deine Frau einen Tarif mit hoher Selbstbeteiligung von 1.200 Euro im Jahr wählen, was den Beitrag oft um 100 bis 150 Euro pro Person senkt. Vereinbare aber niemals eine Selbstbeteiligung für deine Kinder, weil Kinder oft zum Arzt gehen und sich die Selbstbeteiligung dann nicht lohnt.
- Zweibettzimmer statt Einzelzimmer: Statt eines Einzelzimmers kannst du auch ein Zweibettzimmer wählen, der medizinische Schutz mit Chefarzt bleibt gleich, aber du sparst etwa 30 bis 50 Euro pro Person im Monat.
- Beitragsrückerstattung nutzen: Premium-Tarife zahlen oft zwei bis drei Monatsbeiträge zurück, wenn du keine Rechnungen einreichst, was die Effektivkosten um 15 bis 20 Prozent senken kann.
Diese Strategien helfen dir, die Kosten zu senken, ohne dass du auf den Premium-Schutz für deine Familie verzichten musst.
Fazit: „Die PKV ist für Familien kein Schnäppchen, sondern eine bewusste Entscheidung für Premium-Versorgung“
Wer sich das leisten kann und will, bekommt dafür eine Versorgung, die in der GKV nicht möglich ist. Eine vierköpfige Familie zahlt nach Arbeitgeberzuschuss etwa 1.500 Euro monatlich für Premium-Tarife, und das ist kein Pappenstiel.
Wer knapp bei Kasse ist oder mehrere Kinder plant, fährt mit der kostenlosen Familienversicherung besser. Für Beamtenfamilien dagegen ist die PKV durch die Beihilfe fast immer die günstigere und bessere Wahl, weil sie nur 400 bis 600 Euro statt 1.500 Euro zahlen und trotzdem Premium-Versorgung bekommen.
