Physiotherapie: Kosten und Übernahme durch die Krankenkasse

Physiotherapie mit Kassenrezept kostet Patienten zehn Prozent des Verordnungswerts plus zehn Euro Rezeptgebühr. Ohne Rezept fallen Privatpreise von 35 bis 90 Euro je Einheit an.
Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2026

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Inhaltsverzeichnis:

Physiotherapie ist eine der häufigsten verordneten Heilmittelleistungen in Deutschland.

Die meisten Menschen wissen, dass die Kasse zahlt, wenn ein Arzt ein Rezept ausstellt.

Was viele nicht wissen: Wie hoch die Zuzahlung genau ist, was passiert wenn man ohne Rezept geht, und warum PKV-Versicherte strukturell besser gestellt sind als gesetzlich Versicherte, hängt von Details ab, die sich lohnen zu kennen.

Wie viel kostet Physiotherapie mit Rezept?

Mit einem Kassenrezept zahlt die GKV den Großteil der Physiotherapiekosten.

Der Patient zahlt eine gesetzliche Zuzahlung: zehn Prozent der Rezeptkosten plus zehn Euro Rezeptgebühr. Der Rest wird von der Krankenkasse übernommen.

Die Preise, die Physiotherapeuten mit der GKV abrechnen, sind in sogenannten Vergütungsvereinbarungen festgelegt. Sie werden zwischen dem GKV-Spitzenverband und den Berufsverbänden ausgehandelt und jährlich angepasst.

Zum 1. Januar 2026 wurden die GKV-Vergütungen um 2,49 Prozent erhöht. Sie variieren je nach Bundesland, Krankenkasse und Leistungsart. Der Abstand zwischen einfachen Leistungen wie Elektrotherapie und aufwendigeren Spezialbehandlungen wie Bobath oder manueller Lymphdrainage ist dabei erheblich.

Typische GKV-Vergütungen ab Januar 2026 in der Übersicht:

LeistungGKV-Vergütung je EinheitZuzahlung Patient (10% + 10 € je Rezept)
Krankengymnastik (KG)ca. 17 bis 22 €10% + 10 € einmalig je Rezept
Krankengymnastik am Gerät (KGG)ca. 29 bis 35 €10% + 10 € einmalig je Rezept
Manuelle Therapie (MT)ca. 23 bis 28 €10% + 10 € einmalig je Rezept
Manuelle Lymphdrainage (30 min)ca. 23 bis 29 €10% + 10 € einmalig je Rezept
Massagetherapieca. 14 bis 18 €10% + 10 € einmalig je Rezept
Elektrotherapieca. 6 bis 9 €10% + 10 € einmalig je Rezept

Die Zuzahlung von zehn Euro gilt einmalig pro Rezept, nicht pro Behandlung. Sie fällt nur an, wenn du das 18. Lebensjahr vollendet hast. Kinder und Jugendliche zahlen keine Rezeptgebühr.

Wichtig: Bestimmte Erkrankungen sind von der Zuzahlung befreit. Wer den jährlichen Zuzahlungsdeckel der Krankenkasse von zwei Prozent des Bruttoeinkommens erreicht hat, ist für den Rest des Jahres von jeder weiteren Zuzahlung befreit. Bei chronisch Kranken liegt der Deckel bei einem Prozent.

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Marcus Knispel
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Was kostet eine Behandlung beim Physiotherapeuten ohne Rezept?

Wer ohne Rezept zum Physiotherapeuten geht, zahlt den Privatpreis direkt selbst. Physiotherapeuten rechnen dann nach der Gebührenordnung für Physiotherapeuten (GebüPh) oder nach eigenen Praxispreisen ab, die in der Regel über den GKV-Vergütungen liegen.

Wie viel ein Physiotherapeut verlangt, hängt von seiner Spezialisierung, dem Standort und der Praxisphilosophie ab. Spezialpraktiken in Innenstadtlagen, die ausschließlich Privatpatienten behandeln und kleinere Gruppen als GKV-Praxen führen, liegen oft deutlich über diesen Werten.

Die folgende Übersicht zeigt typische Marktpreise:

LeistungPrivatpreis je Einheit
Krankengymnastik (25 min)35 bis 65 €
Krankengymnastik am Gerät (60 min)60 bis 90 €
Manuelle Therapie (25 min)45 bis 80 €
Manuelle Lymphdrainage (45 min)55 bis 90 €
Massagetherapie (25 min)30 bis 55 €
Elektrotherapie15 bis 30 €

Die großen Unterschiede zwischen Mindest- und Höchstpreisen erklären sich durch Lage der Praxis, Spezialisierung des Therapeuten und regionale Nachfrage. In Städten wie München oder Hamburg liegen die Preise regelmäßig am oberen Ende oder darüber.

Ohne Rezept kann auch ein GKV-Versicherter in jede Praxis gehen. Der Unterschied zum PKV-Versicherten liegt darin, wer am Ende zahlt.

Was kostet es, wenn man Physiotherapie selbst zahlt?

Physiotherapie selbst zu zahlen macht in zwei Situationen Sinn: Wenn der Arzt kein Rezept ausstellt, weil die Indikation nach GKV-Richtlinien nicht erfüllt ist, oder wenn man gezielt eine Spezialmethode oder Praxis wählen möchte, die nicht im GKV-Leistungskatalog enthalten ist.

Wer eine vollständige Behandlungsserie aus zehn Einheiten Krankengymnastik selbst zahlt, rechnet in den meisten Praxen mit 350 bis 650 Euro. Bei zehn Einheiten manueller Therapie sind es 450 bis 800 Euro.

Bei Spezialmethoden wie Bobath, Vojta, Propriozeptiver Neuromuskulärer Fazilitation (PNF) oder osteopathischer Behandlung können die Kosten deutlich höher ausfallen.

Selbstzahler haben gegenüber GKV-Patienten mit Kassenrezept einige handfeste Vorteile:

  • Freie Wahl der Praxis, inklusive Spezialpraktiken ohne Kassenzulassung
  • Freie Wahl des Therapeuten und der Behandlungsmethode
  • Flexible Einheitendauer ohne Mindest- oder Höchstvorgaben
  • Zugang zu Methoden, die im GKV-Leistungskatalog nicht enthalten sind, zum Beispiel Osteopathie
  • Keine Mengenbegrenzung durch ärztliche Verordnung

GKV-Versicherte sind dagegen an die Heilmittelrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses gebunden. Diese schreiben vor, welche Methoden bei welcher Diagnose zugelassen sind, wie viele Einheiten verordnet werden dürfen und wie lange eine Einheit mindestens dauern muss.

Wie hoch ist die gesetzliche Zuzahlung für Physiotherapie?

Gesetzlich Versicherte zahlen pro Heilmittelrezept zehn Euro Rezeptgebühr plus zehn Prozent des Verordnungsbetrags. Die Zuzahlungsberechnung erfolgt immer bezogen auf den Gesamtbetrag des Rezepts, nicht auf die einzelne Behandlung.

Ein Rezept über sechs Einheiten Krankengymnastik zu je 20 Euro Kassenvergütung hat einen Gesamtwert von 120 Euro. Die Zuzahlung berechnet sich dann so:

  • Rezeptgebühr: 10,00 Euro
  • 10 Prozent des Verordnungsbetrags: 12,00 Euro
  • Gesamtzuzahlung: 22,00 Euro

Wie hoch ist die Zuzahlung für 6 mal Physiotherapie?

Sechs Einheiten sind eine typische Erstverordnung beim Hausarzt oder Orthopäden.

Bei Krankengymnastik als häufigster verordneter Leistungsart mit einer durchschnittlichen GKV-Vergütung von rund 20 Euro je Einheit ergibt sich folgendes Bild.

Die 10 Euro Rezeptgebühr fällt dabei einmalig pro Rezept an, egal wie viele Einheiten darauf stehen:

PositionBetrag
6 × Krankengymnastik (20 € je Einheit)120,00 € Verordnungswert
10% Zuzahlung auf 120 €12,00 €
Rezeptgebühr10,00 €
Gesamtzuzahlung Patient22,00 €
GKV übernimmt98,00 €

Liegt die GKV-Vergütung höher, zum Beispiel bei manueller Therapie mit 27 Euro je Einheit, steigt auch die Zuzahlung entsprechend:

PositionBetrag
6 × Manuelle Therapie (27 € je Einheit)162,00 € Verordnungswert
10% Zuzahlung16,20 €
Rezeptgebühr10,00 €
Gesamtzuzahlung Patient26,20 €

Wie hoch ist die Zuzahlung bei 10 mal Physiotherapie?

Zehn Einheiten gelten bei vielen Diagnosen als Folgeverordnung nach abgeschlossener Erstbehandlung. Die Zuzahlungsberechnung bleibt strukturell gleich, der Betrag steigt proportional:

PositionBetrag
10 × Krankengymnastik (20 € je Einheit)200,00 € Verordnungswert
10% Zuzahlung20,00 €
Rezeptgebühr10,00 €
Gesamtzuzahlung Patient30,00 €
GKV übernimmt170,00 €

Bei zehn Einheiten manueller Therapie zu 27 Euro:

PositionBetrag
10 × Manuelle Therapie (27 € je Einheit)270,00 € Verordnungswert
10% Zuzahlung27,00 €
Rezeptgebühr10,00 €
Gesamtzuzahlung Patient37,00 €

Die Zuzahlung für Physiotherapie ist damit vergleichsweise gering. Der eigentliche Unterschied zwischen GKV und PKV liegt nicht in den Zuzahlungsbeträgen, sondern in der Wahl der Praxis, der Behandlungsmethode, der Therapiedauer und dem Zugang zu Spezialleistungen.

Wie viel übernimmt die Krankenkasse bei Physiotherapie?

Die GKV übernimmt den gesamten Verordnungswert abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Das sind in der Regel 90 Prozent des Rezeptwerts plus 10 Euro.

Voraussetzung ist, dass:

  • Ein Arzt die Physiotherapie auf einem Heilmittelrezept (Muster 13) verordnet hat
  • Die Behandlung den Heilmittelrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses entspricht
  • Die behandelnde Praxis einen Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse hat
  • Die verordnete Menge und Art der Behandlung innerhalb des Regelversorgungsbereichs liegt

Darüber hinaus gibt es Langfristgenehmigungen für chronisch Kranke, bei denen die Krankenkasse dauerhaft Physiotherapie übernimmt, ohne dass nach jeder Rezeptserie eine neue ärztliche Verordnung nötig ist. Bei schwerwiegenden chronischen Erkrankungen kann außerdem ein Antrag auf einen Therapiebericht und langfristige Kostenzusage gestellt werden.

Wie wird Physiotherapie bei Privatpatienten abgerechnet?

Physiotherapeuten rechnen privatärztliche Leistungen nach der Gebührenordnung für Heilmittelerbringer (GebüPh) oder nach eigenen Tariflisten ab. Es gibt keinen einheitlich verbindlichen Privatpreiskatalog wie die GOÄ beim Arzt.

Heißt: Physiotherapeuten sind in ihrer Preisgestaltung freier als Ärzte bei privatärztlicher Abrechnung.

In der Praxis orientieren sich viele Praxen an Multiplikatoren der GKV-Kassenvergütung. Die Gerichte haben als übliche Vergütung für persönliche physiotherapeutische Leistungen den 2,3-fachen Kassensatz anerkannt, für technische Sachleistungen den 1,8-fachen Satz. Praxen rechnen unterschiedlich ab, viele verwenden den 2,0-fachen Satz als Standard.

Die Rechnung des Physiotherapeuten muss folgende Angaben enthalten, damit die PKV sie akzeptiert:

  • Name und Anschrift des Therapeuten mit staatlicher Zulassung (Erlaubnis nach MPhG)
  • Bezeichnung der erbrachten Leistung
  • Datum und Dauer der Behandlung
  • Preis je Einheit und Gesamtbetrag
  • Ärztliche Verordnung als Grundlage

Für PKV-Versicherte gilt das Kostenerstattungsprinzip: Der Patient ist zunächst selbst Schuldner des Physiotherapeuten und bezahlt direkt. Danach reicht er die Rechnung bei seiner PKV ein und bekommt erstattet, was sein Tarif abdeckt.

Was zahlt die private Krankenkasse für Physiotherapie?

PKV-Tarife erstatten Physiotherapie nach ihrem jeweiligen Leistungsumfang für Heilmittel. Die Unterschiede zwischen einem Hochleistungstarif und einem Einstiegstarif sind bei Physiotherapie in der Praxis spürbar, besonders wenn es um Spezialmethoden, höhere Sitzungsanzahl oder die freie Praxiswahl geht.

Was zahlen die verschiedenen PKV-Tarife bei Physiotherapie?

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen Hochleistungstarifen und dem HanseMerkur KVS1 als Beispiel für einen günstigeren Einstiegstarif:

Allianz MGS BestSDK AM10Hallesche NK.select XLHanseMerkur KVS1
Physiotherapie grundsätzlich erstattetJaJaJaJa
Erstattungssatz100%100%100%100% (mit Einschränkungen)
Freie PraxiswahlJa, unbegrenztJa, unbegrenztJa, unbegrenztJa, aber Primärarztpflicht
Spezialmethoden (Bobath, Vojta, PNF)VollständigVollständigVollständigEingeschränkt
Heilpraktiker-PhysiotherapieJaJaBis 1.000 €/JahrNein
Selbstbehalt0 €0 €0 €500 € pro Jahr
Auswirkung Selbstbehalt auf kurze SerieKeineKeineKeineBis 500 € selbst getragen
Direkte Praxiswahl ohne PrimärarztJaJaJa80% statt 100%

Hochleistungstarife wie der Allianz MeinGesundheitsschutz Best, SDK AM10 und Hallesche NK.select XL erstatten Physiotherapiekosten vollständig, ohne Mengenbegrenzung und ohne Einschränkung auf bestimmte Methoden.

Der Allianz MeinGesundheitsschutz Best erstattet Heilmittel bis zu 130 Prozent der beihilfefähigen Höchstbeträge der Bundesbeihilfeverordnung (BBhV). Für Krankengymnastik bedeutet das eine maximale Erstattung von rund 38,61 Euro je Einheit, für manuelle Therapie rund 46,28 Euro und für eine 45-minütige manuelle Lymphdrainage rund 70,20 Euro. Übersteigt der Praxispreis diesen Rahmen, verbleibt die Differenz beim Versicherten.

Die SDK mit dem Tarif AM10 erstattet dagegen nach dem Grundsatz der in Deutschland üblichen Vergütung, ohne feste Betragsdeckelung durch die Bundesbeihilfe. Wer als SDK-Versicherter 60 Euro für eine Einheit Krankengymnastik in einer Spezialpraxis zahlt, bekommt diese 60 Euro vollständig zurück, sofern der Preis als marktüblich gilt. Das macht die SDK im Bereich Physiotherapie für Versicherte mit häufigem Therapiebedarf besonders attraktiv.

Die Hallesche führt ein eigenes Heilmittelverzeichnis. Im Hochleistungstarif NK.select XL liegt der Erstattungshöchstbetrag für Krankengymnastik (Standard, 15 bis 20 Minuten) bei 33,40 Euro je Einheit, für manuelle Therapie bei 40,10 Euro und für eine 45-minütige manuelle Lymphdrainage bei 60,70 Euro. Wer als PKV-Versicherter mit einem dieser Tarife zu einem Spezialisten für Bobath-Therapie nach einem Schlaganfall geht, zahlt nichts selbst und braucht keinen Hausarztumweg.

Beim HanseMerkur KVS1 sieht die Situation anders aus. Wer ohne vorherigen Hausarztbesuch direkt in die Physiotherapiepraxis geht, bekommt nur 80 Prozent der Kosten erstattet.

Bei einer Behandlungsserie von zehn Einheiten à 50 Euro, also 500 Euro Gesamtkosten, ergibt das 100 Euro Eigenanteil, plus der noch nicht verbrauchte Jahresselbstbehalt von 500 Euro. Bei einer kurzen Behandlungsserie, die unter dem Selbstbehalt liegt, zahlt der Versicherte die gesamten Kosten selbst.

Das folgende Beispiel zeigt den Unterschied bei zehn Einheiten Krankengymnastik zum Privatpreis von 50 Euro je Einheit (Gesamtrechnung 500 Euro):

VersicherungErstattungEigenanteil
GKV (TK) mit Rezeptca. 200 € (GKV-Satz, 90% nach Zuzahlung)Zuzahlung + 10 € Rezeptgebühr
Allianz MGS Best500 € (100%)0 €
SDK AM10500 € (100%)0 €
Hallesche NK.select XL500 € (100%)0 €
HanseMerkur KVS1 (mit Primärarzt)500 € (100%) nach SB500 € SB (soweit nicht verbraucht)
HanseMerkur KVS1 (ohne Primärarzt)400 € (80%)100 € + SB-Anteil

Ein weiterer Unterschied, der im Alltag zählt: PKV-Versicherte können in Praxen gehen, die keinen GKV-Versorgungsvertrag haben, zum Beispiel Spezialpraktiken für Sportphysiotherapie, neurophysiologische Therapie oder manuelle Medizin. GKV-Patienten sind auf Praxen mit Kassenzulassung beschränkt.

Können Physiotherapeuten bei Privatpatienten mehr abrechnen?

Ja, und das ist gesetzlich zulässig. Da Physiotherapeuten für Privatpatienten nicht an die Kassenvergütungssätze gebunden sind, können sie deutlich höhere Preise ansetzen als für gesetzlich Versicherte. Die Kassenvergütung für eine Einheit Krankengymnastik liegt in den meisten Bundesländern bei 17 bis 22 Euro. Privatpraxen rechnen für dieselbe Leistung 35 bis 65 Euro ab.

Das Argument der Praxen: Die Kassenvergütung deckt in vielen Fällen nicht die tatsächlichen Kosten einer qualitativ hochwertigen Behandlung. Privatpatienten ermöglichen Praxen, mehr Zeit pro Einheit einzuplanen, bessere Geräte anzuschaffen und Spezialausbildungen zu refinanzieren.

Für PKV-Versicherte mit einem Hochleistungstarif ist das irrelevant, weil die tatsächlich entstandenen Kosten vollständig erstattet werden. Für Versicherte mit Selbstbehalt oder Einstiegstarifen kann die höhere Privatpraxis-Abrechnung aber zu einem spürbaren Eigenanteil führen.

Kann man Zuzahlungen zur Physiotherapie steuerlich absetzen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Zuzahlungen für Physiotherapie und andere Heilmittel können als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie eine zumutbare Eigenbelastung überschreiten.

Die Höhe dieser Eigenbelastungsgrenze hängt von Einkommen, Familienstand und Kinderzahl ab und liegt für Alleinstehende ohne Kinder bei rund zwei bis sieben Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte.

Folgende Aufwendungen sind als außergewöhnliche Belastung grundsätzlich absetzbar:

  • Gesetzliche Zuzahlungen zu Heilmittelrezepten (10 Prozent plus 10 Euro je Rezept)
  • Rezeptpflichtige Physiotherapie, die selbst bezahlt wurde und nicht erstattet wurde
  • Privatrechnungen für physiotherapeutische Leistungen mit ärztlicher Verordnung
  • Fahrtkosten zur Praxis (0,30 Euro je gefahrenem Kilometer hin und zurück)

Nicht absetzbar hingegen sind Kosten, die die Krankenkasse hätte übernehmen müssen, aber aus eigenem Antrieb nicht eingereicht wurden, sowie Kosten, die bewusst selbst getragen wurden, um eine PKV-Beitragsrückerstattung zu erhalten.

Tipp aus der Praxis: Wenn du in einem Jahr mehrere Behandlungsserien planst, ist es steuerlich günstiger, alle Kosten in ein Kalenderjahr zu legen statt aufzuteilen. Nur der Betrag über der zumutbaren Eigenbelastung wirkt sich steuermindernd aus.

PKV-Beiträge selbst sind als Sonderausgaben nach § 10 EStG absetzbar, sofern sie zur Basisabsicherung gehören. Physiotherapie, die von der PKV vollständig erstattet wird, verursacht keinen steuerlich relevanten Eigenanteil.

Wie kann ich Physiotherapiekosten geltend machen?

Das Vorgehen unterscheidet sich je nach Versicherungsform.

Als GKV-Versicherter läuft der Prozess fast automatisch:

  • Kassenrezept beim Arzt holen
  • Rezept bei der Physiotherapiepraxis einreichen
  • Behandlung durchführen
  • Zuzahlung direkt in der Praxis zahlen (einmalig 10 Euro Rezeptgebühr plus 10 Prozent der Kosten je Einheit)
  • Quittung für die Jahresübersicht aufheben
  • Bei Überschreitung des Zuzahlungsdeckels: Antrag auf Befreiung bei der Krankenkasse stellen

Als PKV-Versicherter läuft der Prozess über das Kostenerstattungsprinzip:

  • Ärztliche Verordnung holen
  • Physiotherapiepraxis aufsuchen und Behandlung durchführen
  • Privatrechnung erhalten und selbst bezahlen
  • Rechnung bei der PKV einreichen, in der Regel per App oder Online-Portal
  • Erstattung abwarten, meist innerhalb von zwei bis vier Wochen
  • Bei mehreren laufenden Serien: Rechnungen gesammelt einreichen

Für die steuerliche Geltendmachung als außergewöhnliche Belastung empfiehlt sich folgende Vorgehensweise.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.