Schlaganfälle in Deutschland: Aktuelle Daten & Statistiken

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zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2025

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Inhaltsverzeichnis:

Schlaganfälle treffen in Deutschland jedes Jahr rund 270.000 Menschen – davon rund 200.000 zum ersten Mal. Das bedeutet: Alle zwei Minuten erleidet jemand in Deutschland einen Schlaganfall. Insgesamt haben etwa 2,5 % der Erwachsenen bereits einen überstanden – das ist etwa jeder 40. Deutsche.

Trotz verbesserter Behandlung und Prävention zählt der Schlaganfall weiterhin zu den häufigsten schweren Erkrankungen und bleibt eine enorme Belastung für das Gesundheitssystem.

Wie viele Schlaganfälle pro Jahr gibt es in Deutschland?

In Deutschland treten pro Jahr rund 270.000 Schlaganfälle auf – etwa 200.000 davon als Ersterkrankung, weitere 70.000 als Wiederholungsereignis. Das geht aus Daten der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft hervor.

Die jährliche Inzidenz liegt bei etwa 117 pro 100.000 Frauen und 127 pro 100.000 Männer. Rund 84 % aller Schlaganfälle sind sogenannte ischämische Infarkte – also durch eine Gefäßverstopfung verursacht. Die übrigen 16 % sind Hirnblutungen.

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Marcus Knispel
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Wie viele Menschen in Deutschland hatten einen Schlaganfall?

Aktuell leben in Deutschland etwa 1,23 Millionen Menschen, die in den letzten zehn Jahren wegen eines Schlaganfalls stationär behandelt wurden. Das zeigt der Gesundheitsatlas Deutschland 2023. Hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung hatten etwa 2 Millionen Erwachsene im Laufe ihres Lebens bereits mindestens einen Schlaganfall, was einer Lebenszeitprävalenz von rund 2,5 % entspricht – also etwa jede 40. Person in Deutschland.

Mit steigendem Alter nimmt das Risiko deutlich zu: Bei Menschen über 75 liegt die Prävalenz bei über 6 %. Und weil die Bevölkerung immer älter wird, rechnen Experten bis 2035 mit einem Anstieg der Schlaganfallzahlen um rund 30 %. Die Zahl der Betroffenen dürfte also weiter wachsen.

Kennzahl (Deutschland)Wert (circa)
Schlaganfälle pro Jahr (gesamt)≈ 270.000 Fälle
─ davon erstmalige Schlaganfälle≈ 200.000 Fälle
─ davon wiederholte Schlaganfälle (Rezidive)≈ 70.000 Fälle
Inzidenzrate (jährlich pro 100.000 Ew.)Frauen: ~117; Männer: ~127
Anteil ischämischer Schlaganfälle~ 84 % (Hirninfarkte)
Anteil hämorrhagischer Schlaganfälle~ 16 % (Hirnblutungen)
Lebenszeitprävalenz (Erwachsene)~ 2,5 % (≈ jeder 40. Person)
Aktuell Betroffene (10-Jahres-Prävalenz)~ 1,23 Mio. Personen (Stand 2023)
Rang unter Todesursachen3. häufigste Todesursache

(„10-Jahres-Prävalenz“ bezieht sich auf alle Personen, die in den letzten 10 Jahren wegen Schlaganfall im Krankenhaus waren.)

Wie ist die Altersverteilung der Schlaganfallpatienten?

Das Schlaganfallrisiko steigt mit dem Alter deutlich an – und das betrifft Männer und Frauen unterschiedlich. Laut Daten des Gesundheitsportals Cardionews verdoppelt sich die Häufigkeit eines Schlaganfalls statistisch gesehen mit jeder Lebensdekade.

In der Altersgruppe 40–49 Jahre liegt die Prävalenz noch bei unter 1 %, konkret bei rund 0,9 %. Doch bei den 70- bis 79-Jährigen sind es bereits mehr als 7 %. Insgesamt treten etwa 80 % aller Schlaganfälle ab dem 60. Lebensjahr auf, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 74 Jahren, so die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Dennoch kann es auch Jüngere treffen: Jährlich erleiden rund 30.000 Menschen unter 55 Jahren in Deutschland einen Schlaganfall – das sind etwa 11 % aller Fälle. Sogar Kinder sind betroffen: Schätzungen zufolge gibt es jedes Jahr mindestens 300 pädiatrische Schlaganfälle, wobei die Dunkelziffer vermutlich höher liegt.

Geschlechterunterschiede: Wer bekommt häufiger einen Schlaganfall?

Männer erleiden ihren Schlaganfall im Schnitt früher als Frauen. Die jährliche Inzidenzrate liegt laut Cardionews bei 127 pro 100.000 Männern und bei 117 pro 100.000 Frauen. Frauen holen allerdings im hohen Alter auf – vor allem weil sie im Schnitt älter werden.

So sind 48 % der weiblichen Schlaganfall-Patientinnen über 80 Jahre alt, bei Männern sind es nur rund 27 %. Entsprechend stellen Frauen den größeren Anteil in der ältesten Altersgruppe – auch unter den Todesfällen: 2022 waren etwa 56 % der Schlaganfalltoten weiblich, so die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft.

KennzahlFrauenMänner
Inzidenzrate (pro 100.000/Jahr)ca. 117ca. 127
Durchschnittliches Erkrankungsalterhäufig > 80 Jahrehäufig 70–80 Jahre
Anteil der Patienten über 80 Jahre48,3 %26,9 %
30-Tage-Sterblichkeit (akut)etwas niedrigeretwas höher
Langzeitfolgen/Pflegebedürftigkeithoch (insbesondere im Alter)hoch (insbesondere bei schweren Verläufen)

Was sind die häufigsten Ursachen und Risikofaktoren für einen Schlaganfall?

Die meisten Schlaganfälle in Deutschland entstehen durch Risikofaktoren, die sich aktiv beeinflussen lassen – und genau das ist die gute Nachricht: Bis zu 70 % aller Schlaganfälle wären durch konsequente Prävention vermeidbar, so die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Wer seinen Blutdruck, den Herzrhythmus, Blutzucker, das Gewicht oder den Lebensstil im Griff hat, kann das Risiko massiv senken.

  • Bluthochdruck ist dabei der größte Einzelfaktor: Bei rund 82 % der Schlaganfallpatienten ist er nachweisbar, während in der Gesamtbevölkerung „nur“ etwa 37,5 % betroffen sind (laut Cardionews). Werte ab 140/90 mmHg gelten als behandlungsbedürftig – wer hier nichts unternimmt, hat ein bis zu fünffach höheres Schlaganfallrisiko.
  • Vorhofflimmern – eine häufige Herzrhythmusstörung – betrifft etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland und ist für jeden fünften ischämischen Schlaganfall verantwortlich. Das Risiko ist besonders bei älteren Menschen hoch. In der Allgemeinbevölkerung liegt die Vorhofflimmer-Rate bei 2–3 %, unter Schlaganfallpatienten aber bei über 27 %. Mit entsprechender Blutverdünnung lässt sich das Risiko erheblich reduzieren.
  • Auch Diabetes mellitus (Typ 2) ist ein bekannter Risikotreiber. Während etwa 10 % der Bevölkerung betroffen sind, liegt die Rate bei Schlaganfallpatienten bei 27 %. Hohe Blutzuckerwerte fördern Gefäßschäden – das Risiko steigt um das 2- bis 3-Fache.

Weitere typische Risikofaktoren:

  • Rauchen verdoppelt das Risiko – etwa ein Drittel der Schlaganfallpatienten sind oder waren Raucher.
  • Adipositas (BMI > 30) betrifft rund 24 % der Erwachsenen, unter Schlaganfallpatienten ist der Anteil deutlich höher.
  • Erhöhte Blutfette, insbesondere LDL-Cholesterin, fördern Arteriosklerose – und damit Schlaganfälle.

Vergleich: Risikofaktoren bei Schlaganfallpatienten vs. Allgemeinbevölkerung

RisikofaktorBei SchlaganfallpatientenIn der Gesamtbevölkerung
Bluthochdruckca. 82 %ca. 37,5 %
Diabetes mellitusca. 26,8 %ca. 10,0 %
Vorhofflimmernca. 27,3 %ca. 2–3 %
Rauchenhäufig (~1/3)*ca. 26 %
Adipositassehr häufig*ca. 24 %
hohes LDL-Cholesterinsehr häufig*weit verbreitet**

*Für diese Werte liegen keine exakten Patientenanteile vor, sie gelten aber als sehr häufige Risikofaktoren laut Schlaganfallregister.

**LDL-Daten schwanken je nach Altersgruppe, durchschnittlich rund 40 % mit behandlungsbedürftigen Werten.

Die große Mehrheit der Schlaganfälle passiert nicht „einfach so“, sondern ist das Ergebnis von Faktoren, die du beeinflussen kannst. Wer seine Werte kennt, regelmäßig checkt und aktiv gegensteuert – sei es durch Medikamente, Ernährung, Bewegung oder Rauchstopp – senkt sein Risiko erheblich. Schlaganfallprävention ist keine Frage des Schicksals, sondern eine Frage der Konsequenz.

Regionale Unterschiede bei der Schlaganfallrate

Die altersstandardisierte Inzidenz – also wie viele Menschen jährlich pro 100.000 Einwohner einen Schlaganfall erleiden – schwankt zwischen den Bundesländern um mehr als 30 %. Laut Daten des IGES-Instituts (2014–2018) liegt der niedrigste Wert in Thüringen mit ca. 288 Fällen, während das Saarland mit ca. 374 Fällen den höchsten Wert aufweist.

Region (Bundesland / KV-Region)Schlaganfälle pro 100.000 Einwohner/Jahr
Thüringen (niedrigster Wert)ca. 288
Saarland (höchster Wert)ca. 374
Berlin (Rohdaten, KV-Region)ca. 119
Nordrhein (Rohdaten, KV-Region)ca. 345

Die Unterschiede sind zum Teil altersbedingt – manche Bundesländer haben eine ältere Bevölkerung – aber auch sozioökonomisch erklärbar: Lebensstil, Bildung, Einkommen und medizinische Vorsorgeverhalten variieren regional. Auch Unterschiede in Diagnostik und Meldeverhalten können mitspielen.

94 % der Bevölkerung können laut Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eine Stroke Unit – also eine spezialisierte Schlaganfallstation – innerhalb von 30 Minuten erreichen. Deutschland hat eines der besten Akutversorgungssysteme in Europa.

Aber: Rund 5 Millionen Menschen wohnen weiter entfernt – vor allem in ländlichen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt. Dort ist der Rettungsdienst oft auf Helikopter oder mobile Stroke Units angewiesen. In entlegenen Regionen werden zudem telemedizinische Lösungen eingesetzt, damit Betroffene schneller versorgt werden können.

Versorgung in Deutschland: Stroke Units und Fahrtzeit

Deutschland ist in der Akutversorgung sehr gut aufgestellt. Aktuell gibt es über 350 zertifizierte Stroke Units – also spezialisierte Schlaganfallstationen – verteilt über alle Bundesländer.

Laut Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe beträgt die durchschnittliche Fahrtzeit zur nächsten Stroke Unit nur rund 14 Minuten. Damit erreichen über 94 % der Bevölkerung eine solche Station innerhalb von maximal 30 Minuten. Nur wenige ländliche Regionen (v.a. in MV, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt) liegen darüber.

Etwa 80 % der Schlaganfallpatienten werden heute in diesen spezialisierten Einheiten behandelt. Die Behandlung dort ist nicht nur besser koordiniert, sondern senkt die Sterblichkeit um rund 20 % und reduziert bleibende Schäden deutlich.

Grund dafür ist die Kombination aus schneller Diagnostik (CT/MRT), engmaschiger Überwachung und sofortiger Therapie – oft beginnt noch in den ersten Minuten eine gezielte Frührehabilitation durch Physio-, Ergo- oder Sprachtherapeuten.

Therapien in der Akutphase: Lyse und Thrombektomie

Zwei moderne Verfahren haben die Schlaganfallbehandlung revolutioniert:

  • Thrombolyse (Lysetherapie): Dabei wird ein Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst – möglich bis ca. 4,5 Stunden nach Symptombeginn.
  • Thrombektomie: Hier wird das Gerinnsel mechanisch per Katheter entfernt – idealerweise innerhalb von 6 Stunden, teils auch länger, je nach Lage.

Ob diese Therapien zum Einsatz kommen, hängt vom Zeitpunkt des Eintreffens in der Klinik ab. Wer zu spät kommt, ist nicht mehr geeignet – was die Bedeutung einer frühzeitigen Notrufauslösung unterstreicht.

In Deutschland liegt die Lyserate bei etwa 15–20 % der ischämischen Schlaganfälle, Thrombektomien werden bei rund 5–10 % durchgeführt – insbesondere bei größeren Gefäßverschlüssen. In beiden Fällen gilt: Je früher, desto besser.

Ablauf im Notfall: Was passiert nach dem Notruf?

  1. Rettungsdienst erkennt Schlaganfallverdacht, meldet diesen an die Klinik vor.
  2. Transport in Stroke Unit-Klinik, meist mit Voranmeldung.
  3. Sofortige Bildgebung (CT/MRT) zur Unterscheidung Hirninfarkt vs. Hirnblutung.
  4. Unmittelbarer Therapiebeginn je nach Befund.
  5. Intensive Überwachung und frühzeitige Rehabilitation auf der Stroke Unit.
  6. Verlegung nach 3–5 Tagen auf Normalstation oder in eine Reha-Klinik.

Deutschland bietet eine moderne und schnelle Schlaganfallversorgung – aber der wichtigste Faktor ist und bleibt die Zeit. Je früher du im Krankenhaus bist, desto größer sind die Chancen auf eine gezielte Behandlung und vollständige Erholung. Du selbst machst den Unterschied, indem du Symptome erkennst und keine Sekunde zögerst, Hilfe zu holen

Wie ist der Ablauf der Rehabilitation bei einem Schlaganfall?

Bereits in der Akutphase auf der Stroke Unit setzen spezialisierte Teams mit Physio-, Ergo- und Sprachtherapie ein. Nach wenigen Tagen wirst du in der Regel in eine Reha-Klinik verlegt. Dort beginnt die eigentliche neurologische Anschlussheilbehandlung (AHB) – also die stationäre Reha.

Je nach Schweregrad wird diese in sogenannte Reha-Phasen (B bis D) eingeteilt. Die Erst-Reha dauert meist rund 3 Wochen, kann aber verlängert werden.

Nach der stationären Phase folgen oft ambulante Therapien, etwa zur Verbesserung von Sprache, Motorik oder Konzentration. Viele Reha-Kliniken begleiten dich mit individuellen Trainingsplänen über Monate hinweg.

Kostenübernahme

Die Reha ist in Deutschland Teil der Regelversorgung und wird meist von der gesetzlichen Kranken- oder Rentenversicherung übernommen – insbesondere, wenn du durch die Behandlung arbeitsunfähig oder pflegebedürftig geworden bist. Du brauchst dafür keinen gesonderten Antrag; die Klinik beantragt die Anschlussheilbehandlung für dich.

Reha-Ziele und Therapieinhalte

Schlaganfälle können sehr unterschiedliche Folgen haben: Manche Patienten haben Lähmungen, andere Sprachstörungen, einige leiden unter Erschöpfung oder Konzentrationsproblemen. Deshalb arbeiten in der Reha viele Fachbereiche zusammen – unter anderem:

  • Physiotherapie zur Mobilisation und Bewegungskoordination
  • Ergotherapie zur Förderung alltagspraktischer Fähigkeiten
  • Logopädie bei Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen
  • Neuropsychologie für Gedächtnis und Aufmerksamkeit
  • Sozialberatung für die Rückkehr ins Berufsleben oder zur Organisation von Hilfen

Erfolgsaussichten und Langzeitfolgen

Trotz moderner Therapie bleibt der Schlaganfall eine der häufigsten Ursachen für Behinderung im Erwachsenenalter:

  • 40 % der Überlebenden haben langfristig Einschränkungen im Alltag.
  • 35,6 % gelten 3 Monate nach dem Schlaganfall als pflegebedürftig oder hilfsbedürftig.
  • Etwa 25 % bleiben dauerhaft stark pflegebedürftig.
  • Ein Drittel der Betroffenen schafft es hingegen, sich wieder weitgehend selbstständig zu versorgen – oft mit nur leichten Defiziten.

Wie gut sich ein Patient erholt, hängt von vielen Faktoren ab: dem Alter, der Schwere des Schlaganfalls, Vorerkrankungen und – ganz entscheidend – der Intensität der Reha. Die größten Fortschritte gibt es meist in den ersten 6 Monaten. Aber auch Jahre später sind durch gezieltes Training Verbesserungen möglich.

Wie hoch ist die Sterberate nach einem Schlaganfall?

Ein Schlaganfall ist eine lebensbedrohliche Erkrankung – auch heute noch. Etwa jeder fünfte Patient überlebt den ersten Monat nach dem Ereignis nicht. Laut aktuellen Daten liegt die Sterblichkeit in den ersten 30 Tagen bei rund 6,8 %, nach drei Monaten bereits bei 9–10 %, und innerhalb des ersten Jahres versterben etwa 17 % der Betroffenen.

Besonders gravierend: Nach fünf Jahren ist fast jeder zweite Schlaganfallpatient tot – die 5-Jahres-Sterblichkeit liegt bei etwa 45 %, was bedeutet, dass im Schnitt nur 55 % der Patienten längerfristig überleben.

Kumulative Sterberaten nach Schlaganfall

Zeitraum seit SchlaganfallAnteil Verstorbener (ca.)
30 Tage~ 6,8 %
90 Tage~ 9,4 %
1 Jahr~ 17 %
5 Jahre~ 45 %

Diese Zahlen stammen aus Analysen des Projekts „CardioNews“ (app.cardionews.de) und zeigen: Ein Schlaganfall ist nicht nur ein akuter Notfall, sondern auch mit langfristig hoher Sterblichkeit verbunden. Viele versterben an Spätfolgen oder einem weiteren Schlaganfall.

Schlaganfall als Todesursache in Deutschland

2022 starben rund 37.300 Menschen in Deutschland an den Folgen eines Schlaganfalls (Quelle: Statistisches Bundesamt/RKI). Damit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache – nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Rund 3,5–4 % aller Todesfälle gehen auf einen Schlaganfall zurück. Auffällig ist der hohe Frauenanteil: 2022 starben etwa 20.750 Frauen, aber nur 16.550 Männer. Das liegt vor allem daran, dass Frauen häufiger im sehr hohen Alter betroffen sind.

Geschlechtsunterschiede bei der Sterblichkeit

Obwohl mehr Frauen an einem Schlaganfall sterben, liegt die altersbereinigte Sterberate bei Männern höher. Männer erleiden ihren Schlaganfall oft früher im Leben – also in einem „verletzlicheren“ Zeitfenster – während Frauen tendenziell älter sind und die Akutphase besser überleben. Altersunterschiede beeinflussen also das Gesamtbild deutlich.

Positive Entwicklung: Sterblichkeit fast halbiert

Trotz dieser hohen Zahlen gibt es auch eine gute Nachricht: In den letzten 25 Jahren hat sich die Sterblichkeit nach Schlaganfall in Deutschland nahezu halbiert (Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe). Das ist ein beachtlicher medizinischer Erfolg – vor allem durch:

  • Frühzeitige Erkennung
  • Bessere Blutdruckkontrolle
  • Ausbau der Stroke Units
  • Effektive Akuttherapien (Thrombolyse, Thrombektomie)
  • Fortschritte in der Reha

Trotzdem bleibt der Schlaganfall eine der gefährlichsten Diagnosen – und eine Hauptursache für Pflegebedürftigkeit. Wer überlebt, ist oft dauerhaft beeinträchtigt. Das unterstreicht: Früherkennung, Prävention und schnelle Versorgung entscheiden im Ernstfall über Leben, Tod und Lebensqualität.

Rückfallquote: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit nach einem Schlaganfall einen zweiten zu bekommen?

Das Risiko, nach einem überstandenen Schlaganfall erneut betroffen zu sein, ist hoch – vor allem in den ersten Monaten. Laut Daten von app.cardionews.de erleiden etwa 1,2 % der Patienten bereits innerhalb von 30 Tagen einen zweiten Schlaganfall.

Nach drei Monaten liegt die Rückfallrate (Rezidivrate) bei rund 3,4 %, nach einem Jahr schon bei 7,4 %. Und innerhalb von fünf Jahren hat etwa jeder fünfte Patient (~19–20 %) einen weiteren Schlaganfall.

Rückfallrisiko nach Schlaganfall (kumulativ)

Zeitraum seit erstem SchlaganfallRisiko für erneuten Schlaganfall
30 Tage~ 1,2 %
90 Tage~ 3,4 %
1 Jahr~ 7,4 %
5 Jahre~ 19,4 %

Besonders kritisch ist das erste Jahr. Viele der Ursachen, die zum ersten Schlaganfall geführt haben – etwa Bluthochdruck, Gefäßverkalkungen, Herzrhythmusstörungen – bleiben unbehandelt bestehen oder wirken weiter. Auch Folgen wie Bewegungsmangel und Gerinnungsstörungen können das Risiko erhöhen.

Sekundärprävention: Was können Ärzte tun, um die Rückfallquote zu senken?

Nach einem Schlaganfall beginnt sofort die sogenannte Sekundärprävention – das heißt: Alles wird darauf ausgerichtet, ein Rezidiv zu verhindern. Dazu gehören:

  • Blutverdünnung: Medikamente wie ASS, Clopidogrel oder Antikoagulanzien senken das Risiko von Blutgerinnseln.
  • Blutdruckkontrolle: Zielwert in der Regel unter 130/80 mmHg.
  • Cholesterinsenkung: Meist mit Statinen, Ziel ist LDL < 70 mg/dl.
  • Rauchstopp: Rauchen verdoppelt das Rezidiv-Risiko.
  • Behandlung von Vorhofflimmern: z. B. mit Antikoagulation.
  • Bewegung, Ernährung, Gewicht: Lebensstiloptimierung ist Pflicht.
  • ggf. Operationen: etwa bei hochgradiger Halsschlagaderverengung.

Wichtig: Studien zeigen, dass ein konsequentes, ärztlich begleitetes Programm das Risiko für einen zweiten Schlaganfall um bis zu 80 % senken kann.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Kosten für einen Schlaganfall in Deutschland?

Die durchschnittlichen direkten medizinischen Kosten pro Patient im ersten Jahr nach einem ischämischen Schlaganfall betragen in Deutschland rund 22.400 Euro. Diese Zahl stammt aus einer Analyse des IGES Instituts, basierend auf GKV-Routinedaten aus dem Jahr 2018.

Die Summe beinhaltet insbesondere:

  • Akutbehandlung im Krankenhaus
  • Medikamente
  • Rehabilitation
  • Frühe Nachsorge

Nicht enthalten sind indirekte Kosten, etwa durch Arbeitsausfall, Frührente oder Pflegebedürftigkeit. Rechnet man alle direkten Fälle zusammen (rund 109.000 ischämische Schlaganfälle im Jahr 2018), ergibt sich eine Gesamtkostenlast von etwa 2,4 Milliarden Euro für die gesetzliche Krankenversicherung – das entsprach ca. 1,1 % der GKV-Gesamtausgaben in diesem Jahr

Ökonomische Kennzahlen zum Schlaganfall (Deutschland, gerundet)

KostenfaktorBetrag bzw. Anteil
Ø Kosten pro Patient im 1. Jahrca. 22.400 € (ischämischer Schlaganfall)
Direkte GKV-Kosten gesamt (2018, 109.000 Fälle)ca. 2,4 Mrd. €
Anteil an GKV-Gesamtausgabenca. 1,1 %
Risiko für Pflegebedürftigkeit4,5-fach höher als bei gleichaltrigen
Häufigkeit als PflegeursacheSchlaganfall = häufigste Ursache im Alter

Pflegekosten und Langzeitfolgen

Ein Schlaganfall ist einer der häufigsten Gründe für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter. Rund 60 % der Überlebenden benötigen auch ein Jahr nach dem Ereignis noch Hilfsmittel, Therapien oder pflegerische Unterstützung. Ob ambulante Pflege, betreutes Wohnen oder vollstationäre Einrichtungen – all das erzeugt dauerhafte Kosten für das System und für Angehörige.

Schlaganfallpatienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, pflegebedürftig zu werden – etwa 4,5-mal so hoch wie gleichaltrige Menschen ohne Schlaganfall. Die Pflegeversicherung muss daher häufig einspringen, oft ergänzt durch erhebliche Eigenanteile der Familien. Neben der finanziellen Belastung kommt der organisatorische und emotionale Druck auf pflegende Angehörige hinzu.

Wirtschaftliche Folgeschäden: Arbeitsausfall & Frührente

Auch wenn Schlaganfälle meist ältere Menschen betreffen, sind jährlich mehrere zehntausend Menschen im Erwerbsalter betroffen – darunter auch 30.000 unter 55 Jahren. Viele von ihnen können nach dem Ereignis nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten. Die Folge: Produktivitätsverluste, Frührente, lange Fehlzeiten.

Schätzungen zufolge gehen durch Schlaganfälle in Deutschland jährlich hunderttausende Arbeitsjahre verloren – durch Invalidität, reduzierte Arbeitsfähigkeit oder Berentung. Das hat spürbare Folgen für Sozialkassen, Steueraufkommen und Rentensystem.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.