Ob deine Versicherung Podologie zahlt und wie viel, hängt wie so oft nicht von deinen Beschwerden ab, sondern von deiner Diagnose und deinem Tarif.
Wer in der GKV keinen Diabetes hat und trotzdem regelmäßig zum Podologen muss, zahlt jeden Cent selbst. Wer einen schlechten PKV-Tarif hat, zahlt oft mehr als die Hälfte aus eigener Tasche.
Wer einen guten Tarif hat, zahlt nichts.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die GKV erstattet Podologie nur bei drei eng definierten Diagnosen: diabetisches Fußsyndrom, Neuropathie-bedingtes Fußsyndrom und Querschnittsyndrom. Wer Schwielen, eingewachsene Nägel oder Hühneraugen ohne diese Diagnosen hat, zahlt alles selbst.
- Gute PKV-Tarife erstatten Podologie zu 100 Prozent der tatsächlichen Kosten, ohne Jahresgrenze und ohne Mindestindikation.
- Günstige Einsteigertarife zahlen oft nur 90 Prozent des Beihilfesatzes, nicht der tatsächlichen Rechnung. Das bedeutet in der Praxis häufig über 50 Prozent Eigenanteil.
- Der Unterschied über 10 Jahre: Bis zu 4.400 Euro aus eigener Tasche in der GKV, nahezu 0 Euro im Hochleistungstarif.
- Podologie ist als Heilmittel gesetzlich anerkannt und vom Gesetzgeber klar von kosmetischer Fußpflege abgegrenzt.
Was ist Podologie?
Viele kennen den Begriff, wissen aber nicht genau, was dahintersteckt. Podologie ist medizinische Fußpflege durch staatlich geprüfte Podologen, geregelt durch das Podologengesetz (PodG). Die Berufsbezeichnung ist gesetzlich geschützt.
Wer sich Podolog/in nennt, hat eine staatlich anerkannte Ausbildung abgeschlossen und darf medizinische Behandlungen am Fuß durchführen. Das ist der entscheidende Unterschied zur normalen Fußpflege.
Podologie umfasst konkret:
- Druckgeschwüre, Hühneraugen (Clavi) und Schwielen (Hyperkeratosen)
- Eingewachsene Zehennägel (Unguis incarnatus)
- Nagelpilzerkrankungen (Mykosen)
- Nagelfehlstellungen und Nagelkorrekturspangen
- Wundversorgung am Fuß, sofern keine ärztliche Behandlung nötig ist
Warum ist der Unterschied zur kosmetischen Fußpflege so wichtig?
Dieser Unterschied ist versicherungsrechtlich das Wichtigste überhaupt. Nur wenn ein staatlich geprüfter Podologe behandelt, kommt eine Erstattung durch GKV oder PKV überhaupt in Frage.
Wer zum Fußpfleger ohne diesen Titel geht, zahlt in jedem Fall selbst.
| Podologie (medizinisch) | Kosmetische Fußpflege | |
|---|---|---|
| Berufsbezeichnung | staatlich geprüfte/r Podolog/in | Fußpfleger/in, kein gesetzlicher Schutz |
| Rechtliche Grundlage | Podologengesetz (PodG) | keine Berufsordnung |
| PKV-Erstattung | grundsätzlich möglich | nein |
| GKV-Erstattung | nur bei eng definierten Diagnosen | nein |
| Rezeptpflicht in der GKV | ja, Formular 13 | nein |
| Rezeptpflicht in der PKV | nicht zwingend, aber empfohlen | entfällt |
Was zahlt die GKV für Podologie?
Für die meisten Erwachsenen zahlt die GKV bei Podologie gar nichts. Die GKV erstattet Podologie nur bei drei sehr eng definierten Diagnosegruppen, festgelegt in der Heilmittel-Richtlinie (HilfsM-RL) und im Heilmittelkatalog.
Bei welchen Diagnosen zahlt die GKV Podologie?
Wer keine dieser drei Diagnosen hat, bekommt von der GKV keine Podologie erstattet, egal wie stark die Beschwerden am Fuß sind.
Diagnosegruppe DF: Diabetisches Fußsyndrom
Diabetes mellitus mit nachgewiesener diabetischer Neuropathie, mit oder ohne Gefäßschädigung (Angiopathie). Der Fußstatus muss dem Wagner-Stadium 0 entsprechen, also keine offene Wunde vorhanden sein.
Ausnahme: eingewachsene Zehennägel werden auch bei anderen Wagner-Stadien erstattet.
Diagnosegruppe NF: Fußsyndrom bei Neuropathien (gilt seit dem 1. Juli 2020)
Krankhafte Schädigung am Fuß als Folge einer sensiblen oder sensomotorischen Neuropathie, also einer Nervenschädigung. Das umfasst hereditäre Neuropathien, systemische Autoimmunerkrankungen, Kollagenosen oder toxische Neuropathien.
Pflichtbefunde:
- nachgewiesene Hauttrockenheit,
- Hyperkeratosen oder pathologisches Nagelwachstum (kombiniert mit einem neurologischen Neuropathie-Befund)
Diagnosegruppe QF: Fußsyndrom bei Querschnittsyndromen (gilt seit dem 1. Juli 2020)
Krankhafte Schädigung am Fuß als Folge eines Querschnittsyndroms, komplett oder inkomplett. Beispiele: Spina bifida, chronische Myelitis, Syringomyelie oder traumatisches Rückenmarksyndrom.
Wer keiner dieser drei Gruppen angehört, bekommt von der GKV nichts.
Das gilt auch bei chronischen Schwielen, Hühneraugen, eingewachsenen Nägeln ohne Neuropathie, Hallux valgus, normalen Nagelfehlstellungen oder Nagelpilz ohne neurologischen Hintergrund.
Eingangsdiagnostik: Ohne diese Befunde gibt es keine Verordnung
Bevor ein Arzt Podologie zum ersten Mal verordnen darf, muss eine vollständige ärztliche Eingangsdiagnostik erfolgen.
Drei Befunde sind an der Stelle nachzuweisen:
- Dermatologischer Befund: Hyperkeratose oder pathologisches Nagelwachstum muss dokumentiert sein.
- Neurologischer Befund: Nachweis der Neuropathie, zum Beispiel durch Monofilament-Test oder Stimmgabeltest.
- Angiologischer Befund beim diabetischen Fußsyndrom: Bei Verdacht auf Durchblutungsstörung erforderlich.
Die Verordnung erfolgt auf Formular 13 (Heilmittelverordnung). Vor jeder Folge-Verordnung muss der aktuelle Fußbefund durch den Arzt erneut erhoben werden.
GKV-Vergütungssätze für 2026: Wie teuer ist Podologie?
Seit 2019 gelten bundesweit einheitliche Vergütungssätze.
Wer die Voraussetzungen erfüllt, zahlt 10 Prozent Zuzahlung, die GKV übernimmt 90 Prozent.
Konkret sieht das so aus:
| Leistung | GKV-Preis | Zuzahlung Patient (10%) | GKV übernimmt |
|---|---|---|---|
| Podologische Behandlung groß | 50,55 Euro | 5,06 Euro | 45,49 Euro |
| Podologische Behandlung klein | 35,16 Euro | 3,52 Euro | 31,64 Euro |
| Podologische Befundung | 3,47 Euro | 0,35 Euro | 3,12 Euro |
| Erstbefundung groß | 51,97 Euro | 5,20 Euro | 46,77 Euro |
| Erstbefundung klein | 25,98 Euro | 2,60 Euro | 23,38 Euro |
| Nagelkorrekturspange einteilig | 99,04 Euro | 9,90 Euro | 89,14 Euro |
| Nagelkorrekturspange mehrteilig bilateral | 97,64 Euro | 9,76 Euro | 87,88 Euro |
Nagelkorrekturspangen und Therapieberichte sind von der Zuzahlungsberechnung ausgenommen.
Was zahlt man ohne diese Diagnosen in der GKV für Podologie?
Wer keine der drei Diagnosegruppen hat, zahlt als Selbstzahler den vollen Marktpreis.
Der liegt je nach Praxis und Region bei:
- Podologische Behandlung groß: 55 bis 90 Euro
- Nagelkorrekturspange: 100 bis 180 Euro
- Behandlung inklusive Befundung: 70 bis 120 Euro
Zahlt die PKV für Podologie?
Ja, gute PKV-Tarife zahlen Podologie vollständig, und das ohne die engen Indikationsgrenzen der GKV. Die PKV arbeitet nach dem Grundsatz der medizinischen Notwendigkeit, nicht nach dem GKV-Heilmittelkatalog.
Das hat drei praktische Konsequenzen: Ein Podologe braucht keine GKV-Kassenzulassung, sondern nur die staatliche Berufserlaubnis. Eine Mindestdiagnose wie Diabetes ist nicht nötig. Hühneraugen, Nagelpilz, Schwielen oder eingewachsene Nägel können in der PKV als medizinisch notwendige Podologie erstattet werden.
Drei Grundvoraussetzungen müssen dafür erfüllt sein:
- Eine tatsächliche Erkrankung liegt vor, keine Wellness- oder Kosmetikbehandlung.
- Die Therapie ist objektiv geeignet, diese Erkrankung zu behandeln oder ihre Verschlimmerung zu verhindern.
- Die Maßnahmen führen wahrscheinlich zur Heilung oder Linderung.
Ein wichtiger Punkt, den viele nicht kennen: Für Podologen gibt es keine verbindliche Gebührenordnung für Privatabrechnung. Manche PKV-Tarife begrenzen die Erstattung deshalb auf die Bundesbeihilfeverordnung (BBhV).
Das klingt zunächst harmlos. In der Praxis bedeutet es aber erhebliche Eigenanteile, weil Marktpreise für Podologie deutlich über den BBhV-Sätzen liegen.
SDK AM12+S1+Z9: Podologie im Hochleistungstarif
Die SDK AM12 nennt Podologie ausdrücklich in den Tarifbedingungen. Der genaue Wortlaut:
Heilmittel sind versichert. Heilmittel sind zum Beispiel: medizinische Fußpflege (Podologie). Wir erstatten die tatsächlich entstandenen Kosten, wenn diese für Deutschland üblich sind. Wir übernehmen auch die Kosten für Hausbesuche, wenn diese medizinisch notwendig sind.
Das bedeutet: keine BBhV-Begrenzung, keine Jahresobergrenze für Podologie, 100 Prozent der üblichen Marktkosten. Der Tarif erstattet außerdem Hausbesuche durch Podologen, wenn der Zustand des Patienten das erfordert.
Nur staatlich geprüfte Podologen sind als Leistungserbringer zugelassen.
| Tarifmerkmal | SDK AM12 |
|---|---|
| Podologie versichert | ja, ausdrücklich genannt |
| Erstattungssatz | 100 Prozent der tatsächlichen Kosten |
| Jahresobergrenze | keine |
| Orientierung an BBhV | nein |
| Hausbesuche | erstattet bei medizinischer Notwendigkeit |
| Mindestdiagnose | keine |
| Selbstbeteiligung ambulant | 20 Prozent, maximal 480 Euro im Jahr über alle ambulanten Leistungen |
| Verordnungspflicht | ja, ärztliche Verordnung erforderlich |
Sobald der Jahres-Selbstbehalt von 480 Euro durch andere ambulante Leistungen aufgebraucht ist, zahlt die SDK Podologie zu 100 Prozent ohne jeden Abzug.
HanseMerkur KVS1: Podologie im Einsteigertarif
Beim Einsteigertarif HanseMerkur KVS1 ist Podologie grundsätzlich versichert, aber mit zwei Einschränkungen, die in der Praxis zu unangenehmen Überraschungen führen.
Erstens: Nur 90 Prozent Erstattung statt 100 Prozent.
Zweitens, und das ist die entscheidende Einschränkung: Die Erstattung ist auf die Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) begrenzt. Das bedeutet, die HanseMerkur zahlt nicht 90 Prozent der tatsächlichen Podologen-Rechnung, sondern nur 90 Prozent des in der BBhV festgelegten Betrags.
Da Marktpreise für Podologie deutlich über diesen Sätzen liegen, sieht das in der Praxis so aus:
- Tatsächliche Rechnung für eine Behandlung groß: 65 Euro
- BBhV-Richtwert für diese Leistung: ca. 35 Euro
- Erstattung HanseMerkur: 90 Prozent von 35 Euro = 31,50 Euro
- Eigenanteil des Versicherten: 33,50 Euro, also über 50 Prozent der Rechnung
| Tarifmerkmal | HanseMerkur KVS1 |
|---|---|
| Podologie versichert | ja |
| Erstattungssatz | 90 Prozent der BBhV-Sätze, nicht der Rechnung |
| Jahresobergrenze | keine explizite, de facto durch BBhV begrenzt |
| Orientierung | Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) |
| Hausbesuche | möglich bei medizinischer Notwendigkeit |
| Mindestdiagnose | keine |
| Selbstbehalt ambulant | 500 Euro im Jahr, ambulant und Zahn kumuliert |
| Verordnungspflicht | ja, durch Primärarzt oder mit korrekter Überweisung |
| Primärarztprinzip | ja, ohne Überweisung dauerhaft nur 80 Prozent |
Das Primärarztprinzip ist ein ernstzunehmender Fallstrick. Wer zur Podologie ohne korrekte Überweisung geht, bekommt dauerhaft nur 80 Prozent statt 90 Prozent erstattet. Und das ist nicht rückgängig zu machen.
Direktvergleich: Hochleistungstarif vs. Einsteigertarif vs. GKV
Der direkte Vergleich macht deutlich, wie groß die Lücken zwischen den Modellen wirklich ist.
Dieselbe Behandlung für 65 Euro ergibt drei komplett unterschiedliche Ergebnisse: In der GKV ohne Diabetesdiagnose zahlt man alles selbst. Im Einsteigertarif bekommt man weniger als die Hälfte zurück.
Im Hochleistungstarif zahlt man nach Ausschöpfung des Jahres-Selbstbehalts gar nichts.
| Szenario | GKV | HanseMerkur KVS1 | SDK AM12 |
|---|---|---|---|
| Podologie versichert | nur bei DF, NF oder QF | ja, bei medizinischer Notwendigkeit | ja, bei medizinischer Notwendigkeit |
| Mindestdiagnose | Diabetes, Neuropathie oder Querschnittsyndrom | keine | keine |
| Erstattungssatz | ca. 90% der GKV-Festsätze | 90% der BBhV-Sätze | 100% der tatsächlichen Kosten |
| Erstattung bei 65 Euro Rechnung | 0 Euro (ohne Diagnose) | ca. 31,50 Euro | ca. 65 Euro |
| Eigenanteil bei 65 Euro Rechnung | 65 Euro (100%) | ca. 33,50 Euro (über 50%) | ca. 0 bis 13 Euro |
| Hausbesuche erstattbar | nein | ja, bei Notwendigkeit | ja, bei Notwendigkeit |
| Nagelkorrekturspange | ja, ab 97,64 Euro mit 10% Zuzahlung | ja, 90% der BBhV-Sätze | ja, 100% der tatsächlichen Kosten |
| Verordnung erforderlich | ja, Formular 13 mit Eingangsdiagnostik | ja, Primärarzt oder Überweisung | ja, ärztliche Verordnung |
Was passiert bei einem Krankenhausaufenthalt?
Die Unterschiede bei Podologie sind das eine.
Im Krankenhaus wird der Unterschied zwischen GKV und PKV noch deutlicher spürbar. Wer in der GKV ins Krankenhaus kommt, landet im Mehrbettzimmer und wird vom diensthabenden Arzt behandelt.
Chefarzt und Einzelzimmer sind nur gegen Aufpreis über eine Zusatzversicherung möglich.
| Stationäre Leistung | GKV | HanseMerkur KVS1 | SDK S1 |
|---|---|---|---|
| Zimmer | Mehrbettzimmer | Einbettzimmer | Einbettzimmer |
| Behandelnder Arzt | diensthabend | Chefarzt | Chefarzt, auch über GOÄ-Höchstsätze hinaus |
| Privatkliniken | nicht zugänglich | zugänglich | vollständig zugänglich |
| Psychotherapie stationär | kontingentiert | 70 Prozent, max. 50 Sitzungen | 100 Prozent, ohne Begrenzung |
| Krankenhaustagegeld | keines | nicht enthalten | 40 bis 60 Euro pro Tag |
| Stationärer Selbstbehalt | keiner | keiner | keiner |
Was zahlen die Tarife im Alltag?
Auch beim regulären Arztbesuch, beim Heilpraktiker oder bei der Physiotherapie trennen sich die drei Optionen deutlich.
| Ambulante Leistung | GKV | HanseMerkur KVS1 | SDK AM12 |
|---|---|---|---|
| Freie Arztwahl | eingeschränkt | vollständig | vollständig |
| GOÄ-Erstattung | nur GKV-Sätze | bis Höchstsätze 3,5-fach | auch über Höchstsätze hinaus |
| Heilpraktiker | keine | bis 1.000 Euro/Jahr ab dem 3. Jahr | ja, anteilig bis Schulmedizin-Niveau |
| Podologie | nur bei 3 Diagnosen | 90% der BBhV-Sätze | 100% der tatsächlichen Kosten |
| Physiotherapie | GKV-Festsätze mit Eigenanteil | 90% der BBhV-Sätze | 100% der tatsächlichen Kosten |
| Psychotherapie | kontingentiert, Kassensitz nötig | 70%, max. 50 Sitzungen | 100%, ohne Sitzungsbegrenzung |
| Osteopathie | keine | keine | ja |
| Selbstbehalt | keiner | 500 Euro/Jahr, kumuliert | 20%, max. 480 Euro/Jahr |
| Beitragsrückerstattung | keine | 500 Euro Festbetrag | 2 Monatsbeiträge, rund 1.680 Euro |
Wo wird der GKV-Festzuschuss beim Zahnarzt schnell knapp?
Zahnersatz ist der Bereich, in dem die Lücke zwischen GKV und PKV am direktesten im Geldbeutel landet. Wer in der GKV eine Krone oder Brücke braucht, bekommt den Festzuschuss für die günstigste Standardversorgung.
Alles darüber hinaus zahlt man selbst. Implantate erstattet die GKV grundsätzlich nicht.
| Zahnleistung | GKV | HanseMerkur KVS1 | SDK Z9 |
|---|---|---|---|
| Zahnbehandlung | GKV-Regelleistung | 100 Prozent | 100 Prozent |
| Zahnersatz | ca. 60% Regelversorgung | 80%, erst ab dem 7. Versicherungsjahr | 90% sofort, inkl. Implantate und Knochenaufbau |
| Kieferorthopädie | nur bis 18 Jahre | 80% | 90%, alle Altersgruppen |
| Implantate | nicht erstattungsfähig | ab Jahr 7 im ZE-Satz enthalten | 90% |
| GOZ-Erstattung | nur GKV-Sätze | bis Höchstsätze | über Höchstsätze hinaus |
Im SDK-Tarif sind Implantate inklusive Knochenaufbau zu 90 Prozent gedeckt, sofort ab dem ersten Versicherungstag. Beim HanseMerkur-Tarif zahlt der Tarif 80 Prozent auf Zahnersatz erst ab dem siebten Versicherungsjahr.
Der HanseMerkur KVS1 kostet rund 491 Euro brutto im Monat, der SDK-Tarif rund 840 Euro. Der Preisunterschied ist offensichtlich. Aber schon bei einem einzigen größeren Zahneingriff, einer Physiotherapie-Serie oder regelmäßiger Podologie kehrt sich das schnell um.
Wer tatsächlich Leistungen braucht, zahlt mit einem schwachen Tarif trotzdem viel aus eigener Tasche.
Fallbeispiel: Sven, 43 Jahre GF eines Beratungsunternehmens (Köln)
Sven ist 43 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei Kindern und Geschäftsführer seines eigenen Beratungsunternehmens in Köln. Sein monatliches Geschäftsführergehalt beträgt 10.000 Euro brutto.
Er hat keine chronischen Vorerkrankungen, läuft regelmäßig und leidet immer wieder unter eingewachsenen Zehennägeln und Schwielen an den Ballen. Sechs Mal im Jahr geht er zur Podologie, alle zwei Jahre braucht er eine Nagelkorrekturspange.
Seine geschätzten Podologie-Kosten pro Jahr: 6 Behandlungen à 65 Euro plus anteilige Nagelspange, zusammen rund 440 Euro. Als Gesellschafter-Geschäftsführer mit Anstellungsvertrag zahlt seine GmbH den Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung. In der GKV sind seine Frau und seine drei Kinder kostenlos familienversichert.
Was zahlt Sven netto für seine Krankenversicherung?
Sven verdient über der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 77.400 Euro und kann zwischen GKV und PKV wählen.
Da er drei Kinder hat, gilt für ihn bei der Pflegeversicherung ein Beitragssatz von 3,6 Prozent. Sven macht seinen Eigenanteil als Sonderausgaben nach § 10 Absatz 1 Nr. 3 EStG geltend.
Als Grenzsteuersatz wurden 42 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag angenommen.
| Versicherung | Sven zahlt brutto/Monat | Steuerlich absetzbar/Jahr | Steuerersparnis/Jahr | Sven zahlt netto/Monat |
|---|---|---|---|---|
| GKV | 613,22 Euro | ca. 7.081 Euro | ca. 3.138 Euro | ca. 352 Euro |
| HanseMerkur KVS1 | 245,44 Euro | ca. 2.356 Euro | ca. 1.044 Euro | ca. 158 Euro |
| SDK AM12+S1+Z9 | 420,06 Euro | ca. 4.033 Euro | ca. 1.787 Euro | ca. 271 Euro |
Nach Steuern zahlt Sven in der GKV rund 352 Euro pro Monat. Für den SDK-Hochleistungstarif zahlt er netto rund 271 Euro, also 81 Euro weniger im Monat. Und seine GmbH spart beim SDK-Tarif rund 193 Euro weniger Betriebsausgaben pro Monat gegenüber dem GKV-Arbeitgeberanteil, das sind über 2.300 Euro weniger pro Jahr.
Was bekommt Sven für seine Podologie-Kosten zurück?
Sven hat keinen Diabetes, keine Neuropathie, kein Querschnittsyndrom. Er fällt in keine der drei GKV-Diagnosegruppen.
In der GKV zahlt er deshalb seine kompletten Podologiekosten selbst. Im HanseMerkur-Tarif erstattet die Versicherung 90 Prozent des BBhV-Richtwerts von rund 35 Euro pro Behandlung, also 31,50 Euro. Von 65 Euro Rechnung bleibt damit über die Hälfte bei Sven.
Im SDK-Tarif sieht das komplett anders aus. Nach Ausschöpfung des Jahres-Selbstbehalts von 480 Euro durch andere ambulante Leistungen übernimmt die SDK die Podologiekosten zu 100 Prozent.
| Versicherung | Erstattung pro Jahr | Eigenanteil pro Jahr | Eigenanteil über 10 Jahre |
|---|---|---|---|
| GKV | 0 Euro | 440 Euro | 4.400 Euro |
| HanseMerkur KVS1 | ca. 234 Euro | ca. 206 Euro | ca. 2.060 Euro |
| SDK AM12+S1+Z9 | ca. 440 Euro | ca. 0 Euro | nahezu 0 Euro |
Wie rechnest du Podologie mit deiner PKV korrekt ab?
PKV-Versicherte zahlen beim Podologen zuerst selbst und reichen die Rechnung danach bei ihrer Versicherung ein. Damit das reibungslos klappt, fünf Schritte:
Zuerst zum Arzt. Am besten zum Hausarzt oder Dermatologen und eine ärztliche Verordnung für Podologie ausstellen lassen. Bei HanseMerkur KVS1 muss das zwingend über den Primärarzt oder mit korrekter Überweisung laufen, sonst sinkt die Erstattungsquote dauerhaft auf 80 Prozent.
Dann einen staatlich geprüften Podologen aufsuchen. Die Berufsbezeichnung ist gesetzlich geschützt. Nur wer nach dem Podologengesetz qualifiziert ist, kommt für die PKV-Erstattung in Frage.
Nach der Behandlung die Rechnung aufbewahren. Sie sollte enthalten: Name und Adresse des Podologen mit Nachweis der Berufsbezeichnung, Name und Geburtsdatum des Versicherten, jede Behandlung einzeln mit Datum und Leistungsbeschreibung, und idealerweise einen Verweis auf die ärztliche Verordnung.
Rechnung, Zahlungsnachweis und Verordnung digital per Versicherer-App einreichen. Bei den meisten Versicherern dauert die Erstattung wenige Werktage.
Wann lehnt die PKV bei Podologie ab?
Vier Situationen, in denen trotz PKV keine Erstattung kommt:
- Reine Wellness- oder Kosmetikbehandlung ohne Krankheitsbezug. Kein Erstattungsanspruch.
- Nicht staatlich geprüfter Anbieter. Nur Podologen mit gesetzlicher Berufserlaubnis kommen in Frage.
- Fehlende ärztliche Verordnung. Sowohl bei SDK als auch bei HanseMerkur erforderlich.
- Preise deutlich über der Marktüblichkeit. Der SDK-Tarif erstattet ausdrücklich nur Kosten, die für Deutschland üblich sind.
Fazit: „Hochwertige PKV-Tarife zahlen Podologie vollständig, schwache Tarife und die GKV kaum“
Wer in der GKV keinen Diabetes hat und trotzdem regelmäßig zum Podologen muss, zahlt alles selbst. Über 10 Jahre summiert sich das für Sven auf rund 4.400 Euro aus eigener Tasche.
Wer einen günstigen PKV-Einsteigertarif hat, denkt vielleicht, er sei besser aufgestellt. Beim Thema Podologie ist er aber oft kaum besser dran. Die BBhV-Begrenzung beim HanseMerkur-Tarif führt dazu, dass bei einer Behandlung für 65 Euro nur 31,50 Euro erstattet werden. Über 50 Prozent Eigenanteil, obwohl man PKV-versichert ist.
Wer hingegen einen hochwertigen PKV-Tarif wie den SDK AM12 hat, zahlt nach Ausschöpfung des Selbstbehalts nahezu nichts. Und dabei zahlt er netto sogar weniger als in der GKV: 271 Euro gegenüber 352 Euro im Monat. Seine GmbH spart dazu noch rund 2.300 Euro Betriebsausgaben pro Jahr.
Wenn du wissen willst, welcher PKV-Tarif zu deiner Situation passt, meld dich gerne bei mir. Gemeinsam schauen wir uns das konkret an.
FAQ: PKV und Podologie
Zahlt die PKV Podologie ohne ärztliche Verordnung?
Sowohl SDK AM12 als auch HanseMerkur KVS1 verlangen eine ärztliche Verordnung. Zuerst zum Arzt, Verordnung ausstellen lassen, dann zum Podologen.
Was ist der Unterschied zwischen Podologe und Fußpfleger?
Ein Podologe hat eine staatlich anerkannte Ausbildung nach dem Podologengesetz abgeschlossen und darf medizinische Behandlungen am Fuß durchführen. Die Berufsbezeichnung ist gesetzlich geschützt. PKV und GKV erstatten nur Behandlungen durch staatlich geprüfte Podologen.
Gilt das Primärarztprinzip bei HanseMerkur auch für Podologie?
Ja. Wer beim HanseMerkur KVS1 Podologie ohne korrekte Überweisung durch den Primärarzt in Anspruch nimmt, bekommt dauerhaft nur 80 Prozent statt 90 Prozent erstattet. Das lässt sich nicht rückgängig machen.
Erstattet die PKV auch Hausbesuche durch einen Podologen?
Ja, sowohl SDK AM12 als auch HanseMerkur KVS1 erstatten Hausbesuche bei medizinischer Notwendigkeit. Die GKV erstattet Hausbesuche durch Podologen grundsätzlich nicht.
Kann ich als GKV-Versicherter ohne Diabetesdiagnose Podologie erstattet bekommen?
Nein. Die GKV erstattet Podologie nur bei den drei festgelegten Diagnosegruppen: diabetisches Fußsyndrom, Fußsyndrom bei Neuropathien und Fußsyndrom bei Querschnittsyndromen. Alle anderen zahlen selbst.
