PKV oder GKV: Wer trägt eigentlich die Infrastruktur-Kosten?

Das verbreitete Argument, die private Krankenversicherung profitiere von einer durch die GKV finanzierten Infrastruktur, hält den Fakten nicht stand. Krankenhausgebäude und Großgeräte sind Ländersache, nicht Aufgabe der Krankenversicherungen.
Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2026

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Inhaltsverzeichnis:

Wer sich mit der privaten Krankenversicherung beschäftigt, hört manchmal folgende Behauptung.

Die PKV habe ihre niedrigeren Beiträge nur deshalb, weil die gesetzliche Krankenversicherung im Hintergrund die teure Infrastruktur bezahle, also die Krankenhäuser und ihre Ausstattung.

Das Argument mag logisch klingen und wird gern weitergereicht. Ob es stimmt, zeigen die Zahlen der letzten Jahre ziemlich deutlich. Schauen wir uns an, wer in Deutschland wirklich was bezahlt.

Stimmt es, dass die GKV die Infrastruktur im Gesundheitswesen bezahlt?

Nein. Die Krankenhausinfrastruktur ist Aufgabe der Bundesländer, weder der gesetzlichen noch der privaten Krankenversicherung (PKV). Beide Systeme zahlen ausschließlich für die laufende Behandlung, nicht für Gebäude oder Geräte.

Die Behauptung verwechselt zwei Dinge, die Finanzierung der Versorgung und die Finanzierung der Bauten. Wer wofür zuständig ist, steht seit über fünfzig Jahren im Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG von 1972). Als unabhängiger Versicherungsmakler höre ich dieses Argument in vielen Gesprächen über die PKV.

Es hält sich hartnäckig, weil es für den Laien auf den ersten Blick plausibel wirkt.

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Marcus Knispel ist auf dem Bild / PKV Berater für Top-Verdiener
Marcus Knispel
PKV-Berater für Top-Verdiener

Wer bezahlt die Krankenhäuser in Deutschland?

Die Krankenhäuser werden doppelt finanziert, und diese Aufteilung ist gesetzlich klar geregelt.

Die Bundesländer zahlen die Investitionen, also Neubauten und Großgeräte. Die gesetzliche und die private Krankenversicherung zahlen die laufenden Behandlungskosten (§ 6 KHG).

Laut GKV-Spitzenverband flossen im Jahr 2024 rund 103 Milliarden Euro aus der gesetzlichen Krankenversicherung in die Behandlung in Kliniken. Für die Gebäude und die Technik sind aber die Länder verantwortlich, und genau hier klemmt es seit Jahren.

Der Bedarf, um die Krankenhäuser baulich instand zu halten, liegt bundesweit bei rund 6,5 Milliarden Euro im Jahr.

Die Länder decken davon seit Langem nur etwa die Hälfte ab. GKV-Spitzenverband, PKV-Verband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft haben diese Lücke gemeinsam kritisiert.

So sieht die Aufgabenteilung aktuell aus:

PostenZahlt dafür
Investitionen wie Neubauten und Großgerätedie Bundesländer
Laufende Behandlungskostendie gesetzliche und die private Krankenversicherung

Ein Blick auf die Entwicklung macht das Problem deutlich.

Die Investitionsquote der Länder ist von 25 Prozent im Jahr 1972 auf rund 3 Prozent im Jahr 2021 gefallen. Die Unterfinanzierung der Gebäude ist damit ein Problem der Länderhaushalte und hat mit der PKV nichts zu tun.

Wie viel Geld bringt die PKV zusätzlich ins System?

Die PKV bringt jedes Jahr zusätzliche Milliarden in die Versorgung.

Laut dem Wissenschaftlichen Institut der PKV (WIP) flossen im Jahr 2024 durch rund 8,74 Millionen Privatpatienten zusätzlich 15,52 Milliarden Euro in die medizinische Versorgung, ein neuer Höchstwert.

Dieser sogenannte Mehrumsatz ist die Differenz zwischen dem, was Ärzte und Kliniken für Privatpatienten bekommen, und dem, was sie zu gesetzlichen Sätzen bekämen. Dieses Geld kommt allen Patienten zugute, weil es Personal und Technik mitfinanziert, die auch gesetzlich Versicherte nutzen.

Der Trend zeigt klar nach oben:

JahrMehrumsatz der PKVZuwachs
2021rund 11,68 Mrd. €Ausgangswert
202212,33 Mrd. €+5,6 %
202314,46 Mrd. €+14 %
202415,52 Mrd. €+7,3 %

Die Privatversicherten stellen nur rund 10,5 Prozent der Bevölkerung, tragen aber 21,4 Prozent der Einnahmen in den Arztpraxen (WIP, 2023). Im Schnitt bringt jede Arztpraxis durch Privatpatienten rund 74.000 Euro Zusatzerlös im Jahr.

Würden alle Privatversicherten in die GKV wechseln, fehlten dem System dauerhaft über 15 Milliarden Euro.

Zahlt die PKV pro Kopf mehr für Behandlungen?

Ja, deutlich. Die PKV gibt je Versichertem mehr für Behandlungen aus als die GKV. Für ärztliche Leistungen waren es rund 45 Prozent mehr.

Beispiel: In einer Auswertung für das Jahr 2015 standen je Privatversichertem rund 920 Euro je gesetzlich Versichertem rund 635 Euro gegenüber. Im Krankenhaus stiegen die Ausgaben je Versichertem zwischen 2013 und 2023 in der PKV um 64,9 Prozent, in der GKV um 36,3 Prozent.

Der höhere Preis entsteht durch die eigene Kalkulation der PKV mit Risikoprüfung und Kapitaldeckung. Wer die Leistungen beider Systeme vergleicht, sieht schnell, dass die PKV in der Versorgung mehr Spielraum bietet.

Verwaltet die PKV effizienter als die GKV?

Ja. Die PKV gibt je Versichertem weniger für Verwaltung aus als die GKV. Im Jahr 2024 waren es 132 Euro gegenüber 169 Euro.

Gemessen an den Leistungsausgaben liegt die Verwaltungsquote der PKV bei 3,16 Prozent, die der GKV bei 3,9 Prozent (Zahlen für 2024). Das Bild vom teuren PKV-Apparat hält einem nüchternen Vergleich also nicht stand.

Der direkte Vergleich sieht so aus:

GKV 2024PKV 2024
Verwaltungskosten je Versichertem169 €132 €
Anteil an den Leistungsausgaben3,9 %3,16 %

Fair bleibt der Vergleich nur bei den reinen Verwaltungskosten. Die Vertriebskosten der PKV gehören nicht dazu, weil die GKV ihre Mitglieder per Gesetz bekommt und dafür keine vergleichbaren Kosten hat.

Innerhalb der GKV reicht die Spanne übrigens von rund 84 Euro bei der sparsamsten bis 277 Euro bei der teuersten Kasse.

Sind die PKV-Beiträge stabiler als in der GKV?

Über lange Zeit ja. Die PKV-Beiträge stiegen von 2005 bis 2025 im Schnitt um 3,1 Prozent pro Jahr, die GKV-Beiträge um 4,0 Prozent (WIP, 2024).

Der Grund liegt im Kostendruck der GKV. Laut GKV-Spitzenverband stiegen die Ausgaben im Jahr 2025 um 7,8 Prozent, die Einnahmen aber nur um 5,3 Prozent. Dieses Defizit treibt die Zusatzbeiträge, die 2026 im Schnitt bei 2,9 Prozent liegen (Bundesgesundheitsministerium).

PKV-Beiträge können durchaus springen. Im Jahr 2026 waren rund 60 Prozent der Privatversicherten von einer Erhöhung betroffen, im Schnitt um 13 Prozent. Solche Sprünge kommen in Schüben, wenn Anbieter mehrere Jahre nachholen, und sie treffen im Alter besonders. Über die lange Strecke bleibt die PKV bei der Steigerung trotzdem unter der GKV.

Ob die PKV am Ende teurer ist als die GKV, hängt vom Einzelfall ab.

Warum wäre eine Zwangsbeteiligung der PKV verfassungswidrig?

Weil Sozialversicherungsbeiträge nur für die Versorgung da sind und nicht für staatliche Aufgaben wie Infrastruktur. Ein Rechtsgutachten von Prof. Gregor Thüsing (Universität Bonn) kommt zu diesem Ergebnis.

Hintergrund ist der Krankenhaus-Transformationsfonds von 50 Milliarden Euro, der ab 2026 über zehn Jahre läuft (KHVVG). Die Hälfte davon soll aus der Liquiditätsreserve der GKV kommen. Das Gutachten sieht darin eine Zweckentfremdung der Beiträge und hält auch eine Pflichtbeteiligung der PKV für verfassungsrechtlich nicht haltbar.

Der Kern des Arguments ist einfach. Infrastruktur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und gehört aus Steuern bezahlt, egal ob das Geld von GKV- oder PKV-Beitragszahlern käme. Eine Zwangsbeteiligung der PKV würde die Unterfinanzierung durch die Länder nicht lösen.

Zahlen widerlegen die Infrastruktur-Behauptung

Die Behauptung, die PKV habe ihre niedrigeren Beiträge nur wegen der GKV-Infrastruktur, hält den Zahlen nicht stand. Die Infrastruktur ist Ländersache, und die PKV zahlt jedes Jahr über 15 Milliarden Euro zusätzlich ins System, mehr als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.

Für dich als Interessent heißt das Folgendes. Der Beitrag einer PKV entsteht durch die eigene Kalkulation mit Alterungsrückstellungen und Risikoprüfung. Am Ende bleiben vier Punkte hängen:

  • Die Infrastruktur der Krankenhäuser ist Aufgabe der Länder, nicht der Krankenversicherungen.
  • Die PKV zahlt jedes Jahr über 15 Milliarden Euro zusätzlich in die Versorgung, mehr als es ihrem Bevölkerungsanteil von 10,5 Prozent entspricht.
  • Die PKV verwaltet je Versichertem sparsamer als die GKV und trägt pro Kopf höhere Behandlungskosten.
  • Eine Zwangsbeteiligung der PKV an der Infrastruktur wäre verfassungsrechtlich nicht haltbar.

Ob sich der Wechsel für dich lohnt, bleibt am Ende eine Frage der Leistung und deiner Lebensplanung. Mehr dazu liest du in meinem Beitrag, warum der Wechsel in die PKV immer eine Leistungsfrage sein sollte.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.