Abnehmspritze: Zahlt die PKV für Ozempic und Wegovy?

Ob die PKV Abnehmspritzen wie Wegovy, Ozempic oder Mounjaro erstattet, hängt von Diagnose, Tarif und Dokumentation ab.
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zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2026

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Inhaltsverzeichnis:

Manchmal ja, manchmal nein. Und die Antwort hängt von drei Dingen ab: deiner Diagnose, deinem Tarif und wie gut du die Behandlung dokumentierst. Eine gesetzliche Krankenkasse zahlt in nahezu allen Fällen gar nichts.

Das Bundessozialgericht hat das 2024 noch einmal ausdrücklich bestätigt.

Was das genau bedeutet, welche Medikamente es gibt, was sie kosten und wann eine PKV zahlt, erfährst du hier.

Was sind Ozempic, Wegovy und Mounjaro überhaupt?

Alle modernen Abnehmspritzen gehören zur Wirkstoffklasse der GLP-1-Rezeptoragonisten.

Diese Medikamente ahmen das körpereigene Sättigungshormon GLP-1 nach, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Sie reduzieren Appetit und Hunger, verlangsamen die Magenentleerung und regulieren den Blutzucker.

Ursprünglich für Typ-2-Diabetes entwickelt, wurden sie später auch für die Adipositasbehandlung zugelassen.

Auf dem deutschen Markt sind im Jahr 2026 folgende Präparate verfügbar:

MedikamentWirkstoffTypische GewichtsabnahmeZugelassen für GewichtsreduktionInjektionsrhythmus
Ozempic®Semaglutid15 bis 20% des KörpergewichtsNein (nur Diabetes)1x pro Woche
Wegovy®Semaglutid, höher dosiert15 bis 20% des KörpergewichtsJa1x pro Woche
Saxenda®Liraglutid7 bis 8% des KörpergewichtsJa1x täglich
Mounjaro®Tirzepatidbis 25% des KörpergewichtsJa1x pro Woche
Nevolat®Liraglutid (Generikum)7 bis 8% des KörpergewichtsJa1x täglich
Trulicity®Dulaglutid5 bis 8% des KörpergewichtsNein (nur Diabetes)1x pro Woche

Mounjaro gilt aktuell als wirksamster verfügbarer Wirkstoff. In Zulassungsstudien erzielte Tirzepatid eine Gewichtsabnahme von bis zu 25 Prozent des Körpergewichts.

Wegovy erzielte in seiner Zulassungsstudie bei Teilnehmern mit einem BMI über 30 eine durchschnittliche Abnahme von 15,3 Kilogramm über siebzehn Monate, in der Placebogruppe waren es nur 2,6 Kilogramm.

Ein Unterschied, der für die Erstattung entscheidend ist: Ozempic und Wegovy enthalten denselben Wirkstoff Semaglutid, aber in unterschiedlicher Dosierung. Ozempic ist nur für Diabetes zugelassen. Wer es zur Gewichtsreduktion einsetzt, bewegt sich im sogenannten Off-Label-Use, also außerhalb der zugelassenen Indikation.

Das hat erhebliche Konsequenzen für die PKV-Erstattung.

Wichtig für alle Präparate: Die Medikamente wirken nur, solange sie eingenommen werden. Studien belegen, dass ohne fortgesetzte Therapie und Lebensstiländerung innerhalb von ein bis eineinhalb Jahren das Ausgangsgewicht wieder erreicht wird. Es handelt sich um eine Dauermedikation, ähnlich wie bei Blutdruckmitteln.

Heißt: Die Kosten laufen dauerhaft.

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Was kostet die Abnehmspritze in Deutschland?

Die Kosten variieren je nach Medikament, Dosierungsphase und Bezugsweg. Eine vollständige Therapie erstreckt sich meistens über zwölf bis vierundzwanzig Monate.

MedikamentMonatliche Kosten EinstiegMonatliche Kosten ErhaltungJahreskosten
Ozempic® (off-label)ca. 220 €ca. 270 bis 300 €3.240 bis 3.600 €
Wegovy®ca. 170 bis 220 €ca. 276 bis 375 €3.312 bis 4.500 €
Saxenda®ca. 190 bis 220 €ca. 291 €ca. 3.492 €
Mounjaro®ca. 206 bis 300 €ca. 300 bis 580 €3.600 bis 6.960 €
Nevolat® (Generikum)ca. 79 €ca. 104 bis 129 €1.248 bis 1.548 €

Zu diesen Medikamentenkosten kommen noch weitere Ausgaben hinzu, die bei der Planung oft vergessen werden:

  • Ärztliches Erstgespräch und Rezeptausstellung: 40 bis 100 Euro einmalig
  • Kontrolltermine alle vier bis acht Wochen: 30 bis 80 Euro pro Termin
  • Laborkontrollen (Leberwerte, HbA1c, Blutbild): 20 bis 80 Euro je Untersuchung
  • Injektionsnadeln: rund 10 bis 20 Euro monatlich

Bei einer zwölf Monate langen Wegovy-Therapie mit Arztbesuchen und Laborwerten kommen leicht 4.000 bis 4.500 Euro zusammen.

Zahlt die GKV für die Abnehmspritze?

Nein. Die TK und alle anderen gesetzlichen Krankenkassen erstatten Abnehmspritzen zur Gewichtsreduktion nicht. Das gilt auch für Patienten mit schwerem Übergewicht, dokumentierten Folgeerkrankungen oder erfolglosem Vorversuch mit Ernährungsberatung.

Warum zahlt die GKV grundsätzlich nicht?

§ 34 Abs. 1 SGB V schließt Arzneimittel von der GKV-Erstattung aus, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht.

Explizit genannt werden Arzneimittel zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Wegovy im Jahr 2024 offiziell als nicht erstattungsfähiges Lifestyle-Arzneimittel eingestuft.

Das Bundessozialgericht hat das in einem Urteil im Jahr 2024 (Az. B 1 KR 12/23 R) bestätigt: Selbst bei extremem Übergewicht mit einem BMI über 40 und massiven Folgeerkrankungen besteht keine GKV-Leistungspflicht für Wegovy, Saxenda oder Mounjaro.

Wann zahlt die GKV ausnahmsweise doch?

Es gibt eine praxisrelevante Ausnahme: Wer an Typ-2-Diabetes leidet, kann Ozempic als Diabetes-Medikament von der TK erstattet bekommen. In diesem Fall ist der Gewichtsverlust ein erwünschter Nebeneffekt, nicht der Erstattungsgrund.

Voraussetzung ist, dass andere Behandlungsoptionen wie Metformin nicht ausreichend gewirkt haben und die Verordnung ausdrücklich für die Diabetes-Behandlung erfolgt.

In absoluten Ausnahmefällen kann bei lebensbedrohlicher Adipositas und nachweislichem Scheitern aller anderen Therapieansätze ein Härtefallantrag bei der GKV gestellt werden. Die Erfolgschancen sind in der Praxis verschwindend gering.

Was die TK stattdessen anbietet, sind strukturierte Ernährungsberatung, anerkannte Präventionsprogramme nach § 20 SGB V, Verhaltenstherapie bei psychischer Miterkrankung und in schweren Fällen bariatrische Operationen bei einem BMI über 35 mit Begleiterkrankungen.

Zahlt die PKV für die Abnehmspritze?

Manchmal ja. Die PKV erstattet grundsätzlich alle Leistungen, die medizinisch notwendig sind und im Tarif nicht ausgeschlossen sind. Adipositas gilt als Krankheit im medizinischen Sinne. GLP-1-Medikamente sind in zugelassenen Indikationen keine Lifestyle-Produkte, sondern zugelassene Arzneimittel.

Damit ist die Ausgangslage in der PKV strukturell deutlich besser als in der GKV.

Welche fünf Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein?

Damit die PKV zahlt, müssen alle folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Medizinische Diagnose: Adipositas mit einem BMI von mindestens 30, oder Übergewicht mit einem BMI ab 27 mit dokumentierten Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Schlafapnoe oder Herzerkrankungen.
  • Erfolgloser Vorversuch: Dokumentierter Nachweis, dass Ernährungsberatung, Bewegungsprogramme oder Verhaltenstherapie nicht ausreichend wirksam waren.
  • Zugelassenes Medikament für die Indikation: Wegovy ist für Adipositas zugelassen, die PKV zahlt bei richtiger Diagnose. Ozempic ist nur für Diabetes zugelassen. Bei Off-Label-Use ohne Diabetes-Diagnose sind Ablehnungen häufig.
  • Kein Tarifausschluss: Der Tarif darf Arzneimittel zur Gewichtsreduktion oder Lifestyle-Medikamente nicht explizit ausschließen.
  • Verordnung und Apothekenbezug: Der Arzt muss approbiert sein, das Medikament muss aus einer Apotheke bezogen werden.

Wie hoch ist die Erstattungswahrscheinlichkeit in der PKV?

SituationErstattungswahrscheinlichkeit
Adipositas BMI ≥ 30 mit Begleiterkrankung und Wegovyca. 68%
Adipositas BMI ≥ 30 ohne weitere Erkrankungenca. 29%
Leichtes Übergewicht BMI 25 bis 29 ohne Begleiterkrankungca. 4%
Off-Label-Use (Ozempic zur Gewichtsabnahme ohne Diabetes)unter 10%

Die Zahlen zeigen: Eine dokumentierte Begleiterkrankung macht den entscheidenden Unterschied. Ohne sie ist die Erstattung in der PKV schwierig.

Wann lehnt die PKV ab?

AblehnungsgrundHäufigkeit
Kein ausreichender Nachweis der medizinischen NotwendigkeitHäufig
Off-Label-Use ohne Diabetes-Diagnose (Ozempic)Häufig
Tarifausschluss für Lifestyle-ArzneimittelVorkommt, tarif-abhängig
Kein Nachweis erfolgloser VorbehandlungHäufig
BMI unter 27Fast immer
Subjektives Schönheitsziel dokumentiertImmer

Was zahlen PKV-Tarife bei der Abnehmspritze?

PKV-Hochleistungstarife erstatten Abnehmspritzen nach ihrem allgemeinen Arzneimittel-Erstattungssatz. Das bedeutet bei den meisten Hochleistungstarifen 100 Prozent der Kosten, sofern keine Ausschlussklausel greift und die medizinische Notwendigkeit dokumentiert ist.

Entscheidend ist, ob der Tarif eine sogenannte Entfettungsmittel-Klausel enthält. Manche ältere AVB schließen „Entfettungsmittel“, „Abmagerungspräparate“ oder „Mittel zur Zügelung des Appetits“ aus. Das Landgericht Hanau hat im Oktober 2025 (Az. 9 O 231/25) entschieden, dass GLP-1-Medikamente wie Wegovy unter diese Klausel nicht fallen.

Der Begriff Entfettungsmittel sei dem Reinigungsbereich zuzuordnen, nicht der Behandlung von Adipositas als anerkannter Erkrankung. Das ist wichtig: Selbst wenn ein Tarif eine solche Klausel enthält, ist eine erfolgreiche Klage möglich.

Welche Anbieter zahlen was für die Abnehmspritze?

VersichererTarifArzneimittelerstattungEntfettungsmittel-KlauselErstattung Abnehmspritze
AllianzMeinGesundheitsschutz Best100%Nicht in neueren Tarifen100% bei med. Notwendigkeit
AllianzMeinGesundheitsschutz Plus 9090%Nicht in neueren Tarifen90% bei med. Notwendigkeit
SDKAM10100%Nicht bekannt in AM10100% bei med. Notwendigkeit
HallescheNK.select XL100%Nicht in NK.select XL100% bei med. Notwendigkeit
BBKKGesundheitVARIO + AmbulantPlus100%Prüfung empfohlen100% bei med. Notwendigkeit
HanseMerkurKVS1 und KVS3100% bei Rx-MedikamentenNicht explizit bekannt100% bei med. Notwendigkeit
TK (GKV)Standardtarif§ 34 SGB V (gesetzlich)0% (außer Diabetes-Indikation)

Die Erstattungssätze der Allianz je nach Tarifstufe:

TarifstufeArzneimittelerstattung
MeinGesundheitsschutz Plus 7070% (Selbstbehalt max. 1.500 € pro Jahr)
MeinGesundheitsschutz Plus 9090% (Selbstbehalt max. 500 € pro Jahr)
MeinGesundheitsschutz Plus 100100% (kein Selbstbehalt)
MeinGesundheitsschutz Best 9090%
MeinGesundheitsschutz Best 100100%

Der Best-Tarif bietet gegenüber dem Plus-Tarif freie Arztwahl auch bei Ärzten ohne Kassenzulassung, also Adipositas-Spezialisten und Ernährungsmediziner, sowie Honorarvereinbarungen über die GOÄ-Höchstsätze hinaus.

Die SDK erstattet Arzneimittel im Tarif AM10 zu 100 Prozent über GOÄ-Höchstsätze hinaus. In den modernen SDK-Tarifen ist kein expliziter Entfettungsmittel-Ausschluss bekannt. Da Abnehmspritzen als Listenpreisarzneimittel in der Apotheke abgerechnet werden und nicht nach GOÄ, greift eine GOÄ-Deckelung hier nicht.

Die Hallesche hat seit dem Sommer im Jahr 2023 einen deutlichen Anstieg von Anfragen zur Kostenübernahme bei GLP-1-Medikamenten verzeichnet. Das NK.select XL enthält in der aktuellen Tarifserie keinen generalisierten Entfettungsmittel-Ausschluss. Entschieden wird nach medizinischer Notwendigkeit im Einzelfall.

Bei der BBKK sind die Anfragen laut Branchenberichten von knapp 20 pro Monat im Juli 2023 auf rund 90 Erstanfragen pro Monat im Februar 2024 gestiegen. Ein pauschaler Ausschluss ist nicht kommuniziert. Ohne den Zusatztarif VARIO AmbulantPlus ist die ambulante Erstattung im Basisteil auf GOÄ-Höchstsätze begrenzt, was für Apothekenarzneimittel aber irrelevant ist, da diese nach Listenpreis und nicht nach GOÄ abgerechnet werden.

Die HanseMerkur KVS1 und KVS3 erstatten verschreibungspflichtige Medikamente grundsätzlich nach dem regulären Arzneimittelerstattungssatz. Seit dem April 2024 werden konkrete Nachweisanforderungen gestellt: ärztliche Indikationsbegründung und Vorbehandlungsnachweise.

Was gilt bei Übergewicht im Neuantrag?

Wer bereits an Adipositas leidet und jetzt erst in die PKV wechseln möchte, muss mit einem Risikozuschlag rechnen. Die Allianz prüft bei Neuanträgen den BMI und behält sich ab einem BMI von 28 Risikozuschläge vor. Ab einem BMI über 35 drohen erhebliche Aufschläge oder eine Ablehnung. Was für jede PKV mit Übergewicht gilt: Eine anonyme Risikovoranfrage klärt die Versicherbarkeit, bevor ein formeller Antrag gestellt wird.

Fallbeispiel: Unternehmensberater Markus F., 38 Jahre

Markus F. hat einen BMI von 33 (182 cm, 109 kg). Sein Hausarzt diagnostiziert Adipositas Grad I mit beginnender arterieller Hypertonie. Eine sechsmonatige Ernährungsberatung und ein strukturiertes Sport-Coaching brachten keine nachhaltige Gewichtsreduktion, beides ist in der Patientenakte dokumentiert.

Der Arzt verordnet Wegovy mit einer Einstiegsdosis von 0,25 mg, die über sechzehn Wochen auf die Erhaltungsdosis von 2,4 mg wöchentlich gesteigert wird.

Der Zahnarzt erstellt einen Behandlungsplan für zwölf Monate:

Behandlungsplan und Kosten für ein Jahr

LeistungKosten
Erstgespräch und Rezeptausstellung90 €
Wegovy 1. bis 3. Monat (Aufdosierung)3 × 220 € = 660 €
Wegovy 4. bis 6. Monat (Zwischendosis)3 × 300 € = 900 €
Wegovy 7. bis 12. Monat (Erhaltungsdosis)6 × 375 € = 2.250 €
Kontrolltermine beim Arzt (4 Termine)4 × 60 € = 240 €
Laborkontrollen (2 Kontrollen)2 × 60 € = 120 €
Injektionsnadeln für 12 Monate12 × 15 € = 180 €
Gesamtkosten für ein Jahr4.440 €

Jetzt schauen wir uns an, was diese Rechnung für Markus bedeutet, je nachdem ob er gesetzlich oder privat versichert ist.

Szenario A: Markus ist bei der TK freiwillig versichert

Die TK übernimmt für Wegovy keinen Cent. Für Arztbesuche greift die GKV-Grundversorgung, aber das Medikament, die Laborwerte und die Injektionsnadeln trägt Markus vollständig selbst.

Ergebnis: Markus zahlt rund 4.350 Euro in zwölf Monaten selbst.

Szenario B: Markus ist privat versichert

Markus hat alle Voraussetzungen für die Erstattung erfüllt: Diagnose mit ICD-Code E66.0 (Adipositas), dokumentierte Begleiterkrankung Bluthochdruck mit Code I10, Nachweis der erfolglosen Vorbehandlung über sechs Monate, Rezept für Wegovy von einem approbierten Arzt, Bezug aus der Apotheke.

Bei einem Hochleistungstarif mit 100 Prozent Arzneimittelerstattung und ohne Selbstbehalt zahlt die PKV alles:

LeistungRechnungPKV 100% (SDK, Hallesche, Allianz Best)Eigenanteil
Arzt-Konsultationen330 €330 €0 €
Wegovy (Medikament)3.810 €3.810 €0 €
Laborkontrollen120 €120 €0 €
Injektionsnadeln180 €180 €0 €
Gesamtrechnung4.440 €4.440 €0 €

Bei einem Tarif mit 90 Prozent Erstattung wie dem Allianz MeinGesundheitsschutz Plus 90:

LeistungRechnungAllianz Plus 90Eigenanteil
Arzt-Konsultationen330 €297 €33 €
Wegovy (Medikament)3.810 €3.429 €381 €
Laborkontrollen120 €108 €12 €
Injektionsnadeln180 €162 €18 €
Gesamtrechnung4.440 €3.996 €444 €

Markus zahlt bei der Allianz Plus 90 rund 444 Euro selbst. Bei der TK wären es 4.350 Euro.

Der Unterschied zwischen GKV und einer guten PKV liegt bei der Abnehmspritze in derselben Größenordnung wie bei Zahnimplantaten: mehrere Tausend Euro pro Jahr, bei einer zweijährigen Therapie mit Mounjaro in der höchsten Dosis sogar bis zu 36.000 Euro Erstattungsunterschied.

Was ist mit Mounjaro über zwei Jahre?

Mounjaro wird schrittweise aufdosiert. Die Einstiegsdosis von 2,5 mg kostet rund 206 Euro monatlich, die Erhaltungsdosis von 10 bis 15 mg liegt bei 1.400 bis 1.957 Euro monatlich. Für realistische Dauerkosten in der Erhaltungsphase ist mit 1.400 bis 1.500 Euro monatlich zu rechnen.

TKPKV 100% ohne SelbstbehaltAllianz Plus 90
Gesamtkosten für 2 Jahre (Mounjaro, Erhaltungsdosis 10 mg)ca. 36.000 €ca. 36.000 €
Erstattung0 €100% = 36.000 €90% = 32.400 €
Eigenanteil36.000 €0 €3.600 €

Über fünf Jahre Wegovy-Therapie bei 277 Euro monatlich ergibt sich eine Gesamtbelastung von 16.620 Euro. Bei einem Hochleistungstarif ohne Selbstbehalt: 0 Euro Eigenanteil. Bei der TK: 16.620 Euro vollständig selbst getragen.

Was brauchst du, damit die PKV zahlt?

Die Dokumentation entscheidet. Bei solider Grundlage und richtiger Diagnose ist die Erstattungswahrscheinlichkeit gut. Fehlt ein einziges Dokument, ist eine Ablehnung wahrscheinlich.

Du brauchst zwingend:

  • Ärztliche Diagnose mit ICD-10-Code E66.0 (Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr) oder E66.9 (Adipositas, nicht näher bezeichnet)
  • Dokumentation der Begleiterkrankung, zum Beispiel Bluthochdruck mit Code I10
  • Nachweis der erfolglosen Vorbehandlung: Ernährungsberatungsberichte, Sport-Coaching-Quittungen, Therapieprotokolle über mindestens drei bis sechs Monate
  • Arztrezept mit Diagnoseangabe und Begründung der medizinischen Notwendigkeit
  • Verordnung für Wegovy als zugelassenes Präparat, nicht für Ozempic off-label
  • Apothekenquittung aus einer zertifizierten Apotheke

Optional, aber sinnvoll: eine schriftliche Voranfrage bei der PKV vor Behandlungsbeginn. Das gibt keine Rechtssicherheit, hilft aber bei der Kommunikation und verhindert böse Überraschungen.

Was tun bei einer Ablehnung?

Eine Ablehnung ist kein Endurteil. Bei solider medizinischer Dokumentation und Adipositas mit Begleiterkrankungen bestehen vor Gericht gute Erfolgschancen. Ein ärztliches Gegengutachten und ein Fachanwalt für Versicherungsrecht erhöhen die Chancen erheblich.

Wo gibt es die Abnehmspritze in Deutschland?

Wer ein Privatrezept braucht, hat mehrere Anlaufstellen. Hausärzte, Internisten und Diabetologen sind die einfachste Option. Das Erstgespräch kostet nach GOÄ rund 80 bis 100 Euro, der Arzt kann direkt ein Privatrezept ausstellen.

Spezialisierte Einrichtungen mit medizinisch begleiteten GLP-1-Programmen:

  • The Body Clinic in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München, ab rund 249 Euro pro Monat für ärztliche Begleitung, Medikament separat
  • Avi Medical an mehreren Standorten, Erstgespräch rund 80 Euro, Kontrolltermine rund 40 Euro
  • Weight Doctors in Berlin und Hamburg, Betreuungsprogramm ab rund 399 Euro monatlich, Medikament separat oder inklusive
  • Alster-Klinik Hamburg als spezialisiertes Adipositaszentrum, GLP-1-Therapie als Teil eines Gesamtkonzepts

Vergleich: Wie unterscheiden sich PKV und GKV bei der Abnehmspritze?

TK (GKV)Allianz Plus 90 (PKV)Allianz Plus 100 (PKV)
Zahlt für Wegovy?NeinBei med. Indikation: 90%Bei med. Indikation: 100%
Zahlt für Mounjaro?NeinBei med. Indikation: 90%Bei med. Indikation: 100%
Zahlt für Ozempic bei Gewichtsabnahme?NeinOff-Label: häufig abgelehntOff-Label: häufig abgelehnt
Zahlt für Ozempic bei Diabetes?Ja, mit engen VoraussetzungenJa, voll erstattetJa, voll erstattet
BMI-MindestanforderungNicht relevant (zahlt ohnehin nicht)BMI ≥ 30 oder BMI ≥ 27 mit ErkrankungGleich wie Plus 90
Erfolgloser Vorversuch erforderlich?Nicht relevantJa, dokumentiertJa, dokumentiert
Eigenanteil Wegovy für 12 Monate (Fallbeispiel)ca. 4.350 €ca. 444 €ca. 90 €
Eigenanteil Mounjaro für 24 Monatebis 14.000 €ca. 1.200 bis 1.400 €0 €
PKV zahlt Arztbesuche für Abnehmtherapie?GKV-Grundversorgung90%100%
Rechtsgrundlage Ablehnung GKV§ 34 Abs. 1 SGB Vnicht relevantnicht relevant
Rechtsgrundlage Erstattung PKVnicht relevant§ 1 MB/KK und Tarif§ 1 MB/KK und Tarif
BSG-Urteil schließt GKV-Leistung aus?Ja (im Jahr 2024, Az. B 1 KR 12/23 R)nicht relevantnicht relevant

Die Ausgangslage in der PKV bei Medikamentenerstattung ist strukturell günstiger als in der GKV, weil die PKV nach medizinischer Notwendigkeit erstattet und nicht nach einem politisch festgelegten Leistungskatalog. Der Unterschied bei der Abnehmspritze ist einer der deutlichsten im direkten Leistungsvergleich zwischen GKV und PKV.

Bild zeigt Marcus Knispel sitzend im schwarzen Anzug / PKV-Berater aus Duisburg für Geschäftsführer & Top-Verdiener
Marcus Knispel
Geschäftsführer | Versicherungsmakler (§ 34d GewO)
Über den Autor

Marcus Knispel ist seit über 25 Jahren in der Versicherungsbranche tätig und seit 2012 als ungebundener, nach § 34d GewO zugelassener Versicherungsmakler mit klarer Spezialisierung auf die private Krankenversicherung für Top-Verdiener, Unternehmer und Geschäftsführer aktiv. Er berät ausschließlich im Mandanteninteresse und unterstützt zusätzlich rund 100 Maklerkolleginnen und -kollegen bei komplexen PKV-Fragestellungen und der vollständigen Beratung ihrer Kunden.

Seine fachliche Grundlage bilden unter anderem Abschlüsse als Versicherungsfachmann (BWV) sowie als zertifizierter Fondsberater (EAFP) an der Europäischen Akademie für Finanzplanung, ergänzt um zahlreiche Spezialisierungen zu Tarifwechselrecht nach VVG § 204, Gesundheitsprüfung, Risikozuschlägen und Beitragsentlastung im Alter. Marcus bildet sich laufend über renommierte Branchenanbieter wie die Deutsche Makler Akademie weiter und verbindet so aktuelle PKV-Produktkenntnis mit langjähriger Praxiserfahrung aus der Beratung von Angestellten, Selbstständigen, Geschäftsführern und C-Level-Entscheidern.

Als Handelsmakler ist Marcus heute bei von Buddenbrock Concepts in Essen angebunden und steht für eine verständliche, transparente und zahlenbasierte PKV-Beratung, bei der Hochleistungstarife und eine stabile Beitragsentwicklung im Alter im Mittelpunkt stehen. In seinen Fachartikeln und Auftritten als PKV-Experte legt er großen Wert auf Aufklärung, klare Sprache und eine saubere Herleitung seiner Empfehlungen, damit Leser und Mandanten fundierte Entscheidungen zur privaten Krankenversicherung treffen können.