„Unabhängig“ ist das Wort, das in der PKV-Beratung am häufigsten verwendet wird und am wenigsten klar ist. Jeder nennt sich unabhängig: Vertreter, Makler, Portale, Strukturvertriebe.
Was das Wort tatsächlich bedeutet, hängt davon ab, wen du fragst und welcher gesetzliche Rahmen dahinter steht.
Was bedeutet unabhängig in der PKV-Beratung überhaupt?
Unabhängig kann zweierlei bedeuten: ungebunden an eine Versicherungsgesellschaft, oder: ohne finanzielles Eigeninteresse am Ergebnis. Das sind zwei sehr verschiedene Dinge.
Ein Versicherungsmakler ist rechtlich ungebunden. Er darf nicht von einem einzigen Versicherer abhängig sein und muss den Markt im Blick haben. Das Gesetz verpflichtet ihn, die Interessen des Kunden zu vertreten, nicht die des Versicherers (§ 60 VVG, BGH-Sachwalterurteil vom 14.01.2016). Trotzdem verdient er seine Courtage nur beim Abschluss, was einen strukturellen Anreiz zur Empfehlung erzeugt.
Ein Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO geht weiter: Er darf keine Courtage vom Versicherer annehmen, weder direkt noch indirekt. Er rechnet ausschließlich mit dir ab. Damit entfällt der Abschlussanreiz vollständig.
Die Verbraucherzentrale schließlich ist institutionell unabhängig, durch öffentliche Mittel finanziert, ohne jedes Abschlussinteresse. Eine fachlich fundierte und qualifizierte Beratung zum Thema PKV lässt sich aber nicht zwingend voraussetzen. Bei der Verbraucherzentrale wirst Du eher Generalisten und weniger ausgewiesene Spezialisten zum Thema PKV finden.
Das ist der Unterschied, den du kennen solltest, bevor du dich um eine Beratung bemühst:
| Art der Beratung | Gebunden an Gesellschaft? | Vergütung | Abschlussanreiz? |
|---|---|---|---|
| Versicherungsvertreter | Ja, eine Gesellschaft | Provision vom Versicherer | Ja, stark |
| Mehrfachagent | Ja, 3 bis 5 Gesellschaften | Courtage vom Versicherer | Ja |
| Versicherungsmakler | Nein | Courtage vom Versicherer | Ja, aber begrenzt durch Stornohaftung |
| Versicherungsberater | Nein | Honorar von dir | Nein |
| Verbraucherzentrale | Nein | Gebühr von dir | Nein |
Was leistet ein auf PKV spezialisierter Versicherungsmakler?
Der Versicherungsmakler ist der häufigste Weg zur PKV-Beratung, und bei einem guten Spezialisten auch der sinnvollste für einen Neuabschluss. Er hat Zugang zum gesamten Markt mit über 40 Anbietern und kann anonym bei mehreren Gesellschaften gleichzeitig anfragen, bevor ein einziger Antrag gestellt wird.
Diese anonyme Risikovoranfrage ist bei jeder Gesundheitshistorie, die nicht makellos ist, unverzichtbar.
Die Beratung kostet dich direkt nichts. Der Makler verdient seine Courtage beim Abschluss über den Versicherer, der diese Kosten in alle Tarife bereits einkalkuliert hat. Immer, egal wo du am Ende abschließt.
Du zahlst für die gleiche Tarifkombination immer denselben Beitrag, ob du über einen Makler abschließt oder ohne Makler direkt spielt keine Rolle.
Was du an Pflichten vom Makler erwarten kannst, ist gesetzlich geregelt:
- Sachkundeprüfung bei der IHK und Eintragung im Vermittlerregister (§ 34d GewO)
- Berufshaftpflichtversicherung
- Offenlegung seines Vermittlerstatus beim ersten Kontakt (§ 15 VersVermV)
- Dokumentation der Beratung und schriftliche Empfehlung mit Begründung (§§ 60–61 VVG)
- Nachbetreuungspflicht über den Abschluss hinaus (§ 6 Abs. 4 VVG)
Ob ein Makler wirklich als Makler eingetragen ist, lässt sich in unter zwei Minuten prüfen. Das öffentliche IHK-Vermittlerregister unter www.vermittlerregister.info zeigt dir Name, Zulassungsart und zuständige IHK.
Was dort stehen muss, wenn jemand wirklich Makler ist: § 34d Abs. 1 GewO – Versicherungsmakler. Steht dort Versicherungsvertreter, ist es kein Makler.
Wann ist ein Versicherungsberater auf Honorarbasis die bessere Wahl?
Wenn du wissen willst, ob der Wechsel in die PKV für dich überhaupt sinnvoll ist, ohne dass jemand ein Interesse am Ergebnis hat, ist der Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO die sauberste Lösung. Er darf keine Courtage annehmen.
Er hat keinen Grund, dich in einen Vertrag zu drängen, den du nicht brauchst.
Das kostet aber direkt Geld. Stundensätze liegen meist zwischen 150 und 250 Euro, Pauschalen für eine vollständige Beratung zwischen 500 und 2.000 Euro, je nach Berater und Umfang.
Ein Punkt, den viele übersehen: Auch nach einer Honorarberatung schließt du den PKV-Tarif zu den regulären Beiträgen ab. Die im Beitrag einkalkulierten Vertriebskosten entfallen nicht. Es gibt in der PKV keine echten Nettotarife. Du zahlst also in vielen Fällen den normalen Beitrag plus das Honorar.
Günstiger als ein Makler ist das selten. Unabhängiger schon.
Den Bundesverband der Versicherungsberater (BVVB) findest du unter www.bvvb.de. Dort sind derzeit rund 80 Versicherungsberaterinnen und -berater in Deutschland gelistet, die sich verpflichtet haben, ausschließlich auf Honorarbasis zu beraten.
Besonders sinnvoll ist der Honorarberater in diesen Situationen:
- Du willst eine neutrale PKV-oder-GKV-Entscheidung, ohne dass jemand von einem Abschluss profitiert.
- Du hast ein Angebot von einem anderen Berater und willst es unabhängig gegenchecken lassen.
- Du willst einen bestehenden PKV-Vertrag auf Leistungsdefizite prüfen lassen, ohne dass der Berater ein Interesse an einem Wechsel hat.
- Du willst einen internen Tarifwechsel nach § 204 VVG prüfen lassen, für den ein Makler keine Courtage erhält.
Was leisten die Verbraucherzentralen?
Die Verbraucherzentralen sind in rund 200 Beratungsstellen bundesweit vertreten, öffentlich finanziert und ohne jedes Abschlussinteresse. Sie eignen sich gut für eine erste Orientierung, für den Check eines vorliegenden Angebots oder für Fälle, in denen du einen bestehenden Vertrag neutral bewerten lassen willst.
Die Kosten variieren je nach Bundesland und Leistung erheblich. Einige Beispiele:
- Berlin: persönliches Beratungsgespräch bis 30 Minuten für 30 Euro
- Hamburg: PKV-Auswahlberatung mit computergestütztem Vergleich für 120 Euro
- NRW: Geld- und Versicherungsberatung bis 90 Minuten für 230 Euro
- Niedersachsen: Tarifwechsel-Prüfung bis 45 Minuten für 60 Euro
Was du dabei bedenken solltest: Die Berater in den Verbraucherzentralen sind Generalisten. Für eine vollständige PKV-Neuberatung inklusive Gesundheitsaufarbeitung und Gesundheitsprüfung fehlt in aller Regel die fachliche Tiefe und Erfahrung. Als Korrektiv zu einem Maklerangebot oder zur grundsätzlichen Orientierung sind sie aber durchaus geeignet.
Wo solltest du auf keinen Fall eine PKV-Beratung suchen?
Es gibt drei Quellen, bei denen du strukturell schlechter beraten bist, nicht weil die einzelnen Menschen dort zwingend böse Absichten haben, sondern weil das System dahinter keine echte unabhängige Beratung zulässt.
Organisationen wie die DVAG, Swiss Life Select, OVB oder MLP bezeichnen ihre Mitarbeiter als Vermögensberater oder Finanzcoaches. Im IHK-Vermittlerregister findest du sie als Versicherungsvertreter, nicht als Makler.
Das hat Folgen: Ein Vertreter vertritt nach § 59 Abs. 2 VVG den Versicherer, nicht dich. Er hat keine Sachwalterstellung. Die DVAG ist vollständig in den Generali-Konzern eingebunden, ihre Berater können ausschließlich Generali-Produkte vermitteln. Und was noch viel wichtiger ist: Im Gegensatz zu einem Versicherungsmakler haftet ein Vertreter nicht direkt für seine Empfehlung und muss auch keine Beratungsdokumentation erstellen.
Das erschwert es dir im Streitfall entsprechende Nachweise einer Falschberatung zu erbringen. Gerade bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen im Antrag stoße ich hier immer wieder auf abenteuerliche Konstellationen.
Ein neutraler Vergleich mit Allianz, Barmenia, Hallesche, Signal Iduna oder 35 anderen Anbietern ist zudem schlicht nicht möglich.
Noch folgenreicher: Eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Gesellschaften gleichzeitig ist über einen gebundenen Vertreter ausgeschlossen. Stattdessen wird mit Probeanträgen gearbeitet, bei denen deine Angaben im System des Versicherers gespeichert werden können, was spätere Antragsstellungen bei anderen Gesellschaften belasten kann.
Online-Vergleichsportale wie Check24 sind rechtlich zwar ebenfalls Versicherungsmakler und erhalten dieselbe Courtage, leisten aber meist keine detaillierte Gesundheitsaufarbeitung, keine anonyme Risikovoranfrage und keine individuelle Beratung. Zudem unterzeichnest du zeitgleich mit dem Abschluss meist einen Beratungsverzicht, was den Vermittler von jeglicher Haftung befreit.
Sollte es später zu Problemen, wie zum Beispiel einer Prüfung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kommen, stehst du ggf. komplett mit leeren Händen da, wenn der Versicherer rückwirkend eine Kündigung ausspricht. Für einen ersten Überblick über Beitragsniveaus kann ein Vergleichsrechner nützlich sein. Für eine Entscheidung, die du möglicherweise 40 Jahre lang mit dir trägst, ist er keine ausreichende Grundlage.
Wer dich unaufgefordert anruft und Beitragsersparnisse verspricht, ohne deinen aktuellen Tarif zu kennen, sendet ein klares Warnsignal. Seriöse Berater rufen nicht kalt an und versprechen nichts, bevor sie deine Situation kennen.
Der PKV-Verband hat mehrfach vor solchen Anrufern gewarnt, die hohe Erfolgshonorare verlangen und Tarifwechsel empfehlen, die nicht deinen Interessen dienen.
Woran erkennst du einen guten Berater im Erstgespräch?
Das Erstgespräch zeigt schnell, mit wem du es zu tun hast. Ein paar Dinge, auf die du achten solltest:
Ein seriöser Berater legt seinen Status beim ersten Kontakt offen. Er sagt dir, ob er Makler, Vertreter oder Honorarberater ist, und händigt dir eine Erstinformation nach § 15 VersVermV aus. Er fragt nach deiner Gesundheitshistorie, bevor er irgendetwas empfiehlt. Er kündigt eine anonyme Risikovoranfrage an.
Er macht keinen Druck und nennt keinen Wunschversicherer, bevor er deinen Fall kennt.
Warnsignale sind das Gegenteil davon:
- Der Berater nennt im ersten Gespräch einen bestimmten Versicherer als Empfehlung, ohne deine Gesundheitshistorie zu kennen.
- Es werden keine Fragen zu Vorerkrankungen gestellt.
- Eine anonyme Risikovoranfrage wird nicht erwähnt.
- Du bekommst Zeitdruck oder ein Angebot, das heute noch unterschrieben werden soll.
- Es gibt keine Ankündigung einer schriftlichen Beratungsdokumentation.
Wenn du unsicher bist, prüfe den IHK-Status unter www.vermittlerregister.info. Das dauert zwei Minuten und gibt dir sofort Klarheit darüber, mit wem du es zu tun hast.
Was gilt für besondere Personengruppen?
Beamte brauchen eine Beratung, die das Beihilferecht des jeweiligen Bundeslandes kennt. Die Beihilfesätze variieren, die Restkostenversicherung muss darauf abgestimmt sein. Viele Generalistenmakler kennen diese Feinheiten nicht.
Ein Grund, warum selbst ich, obwohl ich PKV-Spezialist bin, keine Beamtentarife berate, sondern Anfragen an einen Kollegen bei uns im Haus weitergebe. Das Thema ist innerhalb der Sparte PKV einfach noch mal sehr viel komplexer und erfordert Spezialisten, die sich auf dieses Thema fokussiert haben.
Wer als Beamter beraten werden will, sollte gezielt nach Maklern mit Beihilfeschwerpunkt suchen oder die Verbraucherzentrale nutzen, die in vielen Bundesländern spezielle Beratungsangebote für Beamte anbietet.
Wer Vorerkrankungen mitbringt, braucht zwingend einen Makler mit echter Erfahrung bei anonymen Risikovoranfragen. Die Bandbreite der Ergebnisse zwischen verschiedenen Gesellschaften kann erheblich sein: Eine Gesellschaft lehnt ab, eine andere nimmt normal an.
Das lässt sich nur durch eine breite, anonyme Ausschreibung herausfinden, nicht durch einen einzelnen Antrag.
Ärzte, Zahnärzte und andere Heilberufler haben Zugang zu Sondertarifen, die besondere Beratungsexpertise erfordern. Nicht jeder Makler kennt diese Tarife oder hat Zugang dazu.
Wie gehst du am besten vor?
Erst den IHK-Status prüfen unter www.vermittlerregister.info, bevor du irgendwelche persönlichen Daten weitergibst. Dann schauen, ob PKV ein erkennbarer Schwerpunkt des Beraters ist und ob es verifizierbare Kundenbewertungen gibt.
Im Erstgespräch die Vergütung direkt ansprechen und fragen, ob eine anonyme Risikovoranfrage gemacht wird. Wenn du nach dem Erstgespräch ein Angebot bekommst, das dich nicht vollständig überzeugt, hol dir eine Zweitmeinung, bei einem anderen Makler oder bei der Verbraucherzentrale.
Wenn du direkt mit jemandem sprechen willst, der auf PKV spezialisiert ist: Ich bin Marcus, freier Versicherungsmakler mit Schwerpunkt private Krankenversicherung. Die Beratung durch mich oder einen Spezialisten aus meinem Netzwerk ist für dich kostenlos und unverbindlich.
